Publizistik-Professor sieht schwarz

Urs P. Gasche © upg
Urs P. Gasche / 30. Jul 2013 - Der Zeitungs-Ausverkauf des Springer-Verlags zeige, dass es Verlegern nur noch um Rendite ihrer Aktionäre gehe.

Letzte Woche hat der Springer-Verlag die «Berliner Morgenpost» und das «Hamburger Abendblatt» sowie die deutschen TV-Programm- und Frauenzeitschriften an die westdeutsche Funke-Gruppe (vormals WAZ) verkauft. Diese traditionsreichen Titel waren nicht defizitär: Sie erzielten im Jahr 2012 einen Umsatz von rund 512 Mio. € und einen Betriebsgewinn (Ebitda) von 95 Mio. €.

Das ruft Klaus-Dieter Altmeppen auf den Plan, Journalistik-Professor an der Universität Eichstätt-Ingolstadt und Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft (DGPuK). «Die Frage nach Qualitätsjournalismus oder publizistischer Verantwortung wird nicht mehr gestellt», erklärt Altmeppen in einem Interview mit Spiegel-online. Es stehe vielmehr die Frage im Vordergrund, «was ich meinen Aktionären auszahlen kann». Das Geld verdränge das Gewissen.

Es gelte heute als normal, dass Medienunternehmen im Kapitalismus Geld machen möchten. «Wenn diese Firmen jedoch ständig darauf pochen, ein Medienhaus zu sein und deswegen anders behandelt zu werden, weil sie angeblich einen gesellschaftlichen Auftrag erfüllen, dann dürfen sie sich nicht wundern, wenn die Gesellschaft sie irgendwann danach fragt, wie und ob sie diesen Auftrag überhaupt erfüllen, wenn es ja nur noch um Moneten und Reinvestitionen geht.»

Die publizistischen Persönlichkeiten seien weitgehend abhanden gekommen. An ihre Stelle sei ein Management getreten, das einen hochprofessionellen Job mache. Nur eben nicht im Sinne einer gesellschaftlichen Kommunikation, die für Transparenz, Meinungsbildung und Partizipation sorge.

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