NZZ-Chef Eric Gujer plädiert für EU-Beitritt

Urs P. Gasche © Peter Mosimann
Urs P. Gasche / 18. Jun 2016 - Die Sonntags-Predigt des NZZ-Chefredaktors vom 18. Juni lässt aufhorchen.

Sein Titel auf der Frontseite:

«Die Schweiz überschätzt sich»

Dann folgende Passagen im Gujer-Leitartikel auf der Frontseite der NZZ:

«Die Ablehnung alles Fremden ist Provinzialismus...Die Furcht vor der Globalisierung, dem freien Verkehr von Waren, Dienstleistungen und Personen () ist in prosperierenden Exportnationen irrational...Je eigenbrötlerischer sich die Schweizer gebärden, umso mehr schmälern sie ihre Chancen, die eigenen Vorstellungen durchzusetzen. Es bleibt ihr die Rolle des Zaungastes...Mit Nationalismus und Provinzialismus kommt die Schweiz nicht weit...Die Schweiz ist attraktiv für Flüchtlinge und Migranten, sonst aber zählt immer weniger, was hier passiert.»

Ein Aufruf des NZZ-Chefredaktors zum Beitritt der Schweiz zur EU und ein Affront gegen den Bundesrat, der vor wenigen Tage das Beitrittsgesuch der Schweiz in Brüssel zurückgezogen hat?

Nein.

Die Zitate sind zwar korrekt, aber Gujer hat statt Schweiz jeweils «Europa» geschrieben und statt Schweizer «Europäer». In seiner Sonntags-Predigt machte er alle diejenigen als «Nationalisten» und «Provinzler» lächerlich, die das geplante TTIP-Freihandelsabkommen wegen «Chlorhühnchen» oder «polnischen Klempnern» ablehnen. Die bedauernswerten TTIP-Gegner wollten «eine untergegangene Welt konservieren».

Gujers Argumente können allerdings auch als Plädoyer für einen Beitritt der Schweiz zur EU dienen. Oder hält der NZZ-Chef die Schweiz für einen nationalistischen, provinziellen Sonderfall?

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine

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6 Meinungen

Für Liberale sind natürlich Handelsbeschränkungen ein Greuel und sie stehen auch für die Personenfreizügigkeit ein. Das liberale Prinzip erlaubt jedoch Einschränkungen, wenn die Freiheiten von anderen verletzt werden. Deshalb haben wir Gesetze und lokale Einschränkungen. Neoliberale wie Herr Gujer werten jedoch unbeschränkte Handelsfreiheiten höher als Einschränkungen zum Schutz der Menschen. Hierdurch profitieren jedoch vor allem wenige Mächtige und den Menschen im allgemeinen geht es schlechter.
Theo Schmidt, am 20. Juni 2016 um 11:06 Uhr
Für Liberale sind natürlich Handelsbeschränkungen ein Greuel und sie stehen auch für die Personenfreizügigkeit ein. Das liberale Prinzip erlaubt jedoch Einschränkungen, wenn die Freiheiten von anderen verletzt werden. Deshalb haben wir Gesetze und lokale Einschränkungen. Neoliberale wie Herr Gujer werten jedoch unbeschränkte Handelsfreiheiten höher als Einschränkungen zum Schutz der Menschen. Hierdurch profitieren jedoch vor allem wenige Mächtige und den Menschen im allgemeinen geht es schlechter.
Theo Schmidt, am 20. Juni 2016 um 11:06 Uhr
PS Ich habe «Meinung senden» nur ein Mal geklickt: die Software bringt die Texte doppelt!
Theo Schmidt, am 20. Juni 2016 um 11:09 Uhr
PS Ich habe «Meinung senden» nur ein Mal geklickt: die Software bringt die Texte doppelt!
Theo Schmidt, am 20. Juni 2016 um 11:09 Uhr
Wie so oft bei Gujer, handelt sich bei diesem «Leitartikel» um eine, freundlich gesagt, sibyllinische Fingerübung, mittels der er sein neoliberales Credo unterbringen will. TTIP, TISA und dergleichen Freihandelskonstrukte brächten einer EU, die sich ohnehin an einem Demokratiedefizit abarbeitet, ein weiteres Minus an demokratischer Teilhabe.
Nun kann Gujer «Europa» noch so sehr kleinreden, es bleibt die Tatsache, dass die «Abstimmung mit den Füssen», die man in Form von Migrationsströmen beobachten kann, offenbar Europa nach wie vor als hinreichend attraktiv erscheinen lässt.
"Brexit» bietet nun so oder so die Chance, über eine künftige Verfassung Europas nachzudenken. Und die Schweiz wäre gut beraten, hierbei mitzuwirken.
Heinz Abler, am 20. Juni 2016 um 14:49 Uhr
Wie so oft bei Gujer, handelt sich bei diesem «Leitartikel» um eine, freundlich gesagt, sibyllinische Fingerübung, mittels der er sein neoliberales Credo unterbringen will. TTIP, TISA und dergleichen Freihandelskonstrukte brächten einer EU, die sich ohnehin an einem Demokratiedefizit abarbeitet, ein weiteres Minus an demokratischer Teilhabe.
Nun kann Gujer «Europa» noch so sehr kleinreden, es bleibt die Tatsache, dass die «Abstimmung mit den Füssen», die man in Form von Migrationsströmen beobachten kann, offenbar Europa nach wie vor als hinreichend attraktiv erscheinen lässt.
"Brexit» bietet nun so oder so die Chance, über eine künftige Verfassung Europas nachzudenken. Und die Schweiz wäre gut beraten, hierbei mitzuwirken.
Heinz Abler, am 20. Juni 2016 um 14:49 Uhr

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