kontertext: Starkes Bekenntnis zum Service Public

Linda Stibler © cc
Linda Stibler / 05. Mär 2018 - Mit über 71 Prozent wurde die No-Billag-Initiative abgelehnt – Zivilgesellschaft sei Dank!

So heftig diskutiert wurde schon lange nicht mehr über eine Volksinitiative, die in ihren Forderungen so abwegig war, dass man sich eigentlich hätte fragen können: Warum dieser Sturm im Wasserglas?

Die Initiative war recht perfid eingefädelt, weil sie auf der einen Seite Ressentiments bediente (und wer hätte sich nicht schon über den einen oder andern Radio- oder Fernsehbeitrag geärgert!). Auf der andern Seite behaupteten die Initianten unverfroren, Medien seien ein ganz normales Konsumgut und habe nichts mit Demokratie zu tun; um informiert zu sein, brauche man sich nur an den eigenen Vorlieben und Meinungen zu orientieren. Ergo solle man auch nicht bezahlen, was man nicht ausgewählt hat. Und somit könne man Geld sparen. Kurz, die Initiative setzte auf die vermeintliche Dummheit des Volkes, auf Geiz und Egoismus. Beides hat die Abstimmung jetzt Lügen gestraft. Daher war die Debatte klärend und keineswegs Zeitverschwendung, auch wenn schon bald klar wurde, dass die Initianten mit ihren unhaltbaren Angriffen gegen die Medienschaffenden nicht zum Ziel kämen. Da half auch nicht eine Kehrtwende kurz vor der Abstimmung, als die Initianten und ihre vornehmen Helfershelfer plötzlich behaupteten, sie wollten die öffentlich-rechtlichen Medien gar nicht abschaffen; es gebe einen Plan B.

Entscheidend waren nicht die Beschwörungen der Bundesrätin und nicht die Beteuerungen aller Parteien (mit Ausnahme der SVP, die schliesslich Farbe bekennen musste). Ausschlaggebend war das grosse und spontane Engagement der Betroffenen des geplanten Kahlschlags in der Schweizer Medienlandschaft.

Eine engagierte Öffentlichkeit

Da waren die Radiohörerinnen und Fernsehzuschauer, die auf einen guten und vielseitigen Service Public angewiesen sind, allen voran die ältere Bevölkerung, die nur wenig mit den digitalen Medien unterwegs sind, nicht mehr so mobil sind und abends gerne fernsehen. Sie haben sich mit ihren Verbänden gewehrt. Es waren aber auch die Hörerinnen und Hörer, die sich tagsüber während der Arbeit vom Radio begleiten lassen, selbstredend von einem Sender von SRF oder einem lokalen Sender in ihrer Nähe. Da waren die Sportlerinnen und Sportler, die auf das breite Echo eines nationalen Senders angewiesen sind, und nicht zuletzt viele Sportfans, denen bald klar wurde, dass nur ein grosser nationaler Sender ihnen die Vielfalt bieten kann; müssten sie auf Bezahlsender ausweichen, würden die Kosten ins Unermessliche steigen.

Viele haben sich persönlich in den Abstimmungskampf eingebracht, sei es mit Karten, im Internet oder im direkten Gespräch. Und da waren die Kulturschaffenden, die das breite Echo in den öffentlichen Sendern dringend brauchen und schliesslich ihre Leistungen dort auch anständig bezahlt bekommen. Das gilt wiederum vor allem für die ganze Schweizer Musikszene, die ohne diesen Sukkurs marginalisiert wäre. Sie haben sich spontan und gruppenweise zur Wehr gesetzt. Viele Menschen haben sich fantasievoll geäussert mit persönlichen Texten, improvisierten Flyern, bunten Internetbotschaften. Der Grossteil davon waren Gratisleistungen, die keinen Rappen gekostet haben. Geld war also nicht entscheidend, auch wenn die Initianten sich lautstark beklagten, sie hätten nicht über genügend finanzielle Mitteln verfügt. Sicher haben sie nicht über das breite freiwillige Engagement verfügt, das die Gegner der Initiative auf die Beine bringen konnten. Zivilgesellschaft sei Dank!

Und die Lehren, die die Medienschaffenden daraus ziehen sollten? Sie sind in erster Linie dieser Zivilgesellschaft und der Öffentlichkeit verpflichtet. Sie haben deren berechtigte Informations- und Unterhaltungsbedürfnisse zu bedienen und nicht die Eitelkeiten und die Manipulationslust gewisser Exponenten aus Politik und Wirtschaft. Und das gilt in vermehrtem Masse auch für die hohen

Funktionsträger der SRG. Von ihnen darf erwartet werden, dass sie ihren Leuten den Rücken stärken und nicht den Kopf einziehen und jenen entgegenkommen, die am lautesten schreien.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Die Journalistin und Autorin Linda Stibler war über 40 Jahre in verschiedenen Medien tätig, unter anderem in der damaligen National-Zeitung, in der Basler AZ und bei Radio DRS (heute SRF).

    Unter «kontertext» schreibt eine externe Gruppe Autorinnen und Autoren über Medien und Politik. Sie greift Beiträge aus Medien auf und widerspricht aus politischen, journalistischen, inhaltlichen oder sprachlichen Gründen. Zur Gruppe gehören u.a. Bernhard Bonjour, Rudolf Bussmann, Silvia Henke, Anna Joss, Mathias Knauer, Guy Krneta, Johanna Lier, Alfred Schlienger, Felix Schneider, Linda Stibler, Ariane Tanner, Heini Vogler, Rudolf Walther.

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