Idlib und die Heuchelei des Westens

Helmut Scheben © hs
Helmut Scheben / 21. Aug 2019 - Die Medien verschweigen, wie es zur Eskalation in Idlib kam. Sie beschuldigen zu einseitig Assad und seine Verbündeten.

Es ist ein Déjà-vu: In Idlib wiederholt sich das traurige Spektakel, das der Welt bei den Kämpfen in Ost-Gouta vor Damaskus und im nordsyrischen Aleppo geboten wurde. Der Westen beklagt händeringend das Schicksal der Dschihadisten und ihrer Anhängerschaft und nennt sie «Rebellen». Es sind jedoch dieselben Dschihadisten, die der Westen im irakischen Mossul als terroristischen Abschaum dargestellt und in Grund und Boden bombardiert hat.

Ergänzende Informationen

Red. Besonders in geopolitischen Auseinandersetzungen versuchen alle Konfliktparteien, ihre eigenen Absichten zu vertuschen, die Gegenseite zu diskreditieren, falsche Fährten zu legen und die Medien zu instrumentalisieren.
Als Zweitmedium gehen wir davon aus, dass unsere Leserschaft die von grossen Medien verbreiteten Informationen bereits kennt. Helmut Scheben beleuchtet hier die westliche Syrienpolitik und Berichte grosser westlicher Medien aus einer äusserst kritischen Optik, die sonst kaum zur Diskussion gestellt wird.
Immer mehr Bürgerinnen und Bürger schätzen unsere ergänzenden Informationen, um sich eine eigene Meinung zu bilden.

Die USA und ihre Verbündeten geben nach eigenen Angaben Milliarden Dollar für den sogenannten «Krieg gegen den Terror» aus. Doch in der syrischen Region Idlib stellen sie sich auf die Seite von radikalislamischen Kampfgruppen und erheben ein lautes Wehgeschrei, wenn die syrische Armee mit Unterstützung Russlands gegen Al-Kaida-Dschihadisten vorgeht, die jede Abmachung und jeden Waffenstillstand gebrochen und immer wieder Terroranschläge verübt haben. «Die Provinz Idlib wird militärisch weitgehend von einer Miliz kontrolliert, die der al-Kaida nahesteht», berichteten der Tagesanzeiger und die Süddeutsche Zeitung am 27. Juli.

Die Eskalation in Idlib werde die Region weiter destabilisieren, klagt US-Botschafter Jonathan Cohen vor dem UN-Sicherheitsrat. Die Position der USA und ihrer NATO-Alliierten wird von den grossen westlichen Medien – wie im gesamten Syrienkonflikt – weitgehend kritiklos übernommen. Sie warnen vor Massakern und einer humanitären Katastrophe, sie schildern das tatsächliche Leid der Bevölkerung in den erschreckendsten Details, sie bringen herzzerreissende Augenzeugenberichte aus den umkämpften Gebieten, und sie vergessen nie zu betonen, wer die Schuldigen sind: Baschar al-Assad, Russland und der Iran.

Idlib liegt im Norden und grenzt an die Türkei. Karte: Al Jazeera.

«Die letzte Schlacht wird die blutigste» titelt der Zürcher «Tagesanzeiger» am 8. August 2019 und zitiert Rania Kisar, eine US-Amerikanerin mit syrischen Wurzeln, die seit Jahren als PR-Aktivistin der syrischen Opposition auf amerikanischen TV-Sendern zu sehen ist. 1 Am 22. Juli stellte sie ein Video ins Netz, das ihr prompt ein Interview mit CNN einbrachte. Ihr Aufruf ist stets dergleiche: Helfen Sie uns, Mister Trump, Sie wissen, was Baschar al-Assad den Menschen hier antut.

Die «Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte», längst als fragwürdiges Propagandabüro der Opposition diskreditiert, feiert ihr Come Back als seriöse Informationsquelle. Dieser zufolge bombardieren die Russen vorzugsweise Spitäler und Schulen, töten Frauen und Kinder. Die Dementis von Seiten Russlands und der syrischen Regierung scheinen kaum noch einer Erwähnung wert. Es herrscht Krieg – auch ein Informationskrieg. Wie viele Spitäler und Schulen tatsächlich angegriffen und getroffen wurden, wird man erst nach Ende der Kämpfe feststellen können.

