Infiziert, krank, nicht getestet, nicht in der Statistik

 Red. © Thinkstock.502581798
Red. / 11. Mai 2020 - Ein Infosperber-Leser berichtet, was er zu Hause durchgemacht hat und dass er sich nach einem Monat noch immer nicht fit fühlt.

upg. Die Identität des Autors des folgenden Berichts ist der Redaktion bekannt.

Der Verlauf der Krankheit ist offensichtlich nicht bei jeder Person der selbe, abhängig sicher auch von Alter und Konstitution. Meine Partnerin brachte den Virus wohl aus Spanien, woher sie aus den Wanderferien frühzeitig zurückgeflogen wurde, als "Souvenir" zurück.

Am Montag 23. März fängt es an wie eine normale Grippe, mit Schnupfen, aber ohne Husten. Die Nase ist verstopft, die Nase läuft und so fort. Drei Tage später verspüren wir dann urplötzlich keinen Geruchsinn mehr. Der Käse schmeckt nach gar nichts. Darauf konsultieren wir eine Ärztin. Diese meint sofort, der Fall sei klar, aber von einem Test rät sie eher ab. Denn die Tests seien unzuverlässig [Red. das ist korrekt] und würden bis zu 300 Franken kosten. Und wenn man einen positiven Befund bekomme, sei man so weit als wie zuvor [auch das ist korrekt], man müsse die Sache eh durchstehen. Es gebe weder besondere Medikamente noch eine spezielle Behandlung. Doch weil wir nicht getestet werden, erscheinen wir folgerichtig in keiner Corona-Statistik.

Meine fünf Jahre jüngere Partnerin übersteht die Krankheit in drei Tagen mit etwas Fieber und Unwohlsein ziemlich glimpflich. Ich bin 72 und eigentlich bei intakter Gesundheit, habe aber erheblich mehr Mühe mit dem Virus. Während fünf Nächten und Tagen leide ich an plus-minus 39 Grad Fieber und habe einen Kopf, der vor Schmerz platzen möchte. Ein halbes Dutzend durchgeschwitzte T-Shirts und alle drei Stunden eine Dosis Panadol 1000mg. Schlafen unmöglich, höchstens hin und wieder eine Art Bewusstlosigkeit.

Bis vor wenigen Tagen noch, also einen Monat später, litt ich, ich weiss nicht ob als Nachwirkung, an erheblichen Gleichgewichtsproblemen. Beim Gehen fühlte ich mich wie auf einem Fischerboot bei Wellengang. Das alles war begleitet von einer nervigen Antriebslosigkeit. Ich hatte nicht einmal Lust, etwas zu lesen. Bis vor kurzem fühle ich mich noch immer ein wenig unsicher. Aber jetzt bin ich komplett beschwerdefrei.

Ob wir noch ansteckend sind, würde ein entsprechender Test auf Antikörper zeigen, aber den gibt es noch nicht, jedenfalls nicht offiziell [Red. vor allem noch keine zuverlässigen Tests].

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine

Meinungen / Ihre Meinung eingeben

Ähnliche Artikel dank Ihrer Spende

Möchten Sie weitere solche Beiträge lesen? Ihre Spende macht es möglich:

Mit Kreditkarte oder Paypal - oder direkt aufs Spendenkonto für Stiftung SSUI, Jurablickstr. 69, 3095 Spiegel BE
IBAN CH0309000000604575581 (SSUI)
BIC/SWIFT POFICHBEXXX, Clearing: 09000

Ihre Spenden können Sie bei den Steuern abziehen.

Einzahlungsschein anfordern: kontakt@infosperber.ch (Postadresse angeben!)

