Trümmer eines Angriffs auf eine Beerdigungssfeier im Jemen 2016. © The Intercept
So stieg der Aktienkurs der Waffenschmiede Lockheed Martin

So profitiert die US-Waffenindustrie von den Kriegen im Ausland

Red. / 24. Sep 2018 - Dass ihre Verträge oft nationales und internationales Recht verletzen, kümmert die Waffenhersteller nicht. Krieg ist profitabel.

Ein saudischer Angriff auf einen jemenitischen Schulbus im August 2018 war einer der seltenen Momente, in denen die Öffentlichkeit die Herstellung von Waffen direkt mit deren tödlicher Wirkung in Verbindung bringen konnte. Fachleute bestätigten anhand von Fragmenten, dass die Bombe, durch die 97 Menschen starben, vom Unternehmen Lockheed Martin in den USA gefertigt worden war.

Lockheed Martin ist der grösste Waffenproduzent der Welt. Während der vergangen drei Jahre konnte das Unternehmen seine Umsätze unter anderem durch Waffenverkäufe an Saudi Arabien ständig steigern. Ein Geschenk der Trump-Administration, das allerdings bereits in der Regierungszeit von Barack Obama begonnen hat. Von dessen rekordhohen Militärausgaben profitierte vor allem General Dynamics, eine andere grosse Waffenschmiede. Dabei geht es nicht nur um Panzer, Drohnen und Gewehre. Neben Waffen enthalten die Verträge auch Vereinbarungen zu Training, Wartung und Instandhaltung.

Der Krieg wird outgesourced

Statt Soldaten exportieren die USA mittlerweile Waffen, sagt die Menschenrechtsaktivistin Medea Benjamin in einem Interview mit dem Videonachrichtensender «The Real News». Die Gründerin des Frauennetzwerks Codepink und der Menschenrechtsorganisation Global Exchange setzt sich seit 40 Jahren für soziale Gerechtigkeit ein.

Benjamin ist in einem Bericht für Codepink den Waffenverkäufen von Lockheed Martin, Boeing, Raytheon, Northrop Grumman und General Dynamics mit den Ländern Israel, Ägypten und Saudi Arabien nachgegangen. Alle fünf Unternehmen gehören zu den zehn grössten Waffenfabrikanten der Welt und haben ihren Sitz in den USA. Der Bericht listet detailliert auf, welche Waffengeschäfte die Unternehmen mit den drei Ländern gemacht haben und wo deren Bomben oder andere Ausrüstung nach Angriffen wie im Jemen gefunden wurden.

Nicht selten verkauften die USA Waffen an Regierungen, die internationales Recht verletzten, stellen Benjamin und ihr Co-Autor Nicolas J. S. Davies fest. Nach US-Gesetzen ist das nicht erlaubt. Angriffe direkt auf Zivilisten, wie im Jemen bereits öfter geschehen, haben sie nicht verhindert. In Ägypten, wo ein repressives Regime herrscht, berief sich die US-Regierung nach einem kurzen Embargo auf Verträge, die noch vor der Machtübernahme durch Sisi abgeschlossen worden waren. Andere Lieferungen gingen an Israel, wo Waffen aus den USA in Gaza eingesetzt werden, was Codepink als Repression wertet. Auch dort gab es Tote.

Unterstützung geht durch beide US-Parteien

Der Rückhalt der Waffenproduzenten ziehe sich durch beide grossen US-Parteien, sagt Benjamin. Mit den Geldern der Waffenindustrie werden Wahlen gewonnen und verloren. 55 Prozent der Lobbygelder landeten bei Republikanern, 45 Prozent bei Demokraten. Es gebe keinen Distrikt der USA, in dem nicht ein Teil irgendeiner Waffe hergestellt werde. Bei jeder Einschränkung der Waffenproduktion gehe es unter anderem um Arbeitsplätze, wird argumentiert. Und natürlich um Profit.

Den nächsten Kriegsschauplatz ortet Benjamin unter anderem im Iran. Boeing beispielsweise sei über ein entgangenes Geschäft über 20 Milliarden Dollar infolge des jüngsten Embargos nicht übermässig besorgt, zitiert sie den CEO. Mit einem Konflikt verdiene die Firma sogar mehr, habe er gesagt.

Der Report von Codepink ist Teil einer Kampagne, die Investoren zum Umdenken bewegen soll, ähnlich wie schon im Bereich des Umweltschutzes. Dort hat sich gezeigt: Profite lassen sich auch mit umweltfreundlichen, nachhaltigen Technologien machen.

