Gewöhnliches Aspirin und ein günstiger Schnupfenspray © Bayer/Stada

Gewöhnliches Aspirin und ein günstiger Schnupfenspray

Bei Erkältung empfohlen: Tee, Aspirin und Snup

Red. / 17. Feb 2014 - Die Stiftung Warentest und ein Spitzenarzt haben häufig verkaufte Mittel gegen brummenden Kopf, laufende Nase und Halsweh bewertet.

Bei Erkältungen ist man in Apotheken einer unübersichtlichen Werbung ausgesetzt. Pharmafirmen überbieten sich im Anpreisen von Tabletten, Sprays, Wässerchen und Tröpfchen. Je auffälliger die Werbung desto teurer in der Regel die Mittelchen. Aber besser sind viele teuren nicht, wie «Spiegel online» berichtet.

Der «Spiegel» liess häufig verkaufte Erkältungsmittel vom Arzt Peter Sawicki und der Stiftung Warentest beurteilen. Sawicki war bis 2010 Direktor des «Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen» IQWiG, welches Nutzen und Schaden von Medikamenten prüft. Die Stiftung Warentest in Berlin hat das Handbuch «Rezeptfreie Medikamente» herausgegeben.

Im Folgenden die Beurteilungen.

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ASPIRIN 100 mg 14 Tabletten ca. 1.30 CHF

Wirkstoff: Acetylsalicylsäure ASS

Sawicki und Stiftung Warentest: Lindert Schmerzen und senkt Fieber.

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ASPIRIN COMPLEX HEISSGETRÄNK Beutel 10 Stück ca. 10 CHF

Wirkstoffe: Acetylsalicylsäure ASS 500 mg; Pseudoephedrin-Hydrochlorid 30 mg

Sawicki: ASS lindert Schmerzen und senkt Fieber. Pseudoephedrin-Hydrochlorid zum Abschwellen der Nasenschleimhaut. Getrunken hat es wahrscheinlich keinen wesentlichen Effekt auf die Nasenschleimhaut. Diese Wirkstoff-Kombination bringt fast nichts, kostet aber ein Mehrfaches von Aspirin.

Stiftung Warentest: Eine nicht sinnvolle Wirkstoff-Kombination.

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SNUP Schnupfenspray, ca.3.90 CHF

Wirkstoff: Xylometazolin Hydrochlorid 0,1%

Sawicki: Xylometazolin führt zu Abschwellung der Nasenschleimhaut, dies reduziert die Symptome des Schnupfens. Das Medikament ist lokal-symptomatisch zur Abschwellung der Nasenschleimhaut effektiv.

Stiftung Wartentest: Geeignet bei Schnupfen für Schulkinder und Erwachsene als schleimhautabschwellendes Mittel zur kurzzeitigen Anwendung.

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WICK DayMed Kombi, Erkältungsgetränk, ca. 12 CHF

Wirkstoffe: Paracetamol 500 mg, Phenylephrin 10 mg, Guaifenesin 200 mg

Sawicki: Die Kombination ist ungenügend untersucht. Paracetamol ist als Schmerzmittel und fiebersenkendes Mittel wirksam. Phenylephrin ist in dieser Verabreichungsform zur Abschwellung der Nasenschleimhaut aber kaum effektiv. Guaifenesin für Husten hat keinen belegten Effekt, die Wirkung ist umstritten. Fazit: Das Medikament ist nicht notwendig. Bedenklich sind solche Kombinationen, weil die Gefahr einer Überdosierung an Paracetamol besteht (bei vier Beuteln am Tag DayMed Kombi und zusätzlicher Einnahme des Schmerzmittels) - und damit das Risiko eines Leberversagens.

Stiftung Wartentest: Eine nicht sinnvolle Kombination aus Schmerz- und Hustenmittel und einem anregenden Mittel, das über die Blutbahn im ganzen Körper verteilt wird und auch die Schleimhäute abschwillt.

