kontertext: Wieder mal: Durchseuchung als beste Medizin!

Alfred Schlienger © as
Alfred Schlienger / 20. Okt 2020 - The Great Barrington Declaration sorgt für medialen Wirbel. Dabei ist sie ein Ladenhüter. 13 Gründe für ein gesundes Misstrauen.

Auf den ersten Blick hat die Barrington-Erklärung etwas Verführerisches: Diejenigen, die während der Corona-Pandemie nicht schutzbedürftig sind, sollen sofort wieder ein normales Leben führen dürfen, so lautet die Kernbotschaft der drei Professoren der Elite-Universitäten Oxford, Harvard und Stanford. Besonders gefährdete ältere Menschen seien abzuschirmen und damit vor einer Ansteckung zu schützen. Kurz: Vergesst all die mühsamen, staatlich verordneten Eindämmungsmassnahmen gegen Covid-19, Herdenimmunität unter den Fitten und Starken ist die Lösung.

«Wir kommen politisch sowohl von links als auch von rechts und aus der ganzen Welt und haben unsere berufliche Laufbahn dem Schutz der Menschen gewidmet», heisst es gleich zu Beginn der Erklärung. Wie erfreulich: Endlich etwas Hochkarätiges, Überparteiliches, selbstlos Menschenfreundliches zu diesem schrecklichen Virus. Mehrfach wird auch betont, dass die Beibehaltung der gegenwärtigen Anti-Corona-Massnahmen zu irreparablen Schäden führe, von denen «die Arbeiterklasse», «junge Menschen» und generell «die Unterprivilegierten» am schlimmsten betroffen sein werden. Ein Dokument also, in dem Mitmenschlichkeit, Wissenschaftlichkeit und Solidarität mit den Schwächsten eine glückliche Synthese eingehen – könnte man meinen.

Infosperber hat die Erklärung vor wenigen Tagen vorgestellt, mit einem Link zum Unterschreiben eingeladen und in zwei dürren Kurzsätzen darauf hingewiesen, dass es auch Kritiker gibt. Das hat mich neugierig gemacht.

Bitte genauer hinschauen!

Wenn man sich durch die entstandene Debatte wühlt, entdeckt man schnell, dass es eine ganze Kaskade von Fragwürdigkeiten gibt hinter dieser Great Barrington Declaration. Hier eine Auswahl:

1. Sie enthält – man stellt es mit ungläubigem Erstaunen fest – keinen einzigen wirklich neuen Gedanken. Insbesondere, was den konkreten und praktikablen Schutz der vulnerablen Gruppen betrifft, bleibt die Erklärung erschreckend vage. Sie definiert nicht einmal, wer zu den Schutzbedürftigen gehört.

2. Für eine Herdenimmunität müssten etwa 70 Prozent der Bevölkerung erkranken. Derzeit rechnen verschiedene europäische Länder mit einem aktuellen Durchseuchungsgrad von etwa 8 bis 10 Prozent. The Guardian schreibt: «Es werden Behauptungen über die Herdenimmunität aufgestellt, die nicht durch vorhandene wissenschaftliche Beweise gestützt werden.»

3. Die Durchseuchungs-Strategie wurde schon zu Beginn der Pandemie diskutiert – und schnell verworfen. In Europa dachten die Niederlande, Grossbritannien und Schweden darüber nach, diesen Weg zu gehen. Aber sie verliessen ihn, als ihre Fall- und Todeszahlen in die Höhe schnellten. Die Infektionen erfassten anders als geplant auch die Alten und Verletzbaren.

Schwerwiegende Langzeitfolgen

4. Das Virus sei für die Jungen und Fitten keineswegs harmlos, schreibt Sir Robert Lechler, der Präsident der britischen Academy of Medical Sciences. Auch sie können schwer erkranken – und selbst bei leichten Verläufen Langzeitfolgen davontragen wie chronische Erschöpfung, mentale Einbussen, anhaltende Atembeschwerden oder Herzprobleme.

