Die WHO braucht weltweit Beobachter und mehr Staatsgeld

Andreas Zumach © az
Andreas Zumach / 20. Mai 2020 - Washington nutzte die Generalversammlung für Vorwürfe. Doch auch die Europäer müssen Solidarität erst noch beweisen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist eine Marionette Chinas. Beide gemeinsam sind verantwortlich für die weltweite Verbreitung des Coronavirus, das in einem chinesischen Labor gezüchtet wurde. Mit diesen Falschbehauptungen rechtfertigt US-Präsident Donald Trump seine finanziellen Boykottmassnahmen und Austrittsdrohungen gegenüber der WHO und versucht von seinen eigenen gravierenden Fehlern im Umgang mit der Pandemie abzulenken. Denn diese Fehler könnten ihn durchaus die Wiederwahl im November kosten.

Das Coronavirus wurde von US-Milliardär Bill Gates gezüchtet. Er kontrolliert die Weltgesundheitsorganisation und will im Interesse der Pharmakonzerne einen weltweiten Impfzwang durchsetzen. Diese Falschbehauptungen verbreiten Verschwörungstheoretiker und Rechtsextremisten, um ihre Ablehnung von Massnahmen zum Schutz vor dem Virus zu rechtfertigen und ihre Verachtung des demokratischen Staates zu demonstrieren.

Südkorea fordert mehr Kompetenzen für die WHO

Gemeinsamer Nährboden für all diese höchst widersprüchlichen Falschbehauptungen sind zwei zentrale, sehr kritikwürdige und reformbedürftige Mängel der WHO. Zum einen hat die Organisation bislang keinerlei Handhabe, um in einem Mitgliedsland eigenständige Nachforschungen über Gesundheitskrisen anzustellen. Das schwächt die WHO, wenn eine Regierung – so wie in den ersten Monaten der Coronakrise die chinesische Führung – falsche oder unvollständige Informationen liefert. Notwendig wären neue, rechtsverbindliche Befugnisse für die WHO. Genau das hat der Präsident Südkoreas, Moon Jea In, bei der Generalversammlung der Organisation gefordert.

Um ihrem Auftrag nachzukommen, wären etwa die Stationierung ständiger WHO-Beobachter in allen 194 Mitgliedsländern nötig. Diese müssten mit uneingeschränkten Kompetenzen zur Informationsbeschaffung bei Regierungsbehörden, aber auch bei nichtstaatlichen Akteuren ausgestattet sein. Doch würde die lautstark nach Reformen der WHO rufende Trump-Administration die dauerhafte Anwesenheit von internationalen Beobachter*innen im eigenen Land akzeptieren? Auf die Gefahr hin, dass diese dann möglicherweise Informationen über die krankheits- und epidemiefördernden Mängel im US-Gesundheitssystem sammeln würden? Wahrscheinlich nicht. Washington hatte bereits Bedenken, gegen die von der Generalversammlung verabschiedete Forderung nach einer «unparteiischen, unabhängigen und umfassende Evaluierung» der Reaktion auf die Corona-Pandemie nicht nur in China, sondern weltweit – und damit auch in den USA.

Mitgliedsländer müssten Pflichtbeiträge hochfahren

Zum zweiten ist die WHO in den letzten 30 Jahren tatsächlich in eine höchst problematische finanzielle und damit auch gesundheitspolitische Abhängigkeit von der Gates-Stiftung, von Pharma- und Lebensmittelkonzernen sowie anderen privaten Akteuren geraten. Infolge dieses Einflusses hat die WHO ihr ursprüngliches Kernanliegen, die Unterstützung von Gesundheitssystemen in armen Ländern, zunehmend vernachlässigt. Diese problematische Entwicklung lässt sich nur wieder korrigieren, wenn die Mitgliedsstaaten ihre seit 1993 eingefrorenen Pflichtbeiträge an die WHO endlich wieder deutlich hochfahren. Nur damit wird der Einfluss privatwirtschaftlicher Akteure auf die Organisation reduziert.

