Redouane Ahrouch schaute die Moderatorin Emmanuelle Praet nicht an, als sie mit ihm sprach. © rtl-tv

Redouane Ahrouch schaute die Moderatorin Emmanuelle Praet nicht an, als sie mit ihm sprach.

Ein Handschlag-Verweigerer erleidet Wahlschlappe

Barbara Marti / 11. Nov 2018 - Von Scharia, Geschlechtertrennung, Polygamie, Kinderehe und Abtreibungsverbot will man in Belgien nichts wissen.

Bei den Gemeindewahlen in Belgien hat die Partei «ISLAM» kürzlich ihre beiden einzigen Sitze verloren, berichten belgische Medien. In 28 Gemeinden waren Kandidaten angetreten. Alle scheiterten.

Polygamie und Geschlechtertrennung

«ISLAM» steht als Abkürzung für «Integrität, Solidarität, Freiheit, Authentizität, Moral». Die Partei war 2012 gegründet worden und hatte auf Anhieb je einen Sitz in den Gemeinden Anderlecht und Molenbeek erobert. Die Parteigründer rechneten mit weiteren Erfolgen, weil der muslimische Bevölkerungsanteil in Belgien weiter wachsen werde. Ziel der Partei ist eine «islamistische Demokratie» mit Scharia statt Zivil- und Strafgesetzbuch, Polygamie, Kinderehe, Geschlechtertrennung im öffentlichen Raum, Verbot der Abtreibung, höheren Hürden für Scheidungen. Männer und Frauen sollen einander nicht anschauen und nicht die Hand geben.

Parteigründer demütigt Journalistin

Redouane Ahrouch, Mitgründer der Partei und bis vor den Wahlen Gemeinderat in Anderlecht, hatte im Frühjahr für landesweite Empörung gesorgt, als er vor einer Sendung des französischsprachigen TV-Senders RTL es ablehnte, sich von einer Frau schminken zu lassen. Moderatorin Emmanuelle Praet gab er die Hand nicht und während der Sendung vermied er den Blickkontakt mit allen anwesenden Frauen. Praet sagte nach der Sendung, dass sie sich noch nie in ihrem Leben so «gedemütigt und beleidigt» gefühlt habe. «Ich fühlte mich weniger als nichts und was mir Angst macht ist, dass ich nicht das Gefühl hatte, dass es ein Spiel war.»

Keine Einbürgerung für Handschlag-Verweigerer

In der Schweiz hat die Stadt Lausanne im Sommer einem muslimischen Paar die Einbürgerung verweigert, weil die beiden beim Einbürgerungsgespräch Behördenmitgliedern des anderen Geschlechts die Hand nicht geben wollten. Zudem wollten sie Fragen des anderen Geschlechts nicht beantworten. Stadtrat Pierre-Antoine Hildebrand (FDP), der für die Einbürgerungen verantwortlich ist, sagte laut «Tages-Anzeiger», die in der Schweizer Verfassung verankerte Gleichstellung stehe über dem «Fanatismus». Der Entscheid sorgte weltweit für Aufsehen. Die niederländisch-amerikanische Islamkritikerin Ayaan Hirsi Ali twitterte: «Ich applaudiere den Schweizer Behörden, dass sie sich für die Rechte der Frauen einsetzen, indem sie auf dem Händeschütteln zwischen den Geschlechtern beharren.»

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine. Barbara Marti ist Redaktorin und Herausgeberin der Online-Zeitung «FrauenSicht».

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3 Meinungen

Hervorragendes Lehrstück dafür, wie islamistischer (nicht islamischer!) Fanatismus sich selbst entlarvt und blosstellt und durch reifes, demokratisches Verhalten überwunden werden kann. So entsteht Bewusstsein in einer Gesellschaft, auch der eigenen Abwehrkräfte. Die Einbuergerungspraxis von Lausanne brauchen wir überall. Mir gefällt, wie Belgien diese Partei zulässt. Die sich dann öffentlich demontiert und abgestraft wird. Das ist Demokratie! Genau so, für den Respekt und Menschlichkeit von Frauen uns einsetzend, kommen echte Wertschätzung für das Leben selbst zum Ausdruck. Die sollen nur ihr wahres Gesicht zeigen müssen, die Schariafanatiker. Allerdings ersehnte ich mir auch den Tag, da Einwanderer aller Art ganz fantasielos zu wählen haben: hiesige Gesetzgebung oder Scharia? Alternativlos, sonst wird ausgewiesen.
Urs Scherler, am 11. November 2018 um 11:15 Uhr
Nicht nur Frau Praet, auch alle anderen Frauen haben es verdient und gemäß den Landesverfassungen auch Anspruch auf «gleichberechtigten» Umgang. Die schweizer Verfassung oder das deutsche Grundgesetz sind in diesem Gleichheits-Punkt höherrangig als Details der «Religionsfreiheit» einzelner Religionen oder Splittern davon und es ist das einzig richtige, hier gleich klare und deutliche Grenzen zu setzen.

Was da in Lausanne (richtig) lief, ist in mancher deutschen Stadt leider nicht wirklich genauso selbstverständlich. Dort ist man manchmal eher darauf bedacht, ja nicht «ausländerfeindliche Tendenzen» zu fördern, als den derart gegen die Verfassung verstossenden Ultra-Islam geeignet zu bekämpfen. Dies dann auch manchmal zu Lasten der Frauenrechte. Zugegebenermassen ein manchmal schmaler Grat aber die Lausanner haben das völlig richtig gehandhabt!

Werner Eisenkopf
Werner Eisenkopf, am 11. November 2018 um 16:00 Uhr
Dann können wir Frauen ja hoffen, dass die reaktionären Angriffe auf Abtreibung und Scheidung und für moralische Kleiderordnung genauso gebodigt werden, wenn sie von anderen Ecken kommen. Siehe Italien
nani moras, am 12. November 2018 um 18:07 Uhr

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