Dialog beflügelt Gewalt. Wirklich?

Christian Müller © aw
Christian Müller / 07. Feb 2015 - Josef Joffe, der Herausgeber der Wochenzeitung DIE ZEIT, giesst einmal mehr Öl ins Feuer. Auf Seite 1.

«Dialog muss immer sein, aber er allein stoppt keine Gewalt, sondern beflügelt sie

Noch einmal: «Dialog muss immer sein, aber er allein stoppt keine Gewalt, sondern beflügelt sie

Der dies schreibt, ist kein Geringerer als der oberste Boss der deutschen Wochenzeitung DIE ZEIT. Dialog beflügelt Gewalt? Kaum zu fassen.

Auch wenn man den Satz immer und immer wieder liest, und auch wenn man darüber geschlafen hat: Dieser Satz kann nichts Anderes heissen, als dass es sinnlos ist, im Konfliktfall – zum Beispiel jetzt in der Ukraine, worüber Joffe schreibt – auf Dialog zu setzen. Man muss endlich richtig Krieg führen!

Dass Josef Joffe, der Herausgeber der ZEIT, ein in Lodz in Polen geborener Jude, zu den Konflikten in und um Israel immer nur eine Sicht vertritt, nämlich jene Israels unter Netanyahu, kann man, drückt man mal beide Augen zu, halbwegs nachvollziehen. Dass er aber auch im Konflikt in der Ukraine jenen, die versuchen, eine Lösung am Verhandlungstisch zu finden, unterstellt, sie «beflügelten» damit die Gewalt, ist ein Affront für jeden, der versucht, das unsinnige Töten von Zivilisten im Donbass zu stoppen. Für jeden und jede – man denke an die neuste Initiative von François Hollande und Angela Merkel.

Siehe auch «Wenn der Boss kommentiert». Auf Infosperber.

Der Marketingabteilung der ZEIT sei der folgende Werbespruch empfohlen:

DIE ZEIT: Jede Woche über hundert Hintergrundberichte, scharfsinnige Analysen, differenzierte Kommentare. Und den Ärger der Woche gratis oben drauf – auf Seite 1.

* * * * * * *

Kleiner Nachtrag vom Montag, 9. Februar 2015:

Zum Glück gibt es auch in Deutschland Chefredakteure, die eine andere Sicht haben. Der Chefredakteur des Berliner Tagesspiegels Lorenz Maroldt zum Beispiel sagt es heute Morgen so:

»Guten Morgen, die Winterferien sind vorbei (Berlin, Brandenburg), der Winter ist es noch nicht - und weltpolitisch ist Eiszeit. Die Münchner Sicherheitskonferenz hat gezeigt, wie unsicher die Lage ist. Angela Merkel warnte vor Waffenlieferungen an die Ukraine, militärisch sei «diese Krise» nicht zu lösen - die Amerikaner sind drauf und dran, ein Streichholz ins Pulverfass zu werfen, und Russland wird es nicht auspusten. Am Mittwoch kommt es zu einem Vierergipfel (Merkel, Hollande, Putin, Poroschenko). Der französische Präsident spricht von einer der letzten Chancen, einen Krieg zu verhindern. Immerhin: Chancen - das ist mehr als nur Hoffnungen.»

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine

Weiterführende Informationen

Journalisten und Eliten, eine heikle Verbindung (auf Infosperber)
Redaktoren im Dienste von NATO-Organisationen (auf Infosperber)

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Eine Meinung

Vielleicht wäre es besser gewesen er hätte geradeheraus gesagt:
Zu viele wollten mitmischen !

Was da abgeht habe ich von Anfang an verfolgt. Das fing an mit ein Paar Demonstranten auf den Majdan Platz. Da kam plötzlich ein Westler dazu (der Vladimir aus Box Szene), der da „mitsang“ und aufhetzte.
Das ganze schaukelte sich hoch bis zur aktuelle Lage.

Nun schlussfolgernd, wäre es nicht besser gewesen wenn die Ukraine OHNE das dazutun des Westens seine Angelegenheiten geordnet hätte ?
Hätten wir diesen Krieg trotzdem ? Ich bezweifle es !

Also man kann es auch einfacher ausdrücken. Zu viele Köche verderben den Brei !
Frau Carmey Bruderer, am 08. Februar 2015 um 16:11 Uhr

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