Umfrage

Überlegen, wie die Zukunft der Schweiz aussehen soll. © Monda Futura / Open Source

Die Bevölkerung will künftig weniger KI und mehr Natur

Raffael Wüthrich /  Eine repräsentative Bevölkerungsbefragung zeigt: Die Schweiz wünscht sich eine Zukunft mit mehr Handwerk und Naturverbundenheit.

Der vom gemeinnützigen Verein Monda Futura entwickelte «Erste Schweizer Zukunftskompass» zeigt, wo die grössten gemeinsamen Nenner der Bevölkerung für eine positive Zukunft liegen. Für den Kompass wurden aus den Zukunftsideen von über 1300 Menschen aus der ganzen Schweiz 40 konkrete Zukunfts-Szenarien entwickelt. In einer repräsentativen Bevölkerungsbefragung – in Zusammenarbeit mit dem Meinungsforschungsinstitut GFS Bern – haben anschliessend über 2200 Menschen diese Szenarien für die Schweiz von morgen bewertet.

Die Resultate halten einige Überraschungen bereit. Drei Erkenntnisse:

1. Natur und Regionalität schlagen den Technikhype

Das absolute Wunschszenario der Bevölkerung ist eine florierende Natur dank bewusstem Konsum (Bewertung: 1.60 auf einer Skala von -2 bis +2), dicht gefolgt von einer regionalen und saisonalen Lebensmittelproduktion (1.58). Überraschend deutlich ist die Absage an eine fortschreitende Technisierung unseres Alltags. 

Obwohl heute immer mehr Menschen KI-Chatbots nutzen, strafen wir Zukunfts-Szenarien mit Künstlicher Intelligenz im Alltag (-0.21) oder einer datengetriebenen Dauerüberwachung unserer Gesundheit (-0.24) eiskalt ab. Die Schweizer Bevölkerung wünscht sich Technologie als nützliches Werkzeug im Hintergrund – aber nicht als Taktgeber unseres Lebens.

2. Unsere Zukunft ist liberal und solidarisch

Im politischen Alltag fliegen oft die Fetzen: Solidarität gegen Eigenverantwortung, Umweltschutz gegen Wirtschaft. Offensichtlich ist die Bevölkerung weiter als die Parteipolitik. In den Köpfen der Menschen verschmelzen diese vermeintlichen Gegensätze nämlich zu einer Synthese:

Die Bevölkerung wünscht sich eine starke wirtschaftliche Sicherheit wie eine garantierte Grundversorgung (1.04) und eine lokale Kreislaufwirtschaft (1.34). Gleichzeitig werden liberale Grundwerte wie eine tolerante Zivilgesellschaft der Eigenverantwortung (1.13) und eine direkte Demokratie mit minimalem Staatsapparat (1.02) ebenso gut bewertet. Auch fällt auf, dass sich die Bevölkerung eine Zukunft wünscht, die sowohl progressive (zukunftsorientierte), wie auch retrotopische (vergangenheitsorientierte) Szenarien vereint. 

3. Meditieren für den Frieden im Bundeshaus?

Zu den beliebtesten Zukunftsbildern gehört auch das Szenario «Reflektierte Lebensführung». Dieses sieht unter anderem vor, dass Bundesrat und Parlament ihre Sitzungen künftig mit einer kurzen Meditation beginnen – bewertet mit einem klaren Ja von 1.12! Ein Hinweis darauf, dass wir uns mehr Achtsamkeit, Entschleunigung und Tiefe im Alltag wünschen.

Gesellschaftliche Orientierung geben

Unsere Zukunft entsteht heute vor allem durch politische Entscheide, technologische Entwicklungen und gesellschaftliche Trends. In der Schweiz haben wir zudem das Privileg, über einzelne Fragen abstimmen zu können. Aber wir sprechen selten grundsätzlich darüber, welche gesellschaftlichen Ziele wir eigentlich verfolgen möchten. Der Zukunftskompass macht nun erstmals die Zukunftsvorstellungen der Bevölkerung sichtbar und identifiziert die gemeinsamen Nenner. In diesen unsicheren Zeiten ist so ein gemeinsam entwickelter Kompass wertvoll, damit wir wissen, wohin sich die Bevölkerung entwickeln will, und an dem sich die Gesellschaft, Wirtschaft und Politik orientieren können.

Die gewollte Zukunft der Schweiz entdecken

Der Zukunftskompass soll ein lebendiges Werkzeug sein, für Politik und Wirtschaft, Gemeinden, Organisationen und für alle, die die Zukunft gestalten möchten. Monda Futura hat die wichtigsten Erkenntnisse deshalb als sogenannte Scrollstory veröffentlicht. In dieser kann man mittels Scrollen der Computermaus oder mit dem Finger durch die Zukunftswünsche «fliegen» und das Erarbeiten des Zukunftskompasses nachvollziehen: hier (scrollen).


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine. Autor Raffael Wüthrich ist Gründer von Monda Futura. 
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3 Meinungen

  • 17.09.2026 at 15:47
    Permalink

    Gratulation!
    Dieser erste Schweizer Zukunftskompass müsste eigentlich zukünftig laufend und absolut repräsentativ z.B. viertel- oder halbjährlich ermittelt werden und sollte DIE Richtschnur sein für die Politik der Politikerkaste.
    Damit wäre gut zu ermitteln, ob Politiker und Verwaltung wirklich Volksvertreter-Politik machen oder nicht.
    Interessanterweise passen die Resultate ziemlich gut zum von Grund auf neu gedachten Geld- und Wirtschaftssystem «Die Humane Marktwirtschaft» von Peter Haisenko, bestellbar direkt beim Verlag.

  • 18.09.2026 at 22:16
    Permalink

    «Eine repräsentative Bevölkerungsbefragung»? Zukunftsideen von 1 300 Menschen! Muss man daraus schliessen, dass sich bei uns vielleicht insgesamt 10 000 Menschen Gedanken über die Zukunft machen? Was will der Rest der Gesamtbevölkerung? – Das ist ein offenes Geheimnis. Schon die alten Römer wussten es: Brot (aus aller Welt, zu jeder Tages-, Nacht- und Jahreszeit. Beweis? Siehe Auslage im Supermarkt, Fernsehwerbung) und Spiele (Fussball-WM, Olympiade, Auto- und Töffrennen, besonders lustig auf öffentlichen Strassen).

  • 19.09.2026 at 12:38
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    Ein spannendes Ergebnis, das auch Hoffnung macht – v.a. auch das Resultat zur Technologie, das sich «die Schweizer Bevölkerung als nützliches Werkzeug im Hintergrund wünscht» (wobei ich das Ergebnis nicht als «eiskalt abstrafen» bezeichnen würde). Ich hab mir dann den Zukunftskompass angeschaut und bin ziemlich erschrocken, ob dieser schrecklichen, durch und durch klischierten und künstlichen durch KI erzeugten Bilder – für mich ein ziemlicher double Bind.

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