5. Es ist auch noch keineswegs gesichert, wie lange ein Infizierter nach überstandener Krankheit überhaupt immun ist – und wie schwer eine zweite Ansteckung ausfallen kann.

6. Kritiker der Durchseuchungs-Strategie betonen: In vielen Ländern, welche die Pandemie relativ gut bewältigen – wie etwa Japan, Vietnam, Südkorea und Neuseeland – werde das Virus nicht einfach wild laufen gelassen, in der Hoffnung, dass Asthmatiker und ältere Menschen zwölf Monate lang einen Ort finden, an dem sie sich verstecken können. Diese Länder würden die Strategie «Testen und Verfolgen» anwenden. Damit würden die Folgen neuer Ausbrüche verringert.

Eine groteske und inhumane Strategie

7. Die «Scientific Advisory Group for Emergencies» (SAGE) ist eine Gruppe von Wissenschaftlern, die die britische Regierung und die Öffentlichkeit u.a. in Pandemie-Fragen berät. In ihrem jüngsten SAGE-Report zur Barrington-Erklärung kommt sie zum Schluss: «Diese Strategie funktioniert nicht und sollte auch nicht ausprobiert werden.» Ihre Ziele seien für die nationale und die globale öffentliche Gesundheit gefährlich. Die «groteske Strategie» komme einer «Ausmerzung von Kranken und Behinderten» gleich.

8. Zu ähnlichen Einschätzungen kommen zahlreiche weitere internationale Fachleute.

Karl Lauterbach, Epidemiologe und SPD-Gesundheitsexperte: «Die Herdenimmunität würde in Deutschland 400 000 Menschen das Leben kosten – mindestens.» Dieser Weg sei «komplett unethisch». Prof. Sir Robert Lechler, der oberste britische Mediziner, schreibt: «Wir können nicht ganze Bereiche der Gesellschaft wegschließen, weil andere ihr Leben "wie gewohnt" leben wollen», und er nennt den Barrington-Ansatz «unethisch und einfach nicht machbar». Und auch Prof. Friedemann Weber, Virologe an der Universität Giessen, findet klare Worte: «Zu denken, man müsste einfach die Pandemie einmal durch die Population rasen lassen und die Älteren alle wegsperren, das ist komplett unrealistisch und inhuman.»

9. Zudem: Eine Durchseuchungs-Strategie würde das Gesundheitssystem mit grösster Wahrscheinlichkeit total überlasten.

Wer unterschreibt die Erklärung?

10. Die Barrington-Erklärung wird vor allem unter Gegnern und Skeptikern der Corona-Massnahmen – oft im begeisterten und beschwörenden Mitmach-Tonfall – verbreitet. Bis jetzt (Stand 17.10.2020) haben rund 10'500 Wissenschaftler, 29'000 praktizierende Mediziner und über eine halbe Million «besorgte Bürger» die Erklärung online unterschrieben – allerdings ohne jede Kontrollfunktion. Man kann mehrfach und mit Fantasie- oder Spassnamen unterzeichnen, wie etwa «Dr. Person Fakename», «Dr. Johnny Bananas, Arzt für harte Summen» oder «Dr. I. P. Freely» (I pee freely), also, «Ich pinkle frei» und viele andere mehr, die auf der Liste figurieren. Reiner Spass von selbsternannten Wissenschaftlern? Martin McKee, Professor für European Public Health an der London School of Hygiene and Tropical Medicine, glaubt eher, dass hinter der fehlenden Kontrolle Kalkül steckt. Je länger die Liste der angeblichen wissenschaftlichen Unterstützer, desto mehr sieht es danach aus, als befürworte tatsächlich ein beträchtlicher Teil der Scientific Community den Weg zur Herdenimmunität. Das Gegenteil ist der Fall.

Wer steckt dahinter?

