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Wer es weiss, engagiert sich für dessen Einführung

Die Leute wollen echtes Geld: Vollgeld!

Christian Müller / 10. Dez 2016 - Nur wenige Leute wissen, dass das meiste Geld auf dieser Welt von den Banken selber (im Computer) geschaffen worden ist.

(cm) Vor einem Jahr, am 1. Dezember 2015, wurden gut 110'000 gültige Unterschriften für die sogenannte Vollgeld-Initiative termingerecht der Bundeskanzlei in Bern übergeben. Damit ist die Initiative definitiv zustande gekommen; es muss also in absehbarer Zeit darüber abgestimmt werden. Leider ist für viele Leute der Begriff Vollgeld aber immer noch ein «Fremdwort». Sie wissen nämlich nicht, dass jede Bank das Recht hat, selber Geld zu schöpfen, sprich: Geld auszuleihen, das sie gar nicht hat, sondern im Augenblick des Ausleihens dieses Geld in ihrem Computer erst schafft (in der Fachsprache: dieses Geld dann erst schöpft). Die Schweizer Banken brauchen nach den heutigen Regelungen nur etwa 4,5 Prozent des Geldes selber zu haben, mit dem sie «arbeiten». Trotzdem dürfen sie auf dem vollen Betrag ihren Zins verlangen. Ist das richtig? Und ist solches Geld auch wirklich sicher? Nein, sagen immer mehr Finanzwissenschafter und vertreten die Ansicht, die Banken sollten nur das Geld ausleihen dürfen, das sie ihrerseits von der Nationalbank bezogen haben. Und genau diese neue Regelung soll mit der Vollgeld-Initiative in der Schweiz erreicht werden – natürlich nicht zur Freude der heute auch bei politischen Entscheidungen viel zu mächtigen Banken. – Jetzt haben die Initianten der Vollgeld-Initiative eine interessante Information veröffentlicht. Sie zeigt die Tücken des Themas: Die meisten Leute wissen gar nicht, dass die Banken das Geld, mit dem sie «arbeiten», selber schöpfen!

Hier die Information der Vollgeld-Initiative:

«In einer Studie mit über 23’000 Menschen in 20 Ländern zeigt sich: Nur ein geringer Anteil der Bevölkerung weiss, dass private Banken das elektronische Geld auf unseren Konten selbst herstellen. Wenn die Befragten erfahren, dass heute über 90 Prozent des Geldes durch private Geldschöpfung entstanden ist, lehnt dies die Mehrheit ab.

Martin Wolf, Chefökonom der Financial Times, kommentiert: «Damit die Zukunft des Geldsystems diskutiert werden kann, muss die Öffentlichkeit verstehen, wie das Geldsystem funktioniert. Die Studie zeigt, dass nur wenige Menschen dies wissen. Sie zeigt auch, dass wenn darüber aufgeklärt wird, dass private Banken Geld herstellen, die Bevölkerung dies nicht will.» Dr. oec. Reinhold Harringer, Pressesprecher der Vollgeld-Initiative, ergänzt: «Sobald Leute erfahren, dass 90 Prozent unseres Geldes eigentlich privat hergestellte Banken-Franken sind, empfinden die meisten dies als ungerecht. Nur die Nationalbank soll unser Geld herstellen. Genau das will die Vollgeld-Initiative, die bald zur Abstimmung kommt.»

Vollgeld-Reform ist international mehrheitsfähig

Die Studie zeigt, dass eine Vollgeld-Reform rund um den Globus mehrheitsfähig ist. In der Schweiz will die Vollgeld-Initiative, die in den nächsten Jahren zur Abstimmung kommt, dass private Banken kein eigenes Geld mehr herstellen dürfen. Die Nationalbank soll neu neben Bargeld auch das elektronische Geld herstellen, so wie sich die Bevölkerung dies bereits heute vorstellt. Eine Vollgeld-Reform führt zu sicherem Geld und einem stabilen Finanzsystem, entschärft das Too-big-to-fail-Problem und verhindert Finanzblasen.