Superreiche und Reiche, aber auch Banken und Pensionskassen verdienen Geld mit dem Krieg: als Beispiel der Aktienkurs von Lockheed Martin. Der steile Aufstieg begann schon unter Barack Obama so um 2012.

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Diesen Beitrag hat Daniela Gschweng aufgrund eines Berichts von «Codepink» und anderer Quellen erstellt.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

keine

Weiterführende Informationen

«War Profiteers: The U.S. War Machine and the Arming of Repressive Regimes», Codepink
«Merchants of Death: How the Military-Industrial Complex Profits from Endless War», The Real News
«Who are the world’s biggest arms companies?», Al Jazeera, Oktober 2017

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3 Meinungen

Das ist kein Wunder, im US- Kongress sitzen 51% Mltimillion�re und die bestimmen die Politik sowie den Pr�sidenten. Aus der Demokratie wurde die Moneycracy und die wird mit Waffengewalt, weltweit organisiert (CIA Co. Power-Change) und dann durch illegale Kriege, mit Hilfe der Nato, durchgef�hrt und verteidigt. F�r die Millionen von Fl�chtlingen und Toten �bernehmen diese Miliard�re keine Verantwortung.
Bruno Denger, am 24. September 2018 um 13:17 Uhr
Die Nationalbank, die Grossbanken, Versicherungen und Pensionskassen investieren auch in die profitablen Rüstungskonzerne der USA, sogar in Firmen die verbotenen Waffen herstellen wie Atombomben, Streubomben und Antipersonenminen. Der Bundesrat unternimmt gegen diese Deals nichts. Wer irgendeinem irren Terroristen eine Pistole verkauft wird hart angefasst. Wer Staaten die Kriege führen Waffen liefert, für den Terror mit dem grossen Budget dem Krieg, wird von der Justiz nicht belangt, hat das Einverständnis des Bundesrates. Geschäft ist Geschäft. Dabei ist Waffenexport «Beihilfe zum Mord».

Die Pensionskasse der Stadt Zürich investiert immerhin kein Geld mehr in Konzerne die an der Produktion von verbotenen Waffen wie Atombomben, Streubomben und Antipersonenminen beteiligt sind aber immer noch in Rüstungskonzerne die «gewöhnliche» Waffen produzieren. Gut wäre es, wenn die Pensionskasse der rot-grünen Stadt Zürich auch nicht mehr in Firmen investieren würde die gewöhnliches Kriegsmaterial herstellen, wie Kampfflugzeuge, Panzer und Raketen.

Wir haben heute schon genug Kriege und über 70 Millionen Flüchtlinge, zu einem grossen Teil verursacht durch diese organsierten Massenmorde, an denen sich Investoren bereichern. Meine Pensionskasse der SBB legt die Gelder immer noch in Firmen an die Atombomben und Streubomben herstellen, wie sie mir schrieb. – Aber was soll’s wichtig ist, dass uns Herr Meier der SBB jetzt schnelle Internetverbindung beim Eisenbahnfahren versprochen hat.
Heinrich Frei, am 24. September 2018 um 15:04 Uhr
Wenn unser Planet Erde eine Zukunft haben soll, dann muss die bereits viel zu lange dauernde und wachsende Komplizenschaft zwischen der Finanzierung (Banken) durch ein täuschendes und destruktives Geldsystem, den Regierungen und den Rüstungsindustrien im Namen des Profits, der Machtausübung und der Kontrolle, welche auf Kosten einer überwiegenden Mehrheit der Menschheitsfamilie gespielt wird, beendet werden.
Dafür braucht es die Einhaltung des Prinzips der Gewaltlosigkeit, speziell des UNO-Gewaltverbots von 1945, Art. 2.
Mit der auf Dominanz beruhenden Eskalations-Strategie von NATO/USA, der seit Jahrzehnten zunehmenden Militarisierung und der Verbreitung von Gewalt in unserer Gesellschaft sind wir auf dem Weg in den nächsten Krieg, auch in Europa.
Die Zeichen sind in Livorno, Bremerhaven, Ramstein, etc. und im Aufbau von Feindbildern täglich unübersehbar.

Wenn wirtschaftlicher, finanzieller und ziviler Gehorsam Kriege fördert, wird ziviler Ungehorsam Pflicht.

https://www.friedenskraft.ch/ - werde Mitglied im aktiven Bemühen um Gewaltlosigkeit..
Paul Steinmann, am 26. September 2018 um 13:24 Uhr

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