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Dick Black, Senator des US-Bundesstaats Virginia, im syrischen Staatsfernsehen

«Ohne die USA hätte es diesen Krieg in Syrien nie gegeben»

Red. / 07. Jan 2019 - Der konservative republikanische Senator im US-Bundesstaat Virginia, Dick Black, hält zu Präsident Baschar al-Assad.

upg. Er hat Syrien mehrmals bereist und sieht die Verantwortung für das Desaster in Syrien in erster Linie bei den USA. Infosperber hat einen aktuellen Artikel von Dick Black übersetzt und stellt ihn zur Diskussion. Gerne publizieren wir auch faktenbasierte Gegendarstellungen. Im Propaganda-Krieg über Konflikte ist es schwierig, der Wahrheit auf den Grund zu gehen.

«Die grossen Medien wollen nicht anerkennen, dass die syrischen Truppen und ihre Alliierten den Löwenanteil hatten an der Bekämpfung des IS und der Al-Kaida. Irans Beteiligung am Kampf gegen die Terroristen in Syrien stellen wir als «bösartige Aktivität» hin. Die Tatsache wird übergangen, dass die al-Nusra-Front aus der Al-Kaida hervorging, welche Flugzeuge entführte und 9/11 3000 Amerikaner tötete.

Pulitzerpreis-Gewinner Seymour Hersh schrieb im Jahr 2013, dass die «Defense Intelligence Agency review of Syrian policy» vom Jahr 2012 feststellte, dass das geheime CIA-Programm «Timber Sycamore» vorsah, alle terroristischen Gruppierungen unterschiedslos zu bewaffnen, auch die IS und Al-Kaida.

Es gibt genügend Belege dafür, dass die USA schon im Jahr 2001 planten, die syrische Regierung zu stürzen. Die US-Botschaft in Damaskus erarbeitete eine detaillierte Strategie, um Syrien zu destabilisieren – lange vor dem «arabischen Frühling». Die USA hatten immer zum Ziel, die gewählte, verfassungsmässige, von der Uno anerkannte Regierung zu stürzen.

Es ist widerwärtig zu behaupten, «Assad brachte 500'000 Leute seines Landes um». Wie wenn die von den USA unterstützten Terroristen am Töten nicht beteiligt gewesen wären. Ich habe Hunderte von Enthauptungen und Kreuzigungen online angeschaut: Bei keinen waren syrische Truppen beteiligt. Alle wurden von infernalischen Schmutzkerlen ausgeführt, die wir rekrutiert, bewaffnet und trainiert hatten. Über schwere Kriegsverbrechen, wie die Enthauptung von 250 syrischen Soldaten, nachdem man sie in Unterhosen durch die Wüste jagte, las man in den grossen Medien wenig.

Während einer fünfstündigen Fahrt durch befreite Gebiete in Syrien im letzten September sprach ich mit Schafhirten, Nonnen und Muslimen. Sie drückten greifbare Freude darüber aus, dass sie die syrische Armee von den Terroristen befreite. Und sie zeigten Sympathie für Präsident Assad.

Dieser desaströse Krieg hätte nicht stattgefunden, wenn ihn die USA nicht geplant und durchgeführt hätte. Und er wäre schon vor Jahren zu Ende gegangen, wenn die USA die Trainingslager in Jordanien, der Türkei, Saudi-Arabien und Katar geschlossen hätten.

Dick Black, 74

Der heutige republikanische Senator des US-Bundesstaates Virginia war Berufsmilitär. Im Vietnam-Krieg diente er als Pilot. Später arbeitete er als Jurist im Pentagon. Als Politiker kämpft er gegen Pornografie in Bibliotheken, Abtreibungen und gleichgeschlechtliche Ehen.
Im Jahr 2014 dankte er der syrischen Armee für die «heldenhafte Rettung von Christen in den östlichen Bergen Syriens [an der Grenze zum Libanon]». Er lobte Assad dafür, dass er «die Christen und die kleine jüdische Gemeinschaft in Damaskus mit Respekt behandelt». Es sei offensichtlich, dass «auf Seite der Rebellen vor allem Kriegsverbrecher kämpfen, die mit der Al-Kaida verbunden sind». Dieser Brief stiess in den USA auf heftige Kritik.
Im Jahr 2015 setzte der SI Black auf eine Liste ihrer grössten Feinde und nannte ihn den «amerikanischen Kreuzritter». Der IS verbreitete folgendes Zitat von Black: «Wenn Damaskus fällt, wird die Flagge der IS über Damaskus gehisst ... Innerhalb Monaten werden dann auch Jordanien und der Libanon in die Hände des IS geraten ... Ich glaube, es käme zu einem historischen Vormarsch des Islams in Richtung Europa.»