Patentschutz für Impfstoff aussetzen

Aktuell ist aber zunächst einmal sicherzustellen, dass ein künftiger Impfstoff gegen das Coronavirus unter der Koordination der WHO allen Menschen dieser Erde schnell und zu erschwinglichen Preisen zur Verfügung gestellt wird. Voraussetzung dafür ist, dass die Patentschutzrechte der großen Pharmakonzerne für diesen Fall ausser Kraft gesetzt werden. Nur so können schnell in möglichst vielen Ländern preiswerte Generika hergestellt werden. Die entsprechende Forderung in der von der WHO-Generalversammlung verabschiedeten Resolution stiess jedoch auf Ablehnung der USA. Washington möchte die Gewinninteressen des weltgrößten US-Pharmakonzerns Pfizer schützen. Das macht Trumps Kritik an der WHO über all seine Falschbehauptungen hinaus zusätzlich unglaubwürdig.

Bundeskanzlerin Angela Merkel, Präsident Emmanuel Macron und andere europäische Politiker*innen haben die masslose Kritik und die Drohungen Trumps gegen die WHO zwar zurückgewiesen. Aber noch ist keineswegs sicher, dass sich die Europäer anders verhalten. Die Regierungen der Sitzstaaten der grossen europäischen Pharmakonzerne und Pfizer-Konkurrenten Roche und Novartis (beide Schweiz), Sanofi (Frankreich) und GlaxoSmithKline (Grossbritannien) müssten dann eben auch gegen die Patentschutzinteressen dieser Konzerne eintreten. Und sich damit für eine gerechte und schnelle globale Verteilung eines Corona-Impfstoffes zu bezahlbaren Preisen unter Koordination der WHO engagieren.

