6.11.20: Auslastung auf Intensivstationen erneut gestiegen

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Red. / 06. Nov 2020 - In den Kantonen GE, VS, VD, NE und JU sind noch 12 bis 35 Prozent aller Intensivbetten leer. Dagegen nur 8 Prozent in FR.

upg. Entscheidend für den Verlauf der Corona-Situation sind weniger die täglich gemeldeten Fallzahlen als die Zahl von Corona-Patientinnen und -Patienten, die in einem Akutspital oder sogar in einer Intensivstation behandelt werden müssen. Aus diesem Grund informieren wir ein- oder zweimal pro Woche über Covid-19-Behandelte in Spitälern.

Auslastung der Intensivstationen Stand 6. November 2020

Auf dieser SRF-Grafik ist ersichtlich, dass auf Intensivstationen gegenwärtig insgesamt etwas mehr Patienten liegen wie noch im Juni (ganze violette Fläche). Der Anteil der Covid-Patienten nimmt weiter stark zu (dunkel-violette Fläche rechts unten). Dagegen liegen nur noch halb soviele Nicht-Covid-Patienten auf Intensivstationen. Weder das BAG noch die Armee-Statistik geben eine Erklärung dafür.

Es fällt auf, dass die Gesamtzahl der Intensivbetten gemäss dieser Statistik des Sanitätsdienstes der Armee KSD seit dem 2. November um 23 Betten auf 1051 abnahm, obwohl es etliche Meldungen gab, wonach Spitäler ihre Intensiv-Kapazitäten ausbauen. Eine Erklärung dafür liefert der zuständige KSD nicht.

Bundesrat Bersets Appell ging wohl an die falschen Adressaten

Die Auslastung der Intensivpflege-Stationen pro Kanton am 6. November kann hier konsultiert werden. Im Kanton Freiburg waren nur noch 8 Prozent der Intensivbetten frei, in den Kantonen Waadt und Jura noch je 12 Prozent, im Kanton Waadt 16, in Genf 25 und im Kanton Neuenburg noch 35 Prozent.

Bundesrat Alain Berset appellierte an die Deutschschweizer Kantone, Intensivpatienten aus Westschweizer Kantonen aufzunehmen. Das würden diese wohl noch so gerne tun, um zurzeit besser ausgelastet zu sein. Doch Akutspitäler in der Westschweiz werden dieses aus ihrer Sicht «wertvolle Patientengut» an die Deutschschweizer mit Hilfe der Rega erst dann abtreten, wenn ihre Intensivstationen fast voll ausgelastet sind.

42'617 Personen Personen in Quarantäne (am 3.11.20: 39'951

Nach Angaben des Bundesamts für Gesundheit befanden sich am 6. November in der Schweiz insgesamt 42'617 Personen in Quarantäne, davon 7047, die aus sogenannten Risikoländern eingereist waren. Dazu schreibt das BAG: «Die Zahlen reflektieren nur teilweise die aktuelle Situation. Wegen Überlastung durch den starken Anstieg der Fallzahlen gibt es bei vielen Kantonen Verzögerungen beim Contact-Tracing, was auch dazu führt, dass Meldungen beim BAG verspätet eintreffen.»

Infosperber hat über die Problematik dieser Quarantäne-Politik informiert:
Schickt niemanden, der nicht ansteckend ist, in Quarantäne!
Rund ein Drittel der positiv Getesteten muss sinnlos in eine Quarantäne. Das Bundesamt für Gesundheit handelt nicht.

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Infosperber-DOSSIER:

Coronavirus: Information statt Panik

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Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine

Weiterführende Informationen

201027 Intensivbetten
201027 Auslastung Spitäler Armee
201030 Auslastung Betten
201030 Auslastung IPS
201103 Intensivbetten SRF
201103_Intensiv Auslastung pro Kanton
201106 Spitäler Intensivstationen
201106 Spitäler Auslastung

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8 Meinungen

Wetten, dass die „Fallzahlen“ und die Bettbelegungen hoch korreliert sind! Auch wenn die Fallzahlen ihre methodischen Probleme haben, eine wichtige Eigenschaft haben sie: es sind die frühesten Zahlen, die man hat. Die Bettbelegungen hinken 10 Tage hinterher. In einer exponentiellen Entwicklung ist das ziemlich matchentscheidend. Ich fand das Herumreiten von UPG auf den Problemen der Methodik immer befremdlich. Ich würde sagen: die Fallzahlen sind wichtig für frühzeitige Massnahmen, die Bettbelegung für den Systemzustand, und die post-hoc Übersterblichkeit für die Matchanalyse nach dem Abpfiff. Also alle drei Datensätze sind wichtig.
Lorenz Trachsel , am 07. November 2020 um 09:15 Uhr
Das ist ja genial. Jeder Corona-Patient der einer Gegend von der anderen Gegend abgeworben wird schmälert den Gewinn der ersteren. Es lebe der Kapitalismus, wo der Profit anstelle von Wohlergehen und Gesundheit das Mass aller Dinge ist!
Hanspeter Gysin, am 07. November 2020 um 21:12 Uhr
Eine solche unaufgeregte, auf das Wesentliche fokussierte Berichterstattung wie unten verlinkt wünsche ich mir von infosperber seit dem Frühjahr (vergebens). Solches unterstützt die Bevölkerung bei der Bewältigung einer schwierigen Situationen.