Der Krieg in Syrien hat mit dem «arabischen Frühling» wenig zu tun, aber viel mit den heimlichen Operationen von CIA, MI-6, Mossad, der türkischen MIT, dem französischen DGSE, der saudischen GID und anderen. Wir trainierten und rekrutierten viel mehr Terroristen als wir töteten. Deren Überlebenden werden wir auch in Zukunft an verschiedenen Orten begegnen.

Es ist bezeichnend, dass – trotz Präsident Trumps Ankündigung des Rückzugs der US-Truppen aus Syrien – bisher offensichtlich noch kein einziger US-Soldat Syrien verlassen hat. Das Argument, es gehe um den Kampf gegen den IS, ist ein Scheinargument. An der Südgrenze von Syrien angrenzend an Jordanien liegt die US-Basis von al-Tanf. Dort gibt es weit und breit keine IS. Die Militärbasis dient einzig als US-Brückenkopf innerhalb Syriens, umgeben von einer 55-Kilomenter No-fly-Zone. Die USA erlauben Syrien nicht einmal, hungernden syrischen Einwohnern zu helfen, die innerhalb der US-Zone leben.

Sollte es Trump mit dem Rückzug der US-Truppen aus Syrien ernst meinen, könnte er die rund 800 dort stationierten Soldaten und ihre Ausrüstung innert 24 Stunden über die Grenze nach Jordanien verlegen. Dass er es nicht tut, zeigt die Doppelzüngigkeit der US-Schattenregierung. Das Pentagon scheint den Obersten Befehlshaber zu ignorieren. Und dieser umgab und umgibt sich mit Beratern, die nicht loyal zu ihm sind – und nicht mit dem amerikanischen Volk.»

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Zum Originalartikel auf englisch

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Ergänzende Informationen

Red. Besonders in geopolitischen Auseinandersetzungen versuchen alle Konfliktparteien, ihre eigenen Absichten zu vertuschen, die Gegenseite zu diskreditieren, falsche Fährten zu legen und die Medien zu instrumentalisieren.
Als Zweitmedium gehen wir davon aus, dass unsere Leserschaft die von grossen Medien verbreiteten Informationen bereits kennt. Deshalb fokussiert Infosperber auf vernachlässigte Fakten, Zusammenhänge und Interessenlagen. Das kann als einseitig erscheinen, soll aber die grossen Medien ergänzen.
Immer mehr Bürgerinnen und Bürger schätzen unsere Zusatzinformationen, um sich eine eigene Meinung zu bilden.

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Infosperber-DOSSIER: Der Krieg in Syrien

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Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Dick Black, 74, ist republikanischer Abgeordneter im Senat des US-Bundesstaates Virginia. Er gilt auch unter den Republikanern als aussenpolitischer Aussenseiter.