11. Die Barrington-Erklärung resultierte aus einem Treffen von Wissenschaftlern, Politikern und Journalisten am American Institute for Economic Research (AIER) in Great Barrington, Massachusetts. AIER ist ein ultralibertärer Thinktank und gehört zum Netzwerk der zahlreichen Denkfabriken, die vom Imperium der erzkonservativen Koch-Brüder mitfinanziert werden. Die Koch-Brüder zählen zu den zehn reichsten Männern der Welt. (Zu den Koch Brothers hat Richard Aschinger im September 2019 auf Infosperber ein sehr erhellendes Porträt veröffentlicht.) AIER verfügt zudem über Beteiligungen in der Höhe von 285 Mio US-Dollar in Mineralöl- und Tabakkonzernen und veröffentlicht regelmässig Studien in seinen Interessensbereichen.

Die Süddeutsche Zeitung schreibt dazu: «Erklärtes Ziel des Think Tanks ist es, eine „wirklich freie Gesellschaft“ zu fördern, "mit freien Märkten und einer begrenzten Regierung". Anders ausgedrückt: Das AIER will die öffentliche Meinung manipulieren – für eine ungezügelte Wirtschaft. Zum Thema Klimawandel hat das Institut schon mehrere Berichte herausgegeben, allesamt verharmlosend.»

Das hat doch zumindest eine Interessenslogik.

Was, bitte sehr, sagt das über die Wissenschaft – und die Medien?

12. Das fragt sich auch der britische Guardian: «Es ist eine traurige Parabel darüber, was passiert, wenn schlechte Wissenschaft von zwielichtigen ideologischen Interessen kooptiert wird. (…) Die Geschichte sagt uns, was passiert, wenn schlechte Wissenschaft von Unternehmensinteressen eingesetzt wird. Die Tabak-, Öl- und Zuckerindustrie hat immer wieder Einzelgänger-Wissenschaftler eingesetzt, um den wissenschaftlichen Konsens über die negativen Auswirkungen des Rauchens, des Klimawandels und des Zuckerkonsums zu untergraben – und damit auch Medien überlistet, die zu oft ihre kritischen Fähigkeiten auf der Suche nach „Gleichgewicht“ aufgeben.»

Und der oben bereits zitierte Sir Robert Lechler doppelt nach: «Da COVID-19 das grösste Problem unserer Gesellschaft ist, kann der Rat glaubwürdiger Experten leicht politisiert werden. Wissenschaftler tragen hier eine starke Verantwortung und müssen dafür sorgen, dass die Öffentlichkeit nicht nur Zugang zu den neuesten verlässlichen Beweisen hat, sondern auch an der Erstellung dieser Beweise beteiligt war. Dies gilt insbesondere dann, wenn die von ihnen geteilten Ansichten dazu verwendet werden könnten, Massnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit zu untergraben. Außergewöhnliche Aussagen zu COVID-19-Massnahmen sollten nur mit soliden Beweisen und großer Sicherheit gemacht werden.»

13. Ein Trost liegt, wie so oft, in der Dialektik. Die Barrington-Erklärung vom 4. Oktober hat auch die Fraktion der verantwortungsvollen Wissenschaftler auf den Plan gerufen. Nur elf Tage später stellten sie über die renommierte Fachzeitschrift The Lancet ihre entschiedene Gegenposition zur Durchseuchungs-Strategie ins Netz: Das John Snow Memorandum. Bekannte Schweizer Forschende wie Christian Althaus (Uni Bern), Isabella Eckerle (Uni Genf) oder Emma Hodcroft (Uni Basel) gehören zu den Unterzeichnenden. Der Tages-Anzeiger berichtete am 16. Oktober darüber, mit einem Link zum Volltext-Memorandum. Infosperber hat am 18. Oktober den Wortlaut des John Snow Memorandums veröffentlicht und mit einem Link zum Unterschreiben eingeladen.

Und jetzt?

Die Barrington-Erklärung ist eine multiple Mogelpackung. Es bleibt das nicht geringe Erstaunen, dass ausgerechnet Infosperber ihr so kritiklos und zur Unterzeichnung einladend aufgesessen ist.

