Vorbilder statt böse Buben

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Jürg Müller-Muralt / 04. Feb 2015 - Der Think-tank, der Angela Merkel berät, hält grosse Stücke auf die neue griechische Regierung.

Noch ist unklar, wie renitent sich die soeben mit Macht aufs politische Parkett gestürmten «bösen Buben» in Griechenland in Zukunft aufführen werden. Klar ist bloss, dass die Skepsis gegenüber ihren Vorstellungen und Plänen in Rest-Europa gross ist – vor allem und in höchstem Masse bei der deutschen Regierung. Da ist es schon bemerkenswert, dass ausgerechnet die Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin, die diese deutsche Regierung berät, im Grunde nur Positives im Athener Machtwechsel zu erkennen vermag.

Nur wenige Tage vor der Parlamentswahl vom 25. Januar 2015 erschien auf der SWP-Homepage ein Beitrag, welcher das kurz darauf siegreiche Linksbündnis Syriza als «ernsthafte Alternative» anpreist: Denn «mit einer Abwahl der alten politischen Elite in Griechenland würden sich die Chancen verbessern, das Vertrauen zwischen Staat und Gesellschaft wiederherzustellen.» Im Vordergrund müsse die Überwindung des «klientelistischen Systems» stehen, dann könnten tiefgreifende Reformen nicht nur geplant, sondern auch durchgesetzt werden.

Syriza voll im Trend

Steuergerechtigkeit müsse «die Grundlage eines neuen politischen Deals» sein. Im Übrigen sei auch der internationale Kontext günstig, «denn nicht nur Griechenland leidet unter Steuerungerechtigkeit. In der EU sollen Steuerschlupflöcher gestopft werden, und die OECD und die G20 sind dabei, die internationale Zusammenarbeit gegen Steuerhinterziehung und Steuervermeidung voranzubringen.» Mit anderen Worten: Die Syriza-Regierung liegt laut SWP voll im Trend. Jetzt muss der gemäss Eigendeklaration «grösste Think-tank Europas» bloss noch Angela Merkel von diesem Tatbestand in Kenntnis setzen.

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Keine

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Eine Meinung

Ich muss zugeben, dass mich diese neue griechische Manschaft stark an 68 erinnert, aber auch die Schlussfolgerung meines Buches zur «Impossibilité de rembourser la dette», d.h. des unrealistischen Charakters der Strukturanpassungsprogramme des IWF/IBRD der 90er Jahre mit neuen Daten dokumentiert.

Wenn alle Bemühungen zur Schuldentilgung in der nominellen Erhöhung der Gesamtschuld resultieren muss etwas faul im System sein.

Ökonomen sollten manchmal über ihren Schatten springen und die überalterten Rezepte ihrer Finanzkochbücher neu überdenken.
Josef Hunkeler, am 04. Februar 2015 um 23:33 Uhr

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