Auf dem Weg zu einem syrischen Rumpfstaat

Andreas Zumach © az
Andreas Zumach / 07. Feb 2016 - Welches Ziel verfolgen die russischen Luftangriffe in Syrien? Immer deutlicher zeichnet sich ein mögliches Szenario ab.

Die Kritik an den eskalierten Angriffen russischer Luftstreitkräfte gegen syrische Rebellengruppen im Grossraum Aleppo ist wegen der gravierenden Folgen für die Zivilbevölkerung allein aus menschenrechtlicher Sicht völlig berechtigt und auch weiterhin notwendig. Unglaubwürdig ist diese Kritik allerdings aus dem Mund der Regierungen in Riad und Ankara, die ihre Kriege gegen Schiiten im Jemen und Kurden in der Südosttürkei ebenfalls ohne jede Rücksicht auf die Zivilbevölkerung führen. Der deutsche Aussenminister Steinmeier war daher auch schlecht beraten, als er die Vorwürfe an Moskau zuerst ausgerechnet auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit seinem saudischen Amtskollegen in Riad äusserte.

Die Eskalation der russischen Luftangriffe just zu Beginn der auch deshalb schnell gescheiterten Verhandlungsversuche in Genf haben Assads Regierungstruppen nicht nur im nordsyrischen Aleppo strategisch bedeutsame Geländegewinne ermöglicht, sondern auch bei der noch von Rebellen gehaltenen Stadt Dara in der südwestlichen Grenzregion zum Libanon. Das nährt den Verdacht, dass Moskau nicht (mehr) auf den Erhalt Syriens in seinen bisherigen Grenzen setzt, sondern auf die Schaffung eines Rumpfstaates im Westen. Dazu würden mit Aleppo, Idlib, Mama, Homs, Damaskus und Dara fast alle grösseren Städte des Landes gehören. Zwecks Sicherung dieses Rumpfstaates würden starke militärische Kräfte Russlands auf den beiden Marine- und Luftwaffenstützpunkten in Tartus und bei Latakia stationiert. Die übrigen drei Viertel des syrischen Territorums blieben dann dem «Islamischen Staat», dem Al-Kaida-Ableger Al-Nusra-Front und anderen zum Teil bislang von Saudi Arabien, Katar und der Türkei gesponserten islamistischen Rebellen- und Terrorgruppen überlassen. Nicht auszuschliessen, dass sich die USA und ihre westlichen Verbündeten bei einem weiteren Scheitern des Verhandlungsansatzes eines Tages auf dieses Szenario einlassen. Doch mit einem solchen Szenario liesse sich keine «Stabilität» in der Region schaffen. Siehe die gescheiterten Besatzungen der beiden Militärweltmächte Sowjetunion und USA in Afghanistan und im Irak. Zudem würden der «IS» und die islamistisch-salafistischen Rebellengruppen sich kaum an die Teilungsgrenzen halten.