Klar, in einer Demokratie muss über so einschneidende Massnahmen, wie sie Covid-19 verursacht, diskutiert werden. Aber bitte auf einem seriösen, belastbaren Niveau. Auch die Behauptung, dass der Widerstand gegen die Corona-Massnahmen überideologisch sei und von links und rechts und aus allen Schichten mit den verschiedensten Menschenbildern komme, ist ein verharmlosender Mythos. Wenn man ordnet und gewichtet, ist offensichtlich, dass populistische, rechte und markthörige Kreise – und deren Interessen – den Ton angeben. Man muss hier gar nicht an die politischen Galionsfiguren dieser «Bewegung» erinnern.

Und: Es gibt auch eine offensichtliche politische Logik hinter dem Ganzen. Es geht einflussreichen Interessensgruppen letztlich darum, die Bedeutung des Staates zu minimieren. Der Leitartikler in der NZZ vom Samstag, 17. Oktober, behauptet für die Corona-Zeit keck: «Das Übermass an Staat hat dem Bürgersinn geschadet.» Das kann man auch ganz anders sehen. Selten habe ich die Mitverantwortlichkeiten von uns allen für unser Gemeinwesen so stark und verbindlich erlebt wie in diesen Zeiten.

Corona nervt, ermüdet, ist supermühsam. Dagegen helfen weder Ausgrenzungs- noch Free-Rider-Phantasien. Wir müssen das schon gemeinsam durchstehen. Solidarisch. Alle zusammen.

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Stellungnahme von Infosperber

upg. Infosperber hat sowohl die «Great Barrington Erklärung» wie auch das «John Snow Memorandum» in vollem Wortlaut veröffentlicht und jeweils auf wichtige Einwände und auf die Urheberschaft hingewiesen.

Bei der «Great Barrington Erklärung» haben wir einleitend über die indirekte Finanzierung durch das «rechtskonservative Koch Think Tank Network» informiert und darauf auch verlinkt. Wir wiesen auch darauf hin, dass es «die meisten Epidemiologen und Virologen für unverantwortlich halten», auf ein Containment mit Tracing und Quarantänen zu verzichten. Zudem verlinkten wir auf Experten, welche die «Great Barrington Erklärung» kritisieren.

Beim «John Snow Memorandum» haben wir einleitend über finanzielle Beziehungen einiger Autoren mit Pharmakonzernen, welche Impfstoffe herstellen, informiert. Wir wiesen auch auf einige Vorbehalte von Gegnern der Containment-Politik hin.

Diese Einbettungen haben es der Leserschaft erlaubt, sich über «Barrington» und «Snow» eine eigene Meinung zu bilden.

Urs P. Gasche

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Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Alfred Schlienger, Theater- und Filmkritiker, u.a. für die «Republik»; ehem. Prof. für Literatur, Philosophie und Medien an der Pädagogischen Hochschule; Mitbegründer der Bürgerplattform Rettet-Basel!; lebt in Basel.

    Unter «kontertext» schreibt eine externe Gruppe Autorinnen und Autoren über Medien und Politik. Sie greift Beiträge aus Medien auf und widerspricht aus politischen, journalistischen, inhaltlichen oder sprachlichen Gründen. Zur Gruppe gehören u.a. Bernhard Bonjour, Rudolf Bussmann (Redaktion, Koordination), Silvia Henke, Mathias Knauer, Guy Krneta, Alfred Schlienger, Felix Schneider, Linda Stibler, Martina Süess, Ariane Tanner, Rudolf Walther, Christoph Wegmann, Matthias Zehnder.

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    18 Meinungen

    Wieso redet man von Langzeitfolgen bei jungen Leuten? Das Virus kennt man angeblich erst seit anfangs Jahr.

    Wieso kann man eine Studie nicht stehenlassen wie sie ist? Warum redet man immer von Verschärfung der Massnahmen und steil ansteigenden Fallzahlen? Kann es nicht sein, dass die Massnahmen nicht greifen?

