Corona-Virus schlägt US-Army in die Flucht

Niklaus Ramseyer © Ramseyer
Niklaus Ramseyer / 18. Mär 2020 - Dem Virus wegen: Die US-Army bricht ihr Militärmanöver „Defender 20“ vor Russlands Westgrenze ab – und bläst zum Rückzug.

Um den Schein und das Gesicht zu wahren, werden ein paar US-Panzer auf deutschen Waffenplätzen (Munster, Grafenwöhr) wohl noch ein paar Übungsgranaten in die Zielhänge verschiessen („gunnery and other combined events with Allies“, wie dies in der Medienmitteilung des US-Oberkommandos heisst).

US-Navy dampft zurück nach Amerika

Doch das gross angekündigte und geplante Manöver „Defender-Europe 2020“, dem schon letzte Woche ein „Freeze“ (Marschhalt) befohlen worden war, ist faktisch definitiv abgebrochen. Für jene rund 6000 US-Soldaten, die als Vorhut der geplanten Defender-Streitmacht von 37 000 Mann, schon bis nach Deutschland und Polen in Bereitschaftsräume vorgerückt waren, gilt per sofort: „Halt, sichern, entladen, einrücken und retablieren – die Übung ist abgebrochen.“ Diesen US-Truppenteilen hilft die Bundeswehr (Streitkräftebasis) nun beim Rückzug und Materialrückschub ebenso, wie sie deren Aufmarsch quer durch Deutschland und bis an die russische Grenze in Polen seit Anfang Februar als „Hostess“ (Gastgeberin) willig und unter Millionenkosten unterstützt hat.

Der Hauptharst der US-Streitmacht, die da an Russlands Westgrenze (10 000 Kilometer entfernt von ihren Heimatbasen in Ohio oder Kentucky) mit schwerem Kriegsgerät (Kampfpanzer) und 20 000 Mann stark in Richtung Moskau „Abschreckungs-Signale“ hatte „aussenden“ wollen, macht derweil unverrichteter Dinge rechtsumkehrt. Jene Transportschiffe der US-Navy, die ihre Fracht noch nicht in EU-Häfen gelöscht haben, müssen hart Ruder legen zur Kurskorrektur um 180° – und dampfen westwärts zurück über den Nordatlantik. („Get the boys home!“) Noch geplante Truppentransportflüge aus den USA nach Deutschland sind gecancelt. Gefechtsübungen im scharfen Schuss mit abschreckenden Namen wie „Schwert-Hieb“ oder „Schneller Gegenangriff“ und „Dynamische Front“ finden nicht statt.

Das Corona-Virus fördert ein wenig Frieden

Der Grund für diesen geordneten, aber überraschenden Rückzug (Monate vor dem geplanten Ende der Manöver im Juni) ist gemäss der US-Armeeführung ihre „Reaktion auf den momentanen Ausbruch des Covid-19-Virus“. Denn „Gesundheit und Sicherheit“ sei ihr ein „primäres Anliegen“. Dies aber erst nach einigem Druck von Seiten der europäischen Nato-Partner, wie aus deutschen Medien zu erfahren war.

Damit ist nun doch noch eingetroffen, was Friedensgruppen und die Gewerkschaften in Deutschland und die linke Opposition im Bundestag schon lange ohne Erfolg gefordert haben: Die USA stoppen den übungsmässigen Aufmarsch einer ihrer Panzerdivisionen vor der russischen Westgrenze und ziehen ihre Interventions-Truppe in deren Heimatbasen zurück. Das Corona-Virus hat die mächtigste Kriegsmacht der Welt gestoppt und in die Flucht geschlagen – und fördert so mitunter ein wenig den Frieden.

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Keine

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6 Meinungen

Die FA-18 verteidigen uns aber jeden Morgen noch ein wenig, während eifrige Schreiberlinge die «alten» von der Strasse und den Pärken in den Schatten ihrer Wohnungen verbannen wollen.

Glücklich, wer einen Hund besitzt. Er darf sich noch in der Frühlingssonne bewegen ohne von allen Seiten kritisiert zu werden.
Josef Hunkeler, am 19. März 2020 um 09:18 Uhr
Es ist doch immer das Gleiche: Irgend ein Thema wird grossgepushed, um von viel Wichtigerem abzulenken. Dazu besteht ja die US Matrix, welche die Mainstream-Presse weltweit gleichschaltet. Bin gespannt, was nach Corona folgen wird...!
René Lütold, am 19. März 2020 um 10:25 Uhr
Endlich, Donald Trump wurde mit der Börsenbaisse bereits in die Flucht geschlagen, dies die gute Nachricht! Jetzt kommt die schlechte, mit Grossvater Joe Biden wird alles noch viel schlimmer...!
Beda Düggelin, am 19. März 2020 um 13:12 Uhr
Always look at the bright side ....
Matthias Vogelsanger, am 19. März 2020 um 14:04 Uhr
Solange nicht alle Fahrzeuge und Geräte, welche während Monaten über Bremerhaven aus Schiffen entladen und nach Osten verschoben wurden, wieder in den USA sind oder funktionsunfähig gemacht wurden, ist überhaupt nichts gewonnen.
Guido Meier, am 19. März 2020 um 14:10 Uhr
Bravo! Bravo! Bravo!

Für viele Menschen ist das Conora-Virus ein Problem. Aber wenn nun die «Kriegsgelüste», vor allem der USA, zurückgefahren werden, hat das auch etwas Gutes. Die Armeen auf der ganzen Welt sollten sowieso nur für humanitäre Zwecke zum Einsatz gelangen und nicht um zu kämpfen, sondern um Leben zu erhalten. Hoffentlich ist das ein Lichtblick für die Zukunft. Danke!
Niklaus Berwert
Niklaus Berwert, am 19. März 2020 um 14:27 Uhr

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