Die grossen westlichen Medien leiden an Gedächtnisverlust. Sie vergessen, dass der Westen Truppen finanziert, bewaffnet und nach Syrien geschickt hat, um die Regierung zu stürzen. Immer erst wenn es diesen sogenannten Rebellen an den Kragen geht, entdeckt derselbe Westen mit grossem Jammern das Leid der Menschen im Krieg. Die Heuchelei ist zum politischen Kerngeschäft geworden. Das Projekt «Regime Change» ist gescheitert, die Planer dieses Projektes, die USA und ihre Verbündeten am Golf und in der NATO, rufen jetzt nach mehr Menschlichkeit.

Hat man in acht Kriegsjahren auf unseren deutschsprachigen Sendern ein Fernsehinterview gesehen, in dem eine syrische Familie befragt wird, wie es ihr geht, nachdem ein Familienvater, ein Sohn, eine Tochter von «Rebellen» umgebracht wurde? Ich habe keines gesehen und gehört. Gab es einen einzigen Zeitungsartikel, in dem das Leid der Familien gefallener syrischen Soldaten Thema war? In der Mediendatenbank ist nichts zu finden. Die Berichterstattung unserer grossen Medien konzentrierte sich auf die Perspektive der sogenannten Rebellen und der USA. Westliche Medien informierten noch einseitiger als es im Irakkrieg der Fall war. Und das ist noch heute so.

Warum verschweigen die Medien, wie es zur Eskalation in Idlib kam?

Ein Beispiel. Die Region Idlib wurde Ende 2018 zur demilitarisierten Zone erklärt und den Aufständischen als vorläufiges Refugium angeboten. So sah es eine Abmachung zwischen Russland, dem Iran, der Türkei und Syrien vor. Doch die Gruppe Hayat Tahrir al-Sham (früher al-Nusra), die Al Kaida nahesteht, missachtete sämtliche Abmachungen, gab ihre schweren Waffen nicht ab und verschaffte sich in brutalen Überfällen weitgehend militärische Kontrolle über das Gebiet. Nachdem die Dschihadisten immer wieder Stellungen der syrischen Armee angegriffen hatten, leitete die syrische Regierung in Kooperation mit den Russen Ende April 2019 die Offensive ein, die zur Zeit andauert.

All dies ist zwar auf Wikipedia nachzulesen, wird aber in unseren Zeitungen, im Radio und in der «Tagesschau» weitgehend ignoriert. Berichtet wird hingegen ausgiebig über Bombenangriffe der syrischen Armee, ganz so als massakriere einmal mehr nur ein tyrannisches Regime eine schutzlose Zivilbevölkerung. In andern Fällen wird dies als «Kolateralschaden» bezeichnet. Man erinnere sich nur an die Bombardierung der Stadt Mossul. Diese Kommunikationsstrategie wird als Framing bezeichnet: Ereignisse werden aus dem Kontext herausgeschnitten, das Handeln der syrischen Regierung erscheint als grundlos, willkürlich und brutal.

Die «Tagesschau» des Schweizer Fernsehens stellte vor kurzem ein Filmteam vor, das einen Film über Syrien auf dem Festival von Locarno präsentierte. Ein Sprecher dieses Teams sagte vor der Kamera, der Film dokumentiere das tägliche Leben der Bevölkerung im Widerstand. Der Titel des Films: «During Revolution».

Welche «Revolution» ist da gemeint? Und wie hat sie sich manifestiert? In der Bedrohung, Ermordung, Vertreibung von Christen, Alewiten, Schiiten, Jesiden und all derjenigen, die als Sympathisanten der Regierung galten? In den abgeschnittenen Köpfen? In den Massenerschiessungen auf den Dorfplätzen? Die Burka-Frauen, die wie stumme, schwarze Pakete in den Gebieten unter Kontrolle der Aufständischen zu sehen sind: Gehören sie zur Revolution, von der hier die Rede ist?

Den Aufstand der vom Westen finanzierten Milizen gegen die syrische Regierung als «Revolution» zu bezeichnen ist Parteinahme für einen Terrorkrieg.

Das semantische Einwickelpapier

Das Wort «Revolution», einst Schlüsselwort im Vokabular der Linken (Französische Revolution, Oktoberrevolution, kubanische Revolution, Nelkenrevolution) ist zum Lieblingswort der amerikanischen Neokons mutiert: Sie reden von der «Maidan-Revolution» und anderen «Orange Revolutionen» in Osteuropa. Wörter wie «Revolution» oder «Rebellen» sind das Einwickelpapier, mit dem der faule Fisch verpackt wird. Wenn nicht mehr zu merken ist, dass er schlecht riecht, kann man ihn den Leuten verkaufen.