    Ich vertraue auf meinen Körper mehr als auf «Angstmacherei». Ich habe nie die Garantie, dass ich nicht krank werde, mit oder ohne Corona.
    Rainer Strässle, am 20. Oktober 2020 um 12:41 Uhr
    Das spricht aber für IS, diese Korrektur und Ergänzungen. So kann man sicher besser sich ein Bild und eine Meinung machen. Danke.
    Markus Scheuring, am 20. Oktober 2020 um 13:30 Uhr
    Ich halte es mit Wodarg, aufhören zu testen und der Coronahype ist vorbei. Praxisbeispiele, siehe China, Tansania usw.
    Aber leider wollen sich die Leute zwanghaft impfen lassen, weswegen ich der Meinung bin, man soll diese 'Süchtigen' mit Tamiflu impfen, dann sind die zufrieden und hören mit dieser Hysterie endlich auf.
    Peter Herzog, am 20. Oktober 2020 um 14:46 Uhr
    Prafo! (...) und damit auch Medien überlistet, die zu oft ihre kritischen Fähigkeiten auf der Suche nach „Gleichgewicht“ aufgeben.» Das ist schön gesagt. Und gemacht wird's, damit nicht Leser verloren gehen. Zum Beispiel in der NZZ. Die taumelt von einem «Gleichgewicht» zum nächsten. Angst fressen Seele auf hiess es mal. Heute frisst der Markt die kritischen Fähigkeiten.
    Ruedi Beglinger, am 20. Oktober 2020 um 15:14 Uhr
    danke alfred schlienger für die sehr aufschlussreichen ausführungen!
    Franz Wyss, am 20. Oktober 2020 um 16:50 Uhr
    Danke lieber Alfred Schlienger für diese umfassende Aufklärung über die Great Barrington Erklärung. Bleibt der etwas bittere Nachgeschmack, dass der Infosperber mit einem Link zum Unterschreiben dieser Erklärung eingeladen hat.
    Mischa Schiwow, am 20. Oktober 2020 um 18:08 Uhr
    Vielen Dank für diesen wichtigen Beitrag. Unterschreibe jedes Wort.

    Manche Leute sitzen geschützt in der Stube und studieren die komplexesten Fragenkataloge aus, um die Gefährlichkeit von Corona und den Sinn von Abwehrmassnahmen anzuzweifeln. Ein bisschen erinnern dieser Abwehrkampf und die Schnapsidee von der Herdenimmunität an die schlechte alte Zeit, als die Zigarettenkonzerne Wissenschaftler bezahlten, an der Wissenschaftlichkeit von Studien herumzumäkeln, welche die Gesundheitsschädlichkeit des Rauchens nachwiesen.
    Andreas Ochsenbein, am 20. Oktober 2020 um 18:42 Uhr
    Und wieder einmal sind wir beim letzten Pfeil im Köcher der Impflobby, den Langzeitfolgen.

    Das sogenannte 'Long Covid' baut allein schon vom Zeitverlauf auf den therapiebedingten Langzeitfolgen aus der Phase der ersten Hotspots. Hervorzuheben ist hier einerseits zu frühe Intubation/künstliches Koma auch von Patienten ohne Atemnot a) allein aufgrund Sauerstoffsättigung und b) v.a. auch zum Schutze des Personals (geringeress Kontaminationsrisiko) und andererseits die dramatische Übersterblichkeit durch die WHO-Panne im Rahmen des WHO-Solidarity-Trials mit toxisch überdosierter Hydroxychloroquin Abgaben.
    Weitere länger dauernde Heilungsprozesse wurden inzwischen als reversibel erkannt (Studie Uni Innsbruck) oder sind post virale Nachwirkungen, bei denen auch von anderen Infekten bis zu mehreren Jahren Rekonvaleszenzzeit bekannt sind.
    Thomas Oettli, am 20. Oktober 2020 um 19:32 Uhr
    Gut, dass hier den Verharmlosern von Corona endlich die Stirn geboten wird. Wir brauchen keine Apologeten, die dem Darwinismus das Wort reden und bereit sind, buchstäblich über Hunderttausende von Leichen zu gehen.
    Alois Amrein, am 20. Oktober 2020 um 22:49 Uhr
    Die Geister, die ich rief ... bzw. bestätigte und so aus ihren Löchern holte.

