Latinos in San Francisco: Nur 15 Prozent der Bevölkerung, aber 80 Prozent der Hospitalisierten. © Inequality Media

«Das Coronavirus macht unter den Armen doppelt so viele krank»

Red. / 22. Mai 2020 - Unterprivilegierte trifft die Krise nicht nur wirtschaftlich, sondern auch gesundheitlich am stärksten, erklärt Robert Reich.

Vom Virus Sars-CoV-2 seien alle Menschen – ob reich oder arm – gleich betroffen, wird zuweilen behauptet. Doch tatsächlich sitzen wir in der Coronakrise «nicht alle im gleichen Boot», sagt der frühere US-Arbeitsminister unter Präsident Bill Clinton Robert Reich. Er zeigt dies mit Statistiken aus mehreren US-Bundesstaaten. Die Einkommensschwächsten sterben rund doppelt so häufig an Covid-19 wie der Rest der Bevölkerung.

Viele Postangestellte in San Francisco sind Latinos. (Bild: Inequality Media)

In San Francisco beispielsweise seien nur 15 Prozent der Bevölkerung Latinos, doch sogar 80 Prozent aller wegen Covid-19 Hospitalisierten seien Latinos (siehe Bild oben). Die Gründe: Die Latinos gehören zu den Ärmsten, wohnen an luftverschmutzten Strassen, leiden häufiger an Asthma und Diabetes und müssen statt im Home-Office an exponierten Arbeitsplätzen weiter arbeiten: als Strassenreiniger, Abfallbeseitiger, Umzugsgehilfen, Postgehilfen, Köche, Alterspflegende oder in Spitälern.

Milwaukee County: 80 Prozent der Coronatoten sind Schwarze

Die von Corona betroffenen Schwarzen in Milwaukee County. (Bild: Inequality Media)

In Milwaukee ist es die schwarze Bevölkerung, welche vorwiegend dicht aufeinander wohnt und sozial und wirtschaftlich zu den Schwächsten gehört. Obwohl die Schwarzen im Milwaukee County nur 26 Prozent der Bevölkerung ausmachen, sind 81 Prozent aller an Covid-19 Gestorbenen Schwarze.

Überproportionale Todesfälle von Schwarzen in drei US-Bundesstaaten

Anteil der Schwarzen in der Bevölkerung und bei den Corona-Todesfällen in den US-Bundesstaaten Louisiana (links), Illinois (Mitte) und Michigan (rechts). (Bild: Inequality Media)

Die vollständige Version von Robert Reich auf «Inequality Media – Civic Action»: «A Tale of Two Pandemics with Robert Reich»:

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4 Meinungen

Danke für den Bericht. Auch wenn es nichts neues ist für mich. Wer in einem Altersheim ist, und keine Angehörigen hat, welche regelmässig auf Besuch kommen (Präsenz zeigen) der lebt ebenfalls weniger lang. Eine bekannte Dame von meinem Freundeskreis, mit stattlichem Alter, kam vor einigen Monaten ins Altersheim. Das ihr Sohn Arzt ist, wusste man dort noch nicht. Als er zu Besuch kam, fand er seine Mutter zugedröhnt mit Psychopharmaka. Die taffe Frau, geistig voll da, wurde ruhig gestellt, und dies in einem Altersheim welches etwas mehr kostet als andere, welches einen guten Ruf hätte. So spart man Personal und Geld. Drei mal Essen, 1 x auf das Klo, macht eine Stunde Betreuung insgesamt, wenn sie ruhig gestellt werden mit Risperdal oder Leponex. Beide Psychopharmaka haben Nebenwirkungen die nicht ohne sind. Als ihr Sohn mit einem Wechsel drohte in ein anderes Altersheim, sich als Arzt offenbarte, wurden die Medikamente ausgeschlichen. Heute schläft sie nicht mehr den ganzen Tag, sondern kann ihre letzte Zeit noch geniessen. Es war schon immer so, das die Reichen länger leben als die welche nicht reich sind, und es wird wohl noch schlimmer werden. Am schlimmsten sind diejenigen dran, welche nicht reich sind, und sozial nicht gut vernetzt sind. Der asoziale Raubtierkapitalismus nimmt zu, die Schweiz bewegt sich Richtung amerikanischer Verhältnisse.
Beatus Gubler, am 22. Mai 2020 um 12:10 Uhr
'Unterprivilegierte trifft die Krise nicht nur wirtschaftlich, sondern auch gesundheitlich am stärksten, erklärt Robert Reich.'

Ein Virus kann krank machen, was aber nicht zwingend auch gesundheitliche Konsequenzen hat. Es reicht im Falle einer Pathologie völlig aus, von Krankheit oder Infektion zu sprechen. Die möglichen gesundheitlichen Folgen sind immer nur optional und variieren individuell zwischen gar nicht und Todesfolge.
Ralf Schrader, am 22. Mai 2020 um 13:19 Uhr
Sicher spielt die Arbeit (Socialdistance) auch eine gewisse Rolle. Aber Arme sterben überproportional jünger und sind überproportional kränker. Das sind sozioökonomische Hintergründe die sich auf die Gesundheit auswirken. Also ist deren Immunsystem schwächer und der Krankheitsverlauf bei einem Virusbefall heftiger. Ausserdem wenn überproportional mehr Arme sterben, sterben logischerweise auch noch mehr von Ihnen MIT Corona. Die Zahlen erstaunen mich also nicht.
Beat Schärer, am 23. Mai 2020 um 14:58 Uhr
@Ralf Schrader: Was hilft uns diese Feststellung? Was Sie schreiben ist unlogisch und gefühlslos. Klar ist, dass Menschen, die in Armut gehalten werden sich A) falsch ernähren und B) psychisch krank werden, was beides auch das Immunsystem schwächt.
René Lütold, am 25. Mai 2020 um 10:07 Uhr

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