UBS zwackt Rentengelder ab, ohne dies an einer Medienkonferenz zu verkünden © ktipp

UBS schröpft Pensionskassen auf Kosten der Rentner

Lukas Hässig / 11. Sep 2017 - Auf den Milliarden-Guthaben, welche Pensionskassen in bar hinterlegt haben, müssen sie jetzt eine 0,2 Prozent «Cash-Gebühr» zahlen.

Red. Dieser Beitrag erschien zuerst auf Inside Paradeplatz.

0,2 Prozent tönt nach wenig. Doch haben die Pensionskassen bei den Banken insgesamt zwei Milliarden in bar liegen. 0,2 Prozent davon sind vier Millionen pro Jahr. Von den gesamten Barguthaben hat die UBS als Nummer eins des Finanzplatzes den Löwenanteil. Nun verlangt dieser Finanzkonzern eine neue Gebühr von 0,2 Prozent auf jeden Franken an Barem, welche die Schweizer Pensionskassen bei ihm halten.

Ohne Aufsehen wurde die neue Cash-Kommission von 20 Basispunkten, wie es im Banker-Jargon heisst, laut Informationen aus der UBS gestaffelt eingeführt. Ab letztem Mai waren alle PKs davon betroffen. Die Gebühr beginnt mit dem ersten Franken an Bargeld bei der UBS. Somit zahlen die Pensionskassen die neue Kommission auf jeden Franken und Rappen.

Bei den Minus-Zinsen können Pensionskassen verhandeln – nicht bei der «Cash-Gebühr»

Einzelne Pensionskassen beschweren sich darüber, dass die UBS nicht mit sich reden lässt. Bei der Belastung des Minuszinses, welche die UBS den Pensionskassen aufs Auge drückt, ist das anders. Da feilscht jede PK mit der UBS individuell um eine Freigrenze. Ziel aus Sicht der PK ist es, einen möglichst hohen Cash-Betrag von der UBS zu erhalten, auf den sie keinen Minuszins zu entrichten hat. Wie viel Bares erlaubt uns die UBS auf unseren Cash-Konten zu halten, ohne die 0,75 Prozent Negativzins der Notenbank in Rechnung zu stellen – so die Fragestellung der PK.

Umgekehrt versucht die UBS, sich so gut wie möglich schadlos zu halten mit der Weitergabe des Minuszinses, den sie selbst auf ihre Cash-Bestände bei der Nationalbank berappen muss. Bis zu welchem Guthaben müssen wir einer PK den Minuszins erlassen, damit sie nicht mit all ihren Assets zur Konkurrenz flüchtet – so die Aufgabenstellung aus Sicht der UBS.

Das Ganze führte seit Einführung der Minuszinsen vor bald drei Jahren zu einem ständigen Gezerre um die Minuszins-Freigrenze.

Doch nun hat sich das Gleichgewicht, wenn es denn ein solches jemals gegeben hatte, einseitig zugunsten der Bank und zulasten der PKs verschoben. Ausnahmslos alle Schweizer Pensionskassen werden von der UBS zur Ader gelassen für ihre Bar-Bestände auf den Konten, die sie bei der Grossbank halten; ohne Wenn und Aber, ohne Spielraum für Verhandlungen. Zahlen oder gehen, lautet die neue Devise der UBS.

Sie kann es sich offenbar leisten. Bis jetzt ist nichts von einer grossen Abgangswelle unter den Schweizer Pensionskassen zu sehen. Sie bleiben brav bei der UBS und zahlen den geforderten Obolus.

Es sei äusserst aufwändig für eine mittlere oder grössere PK, ihre Aktien, Obligationen, Fonds und übrigen Anlagen, die sie in Depots bei der UBS hält, auf eine andere Bank zu verschieben, sagt ein Experte. Noch ist denkbar, dass eine Absetzbewegung einsetzen wird. Denn viele andere Banken verzichten offenbar – bis jetzt – auf eine Cash-Kommission à la UBS. Doch statt zu kündigen, machen die PKs und ihre Verantwortlichen traditionell die Faust im Sack. Manche nicht einmal das. Die Gebühr müssen sie ja am Ende nicht selbst tragen, sondern die Versicherten.

Das ist das Brisante an der Geschichte. Die UBS, die vor bald 10 Jahren vom Steuerzahler und der Schweizer Notenbank gerettet worden war, schreitet nun als Erste voraus bei umfassenden Cash-Gebühren. Sie tut dies im Wissen, dass die meisten PKs die neue Kommission – wenn vielleicht auch mit etwas Murren – schlucken werden.

Die Bank sorgt damit dafür, dass Hunderttausende, wenn nicht gar noch mehr, von PK-Versicherten im Lande mehr zahlen müssen. Deren Vorsorgegelder kosten mehr, es bleiben weniger Renten fürs Alter.

Kurz: Die vom Staat geretteten UBS-Manager schröpfen die Schweizer PK-Versicherten.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine. Der Wirtschaftsjournalist Lukas Hässig betreibt die Webseite «Inside Paradeplatz».

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4 Meinungen

Immerhin darf man den Kommerzbanken zugute halten, dass nicht sie diese Negativzinsen erfunden haben. Die SNB interessiert sich offensichtlich nicht um ökonomische, sondern nur um juristische Argumente. Wäre Zeit wieder einmal Ökomomen ökonomische Probleme analysieren zu lassen.

Un diesen Leuten will man über die Vollgeld-Initiative die Lenkung des Staates übergeben ?
Josef Hunkeler, am 11. September 2017 um 21:01 Uhr

@j.hunkeler, ja das stimmt, da ist ein Fehler drinn. Eigentlich waren die Negativzinsen nur für ausländische Guthaben vorgesehen, welche sich wegen unseres starken sicheren Frankens bei uns einbuchen wollten, damit diese doch fern bleiben. Also es fehlen noch Regelungen, um Die SNB zu einer echten Staatsbank zu machen. Nichts desto trotz ist die Einführung von Vollgeld ein erster wichtiger Schritt.
Carlos Werner Schenkel, am 12. September 2017 um 14:11 Uhr
@Schenkel
Eine Einführung von Vollgeld wäre ein folgenschwerer Schritt, den man nicht leichtfertig tun sollte, solange da noch «ein Fehler drin» ist!
Ich würde nicht auf die Politik vertrauen, in kurzer Zeit die richtigen Regelungen nachzuliefern. Eine Mehrheit der Politiker ist beseelt vom Wunsch, Wachstum um jeden Preis zu erzwingen. Wahrscheinlich auch dann, wenn der Preis eine kolossale monetäre Kalberei ist.
Daniel Heierli, am 18. September 2017 um 22:42 Uhr
Nach 2 x Nein - gilt es die 2. Säule auf dem Prüfstand zu stellen. Dabei geht es endlich eine politische Diskussion loszutreten, die die Kostenstrukturen und Preis/Leistungsverhältnis des Kapitaldeckungsverfahren öffentlich erörtert, dabei die 2. Säule und die AHV gegenüberstellt. Die Zeit ist reif.
Michele D'Aloia, am 24. September 2017 um 17:46 Uhr

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