Hass auf Klimaaktivistin: Wer hat Angst vor Greta?

Beat Glogger © cc
Beat Glogger / 04. Okt 2019 - Ihre Zöpfe, ihr Alter und ihr Asperger werden zur Zielscheibe. Doch mit diesen Beschimpfungen entlarven ihre Gegner sich selbst.

Gegen 100'000 Menschen waren am Wochenende in Bern an der Klimademo. In vielen Städten rund um den Globus sah es ähnlich aus. Millionen haben protestiert für griffige Massnahmen zum Schutz des Klimas.

Zu verdanken ist das in erster Linie Greta Thunberg. Die junge Schwedin mobilisiert – und sie polarisiert. Bei nicht wenigen löst sie regelrechte Hass-Attacken aus.

So braucht der Zürcher Kantonsrat Claudio Schmid das Wort «Greta» als Synonym für Psychiatrie-Patienten:

Der St. Galler SVP-Nationalrat und -Ständeratskandidat Roland Rino Büchel nennt Greta eine «Marionette». Die NZZ warnt davor, dass Greta die Jugend radikalisiere.

Warum so viel Kritik, Häme und Hass gegen die Klimaaktivistin? Warum wird immer ihr Alter betont, ihre Zöpfe, ihre Körpergrösse, ihr Asperger?

Oder anders gefragt, warum ist nicht in jedem Pressebericht das Alter von Donald Trump genannt, um zu suggerieren, er sei nicht mehr im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte? Warum wird nicht in jedem Bericht seine Haarspray-Frisur erwähnt, um zu unterstreichen, dass er irgendwie schräg sein könnte? Und warum nennt man SVP-Präsident Albert Rösti nicht eine Marionette? Er macht Klimapolitik und ist Präsident von Swissoil. Das ist die Lobbyorganisation, die ein handfestes Interesse daran hat, dass wir weiter Erdöl verbrauchen.

Die Antwort bei Greta ist einfach. Man drischt auf Äusserlichkeiten ein, um sich nicht mit ihren Argumenten auseinanderzusetzen.

Denn Greta hat in der Sache recht. Dabei sagt sie ja gar nichts Neues. Ganz unbescheiden kann ich ein Buch nennen, das ich vor 27 Jahren publiziert habe. Da stand genau dasselbe drin: Besteuerung von Flugbenzin, Abkehr von Kohlekraftwerken, Ausbau von erneuerbaren Energien. Okay: Glogger ist nicht Greta. Aber auch der ehemalige US-Vizepräsident Al Gore hat es versucht mit zwei aufwühlenden Filmen. Einer davon wurde mit einem Oscar ausgezeichnet. Aber er hat keine Massenmobilisierung hingekriegt. Greta schafft das.

Zahl der Wörter «Klimawandel» oder «Klimaveränderung» pro Monat in Deutschschweizer Medien. Quelle: SMD. Grafik: higgs. Grössere Auflösung der Grafik hier.

Immerhin anerkennt mittlerweile auch die NZZ, dass die Klimapolitik nur sehr zögerlich vorwärts ging. Ermahnt aber gleichzeitig die Eltern der bewegten Klimajugendlichen, man solle den Kindern klarmachen, dass es nicht so schnell gehe. Mit Verlaub: Diese Eltern waren selbst noch Teenager, als die ersten Warnungen vor dem Klimawandel laut wurden. Und die Politiker, die heute finden, so schnell könne die Energiewende dann doch nicht gehen, waren damals noch Jungspunde, hätten also die Kraft gehabt, etwas zu verändern.

Wer Gretas Zöpfe kritisiert, zeigt damit vor allem eines: dass er es 30 Jahre lang verpasst hat, alte Zöpfe abzuschneiden.

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Dieser Kommentar erschien zuerst auf higgs.ch.

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4 Meinungen

Sauglatt, wenn krankhafte Narzissten Asperger-Autisten, die nicht in den verlogenen und wahnhaften Sprachspielen der sog. Normalität aufgehen können, pathologisieren. Allerdings ist es zu viel verlangt von einem SVPler, auch nur die Spur einer Ahnung von Psychoanalyse zu haben.
Matthias Bertschinger, am 04. Oktober 2019 um 15:20 Uhr
Besten Dank für die Klarstellung. Mit freundlichen Grüssen Guido Besmer
Guido Besmer, am 04. Oktober 2019 um 15:54 Uhr
In meinen Augen dreht sich die Diskussion hauptsächlich darum ob der Klimawandel anthropogen ist oder nicht bzw. zu welchem Anteil. Ich glaube nicht das wir diese Frage jemals abschliessend für alle Kritiker respektive Befürworter klären können. Deswegen sehe ich eher die Lösung darin Technologie zu entwickeln mit der wir das Klima der Erde beeinflussen, vielleicht sogar steuern können. Das mag sich jetzt Science Fiktion mässig anhören, es wird jedoch schon seit einigen Jahren in diesen Gebieten geforscht. Von fossilen Energieträgern wegzukommen, ist unabhängig von der Klima Diskussion trotzdem sinnvoll (Knappheit, Kriege, etc).

Was mich an der Klimabewegung extrem stört ist der Hype. Ich kann nich verstehen warum wir plötzlich emotionales höher werten als Wissenschaft bzw. sachliches. Ich glaube nicht daran dass man ECHTE Lösungen findet wenn man mit Emotionen diesen Thema voran prescht. Mir ist es lieber eine kleinere Gruppe von den besten Wissenschaftlern ihres Fach beschäftigen sich damit. Wer nicht realisiert dass so ein Hype sehr einfach benutzt werden kann damit grosse Kooperationen sich gesetzliche Vorteile verschaffen der ist naiv und hat im Fach Geschichte gepennt. Warum reagieren manche so auf Greta ? Weil sie den Hype anheizt ohne eine Lösung des eigentlichen Problems zu präsentieren.
Philipp Schüpbach, am 05. Oktober 2019 um 11:45 Uhr
Die Klima-Problematik zeigt eines ganz deutlich. Das gegenwärtige Gesellschaftssystem des Imperialismus wird nie in der Lage sein, diese Problem zu lösen. In diesem System ist NUR und einzig Maximal-Profit, das Maß aller Dinge. Jede Einschränkung des Klimas wegen, wird schon aus dem Grund abgeblockt, weil es Einbrüche in diesen Profit haben KÖNNTE. Das trifft insbesondere für die Auto- und Energiesparte zu - also für 2staatstragende» Unternehmen, die ihren Einfluß auf den Staat so halten, dass er NIE gegen sie agiert, siehe Öttinger, der die Abgaswerte in der EU zugunsten der deutschen Autoindustrie heuntersetzen ließ.

Zugegeben, auch in den sozialistischen Ländern waren viele Fragen der Umwelt nicht gelöst -wurden z.T. hinten an gestellt - aber das nur aus Gründen, dass zu der Zeit nicht genügend Gelder für derartige Projekte vorhanden waren.
In der gegenwärtigen Gesellschaft werden in den NATO-Staaten aber etwa 1 Bil. $ allein für Rüstung ausgegeben - dem größten Klimakiller überhaupt, selbst wenn noch kein Schuß gefallen ist. Aber keiner der Politiker spricht diesen Wahnsinn an - woran man erkennen kann, dass es sich um Verbrecher handelt - um Volksverräter und das ist weder beschimpfend noch beleidigend gemeint, sondern streng juristisch.
Günther Wassenaar, am 15. Oktober 2019 um 13:07 Uhr

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