Ähnliche Skepsis ist geboten, wenn im Wording westlicher Medien das «syrischen Volk» auftaucht. In der Regel heisst es dann «Assad schiesst auf sein eigenes Volk» oder – wie am 10. August in einem Kommentar im Zürcher «Tagesanzeiger» – Präsident Bashar al-Assad habe «Chemiewaffen gegen sein eigenes Volk eingesetzt».

Würden die Journalisten sorgfältig recherchieren, so fänden sie heraus, dass die Beweise für Assads «Giftgasangriffe» auf wackligen Füssen stehen. Unabhängige Experten haben nachgewiesen, dass es mit hoher Wahrscheinlichkeit die Kampfgruppen der Dschihadisten waren, die diese Angriffe mit chemischen Waffen verübten, um die USA für einen Einmarsch zu provozieren. Würden die Medien sorgfältig recherchieren, so fänden sie weiter heraus, dass die Story von den neunzigtausend Folterfotos, die ein mysteriöser Militärfotograf «Caesar» verbreiten lässt, genauso wenig glaubwürdig und masslos übertrieben ist, wie die «Augenzeugenberichte» der Propaganda-Organisation Weisshelme es waren.

Massive Verletzungen des Völkerrechts auf allen Seiten

Red. Es besteht kein Zweifel: Im Kriegszustand begehen alle Seiten, auch die Regierung Assad, Kriegsverbrechen und verstossen massiv gegen die Genfer Konventionen über die Kriegsführung.

Das «syrische Volk»

Das Wording vom «syrischen Volk», so wie es unsere Medien als Textbaustein verwenden, ist manipulativ. Denn das «syrischen Volk», wer soll das sein: die Aufständischen, die Syrien zum grossen Teil verlassen haben, oder die 20 Millionen, die in Syrien geblieben sind? Die Medien zitieren generell die UNO-Berichte, in denen von rund elf Millionen Flüchtlingen die Rede ist. Davon sollen rund fünf Millionen ins Ausland geflohen und rund sechs Millionen innerhalb des Landes vertrieben worden sein. Kaum ein Syrien-Bericht in unseren Medien verzichtet darauf, diese Statistik hervorzuheben.

Nur: Diese Zahlen werden in der Regel so in den Kontext eingebettet, als sei die gesamte Fluchtbewegung der syrischen Regierung anzulasten. Niemand macht sich die Mühe zu differenzieren, wer da von wem vertrieben wurde. Dass die sogenannten Rebellen seit Kriegsbeginn massive ethnische «Säuberungen» betrieben, ist in zahlreichen Fällen dokumentiert, wird aber kaum thematisiert. Man darf wohl davon ausgehen, dass ein grosser Teil der internen Vertriebenen nicht vor der syrischen Armee, sondern vor dem Terror der Dschihadisten geflohen ist.2 So wie man annehmen darf, dass ein grosser Teil der jungen Männer, die in europäischen Flüchtlingszentren landen, Dschihadisten sind, die sich in Sicherheit gebracht haben, als sie sahen, dass der Krieg verloren war.

Wenn Assad auf «sein eigenes Volk schiesst», auf wen schiessen dann die vom Westen bewaffneten Milizen? Die Dschihadisten aus mehr als fünfzig Nationen, die in verschiedenen Schüben von Norden, Westen und Süden über die Grenzen nach Syrien eindrangen, um die Regierung Assad zu stürzen: Auf wen haben sie wohl geschossen?

Seit Vietnam die ewig gleiche Propaganda

Wie lange wird uns noch die Story vom «syrischen Volk» erzählt, welches sich «erheben musste gegen den Diktator Assad»? Die grossen Medien haben, wie so oft in der Vergangenheit, die in Washington, London, Paris und Berlin verbreitete Erzählung emsig kolportiert. Statt nun endlich ihre Fehleinschätzung einzugestehen und genauer zu recherchieren, sind sie offenbar entschlossen, die Sache auf Biegen und Brechen durchzuboxen. Augen zu und durch, heisst jetzt ihre Parole, und damit riskieren sie einen Verlust an Glaubwürdigkeit. Ein spanisches Sprichwort sagt: «No se puede tapar el sol con un dedo». Man kann die Sonne nicht mit einem Finger verdecken. Früher oder später wird die Geschichte des Syrienkrieges mit mehr Faktentreue geschrieben.

