Ueli Maurer stinkt‘s wieder mal

Monique Ryser © Infosperber
Monique Ryser / 10. Jul 2020 - App nein, aber Cryptogeld ja. Oberster Personalchef, aber kein Verständnis für Homeoffice.

Häme und Unverständnis prasselten auf Ueli Maurer ein, weil er die Corona-App – «i chume da nid druus» – nicht installiert hat (Samstagsrundschau SRF). Dass er die Swisscovid-App nicht auf seinem Handy will, sei ihm unbenommen, es ist schliesslich freiwillig. Schlimmer, und das wurde in den aufgeregten Kommentaren und Posts nicht gesagt: Ueli Maurer war bis vor kurzem der Schweizer Digitalminister. Das Bundesamt für Informatik ist in seinem Finanzdepartement angesiedelt, Maurer leitet den Steuerungsausschuss zu E-Government, er will die Schweiz als «Zentrum für neue Technologien» positionieren, bei Fintech und Blockchain-Technologie solle die Schweiz immer «zwei Schritte Vorsprung haben» und die Zuger Venture Capital-Firma CV VC AG beschreibt ihn gar als «Blockchain-Enthusiasten» und als «good news für Switzerland … er hat das Charisma zu überzeugen.»

Vor Kurzem hat der Bundesrat nun aber beschlossen, dass sich neu ein Ausschuss von drei Bundesräten mit der «Informatiksteuerung» befassen soll – ist das Zitat «i chume da nid druus» also eine Retourkutsche an seine Regierungskolleginnen und – kollegen, die ihm den inoffiziellen Titel Digitalminister weggenommen haben?

Der SVP-Bundesrat ist auch oberster Personalchef des Bundes, ist doch das Eidgenössische Personalamt ebenfalls in seinem Departement angesiedelt. Nun sagte er in oben zitiertem Interview auch, er gehe morgens sehr früh ins Büro und abends sehr spät heim und mit Homeoffice könne er sich nicht anfreunden. Konsequenterweise hat er während des Corona-Lockdowns auf Sitzungen verzichtet, wenn man nicht gemeinsam am Tisch sitzen konnte. Und er hat sich laut gefragt, ob man Personen, die zu Hause arbeiten, überhaupt noch brauche. Mitten in der Krise entliess er dann seine vier Referenten, «weil sie keinen Mehrwert bringen», wie der Blick zitierte. Referentinnen und Referenten hat jeder Bundesrat und jede Bundesrätin. Sie bereiten die Bundesratsgeschäfte vor – das können über hundert pro Sitzung sein – sie holen Zusatzinformationen rein, fassen zusammen, schreiben Entscheidungsgrundlagen und sind auf Themen spezialisiert. Oder einfacher gesagt, sie helfen, wenn der Chef «nid druus chunnt». Dass sie keinen «Mehrwert» haben, stellte Ueli Maurer übrigens erst nach geschlagenen viereinhalb Jahren fest. Ob es gute Personalführung ist, vier Leute mit dieser Begründung zu entlassen, kann ihm die Chefin des Personalamtes sicher mal erklären - wenn es ihn denn interessiert. Denn das Problem von Ueli Maurer ist ja vielleicht nicht, dass er «nid druus chunnt», sondern dass er ganz einfach das Interesse am Job verloren hat. Das würde aber heissen, dass auch er keinen Mehrwert mehr bringt.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine

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6 Meinungen

Ob «drus cho oder nöd» - einmal im Ernst: Unser privates Handy wird immer mehr für alle möglichen Zwecke in Beschlag genommen. Ohne Handy als Authentisierungsmodul und Accesspoint kann ich und viele andere heute nicht mehr seinem Erwerb nachkommen Das hat absolute Priorität. Wenn dann die Batterie noch reicht und die Sicherheit gewährleistet ist, können wir über Bluetooth und darauf aufbauende Apps reden. Ich freue mich, in einem Land zu leben, wo auch ein Bundesrat ganz spontan einmal auch seine eigenen Gedanken äussern kann.
THOMAS OETTLI, am 10. Juli 2020 um 13:14 Uhr
gehen wir zu Maurers Gunsten davon aus, dass er einen mittelfristigen Horizont hat. Und als Arbeitgeber seiner 4 Leute daran denkt, dass er sie im nächsten Jahr nicht mehr braucht - sage als Politiker nie deine Motive! und ihnen nun eine Chance gibt, sich neu zu orientieren...

Er wird sich wohl ebenso neu orientieren, bald kommt ja die Zeit der Bilanzen - sie werden verheerend sein.
Vielleicht schade, wenn einer, der bei der irren Funkerei so zurückhaltend zu sein scheint, nun abtritt. Kommt nun sicher so eine*r, der meint, 5G sei der Inbegriff der Digitalisierung und unerlässlich für das Volkswohl - das hatten wir schon mit BR Leuthard, die sich bei «Hochfrequenz» auf die Zehenspitzen stellte...Kleiner, gerne empfohlener Sommerspass hier: http://www.mobilejoe.ch/neu/news/wlan_info_news_kaiserschmarren.html
Hansueli Stettler, am 10. Juli 2020 um 13:37 Uhr
Jetzt lönd emol de Ueli si.
Er isch de einzig BR wo no mönschlichi Züg erkenne loht.!
freddy ringier, am 10. Juli 2020 um 15:17 Uhr
Wow! So knapp und auf den Punkt gebracht kann guter Journalismus sein! Vielen Dank Frau Ryser!
Carlos Molina, am 11. Juli 2020 um 04:35 Uhr
Ich hätte diese Referenten auch entlassen, wenn sie immer wieder das mögliche Budget fürs nächste Jahr falsch dargestellt hätten, um nachher einen Gewinn einzufahren. Ausserdem produzieren die nur Papiere, welche man alle lesen müsste - und der Ueli verlässt sich nun mal auf seinen Bauch-Entscheid - Papiere stapeln für die Nachwelt, welche nur Fehlentscheide beinhalten oder aufdecken könnten, würde ich auch minimieren. Ob gut oder nicht?
Carlos Werner Schenkel, am 11. Juli 2020 um 09:02 Uhr
Ob Akten shreddern, Panzer «finden», FIS - Heer/ Duro/ Gripen, oder Finma.
"Kä Luscht» «Kä English» «Digital - isch mir doch egal"
Der ändert sich nimma....ich find's fatal.
Doch die App nicht zu installieren find ich ok. denn gefüttert wird sie mit Daten erhoben mit einem Testkit, das sowieso 15% falsch Positive resultate liefert. also bei jedem 6.66ten was falsches anzeigt. Wenn man dann noch die falsch negativen hinzunähme.....2/3 richtige ergebnisse?
Da lobe ich mir die theoretische Autoprüfung. Mehr als 1% falsch darf da nicht sein.
Claude Fontana, am 13. Juli 2020 um 10:49 Uhr

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