Nur eine Minderheit weiss über Geldherstellung der Banken Bescheid

30 Prozent der befragten Menschen wussten nicht, wer Geld herstellt. Die Hälfte ging davon aus, dass eine öffentliche Institution (Staat oder Nationalbank) Geld herstellen darf. Nur jeder Fünfte (20 Prozent) wusste die korrekte Antwort, dass private Banken mehr als 90 Prozent des Geldes selber herstellen.

Wer Bescheid weiss, will eine Änderung

Die Studie fragte auch, wer das Recht haben sollte, das Geld herzustellen. Nur 13 Prozent befürwortete die heutige Praxis, dass private Banken die Mehrheit des Geldes erschaffen sollen. 59 Prozent wünschte sich, dass eine öffentliche Institution wie der Staat oder die Nationalbank Geld herstellen. Von der Minderheit von 20 Prozent, die bereits wusste, dass private Banken Geld selber herstellen, wollten 63 Prozent, dass der komplette Geldschöpfungsprozess dem Staat oder der Nationalbank übertragen wird.

Zur Studie

Motivaction International und das Sustainable Finance Lab befragten über 23’000 Menschen in 20 Ländern. Die Befragung fand im Rahmen der Glocalities-Umfrage von Motivacation International bereits im Dezember 2013 und Januar 2014 statt, wurde aber erst jetzt veröffentlicht. Die Zahlen in der Schweiz sehen ähnlich aus, siehe Studie von August 2015.»

Soweit die Information der Initianten der Vollgeld-Initiative.

Ein paar weitere Informationen zur Vollgeld-Initiative

Die Vollgeld-Initiative will, dass elektronisches Geld (sogenanntes Giral- oder Buchgeld) gleichwertig wird wie Münzen und Noten – nämlich gesetzliches Zahlungsmittel. Im Dezember 2015 wurde die Vollgeld-Initiative für krisensicheres Geld und die alleinige Geldschöpfung durch die Schweizerische Nationalbank mit über 110‘000 Unterschriften eingereicht. Die Initiative kommt voraussichtlich im Jahr 2018 zur Volksabstimmung. Die Vollgeld-Initiative wurde vom Verein Monetäre Modernisierung (MoMo) mit Sitz in Wettingen gestartet. Zum wissenschaftlichen Beirat gehören unter anderem Philippe Mastronardi, Professor em. für Öffentliches Recht, Sergio Rossi, Professor für Makroökonomie und Monetäre Ökonomie, und Peter Ulrich, Professor em. für Wirtschaftsethik.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine.

Weiterführende Informationen

DOSSIER: Die Euro- und Währungskrise
So wird man Millionär ("Der clevere Kurtli", von Christian Müller)
So wurde in ARD über das Thema Vollgeld diskutiert (Video zum Anschauen)
Prof. Joseph Huber erklärt die Vorteile des Vollgeld-Systems (Video)
Prof. Joseph Huber: Das heutige Geldsystem (eine neue Publikation)

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10 Meinungen

Ich hätte gerne eine Welt, in der jeder seine Steuern bezahlt und Politiker, die dafür Sorge tragen, dass sich Superreiche und internationale Konzerne dem nicht mehr entziehen können. Zudem braucht es eine strikte Regulierung der Finanzmärkte, eine Wiederbelebung des Trennbankensystems, die Erhöhung der Eigenkapitalquote für Banken, Sondersteuern für systemrelevante Banken, keine Sonderstellungen mehr für systemrelevante Banken (müssen abgewickelt werden können), Einführung der persönlichen Haftung der überzahlten Manager und vor allem ein neues Geldsystem (Vollgeld).
Doch zuerst kommt der grosse Crash, denn seit der Finanzkrise 2008 sind Jahre vergangen ohne echte Systemänderungen einzuleiten. Die Probleme werden nur verschoben ...
Ewig wird man nicht mehr weiterwursteln können.
Rolf Leuenberger, am 10. Dezember 2016 um 12:41 Uhr
Auch mit dem Vollgeld wird das Volk jämmerlich übers Ohr gehauen werden: Die Banken bekommen das Geld zu einem symbolischen Zinssatz und schieben es als Kredite samt fetteren Zinsenpflichten über die Tresen. Auf diese Weise haben sie bis jetzt Billionen ergaunert. Das Volk wurde und wird ausgepresst, indem es die ihm angedrehten Produkte kaufen muss, auf welchen die Bankzinsen samt den unverschämten Unternehmergewinnen geschlagen werden.