Wie oft müssen Medienschaffende noch übers Ohr gehauen werden, bis sie merken, dass seit Vietnam auf beiden Kriegsseiten immer von neuem die gleiche Propagandalüge funktioniert? Lesen Journalistinnen und Journalisten noch Dokumente wie die «Pentagon Papers»?

Schon damals durften die USA angeblich ihre «Freunde» in Südvietnam nicht im Stich lassen. Schon damals kämpfte das Volk gegen die Tyrannei aus dem Norden, und der Westen musste dem vietnamesischen Volk zu Hilfe eilen.

In den Balkankriegen hatten die Serben laut dem deutschen Verteidigungsminister Scharping einen «Plan Hufeisen» gefasst, um das kosovarische Volk auszulöschen. Es war Fake, aber es funktionierte: Die NATO musste dem Volk zu Hilfe eilen und bombardierte Belgrad.

In Afghanistan kämpfte das Volk gegen die Tyrannei der Taliban, und der Westen mussten dem Volk zu Hilfe eilen. Die Behauptung, die Taliban hätten etwas mit 9/11 zu tun, war falsch.

Im Irak kämpfte das Volk gegen die Tyrannei des Saddam Hussein, und die USA mussten dem Volk zu Hilfe eilen.

In Libyen drohte angeblich ein Massenmord an der Bevölkerung von Benghazi. Die Berichte waren Fake, aber es funktionierte. Der Westen musste dem unterdrückten Volk zu Hilfe eilen und brachte seine Freiheitskämpfer an die Macht.

Die Resultate all dieser humanitären Kriege sind zu besichtigen: Es sind zerstörte Länder im Chaos.

In Aleppo «Rebellen» – in Mossul terroristische «Dschihadisten»

Das gleiche Stück wurde uns noch einmal vor syrischen Kulissen gespielt, und bis heute spielen die meisten Medien wacker mit: Das «syrische Volk» erhob sich gegen die Tyrannei des Bashar al-Assad, und der Westen und seine Freunde am Golf mussten «Rebellen» bewaffnen und finanzieren, um dem syrischen Volk beizustehen. Die Sache ist – wieder einmal – schiefgegangen.

Man hatte – wie schon in Libyen – angeblich Kämpfer für Demokratie und Freiheit unterstützt, und sie erwiesen sich in ihrer grossen Mehrheit als Dschihadisten der übleren Sorte. Nun war guter Rat teuer, und die Syrienpolitik des Weissen Hauses wurde vollends zum Irrläufer. Man wusste sich nicht anders zu helfen als mit einer neuen Fiktion: Jetzt musste man die guten Rebellen unterstützen und die bösen Rebellen bombardieren. So als mache es völkerrechtlich einen Unterschied, ob man sympathische oder unsympathische Kampftruppen bewaffnet, um einen souveränen Staat anzugreifen.

Die Rollenverteilung auf der Bühne des Teatro Mundi made in USA war fortan festgelegt: In Aleppo waren die Dschihadisten die guten Rebellen, weil sie von der syrischen Armee und der russischen Luftwaffe angegriffen wurden, also von den Bösen. In Mossul dagegen waren sie die bösen Rebellen, weil dort die USA und ihre Verbündeten bombardierten, also die Good Guys im Welt-Theater. In Idlib wiederum sind es nun die bedauernswerten Rebellen, für deren Menschenrechte der Westen kämpfen muss und so weiter.

Die Journalisten und Journalistinnen, die diese Söldner als «Rebellen» und ihr Treiben als «syrische Revolution» etikettieren, mögen sich doch – und sei es nur für ein paar Wochen – nach Syrien begeben und die Leute auf der Strasse befragen. Eine überwältigende Mehrheit wünscht diese Milizen zum Teufel, die acht Jahre lang Krieg führten, weil sie sich der Unterstützung ihrer Freunde in Washington, Riad, Doha und Ankara sicher sein konnten. Die Regierung Assad hat ein ums andere Mal freien Abzug angeboten, wenn sie die Waffen niederlegen. Sie haben sich geweigert, weil der Nachschub lief und weil die Milliarden aus Katar, aus Saudiarabien, aus den USA und aus anderen Ländern weiter flossen.

