Lokalblätter: in den USA nicht mehr selbstverständlich. © Gerhard Höllisch/freeimages

Lokalblätter: in den USA nicht mehr selbstverständlich.

Neue Ideen für den Lokaljournalismus

Rainer Stadler / 15. Nov 2020 - In den USA erkennen Medienunternehmer Verdienstmöglichkeiten im Lokaljournalismus. In Form von Newslettern und Podcasts.

Die Schweizerischen Medienbetriebe betteln beim Staat um Hilfe. Das Parlament will derzeit ein Hilfspaket schnüren, doch es arbeitet langsamer, als dies die Hilfsbedürftigen erhofft haben. Die digitale Revolution hat nicht nur den Glauben an marktwirtschaftliche Lösungen schwer erschüttert, sondern auch den Willen geschwächt, die Welt neu zu denken.

Hunderte Lokalblätter eingestellt

In solchen Momenten lohnt sich ein Blick über den Tellerrand, zum Beispiel in die USA. Dort beklagen die Beobachter seit Jahren den Niedergang des Lokaljournalismus, weil die Inserenten abwanderten. Hunderte Blätter stellten den Betrieb ein, zehntausende Stellen wurden gestrichen. Die Kommunen verloren ihre hergebrachte Kommunikationsplattform.

Doch jüngere Unternehmer erkunden neue Lösungen, um die seit der Jahrtausendwende entstandenen Informationslücken zu füllen. Sie versuchen es mit Mitteilungsformen, die derzeit als vielversprechend gelten: Newsletter und Podcasts. Der Mediendienst «Digiday» hat dieser Tage darüber berichtet.

Seitdem die Corona-Epidemie die Digitalisierung vorantreibt, wird es umso dringender, Informationsangebote jenseits der herkömmlichen Lokalblätter zu entwickeln. Es wird künftig wohl weniger um Universalangebote gehen. Vielmehr werden die neuen Verleger ihre Kräfte auf Themengebiete konzentrieren, welche für lokale Gemeinschaften besonders von Belang sind. Initiativen für unabhängige Informationen sind auch deshalb wichtig, weil in den USA Akteure mit politischen oder kommerziellen Interessen auf die lokalen Märkte vorstossen.

Podcast-Hype

Das 2016 von «Politico»-Veteranen gegründete Medienhaus Axios will im kommenden Jahr für vier amerikanische Märkte Newsletter mit Lokalinformationen herausbringen, und zwar in Minneapolis-St. Paul, Tampa-St.Petersburg, Denver und Des Moines. Ferner hat David Plotz, ehemaliger Chefredaktor des Online-Pioniermagazins «Slate», die Podcast-Firma City Cast gegründet. Sie soll tägliche Audio-Nachrichten verbreiten. Der Podcast-Hype schuf zwar Hör-Angebote in vielen Themengebieten, doch Lokalinformationen wurden bisher übersehen, so Plotz. Den beiden Unternehmen vorangegangen ist das 2007 gegründete Medienhaus Patch, das in 50 Bundesstatten über 1200 News-Websites betreibt und seit 2016 schwarze Zahlen schreiben kann.

Goldgruben wird man auf diesen Märkten kaum entdecken. Aber die neuen Verleger sehen dennoch Möglichkeiten auf dem herkömmlichen Weg der Werbefinanzierung. Indem sie die lokalen Angebote in einem Verbund zusammenschliessen, hoffen sie, gleichzeitig Werbeplätze an lokale und nationale Unternehmen verkaufen zu können. Der CEO von Axios, Jim VandeHei, rechnet mit kleinen, gezielten Investitionen, die ihm relativ schnell die Erkenntnis verschaffen sollen, ob die Gewinnschwelle erreichbar ist.

Marktskeptiker

Andere Akteure beurteilen die marktwirtschaftlichen Perspektiven im Lokalsektor skeptischer. So engagieren sich hier denn auch Philanthropen. Das American Journalism Project (AJP) hat fast 50 Millionen Dollar gesammelt, um landesweit lokale Initiativen zu unterstützen. Sarabeth Berman, die Geschäftsführerin von AJP, sagte «Digiday», auch gemeinnützige Medien müssten die wirtschaftlichen Gegebenheiten im Auge behalten. Vor allem müssten sie verschiedene Geldquellen erschliessen – und nicht in die Abhängigkeit der Werbung geraten, die sich so fatal auf die Lokalzeitungen ausgewirkt hatte.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine

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Eine Meinung

Ob das mit dem Zusammenschluss der lokalen Märkte etwas taugt. Das erinnernt mich an das grosse Lokalzeitungskombi der ASSA in den Neunzigerjahren. Hat auch nicht funktioniert.
Ueli Custer, am 15. November 2020 um 16:53 Uhr

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