In Japan nimmt der Anteil der über 65-Jährigen kontinuierlich zu © tales365

Dem IWF gefällt's nicht: Japans Bevölkerungszahl sinkt ständig

Urs P. Gasche / 02. Jan 2020 - Ende 2019 lebte in Japan eine halbe Million weniger Menschen als Ende 2018. Der IWF sieht Nachteile für das Wirtschaftswachstum.

Innerhalb von zehn Jahren ist die Bevölkerung Japans von 128 auf 126 Millionen zurückgegangen. Dabei beschleunigte sich der Rückgang. Allein im Jahr 2019 sank die Zahl der Einwohner laut vorläufigen Zahlen der Regierung um über eine halbe Million. Der Hauptgrund ist die niedrige Zahl der Geburten. Noch nie seit 145 Jahren sind in Japan so wenige Kinder geboren worden wie im Jahr 2019, nämlich nur noch 865'000. Obwohl es im Jahr 1874, also vor 145 Jahren, in Japan 70 Prozent weniger Einwohner gab als heute, kamen damals mehr Kinder auf die Welt.

Infolge des Geburtenrückgangs und einer restriktiven Einwanderungspolitik steigt gleichzeitig der Anteil der Älteren. In Japan sind gegenwärtig fast 28 Prozent der Bevölkerung über 65 Jahre alt. Die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt dort 84 Jahre. Sie ist damit ein Jahr höher als in der Schweiz und 3,5 Jahre höher als in Deutschland.

Der Währungsfonds warnt vor negativen Folgen für das Wirtschaftswachstum

Der Internationale Währungsfonds IWF, der auch in Industriestaaten immer noch ein hohes Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum anstrebt (also möglichst hohe Konsumausgaben), hat laut «Asia Times» Japan davor gewarnt, dass «eine stark alternde Bevölkerung und eine abnehmende Zahl von Erwerbstätigen das Wirtschaftswachstum behindert».

Eine alternde Bevölkerung braucht zwar mehr Pflege- und Betreuungspersonal. Doch Seniorinnen und Senioren konsumieren deutlich weniger als Erwachsene im Erwerbsalter. Entsprechend weniger Waren müssen produziert und Dienstleistungen – mit Ausnahme der Pflege – angeboten werden. Zudem braucht Japan weniger Geld für Kinder: Im Jahr 2018 konnte Japan die Kosten für über 60'000 Kinderkrippen und Schulen sparen, die nach Angaben der «Asia Times» geschlossen werden konnten. Auch der Hochbau braucht weniger Geld, weil weniger neue Häuser gebaut werden müssen als bei einer steigenden Bevölkerungszahl.

Deshalb braucht es insgesamt auch weniger Erwerbsarbeit. Da sich zudem die Produktivität pro Arbeitsstunde weiter erhöht, benötigt Japan auch wenige ausländische Arbeitskräfte. Eine Ausnahme ist der Mangel an Pflege- und Betreuungspersonal. Deshalb vergab die Regierung im Jahr 2019 laut New York Times 250'000 Visas für entsprechendes Personal aus dem Ausland.

Wenn die Zahl der Bevölkerung weiterhin sinkt und die Seniorinnen und Senioren weniger konsumieren als Jüngere im Erwerbsalter, dann braucht es entsprechend weniger Waren und Dienstleistungen. In der Statistik allerdings führt das zu weniger oder keinem Wirtschaftswachstum. Das wird die einen freuen, weil das Klima und die Natur damit etwas weniger belastet werden. Andere hingegen, unter ihnen Organisationen wie der IWF, die wachstumssüchtig sind, malen eine «demografische Zeitbombe» an die Wand und empfehlen Massnahmen, um die Geburtenrate zu erhöhen.

Als ob die Zunahme von 1,7 auf über 7,7 Milliarden Menschen in nur hundert Jahren auf dem begrenzten Planeten Erde noch immer nicht genug wäre.

So sinkt die Bevölkerungszahl in Japan, in der Grafik aufgeteilt in Altersklassen:

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4 Meinungen

Auch der Internationale Währungsfonds IWF hat sich dem Luxusproblem der reichen Länder verschrieben, dem Kampf gegen den Klimawandel. Wer nicht? Das beste Rezept gegen den Klimawandel und die Umweltbelastung ist es, die Zahl der Menschen zu begrenzen oder zu reduzieren. Mehr Menschen verbrauchen mehr Energie. Das schlechteste Rezept gegen den Klimawandel ist es, die Menschen arm zu lassen oder arm zu machen. Arme Menschen verbrauchen weniger Energie als reiche. Der IWF müsste Japan dafür loben, dass die Zahl der Menschen sinkt. Gut scheinen ist das eine, konsequent sein wäre das andere. Als Kinder haben wir gelernt, dass wir nicht den Feufer und das Weggli haben können.
Hans Geiger, am 02. Januar 2020 um 15:01 Uhr
Solang das Geld nur durch Zinsezinsen in Umlauf kommt, solange wird dieser Wahnsinn auch weitergehen.

https://www.freitag.de/autoren/sebastian-kunze/fehlt-der-zins-im-system

http://geld-und-nachhaltigkeit.de/wp-content/uploads/geld-und-nachhaltigkeit_de__wachstumszwaenge_in_der_geldwirtschaft.pdf
Stöckli Marc, am 02. Januar 2020 um 23:44 Uhr
Offenbar ist der IWF nach wie vor der Meinung, dass in einer endlichen Welt unendliches Wachstum möglich ist.
Die natürlichen Wachstumsbeschränkungen haben wohl keine Bedeutung?

Nach der Ironie des IWF soll sich die Natur nicht so anstellen und sich gefälligst der vom Menschen selbst geschaffenen, künstlichen Zahlenwelt unterordnen. Einer Zahlenwelt, In welchem die Ökonomie und auch ein Grossteil der Menschheit selbst gefangen ist. Und einem Finanzsystem welches nach stetigen Wachstum verlangt.
Wann findet man endlich andere Rezepte statt Wachstum?

Man ist immer noch nicht darauf gekommen, dass diese imaginäre Zahlenwelt sich an die Erde und das natürliche Wachstum anpassen muss und nicht umgekehrt. Der Planet setzt die Grenzen und nicht Geld und Zahlen. Global gesehen wird China mit Aufgabe der ein - Kind Politik (und nun soll gar schon die zwei Kind Politik aufgegeben werden) die Abnahme der Bevölkerung in Japan mehr als kompensieren.

Auch wird die Gesamtgeldmenge in Japan nicht abnehmen nur weil die Bevölkerung etwas schrumpft. Das wirkliche, Natur bedingte Problem der Überalterung wird einzig die Altenpflege sein was ja auch im Artikel thematisiert wird.
Edgar Huber, am 04. Januar 2020 um 22:22 Uhr
Bevölkerungszahl stabilisieren oder reduzieren!
Jede Nation sollte im Interesse des Ökosystems Erde versuchen, seine Bevölkerungszahl zu stabilisieren oder gar zu reduzieren. Wir brauchen ökologische Vorbilder für andere Länder. Der politische Druck auf Länder mit starkem Bevölkerungswachstum muss erhöht werden, zum Beispiel via Belohnung einer wirksamen freiwilligen Familienplanung.
Alex Schneider, am 05. Januar 2020 um 06:16 Uhr

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