«Missbrauchte Volksbewegungen des «arabischen Frühlings»

Im Kontext des «arabischen Frühlings» gab es auch in Syrien eine Mobilisierung der Opposition und sicher gab es politische Kräfte, die Reformen wollten, nicht aber Krieg. Sicher gab es friedliche Demonstrationen, gegen welche die syrischen Sicherheitskräfte repressiv vorgingen. Es gab aber gleichzeitig – unter dem Cover dieser Demonstrationen und unter dem ideologischen Deckmantel eines arabischen Frühlings – zahlreiche Fälle von bewaffneter Gewalt gegen die Repräsentanten des Staates und Massaker an «Sympathisanten Assads».

Das Narrativ des arabischen Frühlings wurde genutzt, um unliebsame Regierungen der gesamten Region militärisch zu stürzen. Washington und die Golfmonarchien hatten das Drehbuch geschrieben. Syrien wurde angegriffen, obwohl von dem multikulturellen Land mit säkularer Verfassung keine Bedrohung für den Westen ausging.

Die Provinz Idlib machte erstmals Schlagzeilen bei Kriegsbeginn im Juni 2011. Gerade hatten Dschihadisten des Islamischen Staates das Provinzstädtchen Jisr esh-Shoughur besetzt und zur Abschreckung vermeintlich Andersdenkender gleich alle 123 Polizisten der Ortschaft massakriert. Der Fluss Orontes, der durch das Städtchen fliesst, spülte in den folgenden Wochen immer wieder verstümmelte Körperteile der Massakrierten an die Ufer.

Heute, acht Jahre später, zeigt sich der Westen entsetzt, dass der Krieg, den er finanziert und politisch gerechtfertigt hat, so grausam enden könnte wie er angefangen hat. Die Philosophin Hannah Arendt hatte kurz vor ihrem Tod einen scharfsinnnigen Kommentar zu den «Pentagon Papers» geschrieben. Sie fällt ein vernichtendes Urteil über die Leute, die den Krieg in Vietnam zu verantworten hatten:

«Die Betrüger fingen mit Selbstbetrug an. Wohl dank ihrer hohen Position und ihrer erstaunlichen Selbstsicherheit waren sie von ihrem überwältigenden Erfolg – nicht auf dem Schlachtfeld, sondern auf dem Feld der Public Relations – so überzeugt und der Richtigkeit ihrer psychologischen Theorien über die Manipulierbarkeit von Menschen so sicher, dass sie an ihrer eigenen Glaubwürdigkeit nie zweifelten und ihren Sieg im Kampf um die Volksmeinung im voraus für gegeben hielten.»3

Diese Sätze wurden in den siebziger Jahren geschrieben. Sie könnten gelesen werden als ein Kommentar zu dem Krieg in Syrien oder eine Prophezeihung im Hinblick auf den Krieg gegen den Iran, den dieselben Geostrategen derzeit ins Auge fassen.

________________________________

FUSSNOTEN
1https://www.youtube.com/watch?v=nMcAKGMQ0RU
https://www.youtube.com/watch?v=x2IzUOHUZSQ
2https://www.journal21.ch/syrien-ein-bild-erzaehlt-eine-story
3Hannah Arendt: Wahrheit und Lüge in der Politik (Piper 2017) S.33

********************************************************

Infosperber-DOSSIER:

********************************************************

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine

Weiterführende Informationen

Karte Idlib Syrien

Meinungen / Ihre Meinung eingeben

Ähnliche Artikel dank Ihrer Spende

Möchten Sie weitere solche Beiträge lesen? Ihre Spende macht es möglich:

Mit Kreditkarte oder Paypal - oder direkt aufs Spendenkonto für Stiftung SSUI, Jurablickstr. 69, 3095 Spiegel BE
IBAN CH0309000000604575581 (SSUI)
BIC/SWIFT POFICHBEXXX, Clearing: 09000

Ihre Spenden können Sie bei den Steuern abziehen.

Einzahlungsschein anfordern: kontakt@infosperber.ch (Postadresse angeben!)

12 Meinungen

@ Helmut Scheben,
vielen Dank für Ihren Artikel, Sie schreiben Wahrheiten welche von unseren Medien verschwiegen werden.
Werner Kämtner, am 21. August 2019 um 14:32 Uhr
Besten Dank für diese Darstellung. Meine eigenen Erfahrungen vor Ort können diese Sicht nur bestätigen.
Josef Hunkeler, am 21. August 2019 um 20:37 Uhr
Vielen Dank, Herr Scheben, für Ihren Klarblick + Klartext. Wieso nur übernehmen viele westliche Medien die US-Propaganda derart unbesehen?