Der IS sprang aber (lieber) dem Hype der Massenmedien nach: Mit Überspitzungen Dramatik (Spannung/Erregung) erzeugen.

Mehr Klicks (und dadurch die Auslieferung des Lesers an die Werber) steigern die Werbeeinnahmen/Profite. Warum der IS auf diesen Zug aufsprang, bleibt ein (betrübliches) Rätsel.

Aus dem TA-Interview:
"Auch unter den Ökonomen besteht keine Pensée unique. Und Querdenker sind für die Medien oftmals spannend."

Dasselbe gilt selbstverständlich auch für Mediziner, Virologen, Epidemiologen usw. Entscheidend hier aber: «Querdenker», also jene, die überspitzte, letztlich unhaltbare Aussagen machen, sind hoch-"spannend» für Massenmedien; «spannend» im Sinne von: «Gold wert». Sie liefern ihnen die Klicks, damit die Werbeeinnahmen, und den Werbetreibenden die Umsatz-/Margensteigerung.

Wie sieht eine Berichterstattung aus, bei der Nachrichten/Informationen nicht zu einer «Katastrophenstory» verarbeitet wird, es nicht nur darum geht, das Publikum mit dem Versprechen auf einen «spannungsgeladenen Kriminal-Mordfall» zu ködern? So:

https://www.tagesanzeiger.ch/der-bundesrat-faehrt-eine-hochrisiko-strategie-582594499057
Stephan Kühne, am 07. November 2020 um 22:49 Uhr
Die Zahlen des BAG sind öffentlich zugänglich, jeder kann sich die Kurven ansehen und die Zahlen dazu herunterladen.
Mir scheint, dass die Task-Force offiziell eine zu pessimistische Sicht vertritt. Denn auch die zweite Welle hat unübersehbar grosse Ähnlichkeit mit der ersten Welle. Infektionszahlen, Hospitalisationen und Todesfälle korrelieren sehr stark. Nur die Zahlenverhältnisse sind jetzt anders als im Frühjahr.
Wegen des ausgeprägten Zusammenhanges und der Erfahrungen aus der ersten Welle kann man die Prognose wagen, dass der Höhepunkt der zweiten Welle eben überschritten wurde.
Der Bundesrat fährt also keinesfalls eine Hochrisikostrategie. Vielmehr hat er richtig gehandelt: Er stützt die wirksamen Massnahmen, nämlich die Reduktion der Kontakte durch Beschränkung von Personengruppen. Der Fokus liegt jetzt nicht mehr auf der Maskenpflicht, die sich während des Sommers als unwirksam erwiesen hatte.
Das Resultat dieser richtigen Massnahmengewichtungzeigt sich darin, dass die zweite Welle relativ schnell gebrochen werden konnte.

Aus meiner Sicht zeigt der Bundesrat erneut beeindruckende Führungsstärke, in dem er auf erfahrungsgemäss wirksame Massnahmen beharrt und sich von der Realität leiten lässt, statt sich vor den Karren einer herumtwitternden akademischen «Task-Force» spannen zu lassen.
Markus Stadler, am 08. November 2020 um 11:20 Uhr
@ Stephan Kühne
Infosperber informiert seit Anbeginn ... sachlich, objektiv inklusive Filterung, Einordnung und Analyse der Panik auch mit der dafür zuständigen linken Gehirnhälfte.

Jahrhundertpandemie : Ja, also die erste Welle an Mortalität der Spanischen Grippe vs SARS–Cov2 ist Statistisch im März/April des Jahres 2094 erreicht.

So viel zur Einordnung, Filterung, Analyse eines Ökonomen im Panikmodus im Interview mit dem Tagi.

Bleiben Sie Gesund.
Jacques Marchand, am 08. November 2020 um 14:53 Uhr
@Marchand: Aufgrund welcher Belege gelangen Sie zur Ansicht «Infosperber informiert seit Anbeginn ... sachlich, objektiv inklusive Filterung"?

Konsultieren Sie Ihr Gefühl und stellen eine Übereinstimmung mit dem, was Infosperber berichtet fest? Mit der Schlussfolgerung: Hier wurde «sachlich, objektiv informiert».

Meine Belege sind die Kommentare zu den Artikeln.

