Johan Galtung setzt sich unermüdlich für Frieden unter den Staaten ein © cc

«Ich liebe die US-Republik, hasse das US-Empire»

Red. / 27. Apr 2015 - Friedensforscher Johan Galtung macht konkrete Empfehlungen für mehr Frieden und weniger Kriege auf der Erde.

Johan Galtung hält die US-Aussenpolitik für kriegstreibend. Er ist überzeugt, dass die USA ihre Rolle als Hüter der Weltordnung aufgeben müssen. Bis im Jahr 2020 werde das «amerikanische Imperium» sowieso zusammenbrechen, schrieb er in seinem Buch «The Fall of the US Empire» bereits im Jahr 2009. Seine Haltung hat er kürzlich mit dem Satz zusammengefasst: «Ich liebe die US-Republik, hasse das US-Empire».

Am 20. April 2015 hat Galtung zwanzig Vorschläge veröffentlicht, wie Kriegsvorbereitungen und -handlungen kriminalisiert und als Straftaten verfolgt werden sollen. Infosperber hat die wichtigsten sinngemäss auf deutsch übersetzt:

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Was alle Staaten unterschreiben sollten

  • Verzicht auf kriegerische Handlungen zur Lösung internationaler Konflikte.
  • Der Besitz von Massenvernichtungswaffen ist eine Straftat.
  • Kriegsprogaganda ist eine Straftat auf der gleichen Stufe wie Rassismus, Sexismus oder Hasspredigten.
  • Gewalt aus politischen Motiven wird als Straftat geahndet (ausser Selbstverteidigung). Das gilt auch für Gewalt von Guerilla-Kämpfern und Terroristen.
  • Das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Menschen gilt auch für Menschen jenseits der Landesgrenzen.
  • Die Selbstverteidigung gegen Angriffe seiner Menschenrechte ist ein Menschenrecht.
  • Prozesse wegen Kriegsverbrechen müssen finanzielle Entschädigungen für Menschen und Natur vorsehen.
  • Namen von Tötenden in Kriegen werden veröffentlicht, um sie persönlich zur Rechenschaft zu ziehen.
  • Namen von Kriegsopfern werden veröffentlicht, als kollektive Solidaritätsbezeugung.
  • Das Unterlassen von Handlungen, die kriegerische Handlungen vermeiden könnten, werden als Straftat geahndet (u.a. unterlassenes Whistle Blowing).
  • Straftaten gegen den Frieden, Kriegsverbrechen und Taten gegen die Menschlichkeit sollen in sämtlichen Staaten verfolgt werden können.
  • Kriegsverbrechen werden nicht mit Gegengewalt geahndet: Zweimal Gewalt fördert den Frieden nicht. Öffentliche Schuld-Geständnisse, Akzeptieren von Schande und Kompensationszahlungen an Opfer sind vorzuziehen.

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Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Johan Galtung, founder of the field of peace and conflict studies. He has spent the past half-century pursuing nonviolent conflict resolution in international relations. His latest book is called The Fall of the US Empire, in which he predicts the collapse of the American empire in ten years, by 2020.

Weiterführende Informationen

Interview mit Johan Galtung über die US-Aussenpolitik
Galtungs 20 Empfehlungen zur Bestrafung von Kriegshandlungen

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3 Meinungen

Seine Voraussage, dass das amerikanische Imperium bis 2020 zusammenbrechen wird kenne ich. Sie ist auch gut begründet. Zu seinem Zu oben stehendem Vorschlag kann ich nur sagen: «si vis pacem para bellum», wenn du Frieden willst bereite den Krieg vor. Der Mensch hat eine Doppelnatur, er ist zum Guten und Bösen fähig. Das wird sich nie ändern. Es ist Teil unserer Daseinsberechtigung diese Doppelnatur zu erkennen und das Böse zu mindern. Die Vorschläge von Galtung sind schön aber sie sind nicht realisierbar.
Ulrich Hertig, am 27. April 2015 um 12:04 Uhr
Dass solche Vorschläge nicht realisierbar sind, mag sein. Wenn wir aber so denken, wird es bleiben wie es ist. Wenn wir aber an «Utopien» glauben, bewegen wir uns in diese Richtung, und wer weiss, vielleicht kommen wir weiter, wenn auch nur in kleinen Schritten, aber immerhin.
Hans Arnold, am 27. April 2015 um 14:07 Uhr
TRANSCEND «A Peace Development Environment Network» inspiriert von Johan Galtung bietet einen wöchentlichen (Montag) Media Service mit aktuellen Artikeln zu Frieden + . Jedesmal mit einem Leitartikel von Johan. Diese Woche passend zum Thema Fall des US-Imperiums:

The West against Itself by Johan Galtung, 27 Apr 2015 Jondal, Bergen, Kristiansund – Norway

The West–North America and Europe to somewhere in Mexico and Ukraine– declines, outcompeted economically, defeated militarily, confronted politically, contested culturally. But still strong on all four, with much to offer in a more egalitarian world. No need to fall further by working against itself.

(.... https://www.transcend.org/tms/2015/04/the-west-against-itself/ ). Ohne Paywall, leider fast alles englisch.

Werner T. Meyer
Werner Meyer, am 27. April 2015 um 16:36 Uhr

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