Wieso nur kommen Sie, Herr Neuenschwander, nur dazu, Herr Scheben Vorhaltungen zu machen?
- Die Sicht von Herrn Scheben lässt sich anhand unzähliger PR-Aktionen der USA-Geheimdienste belegen. Und eigentlich haben die USA im Nahen Osten Nichts mehr zu suchen, nach allem Leid, welches sie dieser Region aus Eigennutz gebracht haben.
- Als typisches Beispiel für US-Propaganda verweise ich auf das Märchen von den 'Weisshelmen' in Syrien, welche nur einfach Spione gut getarnte waren.
Konrad Staudacher, am 22. August 2019 um 08:30 Uhr
Auch wenn ich dem Text des Herrn Thomas Neuenschwander im Ganzen ablehnend gegenüber stehe, stimme ich bestimmte Worte betreffend zu. «Dschihad» und andere Bezeichnungen, sind der Giftküche des CIA entfleucht, also der Gegenseite der wirklichen Informationen für humanistische Menschen. Die Sprache des Gegners sollte man nie verwenden, wennman gegen diesen gewinnen will! Hinzu kommt, dass mittels «Dschihad» die Kriege immer als Glaubenskriege eingestuft werden. Es wurde noch NIE ein Krieg wegen des Glaubens geführt - sondern immer ging es um Geld und Macht. Glaubensfragen wurden immer nur mißbraucht.
Günther Wassenaar, am 22. August 2019 um 09:28 Uhr
@ Thomas Neuenschwander,
mit Verlaub, aber Sie verirren sich in Ihren denken. Herr Helmut Scheben
schreibt nur die Wahrheit von dem Geschehen in Syrien.Herr Scheben schreibt nicht von der «Börse » dort finden Sie dass Vokabular.Auch scheinen Sie sehr informiert zu sein über die Giftgasangriffe, und auch über dass Geschehene über Syrien. Platon schrieb schon vor 200 hundert Jahren- » Keiner wird mehr gehasst, als der der die Wahrheit sagt » Nichts für Ungut Freundlichen Gruß Werner Kämtner
Werner Kämtner, am 22. August 2019 um 14:56 Uhr
Vielen Dank für die immer wieder notwendigen, vom Mainstream abweichenden Klarstellungen! Jedenfalls entsprechen Herr Schebens Meinungen im Artikel viel mehr der Wahrheit als die vom Westen propagierten. Insbesondere zu denken geben doch die verlogenen, gefälschten und verschwiegenen Machenschaften aus dem Weissen Haus. Und dies bei weitem nicht erst seit dem neuen Machthaber! Herrn Neuenschwander möchte ich diesbezüglich die Memoiren des überragenden amerikanischen Enthüllungsjournalisten Seymour M. Hersh empfehlen. (Das englische Original sollte allerdings der deutschen Übersetzung vorgezogen werden.)
Andreas Mathys, am 22. August 2019 um 17:54 Uhr
Herzlichen Dank für diesen Artikel. Zwei Ergänzungen möchte ich allerdings anbringen.

Es gab tatsächlich eine friedliche, verhandlungsbereite Opposition.In Moskau und Peking wurde sie empfangen, aber der Westen hat sie konsequent ignoriert und auf Hardliner gesetzt.

Und statt immer mit dem Finger auf andere zu zeigen, würde ich mir eine offene Diskussion wünschen, wieso sich die Schweiz an EU-Sanktionen beteiligt, die gegen Neutralität, Völker- und Menschenrechte verstossen.
Lukas Brülisauer, am 22. August 2019 um 20:49 Uhr
Dieser Artikel mag in einzelnen Punkten (siehe die Kritik an den Folterfotos oben) nicht völlig korrekt sein, aber die ausgedrückte Tendenz ist es. Mich hat der Autor überzeugt.
Karl-Heinz Isleif, am 23. August 2019 um 03:40 Uhr
Sehr geehrter Herr Scheben,

vollste Zustimmung, was die verlogen tendenziöse und lückenhafte Berichterstattung transatlantisch ausgerichteter Leitmedien, das perfide geostrategische Ziel von USA und anderen NATO-Staaten sowie die verbrecherische Untestützung nach Syrien eingedrungener Islamisten betrifft.

