Messungen von Radioaktivität im Ozean (Stand März 2012) © Liberty Beacon

Messungen von Radioaktivität im Ozean (Stand März 2012)

Zwei Sätze für 300 Tonnen radioaktives Wasser

Urs P. Gasche / 08. Aug 2013 - Japans Regierung gab offiziell bekannt, dass bei Fukushima ein gigantisches Verseuchungsproblem besteht. Kaum eine Meldung wert?!

Medien verbreiten wenig relevante Prognosen, Versprechen oder kaum umgeschriebene PR-Verlautbarungen mit viel Platz und grossen Schlagzeilen. Liegen harte Tatsachen vor, werden diese zuweilen stiefmütterlich behandelt.

Das jüngste Beispiel: Japans Regierung hat vorgestern Mittwoch offiziell zugegeben, dass aus den zerstörten Atomanlagen in Fukushima täglich 300 Tonnen radioaktiv verseuchtes Wasser in den Ozean abfliessen. Bereits seit zwei Jahren würde radioaktiv belastetes Wasser unkontrolliert ins Meer fliessen. Noch im Juni hatte die Betreiberfirma Tepco gegenüber eingeladenen Journalisten dies bestritten und behauptet, die Lage sei unter Kontrolle. Darüber haben etliche Medien gross berichtet.

Damit nicht genug: Japans Regierung hat ebenfalls bekannt gegeben, dass derzeit täglich rund 400 Tonnen Grundwasser in die verseuchten Reaktorgebäude fliessen und sich mit den 300 bis 400 Tonnen Wasser vermischen, mit denen die Brennstäbe gekühlt werden.

Diese offiziell bestätigten Tatsachen waren dem Tages-Anzeiger, dem Berner Bund und dem Blick ganze zwei Sätze wert. Das Schweizer Fernsehen erwähnte das unkontrollierte radioaktive Desaster am Mittwoch weder in der Tagesschau noch im 10vor10, noch in der Tagesschau vom Donnerstag. Ausführlicher berichteten am Donnerstag die NZZ und die Aargauer Zeitung. Das «Echo der Zeit» hat ebenfalls sehr gut berichtet.

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Die Regierungen der USA und Kanadas nehmen keine Radioaktivitätsmessungen im Ozean vor – jedenfalls geben sie keine Messresultate bekannt.

Deshalb haben der Ozeanograph Ken Buesseler von der non-profit Woods Hole Oceanographic Institution in Woods Hole, Massachusetts, zusammen mit Professor Nicholas Fisher, einem Meeresforscher der State University of New York, sowie anderen engagierte Wissenschaftler private Gelder aufgetrieben, um Messungen durchzuführen. Die letzten Resultate stammen allerdings vom März 2012.

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Siehe auch

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Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine

Weiterführende Informationen

Auswirkungen von Fukushima auf das Leben im Meer
Referat von Ozeanograph Ken Bruesseler vom 11.2.2013

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5 Meinungen

Ich finde diesen Hinweis von Urs P. Gasche einen der wichtigsten Beiträge von Info-Sperber in der letzten Zeit. Dass die ganze Welt von Fukushima aus radioaktiv verseucht wird, müsste uns alle, vor allem aber auch Medien und Politikerinnen und Politiker sowie die Führung unseres Staates aufs Höchste alarmieren. Die Schweiz müsste sofort bei Japan intervenieren und über internationale Organisationen Initiativen ergreifen, um dieser unglaublichen Weltvergiftung und der Gefährdung aller künftigen Generationen auf der Erde Einhalt zu gebieten.
Allerdings scheinen wir alle resigniert und überfordert ob der Fülle irgendwelcher Informationen, die uns dauernd überschwemmen und resigniert ob des Zustands der medialen Öffentlichkeit und des Journalismus. Das Sujet scheint sich nicht für einen Shit-Storm auf Japans neue Regierung und die Betreibergesellschaft Tepco zu eignen - besser also, sich über ein Filmchen in Locarno zu empören.
Urs Allemann-Caflisch, am 09. August 2013 um 12:07 Uhr
Es handelt sich um die «Radioaktive Seawater Impact Map» vom US Departement of State Geographer von März 2012.
Red., am 11. Oktober 2013 um 17:33 Uhr
Ja, die haben die Grafik übernommen, Ursprung
http://www.asrltd.com/japan/plume.php

We use a Lagrangian particles dispersal method to track where free floating material (fish larvae, algae, phytoplankton, zooplankton...) present in the sea water near the damaged Fukushima Daiichi nuclear power station plant could have gone since the earthquake on March 11th. THIS IS NOT A REPRESENTATION OF THE RADIOACTIVE PLUME CONCENTRATION. Since we do not know exactly how much contaminated water and at what concentration was released into the ocean, it is impossible to estimate the extent and dilution of the plume. However, field monitoring by TEPCO showed concentration of radioactive Iodine and Cesium higher than the legal limit during the next two months following the event (with a peak at more than 100 Bq/cm3 early April 2011 for I-131 as shown by the following picture).
tim wegner, am 12. Oktober 2013 um 21:53 Uhr
Sie schreiben tatsächlich:

Messungen von Radioaktivität im Ozean (Stand März 2012)
tim wegner, am 12. Oktober 2013 um 21:54 Uhr
Die von Tim Wegner angegebene Quelle überschreibt die Grafik mit «Fukushima Radioactive Ocean Impact Map". Richtig ist, dass die Karte nicht die Konzentration der Radioaktivität darstellt, sondern deren Verbreitung. Es handelt sich um die Verbreitung von Material, das mit Fukushima-Radioaktivität belastet ist.
Urs P. Gasche, am 13. Oktober 2013 um 14:01 Uhr

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