Beleidigungen oder unwahre, ehrverletzende Behauptungen dürfen Medien nicht verbreiten © cc

Warum es neun Stunden geht, bis Ihre Meinungen online gehen

Red. / 17. Dez 2018 - Manchmal wird die Redaktion gefragt, weshalb sie eingehende Kommentare zu Artikeln erst neun Stunden später veröffentlicht.

Gerne informieren wir darüber, warum Infosperber die frühere Praxis der sofortigen Freigabe von eingehenden Meinungen sowie die erst nachträgliche Kontrolle aufgegeben hat. Der Presserat hat unsere Praxis als «kaum mit der Berufsethik vereinbar» gerügt und empfohlen, eine Vorauskontrolle einzuführen, wie sie bei andern Medien üblich ist.

Wir halten die Stellungnahme des Presserats für fragwürdig. Doch die Stiftung SSUI, welche Infosperber herausgibt, und die Infosperber-Redaktion respektieren erklärtermassen die Vorgaben über Rechte und Pflichten der Journalisten des Presserats. Das wäre in Zukunft nicht mehr der Fall, wenn wir uns weiterhin auf eine Nachkontrolle beschränken.

Jetzt dauert es neun Stunden, bis Meinungen auf Infosperber online gehen. Das ist in der Tat etwas lang. Allerdings geben etliche Leserinnen und Leser ihre Meinungen kurz vor oder nach Mitternacht ein. Niemand von uns kann diese eingegangenen Meinungen am frühen Morgen sichten.

Wir sind uns bewusst, dass damit ein fast zeitgleicher Meinungsaustausch zwischen Meinungsschreibenden nicht mehr möglich ist. Manchmal uferten diese Pingpongs allerdings aus oder drifteten vom Thema ab.

Wir sind rechtlich verpflichtet, Einträge mit rechtswidrigen Äusserungen oder unnötig herabsetzenden Qualifikationen von Personen und Institutionen nicht online zu stellen. Online-Zeitungen wie 20-Minuten oder Watson stellen fast einen Drittel aller eingehenden Meinungseingänge aus solchen Gründen nicht online. Für die Vorselektion haben diese Zeitungen extra Personal angestellt. Diese Redaktionsmitglieder kürzen, nehmen Textanpassungen vor oder versenken die Meinungsbeiträge im Papierkorb, ohne die Schreibenden zu fragen. Nur in seltenen Ausnahmefällen wird korrespondiert.

Die NZZ online hat die Meinungsspalten unter den Artikeln ganz abgeschafft

Allerdings geht es bei grossen Online-Medien – dank einem Personalaufwand, den wir uns nicht leisten können und wollen – schneller, bis die Meinungen online gehen.

Wer Kommentare zu Artikeln schreibt, muss die allgemeinen Regeln zum öffentlichen Verbreiten von Meinungen beachten. Wer dies tut und den Inhalt eines Artikels kommentiert, kann sicher sein, dass seine Meinung von Infosperber publiziert wird.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Artikel der Redaktion in eigener Sache.

Weiterführende Informationen

Der Entscheid des Presserats vom 28. Dezember 2017

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17 Meinungen

Euer Respekt vor dem Presserat in Ehren: Ich habe ich v�llig verloren.
- Wegen meiner (in jeder Hinsicht vorbildlich formulierten von den Fakten klar belegten) Kritik an den Schweizer Banken blockierte mich der NZZ-Kommentaredienst vom Kommentieren.
- Ich gelang an den Presserat (Klage), die NZZ-Chefredaktion (unter Gujer) stellte eine Anw�ltin an.
-- Die Anw�ltin griff zu Unwahrheiten, dass sich die Balken bogen (Klageantwort).
-- Der Presserat verbot mir, zu diesen Unwahrheiten Stellung zu nehmen (keine Replik m�glich).
-- Ich bat den Presserat, im NZZ-Archiv die fraglichen Kommentare doch einfach zu sichten. Sie h�tten die Fakten sofort offengelegt.
-- Der Presserat verweigerte die Sichtung ...
- Das ist f�r mich der Schweizer Presserat: Er steckt bis tief �ber beide Ohren mit den grossen Tageszeitungen unter einer Decke.