    Wer seit März die Kommentare zu den Corona-Artikeln auf infosperber (IS) verfolgt, kommt nicht umhin festzustellen: Die überwiegende Mehrheit der Kommentatoren bricht geradezu in Begeisterungsstürme aus. Mit jedem Artikel, in denen zum gefühlten 1000sten Mal vorgerechnet wird, wie wertlos die - in den Massenmedien - verbreiteten Zahlen sind, wurde es nicht nur als Beleg für eine miserable Berichterstattung über die Corona-Zahlen, sondern gleichsam für alles andere, das sie sich in ihren Köpfen über Corona ausmalen konnten, genommen. Von «diesen Virus gibt es nicht», über «harmlos», zu «Freiheitsberaubung/Diktatur», hin zu «Big Pharma», «Bill Gates...».

    Diese Geister bzw. diese Vorstellungen hat IS bestätigt, «gepflegt», immens bestärkt. Ich glaube nicht, dass es Absicht war - aber die Analyse der Kommentare lassen keinen anderen Schluss zu.

    Auch wenn IS allein auf das Zahlenwirrwarr aufmerksam machen wollte, so zogen die Artikel immer mehr Leute an, die einzig und allein in Ihrer Ablehnung (bis hin zum offenen Widerstand gegen) von jeglichen Corona-Massnahmen bestärkt werden wollten. Aus einem Kommentar vom 18.10.: «mit Hysterielappen vorm Gesicht rumzulaufen».

