PV Panels Solaranlage.CSE

Montage von PV-Panels zur Stromproduktion © CSE

Im Sommer gibt es zu viel Atomstrom, nicht zu viel Solarstrom

Urs P. Gasche /  Wer im Sommer eigenen Solarstrom ins Netz liefert, bekommt von den EW fast kein Geld mehr. Sie wollen lieber Atomstrom verkaufen.

Photovoltaik-Anlagen auf Dächern und an Fassaden liefern im Sommer zu viel Strom, sagen Elektrizitätskonzerne. Deshalb seien sie an der Abnahme dieses Stroms ins Netz wenig interessiert und könnten dafür höchstens noch 6 bis 8 Rappen pro Kilowattstunde vergüten. Selber verkaufen sie den Strom an die Haushalte jedoch auch im Sommer für rund 35 Rappen/kWh (einschliesslich der fix in Rechnung gestellten Kosten). 

Einige Elektrizitätsgesellschaften haben sogar vorgeschlagen, PV-Anlagen im Sommer zeitweise abzustellen. Die Lobby-Organisation «Smart Grid Schweiz» verlangte schon 2020, das Energiegesetz so zu ändern, dass die Stromverteiler den Strom aus PV-Anlagen ohne Entschädigung drosseln dürfen. Mit Erfolg: Seit 1. Januar 2026 ist eine begrenzte Drosselung ausdrücklich erlaubt.

Es tönt zwar auf Anhieb plausibel, dass die Solaranlagen am Stromüberschuss im Sommer schuld seien. «Im Sommer braucht es Lösungen, um mit dem Stromüberschuss umzugehen», erklärte der Verband Schweizerischer Elektrizitätswerke VSE vor einem Jahr. Wegen des starken PV-Ausbaus werde es im Sommerhalbjahr grosse Stromüberschüsse geben, die nicht vollständig verbraucht werden könnten.

Dreimal mehr Strom aus Atomkraftwerken

Allerdings produzieren die Atomkraftwerke im Sommer dreimal mehr Strom als die PV-Anlagen. Das erwähnt der VSE nicht. Die Dauerproduktion des AKW-Stroms ist am Stromüberschuss im Sommer ebenso schuld wie der PV-Strom. AKWs sind ein Auslaufmodell, während der Photovoltaik die Zukunft gehört. Trotzdem garantieren die Stromkonzerne und im Gefolge die Mehrheit des Parlaments die Abnahme und den Preis des Atomstroms, nicht aber des Solarstroms.

Im Sommer könnten die Stromkonzerne die Produktion ihrer AKWs, die Uran verbrauchen und Atommüll produzieren, drosseln, anstatt den Strom aus PV-Anlagen miserabel zu vergüten. 

Nur wären es dann die Stromkonzerne, die auf Einnahmen verzichten müssten und nicht die unzähligen kleinen Produzenten von Solarstrom. «Diesen wird der Einspeisetarif vielerorts halbiert. Das ist ein böses Erwachen für Besitzer von Solaranlagen und die ganze Solarbranche», erklärte der Elektro- und Atomreaktoringenieur Hans-Rudolf Zulliger. In der «NZZ am Sonntag» kritisierte er: «Selbst bei Stromüberschuss fliesst Atomstrom ins Netz, weil Atomkraftwerke eine Gewinngarantie haben.» 

Lesen Sie demnächst:

Das Gesetz garantiert den Stromkonzernen Amortisation und Rendite. Davon können PV-Investoren nur träumen.


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SolaranlageBauernhof-1

Energiepolitik ohne neue Atomkraftwerke

Erstes, zweites und drittes Gebot: Der Stromverbrauch darf nicht weiter zunehmen.

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