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DORITHRICIN Halstabletten 20 Stück ca. 10 CHF

Wirkstoffe: Tyrothricin 0,5 mg, Benzalkoniumchlorid 1 mg, Benzocain 1,5 mg

Sawicki: Tyrothricin soll antibakteriell wirken, es ist also nicht nützlich bei viralen Infekten wie Erkältungen. Das Problem: Benzalkoniumchlorid ist ein Konservierungsmittel, es soll gegen Bakterien und Pilze effektiv sein. Doch der Wirkstoff kann allergische Reaktionen sowie Schädigungen der Nasen- und Augenschleimhaut auslösen. Benzocain ist ein Lokalanästhetikum, das kurzfristig etwas die Schwere der Halsschmerzen reduziert. Fazit: Das Medikament ist nicht empfohlen.

Stiftung Warentest: Wenig geeignet bei Halsentzündungen. Eine nicht sinnvolle Kombination. Das Antibiotikum Tyrothrizin wirkt nur oberflächlich und erreicht tiefer im Gewebe siedelnde Bakterien nicht. Benzocain kann leicht Allergien hervorrufen.

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CETEBE Lutschtabletten 20 Stück ca. 3.50 CHF

Wirkstoffe: Vitamin C 300 mg, Zink 5 mg

Sawicki: Spürt man die ersten Erkältungssymptome, kann eine Einnahme von Zink innerhalb von 24 Stunden bei einer Dosierung von mehr als 75 mg pro Tag einen schützenden und heilenden Effekt haben. Somit sind 5 mg bei Cetebe unterdosiert. Also eher ein Zink-Präparat wählen, das höher dosiert ist.

Stiftung Warentest: Keine Angaben.

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LEMOCIN Gurgellösung 200 ml ca. 11 CHF; Lutschtabletten 20 Stück ca. 8.00 CHF

Wirkstoffe: Tyrothricin 4 mg, Cetrimoniumbromid 2 mg, Lidocain 1 mg

Sawicki: Tyrothricin soll antibakteriell wirken, es ist also nicht nützlich bei viralen Infekten. Das Problem: Die meisten Erkältungen werden aber von Viren ausgelöst. Cetrimoniumbromid ist ein Konservierungsmittel, das gegen Bakterien und Pilze effektiv sein soll. Die Substanz hat aber keine nachgewiesene Wirkung bei viralen Infekten der oberen Atemwege. Lidocain ist ein Lokalanästhetikum, das kurzfristig etwas die Schwere der Halsschmerzen reduziert. Fazit: Das Medikament ist nicht notwendig.

Stiftung Warentest: Wenig geeignet bei Halsentzündungen. Nicht sinnvolle Kombination. Das Antibiotikum Tyrothricin wirkt nur oberflächlich und erreicht tiefer im Gewebe siedelnde Bakterien nicht.

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INFLUEX homöopathisches Präparat; flüssig 50 ml ca. 19.00 CHF, Tabletten 50 Stück ca. 11 CHF

Wirkstoffe (homöopathisch): Aconitum napellus D4 60 mg, Apis mellifica D3 40 mg, Echinacea D1 120 mg, Lachesis D5 12 mg

Sawicki: Es handelt sich um ein homöopathisches Präparat ohne wissenschaftlich nachgewiesenen Nutzen (mehr über den Nutzen der Homöopathie finden Sie unten*). Fazit: Dieses Medikament ist nicht notwendig.

Stiftung Warentest: Keine Angaben.

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Alle betroffenen Hersteller betonen den Nutzen ihrer beworbenen Präparate.

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Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine

Weiterführende Informationen

Spiegel: «Medikamenten-Check: Das taugen Erkältungsmittel wirklich»
*Globuli bei Erkältung und grippalen Infekten
*Kritische Beurteilung der Homöopathie durch Professor Edzard Ernst

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