Lokale Solarstrom-Gemeinschaften: Viel Aufwand für wenig Ertrag
Die Elektrizitätswerke der Städte Bern und Zürich bieten ihren Strombezügern seit kurzem den Beitritt zu einer lokalen Elektrizitätsgemeinschaft – kurz LEG – an. Solche Strombezug-Konstrukte sind seit Anfang Jahr in der Schweiz erlaubt. Sie sollen dafür sorgen, dass Solarstromproduzenten ihren überschüssigen Strom den Bezügern im gleichen Quartier verkaufen können. Damit soll der Ausbau der Solarenergie und die lokale Stromproduktion gefördert werden.
Der Beitritt zu einer LEG ist einfach, denn es braucht keine neuen Leitungen. Die Gemeinschaft funktioniert vielmehr durch eine komplizierte Verrechnung von Solar- und anderem Strom: Im 15-Minuten-Takt wird gemessen, wie viel Solarstrom in der Gemeinschaft produziert und wie viel gleichzeitig verbraucht wurde. Wenn die Sonne scheint, wird der überschüssige Solarstrom der einen Mitglieder mit dem gleichzeitigen Verbrauch der anderen Mitglieder verrechnet. Wenn nicht genug Solarstrom produziert wird, berechnet das Elektrizitätswerk den Preis für normalen Strom.
Am Beispiel des Elektrizitätswerks Bern (EWB) zeigt sich: Das neue LEG-Modell verursacht viel administrativen Aufwand. Und der Anreiz für die Strombezüger, in eine LEG zu wechseln, ist gering.
Bei der Werbung für ihre neue LEG lockte das Energieunternehmen neue Kunden zwar mit hohen Rabattzahlen: Von 20 Prozent Nachlass ist die Rede. Doch beim genaueren Rechnen schmilzt dieser Sonnen-Rabatt in sich zusammen. Letztlich profitieren Bezüger nächstes Jahr von 0,25 Rappen Rabatt pro Kilowattstunde Strom.
Denn:
- Erstens gilt der Rabatt von 20 Prozent nur auf die Netznutzung. Und diese macht weniger als einen Drittel des Strompreises aus.
- Zweitens senkt das EWB im Januar 2027 den normalen Stromtarif, nicht aber den LEG-Tarif. Deshalb wird der LEG-Strom ab Anfang Jahr nicht mehr 2,5 Rappen billiger sein als der normale, sondern nur noch 0,25 Rappen.
- Drittens gibt es den läppischen Rabatt nur für jenen Anteil des Stroms, der tatsächlich aus der Solar-Gemeinschaft bezogen wird. Da Solarstrom aber nur tagsüber produziert wird, kann ein normaler Haushalt ohne Batterie in der Regel nur rund einen Drittel seines Strombedarfs direkt mit dem lokalen Solarstrom decken.
Das heisst: Ein Haushalt, der 3000 Kilowattstunden pro Jahr verbraucht, kann etwa 1000 davon mit dem lokalen Solarstrom decken – und erhält dafür ganze 2.50 Franken Rabatt pro Jahr.
Etwas profitabler ist die LEG des EWB für die Produzenten von Solarstrom: Diese erhalten immerhin 1,1 Rappen mehr, als wenn sie ihren Solarstrom wie bisher ins Netz des EWB einspeisen würden. Allerdings müssen sie ihre Anlage für 50 Franken registrieren lassen. Der Wechsel zur LEG ist für sie also bis zur Lieferung 4500 Kilowattstunden ein Verlustgeschäft.
Ein Verlustgeschäft ist die LEG auch für das EWB. Es hat viel administrativen Aufwand. Doch der Strom fliesst physikalisch genau gleich und nicht etwa billiger oder rationeller. Wozu also die LEG? «Zur Förderung des Ausbaus der Solarenergie», schreibt das EWB auf eine Anfrage von Infosperber. Allerdings ist fraglich, ob mit so mageren Rabatt-Anreizen für die Bezüger und die Produzenten tatsächlich etwas gefördert wird.
Auch das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (EWZ) hat ein LEG-Modell. Für Strombezüger, die bei ewz.solarquartier einsteigen, ist es noch unattraktiver als in Bern. Sie bezahlen für den Quartier-Solarstrom den gleichen Preis wie für den Standard-Netzstrom. Die Produzenten erhalten wie in Bern etwa einen Rappen mehr pro Kilowattstunde, als wenn sie ihren Solarstrom ohne LEG einspeisen.
ZEV sind rentabler
Eine günstigere Alternative zur LEG sind Zusammenschlüsse zum Eigenverbrauch, so genannte ZEV. Bei diesem Modell nutzen mehrere Parteien – zum Beispiel in einem Mehrfamilienhaus oder in einer Siedlung – gemeinsam den lokal erzeugten Solarstrom. Der Solarstrom wird über hauseigene, private Leitungen an die einzelnen Wohnungen verteilt. Für diesen internen Stromtransport wird das öffentliche Netz nicht beansprucht .Deshalb müssen bei diesem Solarstrom auch keine Netznutzungsgebühren und Abgaben bezahlt werden.
Blockstrom ist eine der Firmen, die sich auf die automatisierte Abrechnung von solchen Zusammenschlüssen spezialisiert hat. Urs Springer, einer der Mitgründer von Blockstrom, sieht bei den losen und unverbindlichen LEG keinen Vorteil für die Kunden. Bei ZEV hingegen könnten die Mitglieder mit dem Eigenverbrauch ihres Solarstroms 10 bis 20 Prozent sparen gegenüber dem herkömmlichen Verbrauch..
Solarproduzenten: Neuer BKW-Sonnenschein-Tarif ist «Mogelpackung»
Die Bernischen Kraftwerke (BKW) bieten ab Januar 2027 einen flexiblen Netznutzungstarif namens «Sonne scheint» an. Der neue Tarif erntet Kritik vom Verband unabhängiger Energieerzeuger (VESE): «Bei genauerer Betrachtung entpuppt sich der angebliche ‹Rabatt› als erlösneutrale Tarifumschichtung», schreibt der Verband.
Das Rabattfenster – von April bis September jeweils von 13 bis 17 Uhr – werde durch höhere Tarife ausserhalb dieser Zeiten finanziert. Wer im Rabattfenster wenig Strom verbraucht, zahle am Jahresende unter dem Strich mehr.
Das Fazit des VESE: «Es handelt sich somit nicht um einen Rabatt, sondern um eine interne Umverteilung mit versteckter Tariferhöhung für unflexible Haushalte.»
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.








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