Dennoch rührt der Ursprung der syrischen Malaise durchaus im Unmut von großen Teilen der syrischen Bevölkerung selbst gegen Assad. Den sinnvollen Weg, hier über die UN zu vermitteln, den Russland 2012 vorschlug, schlug damals der Westen aus - aus Hybris und geopolitischem Kalkül.

Trotzdem ist Assad und seine Verweigerung von Sicherheit für Rückkehrer einer der Hauptgründe, warum unter trotz extremer Feindseligkeit eine Millionen Syrer lieber unter elendigsten Umständen im Libanon verharrt, bis sie gewaltsam von dort vertrieben werden. In der Türkei harren 3,5 Millionen aus, trotz steigender Aggression gegen sie, und wollen nicht zurück.

Syrische Kurden sind nach Deutschland schon lange vor 2011 hunderttausendfach eingewandert. Ihre Schilderungen von Terror unter Assad (von Erdogan erwarten sie auch nicht mehr) schildern Verhältnisse, unter denen ich auch nicht leben wollte. Hässlich wurde die Situation auch nach 2011 für in Syrien lebende Palestinenser.

Sie zeigen eine Seite dieses schmutzigen Konflikts, blenden aber leider die andere aus. Eine Lösung wäre nur möglich, wenn alle Seiten darauf verzichten, mit dem Leben von Menschen Geo-Schach zu spielen.
Anja Böttcher, am 25. August 2019 um 11:37 Uhr
@Brülisauer. Da kann ich nur beistimmen. Ich bin zufällig bei einer Finma-Recherche auf die EU-anti-Syrien-Sanktionen gestossen, welche die Schweiz voll übernommen hat und die vom Seco umgesetzt werden.

Das ist schlichtweg ein Skandal und die Liste der sanktionierten Firmen und Leute ist einer Demokratie wie der Schweiz absolut unwürdig.

Der Bergier-Bericht ist immer noch auf meinem Tisch. Wer schreibt den Bericht zur imperialen Sanktionsgeschichte der selbstgerechten Weltherrscher, welche von der Schweiz voll mitgetragen wird ?
Josef Hunkeler, am 25. August 2019 um 12:50 Uhr
Danke für den Artikel. Ich kann nur beistimmen...ausser beim Film «During Revolution». Ich habe diesen beeindruckenden Dokumentarfilm in Locarno gesehen, und finde den Titel passend. Ich denke, dass sie mir nach der Visionierung zustimmen werden.
Heidi Meyer, am 26. August 2019 um 20:58 Uhr
Ich hatte oben schon im Zusammenhang mit «Dschihad», auf die gedankenlose Verwendung der Sprache des Klassengegners verwiesen. Liest man im Text der Meinungen weiter, erscheint der nächste sprachliche Fehler.

Was sind Sanktionen? Bitte Alle mal im Lexikon nachschlagen.

Das was hier betrieben wird, und an dem sich auch die «neutrale» Schweiz beteiligt ist Wirtschaftskrieg - und Krieg darf man nicht mit anderen Worten umschreiben. Er muß mit aller Deutlichkeit als solcher - als KRIEG benannt werden. Und jeder der Staaten, auch die entsprechende Bevölkerung müssen sich im Klaren sein, dass IHR Land am Krieg beteiligt ist.
Günther Wassenaar, am 30. August 2019 um 09:09 Uhr

Ihre Meinung

Loggen Sie sich ein. Wir gestatten keine Meinungseinträge anonymer User. Hier können Sie sich registrieren.
Sollten Sie ihr Passwort vergessen haben, können Sie es neu anfordern. Meinungen schalten wir neu 9 Stunden nach Erhalt online, damit wir Zeit haben, deren Sachlichkeit zu prüfen. Wir folgen damit einer Empfehlung des Presserats. Die Redaktion behält sich vor, Beiträge, welche andere Personen, Institutionen oder Unternehmen beleidigen oder unnötig herabsetzen, oder sich nicht auf den Inhalt des betreffenden Beitrags beziehen, zu kürzen, nicht zu veröffentlichen oder zu entfernen. Über Entscheide der Redaktion können wir keine Korrespondenz führen. Zwei Meinungseinträge unmittelbar hintereinander sind nicht erlaubt.