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Gatestone: «Die Schweiz heisst die Radikalisierung willkommen»

Christian Müller / 30. Jun 2018 - Das US-amerikanische Gatestone Institute kritisiert die Schweiz. Sie heisse muslimischen Radikalismus willkommen. Stimmt das?

«Hasst die Muslime!»: Das ist die Kürzestform der Botschaften, die das US-amerikanische Gatestone Institute täglich in 16 Sprachen verbreitet. Dem Institut stand bis vor wenigen Monaten John Bolton, der jetzige Sicherheitsberater von Donald Trump, als Direktor vor. Finanziert wird das Institut von einer jüdischen «Philanthropin». Infosperber hat ausführlich darüber berichtet, zum Nachlesen hier und hier zum Anklicken.

Die in Israel lebende Autorin und Polit-Analystin Judith Bergman schreibt regelmässig für das Gatestone Institute. Wie immer bei Gatestone werden auch in ihren Beiträgen die Muslime pauschal als gewalttätig und oft sogar pauschal als terroristisch charakterisiert. Die Muslime seien die grösste Gefahr für Europa. Jetzt, am 26. Juni, hat Judith Bergman auch die Schweiz ins Visier genommen: Die Schweiz wolle nicht wissen, woher die Moscheen ihr Geld haben und sei viel zu nachsichtig gegenüber den Muslimen. Sie verschliesse willentlich die Augen.

In der englischen Originalversion ihres Artikels über die Schweiz steht es so: «Switzerland Welcomes Radicalization», so die Headline, und dann: «There are approximately 250 mosques in Switzerland, but the authorities do not know who finances them. By rejecting the proposal compelling mosques to disclose who finances them, the Swiss authorities can now remain willfully blind.»

In der deutschsprachigen Ausgabe auf Audiatur-online, übersetzt von eben dieser Schweizer Israel-Lobby-Agentur «Audiatur Online», heisst es, leicht abgeschwächt: «Begünstigt die Schweiz die Radikalisierung?» Und dann: «Es gibt ungefähr 250 Moscheen in der Schweiz, aber die Behörden wissen offenbar nicht, wer diese finanziert. [ ] Indem sie den Vorschlag, die Moscheen zur Offenlegung ihrer Finanzquellen zu verpflichten, ablehnen, verschliessen die Schweizer Autoritäten jetzt auch weiterhin wissentlich ihre Augen.»

Wenig überraschend wird in Bergmans Artikel speziell auch Justizministerin Simonetta Sommaruga zitiert: «Wir dürfen muslimische Gemeinschaften und Imame nicht diskriminieren und unter Generalverdacht stellen», mahnte Justizministerin Simonetta Sommaruga. Gelesen hat Judith Bergman dies auf 20min.ch, wie ein Link in ihrem Artikel verrät. In Judith Bergmans Augen ist diese Aussage von Simonetta Sommaruga offensichtlich verantwortungslos: die Schweizer Autoritäten seien «willfully blind» bzw. sie «verschliessen willentlich ihre Augen», schreibt sie.

Die Muslime unter Generalverdacht zu stellen, das riskiert das Gatestone Institute nicht nur, das ist seine Strategie. Der Schlusssatz bestätigt es auch dieses Mal: «The Swiss government has no intention of stopping them, let alone asking any unpleasant questions. It might as well put up a sign, saying, ‹Radicalization Welcome›.» Oder wieder zu deutsch: «Die Schweizer Regierung beabsichtigt nicht, sie zu stoppen, geschweige denn, unangenehme Fragen zu stellen. Ebenso gut könnte sie ein Schild mit der Botschaft aufstellen: ‹Radikalisierung willkommen!›.»

«Radikalisierung willkommen» gab denn auch das Motiv für das Aufmacher-Bild über dem Artikel auf Gatestone, siehe oben (jetzt gelöscht, siehe unten): die malerische Schweizer Stadt Baden mit dem reisserischen Titel: «Radikalisierung willkommen!»

