Unbezahlbares Wohneigentum: NZZ beisst sich in den Schwanz

Lukas Fierz © f
Lukas Fierz / 08. Jul 2019 - Selbst mit 10'000 Franken Monatsgehalt könne man sich vielerorts kein Wohneigentum mehr leisten. Über die Gründe gibt es ein Tabu.

Eigenheime seien unerschwinglich geworden. «Der Mittelstand kann sich kein Eigenheim mehr leisten», titelte die NZZ am 3. Juli. Deshalb müssten viele Leute immer längere Arbeitswege in Kauf nehmen. Auf folgender Karte zeigt die NZZ in roter Farbe die Regionen, in denen die Preise «nicht tragbar» sind.

Titel und Grafik der NZZ. Höhere Auflösung hier.

Der Grund, schreibt NZZ-Immobilienspezialistin Andrea Martel, seien «die hohen Immobilienpreise und die restriktive Hypothekenvergabe», welche Bundesrat, Nationalbank und Finanzmarktaufsicht den Banken «aufgezwungen» hätten. Wenige Sätze später merkt die Redaktorin, dass eine weniger restriktive Hypothekenvergabe die Nachfrage nach Wohneigentum «schlagartig» steigern würde, so dass die Preise «noch weiter nach oben schössen».

Warum kommt der freisinnig-liberalen NZZ eigentlich nicht in den Sinn, dass Preise zuerst durch Angebot und Nachfrage bestimmt sind?
Dass das Angebot an Wohnraum und Bauland in der Schweiz an Grenzen stösst, besonders in verkehrsgünstigen Lagen?
Dass die Nachfrage sich aber mehr als verdoppelt hat, seit wir von einer Vier-Millionen-Schweiz zur Acht-Millionen-Schweiz geworden sind?
Dass der Nachfragedruck weiter zunehmen wird, je näher wir uns auf die Zehn-Millionen-Schweiz zubewegen?

Das ist der fundamentale Preistreiber. Alles andere läuft unter Finanzkosmetik und unter ferner liefen.

Aber davon darf die NZZ nicht sprechen, weil die Zunahme der Bevölkerung die Wirtschaft wachsen lässt und mehr Profite ermöglicht. Deshalb ist das Bevölkerungswachstum unantastbar, undiskutierbar, das Thema ist tabu.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine

Weiterführende Informationen

NZZ Wohneigentum

Meinungen / Ihre Meinung eingeben

Ähnliche Artikel dank Ihrer Spende

Möchten Sie weitere solche Beiträge lesen? Ihre Spende macht es möglich:

Mit Kreditkarte oder Paypal - oder direkt aufs Spendenkonto für Stiftung SSUI, Jurablickstr. 69, 3095 Spiegel BE
IBAN CH0309000000604575581 (SSUI)
BIC/SWIFT POFICHBEXXX, Clearing: 09000

Ihre Spenden können Sie bei den Steuern abziehen.

Einzahlungsschein anfordern: kontakt@infosperber.ch (Postadresse angeben!)

5 Meinungen

» Aber davon darf die NZZ nicht sprechen».
Nicht nur die NZZ darf oder will davon nicht sprechen. Gilt auch ganz allgemein für Tamedia und Ringier-Springer. Bei Tamedia liegt die Betonung etwas mehr beim Moralischen, im Einklang mit der modernen urbanen Klientel.
Bernard Pfister, am 08. Juli 2019 um 15:19 Uhr
Im NZZ-Artikel wird ein entscheidender Punkt nur so nebenbei erwähnt: wer eine Liegenschaft kaufen will, braucht zuerst einmal genügend Eigenkapital. In den meisten Fällen mindestens 20% des Kaufpreises. Dazu kommen Notariatskosten, Einrichtungs- und Umzugskosten usw. Ein Bezug von der Pensionskasse muss zurückbezahlt werden, Hypotheken müssen teilweise amortisiert werden usw. Das sind die Gründe, weshalb bei einer seriösen Berechnung der Traum vom Eigenheim relativ rasch begraben werden muss.
Robert Bleuer, am 08. Juli 2019 um 18:41 Uhr
Richtig Herr Fierz, die Zuwanderung macht es möglich! Immer noch mehr Mitarbeitende in die Schweiz «importieren», inklusiv Firmen, die meistens ihre Leute gleich mitnehmen, und unsere Leute ab 45 bleiben auf der Strasse, oder beim Sozialamt bleiben, PFZ und BVG machen es möglich! Wo nehmen wir den günstigen Platz und Wohnraum her, damit sich auch unsere, und die lange hier ansässigen Leute, einen ordentlichen Wohnraum leisten können, wobei das nicht mal Luxus sein muss?
Wir könnten ja noch mehr Kulturland zu Bauland umfunktionieren? Wir bekommen alle Lebensmittel jederzeit aus dem Ausland - allerdings nicht Co2 neutral - zugeliefert. Ich bin allerdings Gegner einer solchen Zukunft!
Wären zBsp Deutschland zwischen 1950 und 2017 (inkl Gebiet der ehem DDR) gleich stark gewachsen wie die Schweiz in dieser Zeit, lebten heute 124Mio statt 83Mio in DE! FR statt 67Mio heute, deren 75.5Mio, IT statt 60.4Mio heute, deren 84Mio, OE statt 8.8Mio heute, deren 12.6Mio Wenn wir so weiterwachsen, werden wir in 20 Jahren die 10Mio-Schweiz haben. Die teuersten Wohnungen werden zu dieser Zeit in hohen Wohntürmen mit Aussichten auf Matterhorn, Berner Alpen, Walliser Berge, Titlis, Rigi, Säntis, und auf viele viele arme Leute im Umland haben! Tolle Aussichten, nicht?
Willy Brauen, am 08. Juli 2019 um 19:50 Uhr
Nebst der steigenden Bevölkerungszahl spielt die zunehmende Wohnflächenbedarf pro Person eine mindestens ebenso grosse Rolle. 1980 wohnten die Schweizer*innen noch auf 34m2 pro Person und heute sind es bereits 46m2, wobei insbesondere die Kleinhaushalte (1- und 2-Personen) und die älteren Menschen (Paar bleibt nach dem Auszug der Kinder in grosser Wohnung/Haus) den Durchschnitt deutlich anheben.
Rene Kernen, am 09. Juli 2019 um 11:28 Uhr
Was nicht übersehen werden sollte ist die Überbevölkerung, die in den höher gelegenen Regionen Europas einsetzen wird, sobald die Mittelmeerküsten durch die Klimaerwärmung überflutet werden. Was dann passiert kann sich jeder selbst ausmalen. Und wie bereiten wir uns vor? Durch das Fokussieren auf CO2?
Michel Mortier, am 10. Juli 2019 um 18:31 Uhr

Ihre Meinung

Loggen Sie sich ein. Wir gestatten keine Meinungseinträge anonymer User. Hier können Sie sich registrieren.
Sollten Sie ihr Passwort vergessen haben, können Sie es neu anfordern. Meinungen schalten wir neu 9 Stunden nach Erhalt online, damit wir Zeit haben, deren Sachlichkeit zu prüfen. Wir folgen damit einer Empfehlung des Presserats. Die Redaktion behält sich vor, Beiträge, welche andere Personen, Institutionen oder Unternehmen beleidigen oder unnötig herabsetzen, oder sich nicht auf den Inhalt des betreffenden Beitrags beziehen, zu kürzen, nicht zu veröffentlichen oder zu entfernen. Über Entscheide der Redaktion können wir keine Korrespondenz führen. Zwei Meinungseinträge unmittelbar hintereinander sind nicht erlaubt.