Coronavirus: NZZ verbreitet weiter Unstatistiken

Urs P. Gasche © Peter Mosimann
Urs P. Gasche / 20. Mär 2020 - Die NZZ will als einzige die Zahlen der Erkrankten und der Neuansteckungen kennen. Das ist Irreführung.

In einem Faktenblatt wies Infosperber darauf hin, dass die veröffentlichten Zahlen über die vom Coronavirus Infizierten untauglich sind,

  • um die Entwicklung der tatsächlichen Neuansteckungen einigermassen zuverlässig darzustellen;
  • um die Zahlen der Infizierten in den einzelnen Ländern miteinander zu vergleichen;
  • um auszurechnen, wieviele Prozent der Infizierten oder Erkrankten am Covid-19 sterben (Mortalitäts- oder Sterberate).

Die Gründe sind ebenso simpel wie einleuchtend: Bei den ersten wenigen erfassten Infizierten suchte man in einigen Ländern deren Kontaktpersonen nach und testete diese ebenfalls. Als die Zahl der Infizierten unüberblickbar zunahm, gab man diese Praxis auf und testet inzwischen nur noch Menschen mit deutlichen Symptomen. Deshalb steigt die Zahl der erfassten oder bestätigten Coronafälle heute deutlich langsamer als die Zahl der tatsächlich Infizierten. Das heisst: Die Dunkelziffern werden immer grösser, von Land zu Land aber unterschiedlich.

Trotzdem illustrierte die NZZ am 19. März die «Verbreitung des Virus in Italien» mit einer Grafik, die eine Zahlenreihe «der täglichen Neuansteckungen» zeigen sollte.

Die tatsächliche Kurve der täglich neu Angesteckten verläuft ungleich steiler als hier in der NZZ dargestellt.

Tatsächlich bildet die Grafik nur die Zahlen der getesteten und damit bestätigten Infizierten ab. Als Quelle zitiert die NZZ die «Johns-Hopkins-Universität», welche die Corona-Statistik weltweit erfasst. Diese Quelle weist ausdrücklich darauf hin, dass es sich nicht um «tägliche Neuansteckungen» handelt, sondern nur um die getesteten und bestätigten («confirmed») Infizierten.

NZZ: Jeder dritte ist gestorben

Unter dem Titel «Iran bekommt Virus nicht in den Griff» verbreitete die NZZ in der gleichen Ausgabe eine Grafik, die den irreführenden Eindruck erweckt, 30 Prozent aller bisher Erkrankten seien im Iran gestorben. Die am Covid-19 Gestorbenen sind auch in Iran praktisch alle getestet und erfasst. Doch unter den Infizierten erfasst die Statistik wiederum nur den kleinen Teil der positiv Getesteten. In Iran dürfte die Dunkelziffer der tatsächlich Infizierten wie in einigen anderen Ländern enorm hoch sein.
Auch in Europa ist die Dunkelziffer gross, weil fast nur noch eindeutig Erkrankte getestet werden, und weil ein Teil der Infizierten praktisch gar keine Krankheitssymptome zeigt (aber andere trotzdem anstecken kann).

Auch bei der Statistik über den Iran gibt die NZZ als Quelle die «Johns-Hopkins-Universität» an, ohne zu erwähnen, dass es sich bei den dort erfassten Erkrankten nur um den kleinen Teil der im Labor bestätigten Fälle handelt.

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Infosperber-Dossier:

Irreführende Statistiken aus Medien

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Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine

Weiterführende Informationen

NZZ Grafik Iran 19.3.20
NZZ Grafik Italien 19.3.2020

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13 Meinungen

Meiner Meinung nach könnte man einfach den Begriff «Neudiagnosen» verwenden. Das käme dem oben sehr gut beschriebenen Sachverhalt gut entgegen. Die einseitige Kritik an der NZZ verstehe ich nicht, denn ich sehe diese unscharfe Verwendung der Begriffe in allen Medien, die ich dieser Tag konsumiere.
Adrian Borer, am 20. März 2020 um 10:16 Uhr
Lieber Herr Gasche: Man weiss nicht so recht was eigentlich abläuft, man stellt nur fest! Man nimmt an, man rechnet irgendwie, macht Statistiken die mal falscher, mal weniger falsch sind. Auf Grund von Annahmen, ist man drauf und dran, die Weltwirtschaft zu zerstören. Mich würden folgende Fragen interessieren:
1. Wo liegt eigentlich der essenzielle Unterschied zwischen bisherigen Influenza-Erkrankungen und Covid-19?
2. Wie sieht das Mengenverhältnis zwischen der jetzigen Grippewelle und den vergangenen, aus? Infizierte, wirklich an diesem Virus Gestorbene, Gesundete
3. Wurde bei früheren Grippe-Pandemien die daran Erkrankten, je erfasst, um einen echten Vergleich zu Covid-19 anzustellen?
4. Starben die erfassten, der heutigen Seuche wirklich an Corona-Viren, oder waren diese Viren nur beteiligt, wenn überhaupt?
5. Sind die rigiden Massnahmen, die heute verordnet wurden, wirklich verhältnismässig?
6. Wird der eventuell weltweite, wirtschaftliche Zusammenbruch nicht willentlich provoziert?
Ein italienischer Spitalarzt erklärt, dass die Toten nicht an Covid-19 gestorben seien. Es gibt ja noch andere Spezialisten, die mit der zur Zeit grassierenden Meinung nicht einverstanden sind. Setzen wir nicht zu viel aufs Spiel?
Wer ganz sicher im Moment am meisten profitiert ist die Umwelt!
Willy Brauen, am 20. März 2020 um 12:17 Uhr
Sehr geehrter Herr Gasche,

Besten Danke für Ihr Adlerauge. Sie haben hier tatsächlich zwei mangelhaft angeschriebene Grafiken herausgesucht, die mittlerweile besser angeschrieben sein sollten. Die richtige Einordnung der Daten versuchen wir gerecht zu werden. Etwa hier: https://www.nzz.ch/panorama/die-wichtigsten-grafiken-zum-coronavirus-ld.1542774

Freundliche Grüsse,
Barnaby Skinner,
Ressortleiter, NZZ Visuals
Barnaby Skinner, am 20. März 2020 um 12:35 Uhr
@Skinner. Mein Sperberauge sieht aber auch auf der von Ihnen angegebenen Webseite immer noch Grafiken, welche «gegenwärtig Erkrankte» mit den getesteten und damit bestätigten Erkrankten verwechseln. Längst nicht alle leicht Erkrankten, geschweige denn Infizierten, werden getestet. Die Dunkelziffer beträgt ein Vielfaches der von der NZZ angegebenen Zahl der «gegenwärtig Erkrankten». [NACHTRAG: Erst nach einem Nachstossen von Infosperber hat die NZZ am Freitag Abend bei den Grafiken hinzugefügt «Zahl der bestätigten Coronavirus-Fälle», doch in der grösser geschriebenen Legende heisst es noch immer «gegenwärtig Erkrankte» anstatt «bestätigte Erkrankte» oder «getestete Erkrankte».]
Urs P. Gasche, am 20. März 2020 um 13:59 Uhr
Liebe Betroffene und Mitmenschen...