8 Meinungen

Vielen Dank für diese Beschreibung! Insbesondere auch dafür, dass deutlich wird, dass diese Krankheit nicht einfach «eine Grippe» ist (für einige wenige Glückliche vielleicht schon, für viele aber nicht!). Die Sache mit dem Testen und der Statistik - ja, da ist viel Nebel und Ungenauigkeit. Im Moment scheint mir der Antikörpertest, die Frage der Immunität nach bestandener Krankheit und die richtige Behandlung von schwer Erkrankten im Spital (beatmen? Blutverdünner?) aber wesentlicher zu sein.
Dieter Kuhn, am 11. Mai 2020 um 14:38 Uhr
Diesem Herrn wünschen wir selbstverständlich gute Besserung und Erholung.
Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass die meisten jungen Leute durch das seit langem bekannte Corona-Virus nicht krank werden, ebenso nicht ältere Personen mit einem intakten Immunsystem. Jede Wintergrippe, verursacht durch einen der längstens bekannten Infekten, führt in der Schweiz zu etlichen hundert bis 2500 Todesopfern (2015) und zu vierzig bis sechzig tausend infizierten Personen, die deshalb zum Arzt gehen und im Sentinella-Meldesystem des BAG erfasst und ausgewiesen werden. Tragische Einzelfälle gibt es immer, die Berichterstattung darüber hat darum nichts mit Qualitäts-Journalismus zu tun.
Ueli Feller, am 11. Mai 2020 um 14:59 Uhr
Niemand möchte gerne krank sein, und es tut «einem immer weh» einen anderen leiden zu sehen. Doch die oben geschilderten Krankheitssymptome sind nach meinen nun mehr langen Jahren an Erfahrung-sammeln, ich bin 64 Jahre alt, nichts besonderes. Mein Partner hat bei jedem grippalen Infekt Fieber um die 39° und höher (Gottseidank - die Strategien seinen Abwehrsystems funktionieren) und rasende Kopfschmerzen hat er auch immer, da helfen Homöopathie und ganz selten eine Schmerztablette.)
Auch wenn der Herr oben noch längere Zeit Beschwerden hatte, jetzt ist er Beschwerdefrei. Vielleicht hätte ihm eine rechtzeitige naturheilkundliche Unterstützung gut getan.
Eva-Maria Lotter, am 12. Mai 2020 um 10:28 Uhr
Die Einlassung von Herrn Feller finde ich ärgerlich. Der Text ist kein journalistischer, sondern ein subjektiver Erfahrungsbericht. Deshalb sind daran auch keine journalistischen Massstäbe anzulegen.
Aus welcher Ecke Herr Feller schreibt, wird an der Formulierung «schon lange bekanntes Corona-Virus» ersichtlich. Da stellt sich die Frage, was er wohl damit meint. Wem war das schon bekannt? Wie lange? Wie hat Herr Feller von der langen Bekanntheit der Virus erfahren? Verfügt er über Quellen, die der Allgemeinheit nicht ohne weiteres zuhgänglich sind?
Danach erwähnt er die unter Umständen hohe Sterblichkeit bei den jährlich wiederkehrenden Grippewellen, ohne diese in einen Bezug zu setzen. Transportiert werden soll aber wohl die gerne von Fachpersonen wie Donald Trump oder Boris Johnson vorgebrachte Behauptung, Covid 19 sei auch nicht schlimmer als eine besonders böses Grippevirus.
Ein solcher Leserbrief hat erst recht nichts mit Qualitäts-Journalismus zu tun.
Martin Brändle, am 12. Mai 2020 um 11:28 Uhr
Danke für den Bericht. Aber warum gehen Sie davon aus, dass der Nachweis von Antikörper zeigen würde, dass Sie nicht mehr ansteckend sind? Nach zwei negatven PCR tests oder nach drei Tagen ohne Fieber, wird in der Regel davon ausgegangen, dass jemand nicht mehr ansteckend ist.
Reto Gmür, am 12. Mai 2020 um 16:09 Uhr
Covid-19 ist gefährlich, die Grippe ist gleichermassen gefährlich (betrachtet man die Letalität) und der Strassenverkehr ist gefährlich. Wieso haben wir Milliarden von Franken übrig den Schutz der Risikogruppen vor dem Coronavirus, bringen es aber nicht fertig für einen minimalen Bruchteil dieses Betrags einen sicheren Fahrradweg durch Zürich zu erstellen?
Fröhlich Karin, am 13. Mai 2020 um 06:38 Uhr
Ich sehe es genau so wie Reto Gmür.
Der Antikörpertest wäre höchstens geeignet, um eine Bestätigung zu erhalten, dass es tatsächlich Sars-CoV-2 war.
Daniel Heierli, am 13. Mai 2020 um 13:31 Uhr
@Fröhlich Karin
Ich vermute dass das so ist weil man mit Radwegen keine Wahlen gewinnen und kein Geld verdienen kann, mit der «Rettung der Bevölkerung» aber schon.

Hier in Deutschland lassen wir jährlich 10-20-tausend Menschen an Krankenhauskeimen sterben (Quelle: tagesschau.de) . Aber das passiert im Stillen, und niemand nimmt da gross Notiz davon. Zudem kann man an Reserve-Antibiotika richtig viel Geld verdienen.
Eigentlich wäre das Problem relativ leicht zu lösen, wie Holland zeigt. Dafür braucht man nur mehr Personal. Daran verdienen die grossen Konzerne aber nichts, und deswegen wird es unterlassen. Wir setzen lieber künstliche Hüftgelenke und Knie ein. Das ist wesentlich lukrativer.

Neben der Pharma-Industrie, die hierzulande die Politik wesentlich mitbestimmt, profitieren auch die Parteien selbst von der Krise. Die Umfragewerte der CDU haben sich durch ihr «beherztes Durchgreifen» in der Krise von mageren 27% im Januar auf jetzt 38% erhöht.

In sehr vielen Bereichen könnte man mit einfachen Massnahmen Todesfälle vermeiden, aber das passiert , trotz der Aussage unseres Herrn Söder, dass «jedes Leben zählt» (sic.), leider nicht. Millionen von LKW sollen jetzt wegen 25 Toten im Jahr einen Abbiegeassistenten bekommen, aber z.B. notorisch zu kleine Abstände auf den Autobahnen werden nicht geahndet. Resultat: 3.000 Tote pro Jahr.

Ich weiss nicht wie es in der Schweiz ist, aber bei uns herrscht fast überall Symbolpolitik vor. Echte Lösungen werden nur selten angeboten.
Paul Sommer, am 14. Mai 2020 um 03:08 Uhr

Ihre Meinung

Loggen Sie sich ein. Wir gestatten keine Meinungseinträge anonymer User. Hier können Sie sich registrieren.
Sollten Sie ihr Passwort vergessen haben, können Sie es neu anfordern. Meinungen schalten wir neu 9 Stunden nach Erhalt online, damit wir Zeit haben, deren Sachlichkeit zu prüfen. Wir folgen damit einer Empfehlung des Presserats. Die Redaktion behält sich vor, Beiträge, welche andere Personen, Institutionen oder Unternehmen beleidigen oder unnötig herabsetzen, oder sich nicht auf den Inhalt des betreffenden Beitrags beziehen, zu kürzen, nicht zu veröffentlichen oder zu entfernen. Über Entscheide der Redaktion können wir keine Korrespondenz führen. Zwei Meinungseinträge unmittelbar hintereinander sind nicht erlaubt.