"Die Nationalbank soll neu neben Bargeld auch das elektronische Geld herstellen, so wie sich die Bevölkerung dies bereits heute vorstellt». Und wohin fliesst dieses Geld? Zur BürgerIn? Iwo - es landet wie dargestellt weiterhin in den Tresoren der Banken, welche es als Kredite samt Zinsenpflicht wie eh und je über die Tresen schieben werden. Dreist wird das Volk weiter betrogen.

Stellt sich die Bevölkerung dies bereits heute so vor?

@Schönenberger: Niemand behauptet, dass das Vollgeld auch noch alle anderen Probleme des Finanzkapitalismus löst. Immerhin hat die Nationalbank dann die Menge des Geldes wieder unter Kontrolle, was ebenfalls ein wichtiger Punkt ist, neben der höheren Sicherheit. – Wenn Sie etwas gegen die Banken haben, dann haben Sie immerhin die Freiheit, die Bank zu wählen, die Sie wollen. Es gibt zum Beispiel Banken, die eine Genossenschaft sind und es gibt die Alternative Bank. Und es gibt auch das WIR-Geld, das auch ganz anders funktioniert. – Bleiben Sie einfach bei der Sache und vermeiden Sie bitte pauschale Verunglimpfungen. Danke!
RA Edmund Schönenberger, am 10. Dezember 2016 um 16:36 Uhr
Das Thema ist ausserordentlich kompliziert. Ich kann vom mir nicht behaupten, alles zu verstehen. Umfragen, wie sie im Artikel erwähnt werden, sind Unsinn. Jemand, der die Geschichte mit dem Geldschöpfen nicht kennt, versteht auch nach einer kurzen Belehrung durch den Interviewer nicht, worum es geht. Er kann nicht aus dem Stande eine qualifizierte Antwort geben.
Bei komplexen Systemen halte ich es für klug, im Zweifelsfalle mit kleinen, schrittweisen Reformen eine Verbesserung anzustreben. Die «Grossen Würfe» gehen nur allzu leicht in die Hose.
Weshalb nicht lieber die Eigenkapitalanforderungen erhöhen und deren Berechnung auf eine transparente, durch die Bank selbst nicht manipulierbare Basis stellen? Weshalb nicht die Produktepalette der Finanzindustrie durchforsten und dubiose Sachen verbieten oder zumindest sauber auslagern, so dass deren Anbieter bei Bedarf mit gutem Gewissen in Konkurs geschickt werden können?
Wen ich die heutige Wirtschaftspolitik ansehe, dann bin ich nicht sicher, ob eine staatliche Institution die Geldschöpfung wirklich so viel seriöser betreiben würde als private Banken!
Daniel Heierli, am 10. Dezember 2016 um 17:58 Uhr
@Daniel Heierli: Wer nicht entscheidet, über den wird entschieden. Der Souverän wird nicht darum herum kommen, sich mit dem Thema Geld (Hauptursache vieler Probleme) zu befassen, denn das Finanzsystem ist der wirksamste Ansatzpunkt zum Schutz der Demokratie. Je schneller, desto besser: www.peakprosperity.com/crashcourse; https://www.youtube.com/watch?v=TP5omK12A2Y
Gut zu wissen in der herrschenden Schuldgeldwirtschaft: Je grösser der demokratische Einfluss, desto gesünder ist ein öffentlicher Haushalt.
Rolf Leuenberger, am 10. Dezember 2016 um 22:34 Uhr
Bin auch der Meinung, dass eine Vollgeldwirtschaft nicht alle Probleme aus der Welt schaffen wird. Aber ein Schritt in die richtige Richtung ist es alle mal. Befürchte aber, dass die Initiative ziemlich viele politische Gegner von Links bis Rechts auf den Plan rufen wird. Wie viele Jobs in der Schweiz hängen wohl von der wunderbaren Geldschöpfung ab? Zur Zeit sehe ich eher einen gegenteiligen Trend z.B. nun auch Bargeld ganz abzuschaffen, um so die virtuelle Geldwelt noch weiter auszubauen. Wohl kaum zum Guten der keinen Leute?
Guido Besmer, am 11. Dezember 2016 um 06:54 Uhr
@Müller – mit der Vorschrift „Bleiben Sie einfach bei der Sache und vermeiden Sie bitte pauschale Verunglimpfungen“ greifen Sie in mein in Art. 10 EMRK verankertes Menschenrecht auf freie Meinungsäusserung ein. Schon 1986 habe ich in meiner Analyse „Nieder mit der Demokratie“ nachgewiesen, dass von einer Volksherrschaft nicht die Rede sein kann. Die Schweiz ist eine Diktatur der Reichen – eine Musterplutokratie. Nicht das als „Souverän“ vermarktete Volk, sondern Geld und deren Besitzer – die Bankiers – regieren die Welt. Hätten Sie ein Berufsleben lang Opfer der Zwangspsychiatrie verteidigt und miterlebt, wie dieses Instrument von den Herren missbraucht wird, um mittels Statuierung scharfer Exempel an Einzelnen das ganze Volk in die Zange zu nehmen und damit ihre Herrschaft abzusichern, hätten Sie mir berechtigte scharfe Kritik und nicht Verunglimpfungen attestieren müssen. Ich verweise auf meine „Fundamentalkritik der Zwangspsychiatrie“, in welcher die Zusammenhänge detailliert und keineswegs pauschal dargestellt werden.
RA Edmund Schönenberger, am 11. Dezember 2016 um 08:26 Uhr
Ich glaubte einmal etwas von Geld verstanden zu haben (habe immerhin mehrere Jahre Geldpolitik unterrichtet).