Es betrübt mich, dass weder die WHO noch das BAG Hinweise aus der integralen Medizin gibt, wie man es einem Virus ungemütlich, ja schwer machen kann im eigenen Körper mit relativ einfachen Mitteln. Beispiel: Luftbefeuchter, die trockene Heizungsluft begünstigt defekte an den Schleimhäuten und vereinfacht das Eindringen von Erregern aller Art. Dazu gibt es zahlreiche Studien darüber, welche Nahrungsergänzungen und Nahrungsmittel das eigene Immunsystem stärken. Z.B. Im Sport wird der körpereigene Cortisolspiegel mit Lezithin gesenkt, für einen besseren Muskelaufbau was nebenbei auch zur Folge hat, dass das Stresshormon Cortisol nicht das Immunsystem blind macht und somit die Anfälligkeiten auf Infektionen erhöht. Auch dass ein gesunder Lebensstil Schützend sein kann, wie z.B. kalte Kneipgüsse um den Stoffwechsel und die Immunabwehr an zu regen, wird nirgends erwähnt. Natürlich dürfen diese Möglichkeiten nicht zu leichtsinnigem Verhalten führen, aber sie sollten erwähnt werden, denn sie können im mindesten Begleitinfekte reduzieren. (Ich bin kein Arzt, Bitte Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker) Die umfassende, also integrale Medizin hat viel zu bieten, doch sie wird vollständig ausgeklammert in der Corona Prävention.
Beatus Gubler, am 20. März 2020 um 14:13 Uhr
Das Problem sind nicht die Ansteckungen, deren Zahl bei einer «normalen» Grippe ebenfalls hoch ist, jedoch nie gemessen wurde. Worauf es ankommt ist, wie viele schwere Verläufe es bei welcher Gruppe der Bevölkerung gibt. Die Grippewelle im Frühjahr 2015 hatte in der Schweiz etwa 2500 Todesfälle mehr als zu erwarten gewesen wäre, zur Folge (Quelle BFS). Zum Vergleich: Täglich sterben weltweit rund 24'500 Menschen an Folgen von Unterernährung.
Urs Georg Allemann, am 20. März 2020 um 21:05 Uhr
@Willy Brauen: Ich verstehe nicht ganz, was Sie mit ihren teils suggestiven Fragen wollen, aber hier ein paar Antwortversuche und eine Anmerkung:
Wenn Sie die Verstorbenen und auf den (teils bereits völlig überlasteten) Intensivstationen liegenden Menschen aufgrund einer Infektion mit dem neuen Coronavirus als «Annahme» bezeichnen, nähme mich Wunder, was denn für Sie eine «Tatsache» wäre.
1. Unterschied(e): Hier ein Vergleich der Symptome: https://www.hr1.de/programm/besser-leben/unterschiede-zwischen-corona-grippe-erkaeltung,symptome-corona-grippe-erkaeltung100.html
Das riesige aktuelle Problem ist aber die fehlende Grundimmunität bei der neuen Virusart. Dadurch kann sich das/ein Virus schnell ausbreiten und grosse Teile der Weltbevölkerung anstecken, teilweise in mehreren Wellen. So kann eine Pandemie viele Opfer fordern, auch wenn die Sterblichkeit insgesamt moderat sein könnte.
2. Ich nehme an, Sie meinen mit «Grippewelle» Infektionen durchs neue Coronavirus? Dafür ist es klar zu früh.
3. S. 2.: Für einen «echten Vergleich» ist es zu früh.
4. Todesursache: Ist meist Lungenversagen, verursacht durch das neue Coronavirus, verbunden mit Immunschwäche und/oder Vorerkrankungen.
5. Massnahmen: Was würden denn Sie als Bundesrat/Entscheidungsträger veranlassen angesichts der Lage?
6. Wirtschaftlicher Zusammenbruch mit Absicht: Wie stellen Sie sich das genau vor? Wer konkret sollte das wie und warum organisiert haben?
Marius Schären, am 21. März 2020 um 10:11 Uhr
Bei der jetzigen Corona Seuche ist daran zu erinnern, dass bei der jährlichen Grippe etwa 400 Menschen sterben. Gefährlich bei dieser Corona-Katastrophenstimmung ist, dass viele andere Probleme bei uns und im Ausland vergessen werden. In armen Ländern, zum Beispiel in Somalia, können viele Krankheiten nicht geheilt werden, zum Beispiel Tuberkulose, weil es an Medikamenten, Ärztinnen, Ärzten und ausgebildetem Pflegepersonal fehlt. (*) Viele Mütter sterben bei der Geburt. Viele Kinder sterben in den ersten Lebensjahren. Bei der Hungersnot des Jahres 2011 in Ostafrika sind nach Angaben der UNO allein in Somalia 260'000 Menschen umgekommen.

Mit einem kleinen Bruchteil der weltweiten jährlichen Rüstungsausgaben vom 1822 Milliarden US-Dollar könnte dafür gesorgt werden, dass keine Menschen mehr verhungern und alle Menschen dieser Erde medizinisch versorgt werden könnten.

(*) Die Schweizer Organisation Swisso Kalmo ist seit 1990 in Somalia vor allem auf dem medizinischen Sektor tätig. Infos: www.swisso-kalmo.ch. Lichtblicke: In der Stadt Dhusamareb im Hanano Hospital schliessen jetzt bald Hebammen ihre Ausbildung ab. Die Julius Bär Stiftung ermöglichte den dreijährigen Ausbildungslehrgang. Eine junge Frau, Deeqa Dhiblawe konnte dank einem Stipendium des Gemeinnützigen Verein Gisela Naegeli, in Mogadischu Medizin studieren. http://www.swisso-kalmo.ch/aktuell/Deeka_Frau_Merka.pdf
Heinrich Frei, am 21. März 2020 um 12:28 Uhr
Beatus Gubler
Es werden halt meist immer nur die Symptome, statt die Ursachen beschrieben.
Ausgetrocknete Schleimhäute sind DER Nährboden für Krankmacher.

