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Imposantes Sixpack am Rücken von Mikaela Shiffrin. Aber ist das Bild auch echt? © Mikaela Shiffrin auf Tiktok

Wenn das bloss stimmt: Shiffrins Sixpack am Rücken

Marco Diener /  Neben Boulevardmedien zeigten auch Tamedia-Zeitungen die Rückenmuskeln von Mikaela Shiffrin. Ob die Bilder echt sind? Wer weiss?

Manche Leute unternehmen alles, damit sich am Bauch ein Sixpack abzeichnet. Die amerikanische Slalomfahrerin Mikaela Shiffrin soll eines am Rücken haben. Das berichten jedenfalls viele Boulevardmedien und auch Zeitungen aus dem Tamedia-Konzern.

«Skistar zeigt sein Sixpack – am Rücken», lautete die Schlagzeile. Und darunter stand, es sei «kein Waschbrettbauch, sondern ein Waschbrettrücken». Die Tamedia-Journalisten wissen auch, wie es dazu gekommen ist: «Der Rücken machte der 30-Jährigen auch schon Probleme, entsprechend hart trainiert sie ihn.»

Doch stimmt das alles auch? Erhebliche Zweifel sind angebracht. Wer sich auch nur flüchtig mit Anatomie beschäftigt hat, weiss nämlich: Die grossen Rückenmuskeln verlaufen längs und diagonal. Doch auf den Bildern und Videos, die angeblich Mikaela Shiffrins Rücken zeigen, verlaufen mächtige Muskeln quer. Fachleute, die Infosperber angefragt hat, gehen denn auch alle davon aus, dass das Video nicht echt ist.

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Die Rückenmuskeln verlaufen längs und diagonal.

Jetzt könnte man natürlich einwenden, die Rückenmuskulatur von Mikaela Shiffrin sei nun auch wieder nicht derart weltbewegend. Aber wenn Tamedia verspricht, die Leser «im Print mit Fokus auf Einordnung und Hintergrund» zu informieren, dann müssten diese Einordnungen und Hintergründe auch stimmen.

Und es ist ja auch nicht so, dass Tamedia eine unseriöse Firma wäre. Immerhin hat sie sich nach eigenen Angaben seit 1893 dem Qualitätsjournalismus verschrieben. Die Firma hat ein 78-seitiges Dokument mit dem Titel «Qualität in den Medien, Leitlinien für einen hochwertigen Journalismus» verfasst. Sie hat gegenüber Infosperber auch schon versichert, dass ihre Artikel «immer sorgfältig und journalistisch-fundiert recherchiert und verfasst» seien. Und wer nach dem Artikel über über Shiffrins Muskulatur umblätterte, stiess sogar auf ein Inserat, das für die Glaubwürdigkeit der Schweizer Medien wirbt.

Screenshot 2026-02-10 at 16-51-56 Über die Kampagne
Werbung für seriösen Journalismus: Inserat in den Tamedia-Zeitungen.

Angesichts dieser Bemühungen zur Qualitätssicherung müsste man ja eigentlich davon ausgehen dürfen, dass die Sache mit den Muskeln von Mikaela Shiffrin trotz aller Zweifel stimmt. Dass Bilder und Videos nicht manipuliert sind. Und vor allem: Dass die Tamedia-Journalisten alles überprüft haben. Allenfalls sogar bei Mikaela Shiffrin einen Augenschein genommen haben. Gerade in Zeiten von Fake News und Manipulationen mit «Künstlicher Intelligenz».

Daher gelangte Infosperber mit Fragen an die Tamedia-Medienstelle:

  • Ist das veröffentlichte Bild echt?
  • Falls ja: Wie wurde das verifziert?

Die Medienstelle beantwortete die Fragen nur summarisch. Sie schrieb: «Beim veröffentlichten Bild handelt es sich um einen Screenshot aus einem Video, das Mikaela Shiffrin auf ihrem offiziellen und verifizierten Instagram-Account publiziert hat.»

Weiter schreibt die Tamedia-Medienstelle: «In der Redaktion wurde geprüft, ob es sich um ein manipuliertes Bild handeln könnte. Aufgrund der Quellenlage sowie der visuellen Konsistenz des Videos – unter anderem hinsichtlich Licht, Ton und Atmung – wurde das Video als authentisch eingeschätzt.»

Mit anderen Worten: Die Sportredaktion hat das Video angeschaut, fand auf Anhieb keine Anhaltspunkte für eine Manipulation, verfasste und veröffentlichte den Artikel. Einen wirklichen Faktencheck gab es nicht. Ob die Bilder tatsächlich echt sind, lässt sich so nicht beurteilen.

Klæbo musste nicht zittern

Der Norweger Johannes Høsflot Klæbo gewann an den Olympischen Spielen im Val di Fiemme den Langlauf-Sprint hoch überlegen. Das zeigt das folgende Bild. Klæbo (vorne) ist schon fast im Ziel, der amerikanische Silbermedaillengewinner Ben Ogden kämpft sich abgeschlagen über die letzte Kuppe.

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Der Zieleinlauf: Vorne der überlegene Klæbo , auf der Kuppe der abgeschlagene Ogden.

Die Tamedia-Zeitungen schrieben dazu: «Bei den Männern musste Dominator Johannes Høsflot Klæbo lange um Gold zittern. Auf den letzten Metern konnte sich der Norweger aber doch noch gegen den US-Amerikaner Ben Ogden durchsetzen.»

Das ist komplett falsch. Klæbo deklassierte seine Gegner im letzten Aufstieg, fuhr mit einem riesigen Vorsprung auf die Zielgerade, liess sich vom Publikum feiern und wartete vor der Ziellinie förmlich auf seine Gegner. Deshalb gewann er nicht mit 7 Sekunden Vorsprung, sondern bloss mit 0,87 Sekunden. Das zeigt auch dieses Video (ab 2:00).

Weltbewegend ist das natürlich nicht. Aber wenn die Tamedia-Zeitungen auch in anderen Ressorts so unsorgfältig arbeiten, dann wird es bedenklich. Deshalb die Frage an die Tamedia Medienabteilung:

Wurde der Artikel von einem Menschen oder von «KI» verfasst?

Tamedia beteuert, der Artikel sei «von einem Redaktor, nicht von ‹KI›» geschrieben worden. «Weshalb die betreffende Passage so formuliert wurde, obwohl Klaebo souverän gewann, wird intern geklärt.»


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