Mit Überschall-Geschwindigkeit einem Jumbo-Jet hinterher: F-16 © USAF

Mit Überschall-Geschwindigkeit einem Jumbo-Jet hinterher: F-16

Wenn die Nato (zu) schnell fliegt...

Christian Müller / 11. Dez 2011 - Ein Zwischenfall über Deutschland mit Überschall-Knall wäre Anschauungsunterricht zur Kampfjet-Diskussion in der Schweiz gewesen.

Braucht die Schweiz überhaupt neue Kampfjets? Und wenn ja, was für welche? Wozu werden sie eingesetzt? Wozu müssen sie taugen?

Am 7. Dezember verrieten zwei belgische Kampfjets vom Typ F-16, wozu sie - öfter als angenommen - zum Einsatz kommen: zum Abfangen verdächtiger Flugzeuge, und dies auch in Friedenszeiten.

Am letzten Mittwoch nämlich erschraken Mittags kurz nach 12 Uhr Tausende von Menschen im Rhein-Main-Gebiet in Deutschland: Sie hörten einen lauten Knall und fühlten eine Erschütterung. War vielleicht in der Stadt Koblenz doch noch eine der Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg explodiert, die Tage zuvor entschärft worden waren? Oder war es ein Erdbeben? Oder was sonst? Die Telefone zur Polizei liefen heiss. In Wiesbaden stieg sogar ein Polizei-Helikopter auf, um Nachschau zu halten, was da passiert sein könnte.

Die Nato wusste Bescheid

Drei Stunden später war alles klar. Zwei belgische Kampfjets vom Typ F-16 hatten den Auftrag gehabt, eine Boeing 747 abzufangen. Der Jumbo-Jet aus Oman flog ohne Funkkontakt über die belgischen und deutschen Lande. Zu diesem Zweck mussten die belgischen Kampfjets ziemlich schnell aufdrehen - zu schnell, um unbeachtet zu bleiben: sie flogen mit Überschall-Geschwindigkeit und verursachten damit den berühmt-berüchtigten Überschall-Knall, der zwischen Koblenz und Wiesbaden grossen Schreck verbreitete.

Die beiden F-16 konnten allerdings auch ganz schnell wieder abdrehen. Der aus London kommende Jumbo-Jet, der offenbar zur Privat-Flotte des Sultans von Oman gehörte, meldete sich per Funk im Netz zurück und gestand eine kleine Fehlmanipulation. Nichts da mit einem Angriff von Terroristen.

Terroristen-Bekämpfung seit 9/11

Seit 9/11 steigen die Nato-Jets jedesmal auf, wenn ein Tower «losscom» meldet, Verlust des Funkkontakts zu einem Flugzeug, auch wenn es ein normales Verkehrsflugzeug ist, wie es anlässlich 9/11 ja auch der Fall gewesen war. Abwehr von potenziellen Terroristen-Angriffen eben. Die deutsche Lufwaffe gab bei dieser Gelegenheit bekannt, dass sie das etwa 40 mal im Jahr tut. Meistens sind es «normale» Piloten-Fehler, die zum Abbruch des Funkkontaktes führen.

Und in der Schweiz?

Wie wird das in der Schweiz gehandhabt? Gibt es auch die die Befehle zum Abfangen? Sind die (bisherigen) Schweizer Kampfjets auch so schnell in der Luft?

Die Schweizer Presse beschäftigt sich zurzeit mit den Bundesratswahlen und mit der SVP. Die Kampfjets interessieren im Moment nur wegen des Typen-Entscheides des Bundesrates, der nicht den Erwartungen entsprach.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine

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Eine Meinung

Ein ausgezeichnetes Beispiel, wie Journalismus eben nicht funktionieren sollte: Spekulation statt Recherche, an den Haaren herbei gezogene Argumente und Meinungsmache statt rationale Aufklärung.

Beginnen wir mit dem Offensichtlichsten: Auch wenn die F/A-18 zugegebenermassen nicht das neueste Flugzeug ist, mit einem Passagierflugzeug sollte sie keinerlei Schwierigkeiten haben.

Noch wesentlich mehr ärgert mich allerdings das Fehlen jeglicher Recherche. Die meisten Informationen sind leicht auf der Webseite der Luftwaffe zu finden. Und mit einer freundlichen Anfrage an die Kommunikations-Stelle wären wohl noch mehr Antworten erhältlich.

Ob der Artikel einfach nur mässig sei, oder aber ein plumper Versuch, Terror-Panik zu schüren um die neuen Flugzeuge zu vermarkten, sei dahin gestellt.
Lukas Brülisauer, am 12. Dezember 2011 um 09:27 Uhr

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