    Das hätte man bei IS viel früher erkennen müssen! Zumal angenommen werden darf, dass beim IS die Mechanismen von Medien bekannt sind. Auch warnten - gerade zu Beginn - viele Kommentatoren (bis sie sich frustriert/angewidert zurückzogen).
    Stephan Kühne, am 20. Oktober 2020 um 23:23 Uhr
    Meine Unterschrift unter die Barrington-Erklärung bedeutet zweierlei: Erstens will ich ganz bewusst mein Zeichen gegen den um sich greifenden «embedded journalism» setzen, der den globalen Medienmarkt bestimmt (ich glaube diesbezüglich an keine Verschwörung und befürchte nur, dass der Klickjournalismus einfach aus dem Ruder gelaufen ist). Ich nehme dafür einige Unschärfen in der Barrington-Argumentation in Kauf. Zweitens will ich damit meine Unzufriedenheit gegen die scheinbar global festgeschriebene Fallzahlen-Hysterie setzen (ja, es ist im Vergleich zu den Diskussionen um eine schwere Grippe-Epidemie eine wahre Hysterie entstanden). Daraus ist meiner Meinung nach - auch in der Schweiz - eine ziemlich abwegige Strategie entwickelt worden. Und ein geistiger Trompe-l'oeil, nämlich die irrwitzige Annahme, man könne ein pandemistisches Virus stoppen oder auch nur bremsen, wenn man bloss die Fallzahlen - positiv Getestete - tief halte. Die daraus unter dem Diktat psychologie- und sozologieferner Virologen und Epidemiologen abgeleiteten Massnahmen sind in sich widersprüchlich und zum Teil kontraproduktiv, wie eine allgemeine Maskenpflicht, welche vor allem eine falsche Sicherheit vermittelt. Denn eine Durchseuchung findet zwangsläufig statt. Alle haben es gewusst, aber mit Massnahmen geflunkert, statt die Pflegesysteme entsprechend darauf vorzubereiten und aufzurüsten (Vernazza). Es deutet vieles darauf hin, dass wertvolle acht Monate vertan wurden.
    Stefan Frey, am 21. Oktober 2020 um 09:50 Uhr
    Sehr guter und informativer Text von Alfred Schlienger. Die Verbindung von Personen, die das John Snow Memorandum unterschrieben haben, zur Impfungsindustrie ist kein entscheidendes Kriterium gegen das Memorandum, denn die Impfung wird ohnehin kommen und eine wichtige Rolle spielen - wobei freilich die nicht von kapitalistischen alias profitmaximierenden Institutionen kommenden und vom Staat deshalb effizient und streng kontrollierten Impfungen aus Russland, Kuba und der VR China die sicherere und preisgünstigere Variante sind - man erinnere sich an die sehr guten Impfungen gegen die Kinderlähmung aus der Sowjetunion Ende der 50er Jahre, die dann im Westen über eine österreichische Firma vertrieben wurden.
    Ueli Schlegel, am 21. Oktober 2020 um 11:17 Uhr
    herr schliengers artikel über die great barrington erklärung finde ich etwas vom besten, was ich zu den offiziellen und medialen reaktionen zur covid-19 krise gelesen habe. sein text ist sehr luzid und gur recherchiert. er holt weit aus ohne auszuufern. der autor ereifert sich nicht, obwohl ihm die sache sehr am herzen liegt. und last bit not least ist der text sehr übersichtlich dargestellt. chapeau!
    marc wyss, am 21. Oktober 2020 um 12:47 Uhr
    Folge einem fragwürdigem „wir Linken sind die Guten“ und verorte die Massnahmenkritiker allesamt und unterschiedslos in ein rechtes und markthöriges Spektrum – offenbar mag die Filterblase eines Pseudolinken aktuelle und sich neu formierende Machtstrukturen nicht mehr hinterfragen.
    Vor was hat Schlienger denn Angst?
    Eine Durchseuchung produziert keine Übersterblichkeit, ein Blick in die Datenlage genügt. Hier lohnt sich ein genauer Blick! Haben überdies die angeführten Lauterbach et al. je mal Recht bekommen mit ihren Prognosen? Nein! Ist Lauterbachs Professur von Bayer finanziert? Ja. Ist Lauterbach auch sonst als Pharmavertreter aufgefallen? Ja.
    Schlienger befindet sich in einer ‚confirmation bias‘ und sieht die Welt nur noch durch ein Brennglas. Das er sich nicht verbrennen möge! Den Gipfel der Selbsttäuschung besteigt er, als er Althaus, Eckerle und Hodcroft als verantwortungsvoll tituliert, da diese die Great Barrington Declaration ktitisieren. Das nennt sich denn auch den Bock zum Gärnter machen.
    Schlienger sagt zu Schluss, dass gewisse Interessensgruppen im Sinn haben “die Bedeutung des Staates zu minimieren”. Das ist wahrlich auch nichts neues. Erkennen oder wissen will er nicht, wie das erreicht werden soll. Nämlich mit der ach so gütigen Schützenhilfe von Leuten, die ähnlich denken und handeln wie er. Er wendet sich gegen Manipulationen und ist aber schon längst selber einer aufgesessen. Oder müsste hier nicht besser vom Stockholm Syndrom gesprochen werden?
    Andreas Hagenbach, am 21. Oktober 2020 um 14:09 Uhr
    In seinem Blog vom 7.Juli 20 hat Prof. Dr. med. Pietro Vernazza aufgezeigt, dass im Frühjahr die Anzahl Personen die mit dem Corona Virus in Kontakt kamen rund 10 Mal höher war als die Anzahl positiv getesteter Personen.
    Wie hoch diese Dunkelziffer heute ist kann ich nicht beurteilen, aber angesichts der hohen Positivrate bei den PCR-Tests und von Aussagen von Expert*innen in den Medien, gehe ich davon aus, dass sie sehr hoch ist.
    Das bedeutet nichts Anderes, als dass eine Art Durchseuchung der Bevölkerung im Gang ist. Ob wir das gut finden oder nicht spielt gar keine Rolle.
    Mathias Wyss, am 21. Oktober 2020 um 21:33 Uhr
    Herr Schliengen wirft anderen vor, unbewiesene Behauptungen zu verbreiten, und tut dies anschliessend gleich selber.
    Müssten wir uns nicht eher eingestehen, dass wir gar nicht so viel mit Sicherheit wissen? Müssten wir nicht zugeben, dass wir alle in letzter Zeit ab und zu Covidioten waren, Herr Schliengen, Sie und ich mit eingerechnet?
    Die einen haben behauptet, es sei bloss ein Pfnüsel. Andere haben 60’000 Tote vorausgesagt. Beide lagen weit daneben. Den Sommer durch wurde im Wochentakt das unmittelbare Bevorstehen einer zweiten Welle angekündigt. Kurz bevor sie dann wirklich kam, meldete ein führender Experte, die Situation sehe jetzt sehr, sehr gut aus.
    Wird auf die jetztige Welle von «Fällen» auch eine entsprechende Welle von Todesfällen folgen? Wir wissen es (noch) nicht.

