Medienanwalt Martin Wagner: Im Dienst der Credit Suisse gegen kleinen Publizisten © srf

Ermordeter Medienanwalt half Goliath gegen David

Lukas Hässig / 02. Feb 2018 - Martin Wagner drangsalierte im Auftrag der Credit Suisse das kleine, unabhängige Online-Finanzportal «Inside Paradeplatz».

Red. Dieser Beitrag erschien in ähnlicher Form am 2.2.2018 auf Inside Paradeplatz. Dessen Redaktor berichtet im Folgenden, was er erlebt hat.

Star-Anwalt sollte im Auftrag der Credit Suisse ein kleines Informationsportal zähmen

Vor 12 Monaten kreuzte Martin Wagner bei «Inside Paradeplatz» in Zürich auf. «Inside Paradeplatz» verbreitet Informationen über die Banken- und Versicherungsbranche. Wagner erklärte, er kenne den Rechtschef der CS, Romeo Cerutti, persönlich. Er würde zwischen der CS und «Inside Paradeplatz» einen Vergleich hinkriegen, versprach er. Es ging um eine 500’000 Franken-Klage der Grossbank gegen das Zürcher Finanzmedium. Ein Urteil am Handelsgericht steht aus.

«Inside Paradeplatz» hat sich bisher geweigert, drei beanstandete Artikel über den damaligen CS-Präsidenten Urs Rohner aus dem Netz zu nehmen und sich dafür zu entschuldigen.

Rohner führt die Klage nicht selbst und nicht mit eigenem Geld, sondern seine Credit Suisse macht dies. Sie hat dafür ihre Stammkanzlei Wartmann & Merker beauftragt.

Hunderte von Interventionen per SMS

Seit sich Wagner vor einem Jahr einschaltete, deckte er nach Erscheinen vieler neuer Artikel «Inside Paradeplatz» mit Hunderten von SMS und zahlreichen eingeschriebenen Briefen ein.

Wagner agierte hartnäckig. Er hatte das Ziel, den Blog zu zähmen. Dabei erkannte er in vielen Passagen «schwere Persönlichkeitsverletzungen» und betonte, dass diese ohne weiteres zu weiteren Klagen seitens der CS führen könnten.

Nach ein paar Wochen wechselte Wagner mit zwei seiner Kollegen die Anwaltskanzlei. Er verliess seine alte Wirkungsstätte, bei der viele Juristen tätig sind, und gründete eine kleinere Firma.

Das Mandat der CS behielt er. Auf Nachfrage sagte er, er würde für die CS die gesamte Medienarbeit in rechtlicher Hinsicht leisten. Die CS wollte sich vor ein paar Wochen auf eine entsprechende Anfrage nicht dazu äussern, sondern verwies auf Martin Wagner.

Wagners Strategie des SMS-«Bombardements» führte nicht zum Erfolg. Zumindest gab es keine Einigung zwischen der CS und «Inside Paradeplatz».

Wagner sah die Schuld bei «Inside Paradeplatz». Dessen Tonalität sei just während Verhandlungen im letzten Frühsommer nicht gemässigter geworden, sondern habe im Gegenteil massiv an Schärfe zugenommen, meinte er in einem Gespräch im letzten Herbst.

Auch unzählige eingeschriebene Briefe

Es war der erste Kontakt nach einer mehrwöchigen Verhandlungspause. Wagners ständige Interventionen, die auch unzählige eingeschriebene Briefe umfassten, hatten eine solche Verhandlungspause bewirkt.

Wagner wollte aber weitermachen, er gab nicht auf, schrieb weitere SMS und verfasste weitere Abmahnschreiben. Schliesslich wurden die Gespräche im Herbst wieder aufgenommen, und er zeigte sich zuversichtlich, einen «Deal» bzw. einen Vergleich hinzukriegen.

Ab diesem Zeitpunkt verliefen die Unterhaltungen in einem konstruktiveren Tonfall.

Wagner wurde auf Seite von Verlegern bekannt

Medienanwalt Wagner hatte vor Jahresfrist versucht, für Investoren den «Blick» zu kaufen – für 200 Millionen Franken. Schweizweit bekannt wurde er im Jahr 2010 beim Verkauf der «Basler Zeitung» unter Führung des Tessiner Financiers Tito Tettamanti. Martin Wagner wurde von Tettamanti zum Verleger und zum Mitbesitzer gemacht.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Der Wirtschaftsjournalist Lukas Hässig betreibt die Webseite «Inside Paradeplatz».

Weiterführende Informationen

Teilweises Schreibverbot zur Ermordung von Martin Wagner für den «Blick»

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2 Meinungen

Guten Tag Herr Hässig, die Überschrift dieses Artikels gefällt mir nicht. Der Mord am Medienanwalt hat nichts mit den, sagen wir mal, nicht ganz koscheren Aktivitäten des Mannes zu tun. Das wird ja im Text auch nicht thematisiert….aber soll ich auf Grund der Überschrift vielleicht schliessen, dass er es nicht besser verdient hat? Das wäre doch ziemlich abartig!
Guido Besmer, am 05. Februar 2018 um 06:24 Uhr
Sehr geehrter Herr Besmer.Nach viel Nachdenken bitte ich Sie höflich doch alternative Titel vorzuschlagen.
Sowohl die Tageswoche wie Insideparadeplatz haben in den Kommentaren jede Menge Haue kassiert,allein für die Berichterstattung.
Ohne Lukas Hässig wäre auch nichts über den Täter bekannt geworden.
Für mich ist es allerdings relevant das der Grenadierunteroffizier Riskmanager für 800 Milliarden der SNB war.
Herr Hässig leistet allein mehr 1100 in der geschützten Werkstätte in Comano.
Mein JA ist auch schon weg,also gebt Euch keine Mühe.
Andreas Willy Rothenbühler, am 05. Februar 2018 um 19:31 Uhr

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