Nat�rlich liess sich die NZZ-Sperre nicht mit ihrem 'liberalen' Credo (Meinungsfreiheit) erkl�ren.
- Auch eine Sperre ohne Bezug zur NZZ-Netiquette ging ja eigentlich nicht.
- Und eine Sperre 'ad personam' (auf den Namen eines Kommentators) war in der NZZ-Netiquette auch nicht vorgesehen.

Sie sahen das Problem entschieden einige Monate sp�ter, den Kommentare-Dienst ganz einzustellen ... (inzwischen gibt es einen SVP-lastigen Blogging-Dienst als Ersatz).

Wieso nur habt Ihr Respekt vor einem solchen Presserat?
Konrad Staudacher, am 17. Dezember 2018 um 11:51 Uhr
Ich kann das Vorgehen sehr gut nachvollziehen. Allerdings schreibe ich seither weit weniger häufig etwas. Damit bin ich vielleicht nicht der Einzige. Aber ich habe auch keine Idee, wie man ohne nicht mehr finanzierbaren Aufwand aus diesem Dilemma herauskommen kann.
Ueli Custer, am 17. Dezember 2018 um 12:11 Uhr
Es hat alles seine zwei Seiten. Geschätzt habe ich, dass schnell mehrere Meinungen zu lesen waren. Die Pingpong Beiträge haben mich gestört, wenn es um Besserwisserei ging. Verschiedene Meinungen ok, aber Schulmeisterei nein.
Ja und Ehrverletzungen, beleidigende, runtermachende und weiss was für wüste Äusserungen sind eines echten Schweizers unwürdig. Da haben wir eine andere Kultur glaube ich.
Albert Deucher, am 17. Dezember 2018 um 12:45 Uhr
In herkömmlichen Meinungsblogs sind zumindest Beschimpfungen, die nicht gerade als massiv rassistisch, sexistisch oder antisemitisch einherkommen, gang und gäbe, Kontrolle hin oder her. Über Trump wird sowieso alles geschrieben ohne irgendwelche Rücksichten, was mir zwar nicht weh tut, weniger aus Ablehnung von Trump als weil die Aussagen über ihn, selbst auf den redaktionellen Seiten, in der Regel schon lange nicht mehr ernst genommen werden.

Zur 9-Stunden-Regel: Es gibt einen Hauptgrund dafür. Dank dieser Regel bleibt der Artikel die Hauptsache, die Diskussion darüber Nebensache, was bei der Mehrzahl der qualitativ hochstehenden Artikel absolut richtig ist.