    Es wäre auch schön, die Moralinspritze würde nicht so üppig eingesetzt. Niemand findet das Coronavirus lässig. Aber es gibt unterschiedliche Meinungen, wie wir insgesamt die Verluste tief halten können. Eindämmen mit aller Kraft ist sinnvoll, wenn wir bald einen wirksamen und ungefährlichen Impfstoff haben werden. Werden wir das? Und wie sieht eine kluge Strategie aus für den Fall, dass es mit dem Impfstoff nicht so expressmässig klappt (oder gar nicht)?
    Anstatt den anderen verwerfliche Gesinnung zu unterstellen, könnten wir auch akzeptieren, dass aufgrund der jetzigen dürftigen Informationslage verschiedene Einschätzungen möglich sind.
    Daniel Heierli, am 21. Oktober 2020 um 22:31 Uhr
    Durchseuchung ist ein etwas hoher Begriff. Selbst bei 100'000 «Fällen» bleiben noch über 7 Mio im Land, welche noch angesteckt werden können. Natürlich nur in der Hypothese, dass eine gewisse Immunität erreicht wurde.

    Diese Covid-Saga dürfte noch einige Zeit die Medien beherrschen.

    Da ist es zweifellos nützlich, möglichst viel von der Sache verstehen zu können. In dieser Hinsicht haben aber die «Task-Force» und das BAG einige Wissenslücken offen gezeigt bzw. offen gelassen und die Transparenzförderung - z.B. mit detaillierteren Hospitalisierungs- und Testdaten [nach Alter, Geschlecht, Region] - fehlt immer noch. Glaubwürdigkeit kann nicht auf der Basis von Omerta oder gar Obskurantismus erreicht werden.

    Dass es anderswo nicht besser ist, ist für ein relativ hoch entwickeltes Land wie die Schweiz keine Ausrede, es nicht wenigstens zu versuchen. Das von Frau Sommaruga richtig benannte «Gschtürm» unter Verantwortlichen oder doch wenigstens Entscheidträgern zeigt, dass weiterhin grosser Handlungsbedarf besteht.
    Josef Hunkeler, am 22. Oktober 2020 um 09:26 Uhr
    Da ich als Raucher sicher zur «Risikogruppe» gehöre, und jedes Jahr mindestens zweimal ordentlich «Pfnüsel» habe, gebe ich nicht allzu viel auf unsere Massnahmen. Eine Sterblichkeit von 0.05% ab Ansteckung ist für mich kein Grund für all die «Massnahmen». Ebenso fraglich ist die Informationsidiotie von immer denselben Quellen. (Dem CDC aus USA, Vertreten durch Robert Koch institut, oder BAG).Ob Heiland Drosten nun Geld macht mit «Schnelltests», oder einige Jung-SVP-ler mit Masken, ist mir dabei ganz egal.Wenns blutet gehe ins Spital. Fieber messe ich analog, und fühle ich mich länger als eine Woche unwohl, geht es zum Gesundheitsberater (Arzt). Was ich gegen Fieber tun kann, weiss ich seit der Kindheit. Normalerweise bedeutet es: Viel trinken, Ausschwitzen.
    Wer sich schützen will, soll es tun.
    Wer nicht, wird sowieso registriert.
    Ich dürfte inzwischen schon ca. einen Quadratmeter an «Registrierungsfläche/Akten» belegen.
    Dagegen sollte es eine Versicherung geben.
    Geschäftsidee?
    Claude Fontana, am 22. Oktober 2020 um 16:00 Uhr

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