Die Artikel versetzt jene, die dieses Corona-Zeug als ein «vollkommen unnötiges Affentheater» erachten in Begeisterungsstürme. Das hätte der IS irgendwann bemerken sollen - um sodann (recherchierend) der Kausalkette nachzugehen.

Selbstverständlich waren die BAG-Zahlen mit unzähligen Mängel behaftet. Noch elendiglicher sahen sie aus, als sie die Mühlen der Massenmedien - mit ihrem Streben nach Schlagzeile resp. Klicks - hinter sich gebracht hatten.

Es gibt eine - der «sachlich, objektiven» - vorgelagerte Ebene: RELEVANZ!

Man kann noch so «sachlich, objektiv» berichten, wenn dadurch die Aufmerksamkeit des Lesers auf weitgehend irrelevante Details gelenkt werden, fügt man der sich informierten Person einen Schaden zu. Sie wird beim Versuch der Informationsbeschaffung behindert; sie fühlt sich (sogar besonders gut) informiert, obschon gerade das Gegenteil ihr zustiess! Desinformation.

Was brachte die Infektionszahlen-Reiterei des IS? Nichts! Weil diese Details schlicht irrelevant für die Entscheidungsfindungen waren. Hierzu reichten Tendenzen aus.

Gute Gesundheit wünsche ich Ihnen aber auf jeden Fall auch!
Stephan Kühne, am 09. November 2020 um 21:47 Uhr
Dans le royaume des aveugles, le borne est roi.

Die BAG-Berichterstattung war sicher nicht über jeden Zweifel erhaben und zu den Äusserungen einzelner Mitglieder der Task-Force habe ich auch schon kritische Kommentare abgegeben. Zweck dieser Kritik kann/darf klar nicht sein andere Meinungen «herunterzureden», sondern soll einen Weg zum besseren Verständnis der Probleme finden helfen.

Klar sind Fallzahlen die ersten Indikatoren in dieser Entwicklung. Aber wie an der Börse reflektieren sie, wenn überhaupt, faktisch bereits überholte «Realitäten». Zeigten die BAG-Zahlen bis vor ein paar Tagen die höchsten Korrelationswerte zw. Fallzahlen und Hospitalisierungen für eine zeitliche Verschiebung von 2 Wochen, hat sich dieser Indikator verändert, so dass die «statistische» belegte Verzögerung nur noch eine Woche beträgt. Ob dies aber eine echte Änderung aufzeigt oder aber nur das Ergebnis neuer Test- und Rapportierungsvorgaben darstellt, entzieht sich unseres Wissens. Die unschöne Gewohnheit «retroaktive Korrekturen» als «Neuhospitalisierungen» zu präsentieren ist dabei nur eines der (statistischen) Probleme. Die massiv steigende Divergenz zw. «Positiven Testergebnissen» und «Registrierten Fällen», offenbar implizite Doppelzählungen, ist ein weiteres Problem.

Solch kritische Bemerkungen haben mit dem Kleinreden des Problems nichts zu tun sondern sollten als ehrlichen Beitrag zur Wahrheits- und Entscheidfindung verstanden werden.
Josef Hunkeler, am 12. November 2020 um 17:07 Uhr
Am 12.11.2020 hat das BAG neue, detailliertere Daten zur Altersstruktur auch bei den Tests und der Hospitalisierung aufgeschaltet. Die Daten sind vorwiegend auf Wochenbasis und etwas im «Tunnelblick» [Altersgruppen und Geschlecht werden in unterschhiedlichen Files publiziert, so dass Überschneidungen kaum möglich sein dürften]. Sie erlauben aber auch einem weiteren Publikum Zugang zu einer minimalen Regionalisierung dieser Daten ohne gleich Mitglied der Task-Force sein zu müssen.

Diese Art der «Crowd-Science» scheint sich - wie der Infosperber eindrücklich belegt - bewährt zu haben und dürfte helfen «Schnellschüsse» der «Götter in Weiss» [lies Task-Force Experten] etwas zu relativieren.

Natürlich wäre es schön gewesen, diese Daten im Dashboard-Format zu haben. Aber das BAG hat schon immer eine Vorliebe für komplizierte, schwer nachzuvollziehende Darstellungen gehabt. Die «neuformulierte» Publikation zu «Dashboards_1&2_COVID19_swiss_data_pv belegt seit vorgestern pro Tag 200'000 Linien in meiner Datenbank, wo bislang 20'000 bis 30'000 genügten.

Das vom BFS gepflegte ».px"-Format oder die Darstellungsweise der Nationalbank sind doch einiges mehr «userfriendly». Vielleicht könnte das BAG ja mal einen Statistiker einer dieser Institutionen ausleihen.
Josef Hunkeler, am 13. November 2020 um 09:12 Uhr

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