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7 Meinungen

Ich finde die WHO sollte durch alle Länder gleichmässig gesponsort werden, kein Pharma- oder anderes Unternehmen, auch kein Bill Gates oder andere Privatperson dürfen als Sponsoren auftreten.
Meiner Meinung nach übt Bill Gates einen viel zu grossen Einfluss auf die WHO aus.
Peter Gander, am 20. Mai 2020 um 21:14 Uhr
Meiner Meinung nach hat die WHO bisher nichts zur Gesundheit der Weltbevölkerung beigetragen. Man könnte sie auch abschaffen. Immer wenn eine Institution gross und grösser wird, werden die Informationsflüsse je länger je mehr administriert, was heisst durch definierte Vorgehensweisen formalisiert und damit werden aussergewöhnliche Informationen ausgeschieden - sozusagen zensiert. Leider entsteht dadurch eine Wissens-Verwaltung die nur dem bereits etabliertem oder gesponsortem Wissen dient. Also kreative Ansätze, wie Gesundheit gefördert werden könnte, verschwinden aus sogenannt offizieller Wahrnehmung. Also braucht es eher regionales Health-Wissens-Management, welches zum Beispiel Erfolge von Behandlungen registriert und nicht gleich sagt, das passt nicht zur herrschenden Lehrmeinung, um dies aus dem Raster fallen zu lassen Erfolgreiche Behandlungen werden in der Verwandschaft und Bekanntschaft weitergegeben und nur wenn sie authentisch sind, verbreitet sich dieses Wissen und diese Behandlungen werden erfolgreicher. Eine WHO kann sowas gar nicht einordnen, deshalb braucht es sie nicht. Wenn man bedenkt, dass sie zB Ebola gegen das Wissen in der von Ebola befallenen Region unbedingt Impfungen einführen wollte, welche viele Tote erzeugte, so ist dies nochmals ein Grund um solchen Monster-Institutionen das Geld zu entziehen.
Carlos Werner Schenkel, am 21. Mai 2020 um 08:18 Uhr
Es ist einfach nur empörend was die WHO sich geleistet hat. Diese Organisatiom in der Form hat ihre Berechtigung verspielt. Die gehört abgeschafft. Es interessiert niemand was America für Strategie verfolgt. Es geht um WHO. Eine Katastrophe eine Unverschämtheit den Mund aufzumachen und nach Geld zu schreien. Die sind Versager, die ihren Job nicht richtig gemacht haben und die gesamte Welt in eine nie dagewesenen Apokapypse gestürzt haben.
Mona Linz, am 21. Mai 2020 um 10:00 Uhr
@Linz. Die WHO hatte am 30. Januar 2020 wegen des Coronavirus den globalen Gesundheitsnotstand ausgerufen. Staaten in Europa und die USA haben auf diese klare WHO-Warnung viel zu spät reagiert.
Urs P. Gasche, am 21. Mai 2020 um 11:30 Uhr
Herr Gasche, das heisst nichts anderes, als dass die Souveränität der Staaten vor die Info der WHO gestellt wurde - ev. auch in Anbetracht der Fehinformationen, die früher von der WHO ausgegangen sind, wo Millionen in den Sand gesetzt wurden wegen einer fälschlicherweise ausgerufenen sogenannten Pandemie. WHO ist also nicht verlässlich. sowieso wer lässt sich denn gerne reinreden von einem bürokratischen Monster? Also abschaffen!
Carlos Werner Schenkel, am 21. Mai 2020 um 22:33 Uhr
Ich möchte die Grundaussagen der Vorschreiber bestätigen. Schweinegrippe, Vogelgrippe, 1. Welle und vieles mehr, lagen Sie falsch. Für die Gesundheit machen Sie nichts, man denke nur an all die Gifte wie Glyphosat, das wird trotz klarer gesundheitsschädigende Belege durchgewunken.
Ergänzen muss ich aber noch die Kritik an Herr Zumach. Zitat: »... Er (Gates) kontrolliert die Weltgesundheitsorganisation und will im Interesse der Pharmakonzerne einen weltweiten Impfzwang durchsetzen. Diese Falschbehauptungen verbreiten Verschwörungstheoretiker und Rechtsextremisten, um ihre Ablehnung von Massnahmen zum Schutz vor dem Virus zu rechtfertigen und ihre Verachtung des demokratischen Staates zu demonstrieren.» Mit dem inflationären Begriff Verschwörungstheoretiker, ohne Definition wann man den das ist, alle Lockdown Gegner gesammelt in eine Ecke zu stellen, ist unerhört. Wahrheiten, Halbwahrheiten und Lügen werden dabei gemischt. So muss man andere Meinungen auch auf der Grundlage von Fakten und deren Wahrheiten gar nicht eingehen. Übrigens genau das kritisiert Infosperper in anderen Artikeln zu recht.
Bill Gates kontrolliert die WHO zwar nicht, aber er spendet nach dem Rückzug der USA am meisten und am zweitmeisten die GAVI, die er wiederum zu einem grossen Teil finanziert. Dazu die Millionen an die Hopkingsuniversität (Coronazahlen) und viele weitere spendet er wie zB das RKI auch. Bill Gates verkündete, WIR werden die ganze Welt impfen, ohne (faktischen) Impfzwang geht das nicht!
Beat Schärer, am 22. Mai 2020 um 16:40 Uhr
Sehr geehrter Herr Zumach,
können Sie bitte erläutern, wann die VR China welche «falsche(n) oder unvollständige(n) Informationen» geliefert hat?
Hinsichtlich den Verschwörungstheorien:
Den ersten Satz kann man vergessen. Das ist wirklich Vt., obwohl ich die Behauptung, Gates hätte den Virus erfunden, bisher weder gehört noch gelesen habe.
Mit dem Impfzwang sieht es schon etwas anders aus. Der Gesundheitsminister der BRD hat Gedanken um einen Immunitätsausweis veröffentlicht.
Abgesehen davon, dass so etwas auch als Aufruf zu Corona-Parties verstanden werden kann, woher nehmen Sie das Gottvertrauen, dass dies nicht für einen indirekten Zwang mißbraucht werden kann, z. B. bei Einreise in andere Länder, bei Bewerbungen, bei Arztbesuchen etc..
Sie gehen ja selber darauf ein, dass die WHO ihre Agenda geändert hatte, nachdem sich die Staatenwelt sich zugunsten von Unternehmen aus der Finanzierung der WHO zurückgezogen hatte. Früher wurden Programme zum Aufbau von Gesundheitssystemen, für gesunde Ernährung und sauberes Wasser gefördert; und heute? Ist die Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung nicht Hauptsponsor der WHO? Und hat es mit deren Impfprogrammen nicht Ärger in Indien und mehreren afrikanischen Ländern gegeben? Steht da nicht auch Robert Kennedy Jr. in Konflikt mit der Stiftung?
Denken Sie nach, wer vor etwa 10 Jahren eine Impfung für die Schweinegrippe gehypt hat. Wie war diese verlaufen und was gab es für einen Skandal um bevölkerungsabhängige Impfstoffe (etw. and. für Eliten)?
Thorsten Bergner, am 22. Mai 2020 um 17:04 Uhr

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