Weiterführende Informationen

Dossier: Der Krieg in Syrien

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8 Meinungen

Dieser Artikel erstaunt mich nicht. Dieser zeigt nur Details auf, wie ich die USA seit bald 30 Jahren einschätze. Gestern konnte ich mich mit einem Journalisten, Juristen, Fernsehmacher (SRG), Weltbürger und Philosophen, er ist deutscher Staatsbürger, über dieses Thema austauschen. Nebst vielen andern Aspekten kristallisierte sich in diesem Gespräch heraus, wie Brüssel und Berlin für viele Verbrechen und Hinterhältigkeiten von den USA instrumentalisiert werden. Keiner will es bemerken... ausser Sperber und ein paar wenige.
Peter Geissmann, am 07. Januar 2019 um 14:13 Uhr
Danke, seit Jahren informiere ich mich über den Nahen Osten. Endlich ein Artikel, der auch den Schläfern
die Augen öffnet, hoffe ich. Das Buch von Anderson, «Der schmutzigen Krieg», sehr lesenswert.
Besten Dank nochmals.
Ursula Frey, am 07. Januar 2019 um 15:15 Uhr
Dass Dick Black, Senator von Viginia, «auch unter Republikanern als aussenpolitischer Aussenseiter gilt », also auch oder erst recht unter den Demokraten, das ist nicht nur traurig, sondern das ist das politische und mediale Problem !
Und erinnert an Dick Marty (FDP-CH) oder Willy Wimmer (CDU) usw.
Bernard Pfister, am 07. Januar 2019 um 17:54 Uhr
«Die Tatsache wird übergangen, dass die al-Nusra-Front aus der Al-Kaida hervorging, welche Flugzeuge entführte und 9/11 3000 Amerikaner tötete.» lese ich in diesem sonst sehr interessanten Text des US Senators Dick Black, dem ich sonst beipflichten kann.
Mit diesem Satz von Dick Black wird die Osama Bin Laden Legende aufgewärmt, die besagt Osama Bin Laden, habe die Terrorattacke vom 11. September 2001 organisiert, mit 19 Al Kaida Terroristen, die bewaffnet mit Teppichmessern vier Flugzeuge entführt hätten und 3000 Amerikaner getötet hätten. Terroristen die nicht Cessnas fliegen konnten. Zu diesem Thema sind seit 2001 viele Bücher erschienen die dieses Tausend und eine Nacht Story widerlegen.
Mathias Bröckers und Christian C. Walther verfassten das Buch „11.9. Zehn Jahre danach. Der Einsturz eines Lügengebäudes.
Website von Mathias Bröckers zu 9/11 http://www.broeckers.com/911-2/
Andreas von Bülow: „Die CIA und der 11. September, Neue Erkenntnisse 10 Jahre danach” Bülow war früher in Deutschland Bundesminister unter Helmut Schmidt.
Gerhard Wisnewski, „Operation 9/11, der Wahrheit auf der Spur, 10 Jahre danach: neue Beweise“
Paul Schreyer „Faktencheck 9/11. Eine andere Perspektive 12 Jahre danach
Siehe auch: http://www.911-archiv.net/
Global Research Kanada: http://www.globalresearch.ca/theme/9-11-war-on-terrorism
David Ray Griffin, Band 1, Das neue Pearl Harbour, Band 2, Das neue Pearl Harbour und das Buch, Der mysteriöse Einsturz von World Trade Center 7, Peace Press
Heinrich Frei, am 07. Januar 2019 um 20:13 Uhr
Danke für die Veröffentlichung.
Für mich keine neuen Erkenntnisse, aber hoffentlich für andere Leser.
Vor Zeiten sagte ich mal:
Hoffentlich wird das Wasser der Schweiz nie so kostbar, dass «man» uns deswegen an den Kragen geht.
Albert Deucher, am 10. Januar 2019 um 12:56 Uhr
Liebes Infosperber-Team! Hut ab und vielen Dank, dass ihr hier immer wieder den Finger draufhaltet. Die elenden Kriegsverbrechen und heuchlerische Doppelmoral der westlichen Regierungen in Bezug auf Syrien sind wirklich unerträglich und verdienten mindestens die doppelte mediale Beachtung.
Ich war 2018 «Verleger» der Republik. Die haben dort nicht wirklich was draus gemacht (leider). Was ich dort for das Abo bezahlt habe, werde ich zu einem grossen Teil 2019 euch überweisen. Tschüss Republik - hallo Infosperber!
Gino Brenni, am 11. Januar 2019 um 11:31 Uhr
Nach meiner Wahrnehmung hatten die Kurden in einer wichtigen Phase den grössten Anteil an der Bekämpfung des IS und die werden wieder instrumentalisiert und zerrieben, von wem auch immer. Ich kann diesen Artikel interessiert zur Kenntnis nehmen, aber um ihm einfach zuzustimmen fehlen mir zu viele Belege. Am Vorwissen der bisherigen «Meinungen» habe ich nicht teil. Ich soll jetzt die Beweislast tragen, wenn ich skeptisch bin? Warum sollte ich einen Herrn Black für glaubwürdig halten, dessen Anliegen ich ansonsten bizarr finde? – Ich habe vor dem Beginn des Syrienkrieges Rafik Schamis Buch «Die dunkle Seite der Liebe» gelesen und das hat mein Bild des Regimes in Syrien geprägt. CIA-Aktivitäten mögen zu unserer Realität gehören, aber die lange Geschichte von Folter und Unterdrückung in Asads Syrien gehören ziemlich sicher auch dazu. Der Westen sollte keine Regimes auswechseln, aber er sollte vernünftige demokratische Bestrebungen unterstützen, und dazu war er (waren wir!) nicht willens oder in der Lage. Was sich in Syrien heute abspielt, ist eine Tragödie in jeder Beziehung, und sich zu entlasten, indem man nachträglich einen Hauptschuldigen in eine Geschichte voller Verbrechen auf allen Seiten einführt und damit mutige und integre Akteure der ersten Stunde desavouiert, finde ich nicht überzeugend. Aber die Realität ist vielleicht einfach zu traurig.
Brigitte Hilmer, am 12. Januar 2019 um 20:24 Uhr
Warum sollte ich als Leser von Infosperber indirekt im Auftrag von Herrn Black einen Beitrag zur sogenannten Wahrheitsfindung bieten, der, den Ansichten von Herrn Black zuwiderlaufend, wohl wieder als ein Beitrag zum Propagandakrieg apostrophiert werden müsste? Ich fühle mich weder belogen noch betrogen von den Arbeiten anderer JournalistInnen und vertraue auf die Richtigstellung der Ereignisse durch die Uno und ihre Organe und hoffe, dass dereinst auch syrische HistorikerInnen die Freiheit finden werden, ihre Sicht der Dinge zu veröffentlichen.
Christian Strahm, am 13. Januar 2019 um 16:30 Uhr

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