Zur Erinnerung: Gemäss einer Statistik aus dem Jahr 2016 leben in der Schweiz 363'000 Menschen, die einer islamischen Religionsgemeinschaft angehören, was 5,2 Prozent der ständigen Wohnbevölkerung entspricht. Gleichzeitig ist die Kriminalität in der Schweiz seit Jahren rückläufig. Warum unterstellt die in Israel lebende Autorin Judith Bergman der Schweiz willentliche Blindheit gegenüber der «Radikalisierung» durch die Muslime? Und warum verbreitet das Gatestone Institute, das von einer jüdischen Milliardärin finanziert wird, solche Artikel? Die Antwort ist einmal mehr: Das Gatestone Institute propagiert willentlich Hass auf die Muslime – und das weltweit in 16 Sprachen. Das scheint niemanden zu stören.

– – – – – – –

Zur Entfernung des Bildes der Stadt Baden

Ende August erhielt Infosperber von Stadtammann Markus Schneider und Stadtschreiber Heinz Kubli aus Baden einen Brief mit der Bitte, das über diesem Artikel stehende Foto der Badener Altstadt zu entfernen. Die Fotographie sei zwar nicht geschützt, aber die in das Bild hineingeschriebene Schlagzeile «Radikalisierung willkommen» schade dem Image der Stadt, die mit der im Artikel von Judith Bergman beschriebenen Radikalisierung durch muslimische Immigranten nichts zu tun habe.

Da ich, Christian Müller, Autor des obenstehenden Artikels auf Infosperber, nicht nur in der Region Baden aufgewachsen bin, sondern auch von 1964 bis 1978 als Journalist und später als Redaktor und Ressortleiter für das «Badener Tagblatt» gearbeitet habe, habe ich natürlich immer noch alte Sympathien zur Stadt Baden, auch wenn mir der politische Abschuss des letzten Stadtammanns Geri Müller durch den Chefredaktor des heutigen «Badener Tagblatts», Patrik Müller, nicht wirklich gefallen hat. Ich habe dem Stadtammann deshalb versprochen, das Bild sofort zu entfernen, wenn auch das Gatestone Institute das Bild auf ihrem Originalartikel entferne. Und ich habe dem Stadtrat empfohlen, sich mit ihrem Wunsch an den Badener Einwohner Dr. iur. Josef Bollag zu wenden, der seinerseits als Gründer und Stiftungsratsmitglied der Stiftung Audiatur beste Beziehungen zum Gatestone Institute hat. Die Website Audiatur-online dieser Stiftung übernimmt nämlich laufend Artikel der Hassprediger aus New York und verbreitet sie unter ihrem eigenen Namen weiter. Den Artikel von Judith Bergman zum Beispiel hat Josef Bollags «Audiatur-online» nicht nur übernommen, sondern auch für das Gatestone Institute selber die deutsche Version geliefert (gemäss Angabe auf Audiatur-online). So eng ist die Zusammenarbeit Audiatur/Gatestone. (Nicht ganz zufällig war Josef Bollag auch in den politischen Abschuss von Geri Müller involviert, war und ist Geri Müller doch ein heftiger Kritiker der israelischen Politik gegenüber den Palästinensern.)

Seither habe ich aus Baden nichts mehr gehört. Das Bild der Stadt Baden mit der hineingeschriebenen Schlagzeile «Radikalisierung willkommen» ziert den Originalartikel des Gatestone Institute – auch die von Audiatur-online übersetzte deutsche Version – noch immer. Warum das Gatestone Institute ausgerechnet die Stadt Baden als Aufmacherbild ausgewählt hat, entzieht sich meiner Kenntnis.

Wir von Infosperber.ch haben das unpassende – aber definitiv nicht von uns ausgewählte – Bild der Altstadt von Baden nun also entfernt – durchaus freiwillig, aber auf Wunsch des Stadtammans. Gleichzeitig hoffen wir, dass der Badener Stadtrat sich einmal genauer anschaut, was da die Hassprediger in den USA weltweit anrichten, und dass der Stadtrat insbesondere auch zur Kenntnis nimmt, was ihr langjähriger Einwohner Dr. iur. Josef Bollag mit seiner von ihm gegründeten Stiftung unterstützt und weiterverbreitet. Interessant ist übrigens auch die geschäftliche Website von Dr. Josef Bollags Kanzlei in Zug. Seine Firma engagiert sich jetzt besonders um eine Intensivierung des Business zwischen der Ukraine und der Schweiz. Wer die Ukraine und ihre Oligarchen ein wenig kennt, ist auch da nicht erstaunt.