Bei schwächeren Artikeln, die beim journalistischen Tagesgeschäft normal bleiben, ist dafür manchmal die Diskussion darüber besser; aber auch das kann noch am folgenden Tag nachgeholt werden. Aber Debatten wie wir sie vor etwa 3 Jahren mal hatten über ein umstrittenes Islam-Buch eines Liechtensteiners, bei dem dann gleich über alle Religionen mit rund 250 Wortmeldungen über Gott und die Welt und Auschwitz und die Kreuzzüge usw. diskutierten wurde, brauchen wir fürwahr nicht mehr. Damals gingen auch die Diskutanten und Diskutantinnen ziemlich unverhohlen auf einander los. Der Ehrgeiz sowohl der Artikel wie auch der Debatten sollte jedoch bleiben: Klar über dem herkömmlichen zum Teil berüchtigten Durchschnitt im Netz zu bleiben, was im Einzelfall etwas scharfe Kritik nicht ausschliessen muss.
Pirmin Meier, am 17. Dezember 2018 um 13:16 Uhr
Das ist schon okay. Vorschlag: Statt «Noch keine Meinungen» liesse sich vielleicht (automatisch?) z.B.: «X ungesichtete Meinungen eingegangen» programmieren?
Franz Peter Dinter, am 17. Dezember 2018 um 13:49 Uhr
Bin zwar keine Journalistin, aber mir ist klar, dass Sie Meinungsbeiträge selektionieren müssen. Ich schreibe auch oft spät abends.
Man liest lieber und genauer, wenn man die Chance hat, «seinen Senf dazu zu geben."
Ruth Obrist, am 17. Dezember 2018 um 14:03 Uhr
Ich bin Infosperber dankbar, dass er garantiert, die geäusserten Meinungen und Richtigstellungen mit den erwähnten Auflagen innerhalb von 9 Stunden zu veröffentlichen. Die Allgemeine Praxis der sich objektiv und seriös präsentierenden Zeitungen, einigermassen willkürlich die Leserbriefe ganz zu unterdrücken oder wesentlich zu kürzen ist eine weit grössere Beschränkung als diejenige, welche einen Informationsaustausch ohne Verleumdung und Beleidigungen garantiert.
Rainer M. Kaelin, am 17. Dezember 2018 um 16:07 Uhr
Vollkommen einverstanden mit der Argumentation. Warum aber gibt es keine automatisierte Meldung, wenn ein Lesermeinung aufgeschaltet worden ist?
Früher gab es zudem eine Meldung, wenn eine weitere Antwort erfolgte - und zwar für alle der bis zu diesem Zeitpunkt kommentierenden Leserinnen und Leser. Es ist mühsam und zeitraubend immer mal wieder den Stand einer Diskussion zu verfolgen, wenn aufs Geratewohl kontrolliert werden muss, ob sie überhaupt weiter geführt worden ist oder nicht.
Die Aufhebung dieser Dienstleistung seitens infosperber hat mit den im Artikel angeführten presserechtlichen Vorgaben nichts zu tun.
Arnold Fröhlich, am 17. Dezember 2018 um 16:11 Uhr
Ich habe alle bisherigen Kommentare mit Interesse gelesen. Die wichtigste praktische Kritik ist die von Arnold Fröhlich. infosperber hat behauptet, dass an dieser Funktion nichts geändert wurde, was offensichtlich nicht stimmt.
Nun aber generell: «Artikel», dann «Ihre Meinung», dann fertig? Dieses Verfahren mag für eine intellektuelle Elite anregend sein. Die Wirkung ist aber im besten Fall etwa die vom Bücherschreiben. Was steht doch da bei mir alles im Gestell!
Schon Sokrates hat gewusst: Es braucht These, Antithese und dann Synthese (und daraus die kluge Handlung einer lebendigen Gesellschaft). Das ist das Verfahren, das infosperber noch schaffen muss. Vom Presserat erwarte ich da keine Hilfe. Und Journalisten unter sich hören wir schon genug.
Walter Schenk, am 19. Dezember 2018 um 12:13 Uhr
Erhalten wir von der infosperber-Redaktion noch eine Antwort auf meine initiale Frage in meinem Betrag vom 17. Dez. 2018? Ist die Redaktion gewillt, die abgeschaffte automatische Rückmeldung bei der Aufschaltung von Beiträgen wieder einzurichten?
Vielen Dank für eine klare Antwort.
Arnold Fröhlich, am 22. Dezember 2018 um 11:46 Uhr
@Fröhlich. Wir würden Ihren Wunsch gerne erfüllen und haben bei den Programmierern bereits einen Kostenvoranschlag angefordert, der jedoch noch nicht eingetroffen ist. Unsere Plattform beruht auf einem veralteten CMS, so dass Änderungen häufig sehr aufwändig sind. Es müsste sicher sein, dass die automatischen Meldungen den letzten Stand der online gehenden Meinung enthält. Man kann also nicht einfach beim Eingang einer Meinung die automatische Meldung auslösen, wenn diese Meinung neuen Stunden später online geht. Wenn das Ganze zu teuer wird, müssen wir es sein lassen.
Urs P. Gasche, am 22. Dezember 2018 um 12:01 Uhr
Eine verständliche Antwort von Herr Gasche. Und auch ein alleinstellungsmerkmal des IS, dass die Journalisten und Redakteure sich direkt mit der Leserschaft auseinandersetzt und Rückantwort gibt. Wo gibt's den sowas sonst?