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5 Meinungen

Ich denke das es am besten für viele Menschen ist, wenn der Agressor und Kriegstreiber auf der anderen Seite des Atlantik sich endlich mal nach international annerkannten Standards benehmen würde anstatt den Globus mit Gewalt, Drohnen, Waffen, Regierungsstürzen, Mc Kultur, weltweiter Medienkontrolle und somit Deutungshoheit überzieht. In Zusammenarbeit mit US Konzernen die stets ein Teil der Aussenpolitik sind würde ich sagen das ganze ist mit Faschismus, also einer rücksichtslosen Verbandelung von Staat, Politik und Kapital, gleichzusetzen die alles niedertrampelt was im Weg steht... Das Land hat noch kein einziges Jahr seiner Existenz ohne Kriege verbracht... und die NATO wandelt sich immer offener in ein global aktives Angriffssystem... an der RF liegt es wohl eher nicht oder weiss jemand welche imperialistischen Kriege die CCCP bzw. die RF begonnen hat um Regierungswechsel durchzusetzen?
Uwe Borck, am 08. Februar 2016 um 15:25 Uhr
Lieber Herr Borck, ich würde Ihnen doch empfehlen nebst der Schreibarbeit auch Zeit in das Studium der neuesten Geschichte zu investieren – etwa ab 1914. Sie werden dem Artikel von Andreas Zumach nicht gerecht. Dass Sie gleich auch noch Apple „mitbrandmarken“ .... na ja! Der CCCP stellen Sie abschliessend eine Art Unbedenklichkeitsbescheinigung aus. Das ist für mich fast nicht mehr auszuhalten.
Thomas Stäheli, am 08. Februar 2016 um 17:21 Uhr
Ein entmilitarisiertes Teilsyrien unter UNO-Kontrolle wäre wohl die nützlichste Lösung für Millionen von vertriebenen SyrerInnen.
Werni Weber, am 08. Februar 2016 um 21:17 Uhr
@Th. Stäheli
Vermutung: Sie besitzen/nutzen einen «Apple», möglicherweise ein EI-Phone!
Anders kann ich mir Ihren Gedankensprung von «Mc Kultur"(XYZ) zu «Apple"- Mac - Mc (XYZ) kaum erklären.
Sicher meinte der Vorposter mit Mc Kultur: Fast-Food, Einheitsgetränk, event. Einheits-Betriebssystem in 2 Schattierungen, jedoch beide unsicher gegenüber NSA/CIA.
Einheitsmeinung in marginalen Schattierungen: GOP/DEM.
LINUX als Betriebsystem: Quelloffen, transparent, stabil, oft Ressourcenschonend. In diversen Geschmacksrichtungen. Support in Foren, meist erstklassig und schnell. Dann und wann ist halt mal etwas Hirn eingefordert, ist halt kein KlickiBunti Mc-Burger!

Zu Ihrer Kritik:
Geschichte:
wird immer vom Sieger geschrieben!
kann erst 500J. nach den Ereignissen korrekt dargestellt werden. (Dann sind die Protagonisten und deren direkte Erbfolge längst nicht mehr belangbar.)

Geschichte_1:
https://www.youtube.com/watch?v=93evBMAVmNA
> ist nur ein Link von vielen.

thomas schweizer, am 08. Februar 2016 um 23:26 Uhr
@Th.Schweizer

Ich lese noch nicht soo lange im Infospeber, würde aber trotzdem behaupten, dass sich A. Zumach und andere Autoren hier sehr wohl «aus dem Fenster lehnen» dürfen (und das auch machen). Den Infosperber und seine Autoren sehe ich unabhängig, und zähle ich ganz sicher nicht zu den Leitmedien. Und auch die «alternativen Medien» wollen mit Bedacht gelesen werden! (Das gilt ganz allgemein im Umgang mit Medien, egal om Mainstream, alternativ oder was auch immer.)

Um kurz das Thema des Artikels zu streifen: Dass Russland die Pläne der Regime-Change-Fraktion bisher verhindert sehe ich positiv. Man darf und soll aber auch nicht darüber hinwegsehen, dass die militärische Strategie der Allianz um Syrien und Russland in der Region Aleppo derzeit sehr viele Menschenleben fordert. Das darf bzw. muss auch benannt werden. Dass etwa rt.com wenig bis gar nichts darüber berichtet sehe ich durchaus kritisch. (Ich werte RT damit nicht prinzipiell negativ, keinesfalls. Es gibt immer wieder Artikel in RT, die ich schätze. Aber unabhängig ist definitiv anders.)

Die Einschätzung des A. Zumach bzgl. einer möglichen Teilung Syrien teile ich, soweit ich das einzuschätzen vermag. Wobei: Je mehr ich die Lage in Syrien und die einzelnen Interessen der beteiligten «Spieler» meine zu verstehen, desto komplizierter wird das Bild. Ein gordischer Knoten ist Kinderkram dagegen.
Christoph Meier, am 09. Februar 2016 um 10:21 Uhr

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