https://www.doktorstutz.ch/trockene-luft-macht-krank/

Auch die Lebensbedingungen in Wuhan und der Lombordai werden nicht oder zu wenig thematisiert.
Dort leben Menschen zusammengepfercht wie in der Massentierhaltung, sie schlafen und essen wo sie arbeiten. Da ist eine Seuche schnell ausgebrochen.
In der Lombardei hat es zudem zehntausende chinesische Schwarzarbeiter.

https://zackzack.at/2020/02/26/corona-und-die-italienische-modeindustrie-wie-die-ausbeutung-chinesischer-arbeiter-zur-ausbreitung-des-virus-beitraegt/

Brisant auch:
Februar 2017 in Wuhan: Ein neues Hochsicherheitslabor wird eröffnet. Es soll mit den gefährlichsten Mikroorganismen der Welt arbeiten: Mit BSL-4-Erregern.
Ja​nuar 2020: In der zentralchinesischen Stadt Wuhan kommt es zu einer aussergewöhnlichen Häufung von Lungenentzündungen. Verursacht werden diese durch ein bisher unbekanntes Coronavirus:

https://www.medinside.ch/de/post/spekulation-um-coronavirus-ist-es-einem-labor-entwichen

Was man sich auch fragen sollte, was sind überhaupt die Ziele solcher fragwürdiger Labors?
Entwicklungen zur biologischen Kriegsführung?

"Doch die chinesischen Mikrobiologen feierten stolz, dass sie nun zu jener Wissenschaftselite gehörten, die mit den grössten biologischen Bedrohungen der Welt kämpfen dürften."
Edgar Huber, am 21. März 2020 um 12:31 Uhr
Vielen Dank für die sachlichen Informationen.
Ich sehe das nicht als NZZ-Bashing. Die meisten anderen Medien sind nicht besser. Vielleicht erwartet man von der NZZ einfach ein bisschen mehr.
Die einzigen wirklich verlässlichen Zahlen sind zur Zeit die Todesfälle. Die sind immer noch rasch am zunehmen, der Peak ist nicht erreicht. Aber wenn man mit früheren Grippewellen vergleicht, dann sind die Zahlen tief.
Das Verhältnis zwischen den ergriffenen Massnahmen und der Gefahr ist schon etwas speziell. Wie Heinrich Frei richtig anmerkt, könnte man an anderen Orten mit viel geringerem Einsatz ein Mehrfaches an Menschenleben retten.
Daniel Heierli, am 21. März 2020 um 21:54 Uhr
Neben der Dunkelziffer bei den Ansteckungen gibt es noch eine andere: Wieviele Patienten befinden sich wegen COVID-19 in stationärer Spitalbehandlung? Wie lange bleiben sie im Spital? Erheben das Bundesamt für Gesundheit und die kantonalen Behörden diese Zahlen nicht? Sollten sie nicht wissen, welche Kapazitäten vorhanden sind? Vielleicht können Sie, Herr Gasche, nachfragen.
Peter Leuenberger, am 22. März 2020 um 11:26 Uhr
Business Insider ! schreibt, bei kritischen Fällen ist der Zugang zur Intensivbehandlung am wichtigsten. Wenn die fehlt, weil das Gesundheitssystem kaputtgespart wurde, dann sterben die Leute.
Die Ursache ist dann nicht das Corona Virus, sondern die asoziale neoliberale Politik.

Noch eine Statistik.
Kuba schickte 2019 immerhin 28.000 Gesundheitshelfen in 61 Ländern.
Aktuell auch Ärzte nach Italien.
Die EU Ländern lehnten die Bitte nach Hilfe Italien ab.
Das Hilfsprogramm von Kuba, wurde durch Fiedel Castro ins Leben gerufen und wurde durch die WHO ausgezeichnet.

Dagegen erhöhen die Nato Staaten den Rüstungshaushalt um 400 Milliarden Euro.
Nur mal um die Prioritäten zu zeigen !
Dieter Gabriel, am 22. März 2020 um 19:37 Uhr
Wichtig
Klinische Studie des Italienischen Gesundheitsministerium zur covid19
Mortalität

https://bit.ly/2WHvAHU
Jacques Marchand, am 27. März 2020 um 03:44 Uhr

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