Varoufakis: Die 6 wichtigsten Gründe für ein Nein

Urs P. Gasche © Peter Mosimann
Urs P. Gasche / 03. Jul 2015 - Sein Nein zum EU-Angebot hat Varoufakis begründet. Doch über dessen Argumente informieren grosse Medien nicht.

3.7.2015 NACHTRAG. Siehe ganz unten die sechs wichtigsten Argumente des griechischen Finanzministers im Original-Wortlaut.

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Wie soll sich die Öffentlichkeit eine Meinung bilden können, wenn grosse Medien fast nur den Standpunkt der EU-Institutionen verbreiten und sich Korrespondenten in Brüssel in erster Linie von deutschen Vertretern und PR-Leuten informieren lassen? Oder warum sonst zitieren sie nicht auch die besten Argumente der griechischen Seite?

An der letzten entscheidenden Sitzung der Finanzminister der 19 Euro-Länder vom 17. Juni hat der griechische Aussenminister Yanis Varoufakis dargelegt, warum seine Regierung auch die letzten Vorschläge der EU-Institutionen ablehnt. Und er hat begründet, warum er über derart einschneidende Massnahmen das Volk in einer Abstimmung befragen will. Diese Intervention ist bereits seit einigen Tagen im Volltext im Internet publiziert.

Doch die grossen Medien verschweigen die wichtigsten Argumente von Varoufakis, während sie breit und ausführlich über die Haltung der erbosten und verärgerten Exponenten der EU-Institutionen und von anderen Finanzministern berichteten.

Unabhängig davon, welche Haltung man zur Griechenland-Krise einnimmt, sollte man über die wichtigsten Argumente auch der griechischen Seite im Original-Ton informiert sein.

Deshalb platziert Infosperber hier den Link zur vollständigen Intervention von Varoufakis am Treffen der Finanzminister vom 17. Juni 2015:

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Und hier die Presskonferenz, die Yanis Varoufakis nach der Sitzung der Finanzminister am 27.6.2015 gab.

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Und im Folgenden Varoufakis Argumente für ein «Nein» am Sonntag in Kürze (wörtlich von seinem Blog):

Why we recommend a NO in the referendum – in 6 short bullet points

Posted on July 1, 2015 by yanisv

  1. Negotiations have stalled because Greece’s creditors (a) refused to reduce our un-payable public debt and (b) insisted that it should be repaid ‘parametrically’ by the weakest members of our society, their children and their grandchildren
  2. The IMF, the United States’ government, many other governments around the globe, and most independent economists believe — along with us — that the debt must be restructured.
  3. The Eurogroup had previously (November 2012) conceded that the debt ought to be restructured but is refusing to commit to a debt restructure
  4. Since the announcement of the referendum, official Europe has sent signals that they are ready to discuss debt restructuring. These signals show that official Europe too would vote NO on its own ‘final’ offer.
  5. Greece will stay in the euro. Deposits in Greece’s banks are safe. Creditors have chosen the strategy of blackmail based on bank closures. The current impasse is due to this choice by the creditors and not by the Greek government discontinuing the negotiations or any Greek thoughts of Grexit and devaluation. Greece’s place in the Eurozone and in the European Union is non-negotiable.
  6. The future demands a proud Greece within the Eurozone and at the heart of Europe. This future demands that Greeks say a big NO on Sunday, that we stay in the Euro Area, and that, with the power vested upon us by that NO, we renegotiate Greece’s public debt as well as the distribution of burdens between the haves and the have nots.

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Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine

Weiterführende Informationen

Varoufakis PK 27.6.2015

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5 Meinungen

Danke für den Klartext im INFOsperber!
Oswald Sigg, am 03. Juli 2015 um 12:34 Uhr
Ich schliesse mich dem Dank an. Die an Griechenland durchexerzierte irationale Wirtschafts- und Sozialpolitik von EU, Eurozone und IWF macht Angst. Sind wir uns ja gewöhnt: Einseitige Information bei politischen Konflikten kennen wir in der Schweiz leider ebenso gut: Letztmals durchexerziert bei der Erbschaftssteuer. Hierzulande ist es dabei nicht immer einfach die Regierung, sondern oft genug sind es private intransparante 'Komitees' die mit millionenschweren Kampagnenbudgets die Meinung manipulieren, die dann fast alle Medien auch einfach übernehmen.
Rolf Zimmermann, am 03. Juli 2015 um 15:42 Uhr
Was für eine Welt !

Die einen konsumieren, verschwenden, verballern Kapital, treiben es Bunt und am Schluss wollen sie dass es die «anderen» bezahlen.
Die haben vermutlich noch nie etwas von Eigenverantwortung gehört, oder sie haben eine Schwachstelle in der EU entdeckt und nutzen die schamlos aus.
Wer «Verbraucht» bekommt doch immer eine Rechnung, so sind die Systeme nun mal. Wer nichts zahlen will übt sich in Zurückhaltung und „baut selbst seine Kartoffeln an“, so einfach ist es.

Andere Klagefreudige (hier), rufen bei jedem «Pieps» der ihnen nicht passt nach dem Richter … so was von verdreht.

Mensch ... bin ich froh dass wir hier nicht von Tsipras regiert werden und dass im Herbst wieder mal Wahlen stattfinden ! ...
Frau Carmey Bruderer, am 05. Juli 2015 um 15:05 Uhr
Frau Bruderer, wissen Sie, wie viele Konkurse es jedes Jahr in der Schweiz gibt, und wie viele Schweizer Kreditgeber einen Abschreiber auf ihren Investitionen hinnehmen müssen, weil sie die Zahlungsfähigkeit der Kreditnehmer falsch eingeschätzt haben?
Urs P. Gasche, am 05. Juli 2015 um 16:52 Uhr
Herr Gasche, wie soll ich das verstehen, nur weil es (auch) Geschäftsleute und Menschen gibt die nicht «rechnen können» soll so ein Verhalten entschuldigt werden ?
... zumal auch die Dimensionen ganz anderem Kaliber sind. 320, nun 2015 sind es 380 Milliarden sind wohl kein Pappenstiel und nicht vergleichbar !
Nicht zu vergessen dass auch viele Konkurse «mutwillig» sind, d.h. betrügerischer Art, man hört hier auf, lässt andere auflaufen ... und fängt unter anderem Namen wieder neu an. Leider in der CH möglich. Als ehemaliger Kassensturz Redaktor wissen sie bestimmt auch etwas davon zu erzählen.

Es stimmt schon, in dieser Hinsicht bin ich sehr Orthodox, es gilt bei mir „Null“ Toleranz. Ich habe selbst keine Schulden, nicht mal ein Hypothek, alles abbezahlt.
Man fühlt sich viel wohler dabei.
Lieber verzichte ich wo anders ...
Frau Carmey Bruderer, am 06. Juli 2015 um 00:04 Uhr

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