Als Konsument hat man ja auch einen gewissen Einfluss darauf, wenn man mit seinem Konsum unterstützt und wen nicht. Wenn ein Unternehmen meiner Ansicht nach einen wertvollen Beitrag zum Wohle der Gesellschaft, Tier und Natur leistet, unterstütze ich das gerne. Hab meinen monatlichen Beitrag mal erhöht.
Stöckli Marc, am 23. Dezember 2018 um 14:02 Uhr
@ Urs P. Gasche: Herzlichen Dank für Ihre Antwort. Sie schreiben: «Man kann also nicht einfach beim Eingang einer Meinung die automatische Meldung auslösen, wenn diese Meinung neun Stunden später online geht."
Irgend jemand in der Redaktion liest innerhalb der neun Stunden die Meinung und gibt sie dann frei. Ohne IT-Fachmann zu sein verstehe ich nicht, warum dann nicht gleichzeitig ein Bestätigungsmail ausgelöst werden kann. Aber ich bin zuversichtlich, dass infosperber sein Möglichstes tut, dieses Problem zu lösen. Früher war es keines - weil das funktioniert hat - und so ist die neu eingeführte Plattform für den Meinungsaustausch offensichtlich ein Rückschritt.
Die Redaktion müsste sich das Recht vorbehalten, inadäquate und/oder beleidigende Beiträge auch NACH der Veröffentlichung noch zu löschen, um andererseits einen effizienteren, d.h. ohne grosse Zeitverzögerungen zu führenden Dialog unter den Kommentierenden zu ermöglichen.
Arnold Fröhlich, am 24. Dezember 2018 um 15:23 Uhr
@Fröhlich. Nein, weil wir keine Administration, IT-Leute oder Sekretäre haben, läuft bei uns alles automatisch. Wir bearbeiten nicht jede Meinung einzeln. Kein Redaktionsmitglied kann eine Meinung frei geben. Er kann sie nur redigieren oder löschen. Die Freigabe erfolgt vom System nach 9 Stunden automatisch, sofern eine Meinung nicht vorher gelöscht wurde. Wenn Sie uns Personal finanzieren, gehen wir gerne auf Ihre Wünsche ein. Ich wünsche frohe Festtage!
Urs P. Gasche, am 24. Dezember 2018 um 16:57 Uhr
Herr P. Gasche
Wäre es eine Möglichkeit eine Disskussionsplattform auf einer externen Website zu bieten? Diese wäre 100% unabhängig.
Sie könnten die Meinungen wie gewohnt veröffentlichen bieten und geben nur einen Link für eine Disskussionsplattform an.
Dies würde Euch entlasten (Verantwortung) und gleichzeitig das Bedürfnis nach einer Diskussion befriedigen.
Das Bedürfnis sich mit anderen auszutauschen scheint gross zu sein und die Kommentarfunktionen werden weiter eingeschränkt.
Wäre dies eine mögliche Lösung?
Daniel Bertschi, am 26. Dezember 2018 um 22:07 Uhr
@Bertschi. Danke für Ihren Vorschlag. Der Betreiber der externen Webseite wäre den gleichen Regeln unterworfen wie wir. Das Gesetz verbietet das WEITERVERBREITEN von rechtswidrigen Aussagen. Das gilt auch für Facebook oder Twitter. Bei diesen besteht das Problem darin, dass diese in der Schweiz oder in Deutschland nicht greifbar sind, so dass man nicht weiss, wo man das Begehren einer Gegendarstellung oder einer Ehrverletzungsklage einreichen soll. Statt bei Facebook oder Twitter Vorzensuren zu verlangen, sollte man die Voraussetzungen schaffen, dass die geltenden Gesetze auch angewendet werden können (z.B. Firmensitze in den verschiedenen Ländern. Und die Gerichte müssen anerkennen, dass Facebook und Twitter Weiterverbreiter sind und nicht einfach technische Tools.
Urs P. Gasche, am 27. Dezember 2018 um 09:53 Uhr
@Daniel Bertschi Ich denke die einfachste Lösung wäre ein Forum das von Infosperber ist. Da gibt es schon genug Vorlagen und viele kennen sich damit schon aus.
Philipp Schüpbach, am 27. Dezember 2018 um 15:26 Uhr

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