12. September 2018, Christian Müller

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Zum Autor. Es gibt keine Interessenkollisionen.

Weiterführende Informationen

Anti-Islam Bigotry Is Now US Law
Sommaruga pocht auf Einhaltung der Grundwerte (auf SRF)
Die Muslime in der Schweiz (SRF Infosgrafik)

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3 Meinungen

Danke, Christian Müller, für Ihren Klartext in Sachen 'israelische Hetze gegen die Muslime (auch) in der Schweiz'.
- So geht das nicht. Damit gefährden die Jüd*Innen in der Schweiz ihre eigene Religionsgemeinschaft. Wieso merken sie das nicht?
- Dazu eine Frage: Woher stammen die Zahlen zur Anzahl Muslime in der Schweiz?
-- Bis heute war ich der Ansicht, es lebten ca. 430'000 Muslime in der Schweiz. Wir konnten diese Zahl in der Islam-Debatte ab Herbst 2016 überall in den Medien lesen.
-- Heute nun erkenne ich: Diese Zahl befindet sich prominent immer wieder in Ausgaben von 'Pikom', dem Organ zu 'Parteiunabhängiges Informationskomitee' gewisser SVP-Hardliners mit Sitz in Aarau (https://www.pikom.ch/pdf/2018-01.pdf).
- Beim 'Bundesamt für Statistik' in Bern lautet dieses Zahl für 2016 362'970, wie Sie sie zitieren.
-- Die Fake-News jener Kräfte fängt also bereits bei solchen Angaben an.
-- Und unsere Medien übernahmen die höhere Anzahl 2016 bereitwillig bis rauf zu SRF.

Was damals auch in den Medien stand: Einfach nur zur Wiederholung.
- Ca. 70 % der Moslems in der Schweiz sind gesellschaftlich so liberal eingestellt wie vielleicht 80 % des Rests der Schweiz.
- Ca. 30 % von ihnen gehören diversen religiösen Gemeinschaften an, so wie vielleicht noch 20 % des Rests der Schweiz.
- Jene vielleicht 0.5 % der Einwohner*Innen hinter der IZRS (Islamischer Zentralrat Schweiz) vertreten wirklich extremistische Positionen. Alles Andere ist Hetze ...
Konrad Staudacher, am 02. Juli 2018 um 10:36 Uhr
Der Kommentarabsenz zur Folge scheint dies auch die Infosperbergemeinde nicht sonderlich zu stören. Gatestone und dessen „jüdische“ und „christliche“ Finanzierenden, selbst äusserst radikal, oder eben extrem, und deshalb keinen Deut mehr „moral highground“ besitzend als ihre angeprangerten, bösen Muslime, sind nichts weiter als ein Zwietracht säender Propagandaapparat. Das Institut handelt bewusst gegen eine vertiefte Völkerverständigung und gegen die finale Überwindung der monotheistischen Fehlkonstrukte in der spirituellen Kulturentwicklung der Menschheit. Kotzreiz!

Scheinbar benötigt die nicht selbständig denkende Masse jene Form der Feinbildkreation, um ihrer bedeutungslosen Existenz einen Sinn zu geben. Auf das wir auch die nächsten 2000 Jahre in der Verblendung ständiger Kreuzzüge dahinsiechen dürfen, statt die lange vergessene Aufklärung durch die Verwendung des eigenen Verstands konsequent zu leben.

Sapere aude!
Raphael P. Bünter, am 02. Juli 2018 um 15:35 Uhr
Judith Bergmanns Hasstiraden sind nicht nur gegen die Schweiz, sondern gegen ganz Europa gerichtet. Auf Gatestone seit 2017 ca. 20 zum Teil polemische und faktenfreie Artikel. Bergmann hat den wesentlichen Teil Europas nicht verstanden. Europa funktioniert nicht wie Israel. Europa annektiert nicht fremde Gebiete wie Israel, die meisten Staaten Europas respektieren noch die Menschenrechte und Europa ist nicht ein Polizeistaat wie Israel der andere Meinungen, zum Beispiel die von NGOs, nicht akzeptiert. Bergmann giftelt über Europa um von der korrupten und menschenverachtenden Regierung Israels abzulenken.
Victor Brunner, am 04. Juli 2018 um 10:01 Uhr

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