Zu wenig Bewegung, zu viel Junkfood und Depressionen verkürzen das Leben © openideo

USA: Die Lebenserwartung sinkt trotz Wachstum und Reichtum

Urs P. Gasche / 10. Nov 2018 - Zu viele Arme, zu viele Bewegungsmuffel, zu viel Junkfood und zu viele Kranke drücken die Lebenserwartung in den USA nach unten.

Zum ersten Mal seit über sechzig Jahren ist das durchschnittliche Todesalter in den USA während zwei Jahren in Folge gesunken. Das geht aus dem Jahresbericht der US-Gesundheitsschutzbehörde CDC hervor (Centers of Disease Control and Prevention).

Die durchschnittliche Lebenserwartung ging in den Jahren 2015 und 2016 zurück und betrug Ende 2017 noch 78,5 Jahre. Das sind noch 2,1 Jahre mehr als die durchschnittliche Lebenserwartung in China. Die USA liegen damit unter dem Durchschnitt der Industriestaaten der OECD. In der Schweiz beträgt die Lebenserwartung bei Geburt 82,9 Jahre.

Entscheidend sind die Lebensjahre in guter Gesundheit. «Le Monde» zitiert die Weltgesundheitsorganisation WHO, wonach ein Neugeborenes in den USA heute – durchschnittlich – mit 68,5 Lebensjahren in guter Gesundheit rechnen kann, ein Neugeborenes in China mit 68,7 Jahren.

Für die sinkende Lebenserwartung in den USA werden folgende Hauptgründe geltend gemacht:

  1. Die ärmsten 10 Prozent einer Bevölkerung drücken die durchschnittliche Lebenserwartung eines Landes am stärksten nach unten. In den USA ist die Armut dieser vernachlässigten Bevölkerungsgruppe grösser geworden.
  2. Als Folge der lockeren Verschreibungspraxis und der aggressiven Werbung von Pharmakonzernen sterben in den USA jedes Jahr rund 65’000 Menschen an den Folgen von Opioid-Schmerzmitteln. Betroffen ist wiederum vor allem die Unterschicht.
  3. Zu wenig körperliche Bewegung und viel Junkfood. Der heute verbreitete Lebensstil in den USA macht krank. «Becoming an American can be bad for your health», titelte die «New York Times» vor fünf Jahren. Das bekommen Einwanderer zu spüren.

    Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzte schon vor vierzehn Jahren, dass 25 bis 33 Prozent aller Krankheiten in Industriestaaten im weiteren Sinn «umweltbedingt» sind: Ungenügende körperliche Bewegung, Luft- und andere Umweltverschmutzung, industrielle Ernährung.

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6 Meinungen

Die Aussage der WHO muss um einen wesentlichen Faktor ergänzt werden: der leben-verkürzende Einfluss von Langzeitstress. Siehe z.B. den Leitartikel über Einsamkeit im neuesten 'Beobachter'.
Michel Mortier, am 10. November 2018 um 12:13 Uhr
Dieser Befund ist nicht erstaunlich wirft aber eine wichtige Frage auf: ein «Lebensstil» ist auch Ausdruck der Werte der ihn «huldigenden» Zivilisation. Der «American way of life» ist bis jetzt in allen Kontinenten bei den «aufstrebenden Massen» das «Gelbe vom Ei» und unsere Wirtschaften verdienen sich eine goldene Nase ... Ist uns wirklich bewusst, dass diese unsere jetzigen Werte der Konsum-Zivilisation auf Dauer schädlich sind ? Dass sie Millionen in einen früheren Tod treiben ?
bernhard sartorius, am 10. November 2018 um 14:21 Uhr
Die beiden Masse für Lebenserwartung, entweder die der Kohorte, oder die der Periode sind nicht identisch mit einem mittleren Todesalter. Ich habe auch noch nie gehört, dass man ein solches überhaupt berechnet. Es hätte keinen sinnvollen Interpretationsrahmen, ähnlich wie Todesursachenstatistik, die ebenfalls wegen der biografischen Sterblichwahrscheinlichkeit von 100% nicht interpretierbar ist.

Der Satz 'Entscheidend sind die Lebensjahre in guter Gesundheit' ist nicht verifizierbar, weil es keine Empirie für die subjektive Kategorie Gesundheit gibt. Die Gesundheitswissenschaftler haben sich Jahrzehnte um solche bemüht, inzwischen aber aufgegeben. Gesundheit existiert nur in der Phantasie von uns Menschen. Gesund kann man nicht sein und nicht werden. Gesund kann man sich nur fühlen und das darf jeder sehen, wie er will. Die grossen Brüder von Gesundheit heissen Glück, Gerechtigkeit, Heimat.
Ralf Schrader, am 10. November 2018 um 14:26 Uhr
@Schrader. Die heutige, durchschnittliche Lebenserwartung einer Bevölkerung ist keine Prognose in die Zukunft, sondern identisch mit dem durchschnittlichen gegenwärtigen Todesalter. Deshalb ist es eigentlich falsch, von einer heutigen «Lebenserwartung» zu reden. Bei Angaben über die durchschnittliche Lebenserwartung, bzw. das durchschnittliche Todesalter in der Zukunft, sind Schätzungen nötig. Es werden dann verschiedene mögliche Szenarien angegeben.
Urs P. Gasche, am 10. November 2018 um 15:02 Uhr
@ Ralf Schrader
Es trifft zu, dass «gute Gesundheit» keine exakt messbare Grösse ist. Das gleiche gilt für Glück und Gerechtigkeit.
Gute Gesundheit deshalb für irrelevant zu erklären ist jedoch ziemlich absurd. Man schafft auch nicht den Rechtsstaat ab, weil es die absolute Gerechtigkeit nicht gibt.
Für eine sinnvolle Politik im Bereich des Gesundheitswesens ist es wichtig, dass man den Faktor «Lebensjahre bei guter Gesundheit» berücksichtigt. So kann man zum Beispiel erkennen, dass eine Medizinische Behandlung, die das Leben um drei Monate an den Schläuchen der Intensivmedizin verlängert, zumindest fragwürdig ist.
P.S. I: Empfehlen Sie einmal einem schwer kranken Menschen, er müsse sich bloss gesund fühlen.
P.S. II: Nein, machen Sie es lieber nicht! Es wäre geschmacklos und zynisch.
Daniel Heierli, am 13. November 2018 um 17:19 Uhr
Ich nenne es ja den totalen kapitalismus.

Demokratie + Kapitalismus vertragen sich nicht gut.
Philipp Schüpbach, am 15. November 2018 um 08:09 Uhr

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