Sollten Banken aber nur noch «Zentralbankgeld», d.h. direkt von der Zentralbank geborgtes Geld zu Kreditzwecken verwenden dürfen, würde das Sparen und die Weitergabe der Spargelder durch spezialisierte Institute (Banken) an mögliche «Antisparer» (Investoren) wohl verunmöglicht. Diese «finanzielle Intermediation» ist das Alpha und Omega des aktuellen Bank- und Kreditwesens.

Die implizite Ausweitung der Geldmenge - und damit die offenbar als störend empfundenen «Gewinne aus der ex-nihilo Geldschöpfung» - hängt aber ebensosehr von der «Zirkulationsgeschwindigkeit» des Geldes, bzw. dem Hortungsverhalten der Leute ab. Die gegenwärtige Gelddruckerei der Zentralbanken ist in dieser Hinsicht einiges Gefährlicher für die Stabilität der Wirtschaft als die «Abzocke» durch vermeintlich exzessive Geldschöpfung der Banken.

Das Problem des «Seignorage Profits», d.h. der Gewinn, welcher durch die Geldschöpfung erziehlt werden kann, ist nichts neues.

Vor etwa 30 Jahren habe ich in einem Vortrag die Frage nach dem Unterschied zw. einer Zentralbank und einem Falschmünzer gestellt. Technisch gibt es keinen, der Gewinn der Zentralbank fliesst aber nicht in eine private Tasche.

Bei den Banken wird immerhin etwas durch Kreditvergünstigung an die Wirtschaft zurückgegeben. Bei der Geldschöpfung durch Aussenhandelsüberschüsse fliesst der ganze Profit an den ausländischen Gelddrucker.
Josef Hunkeler, am 11. Dezember 2016 um 09:14 Uhr
Guten Tag Herr Schönenberger,

verstehe Ihren Beitrag im Zusammenhang mit der Vollgeld Initiative nicht. Bitte um Aufkärung. Mit Gruss
Guido Besmer, am 11. Dezember 2016 um 10:14 Uhr
@Besmer: Die Beschränkung der Zeichen verhindern die Darstellung aller Details und Zusammenhänge. Ich weise auf meine obgenannten Analysen hin, welch ergoogelt werden können. Eigentlich müssten im Leserforum direkt anklickbare Links implementiert sein, um sofort auf Details zugreifen zu können.
RA Edmund Schönenberger, am 11. Dezember 2016 um 10:26 Uhr
Die Vorschläge von Philippe Mastronardi zum Thema Geld als Service Public finde ich fast noch attraktiver als das Vollgeld. Beim Vollgeld existieren immer noch zwei interagierende Systeme parallel. Eine für den täglichen Gebrauch und normales Handeln und die andere wie bisher für Spekulation die nach wie vor in die Realwirtschaft investieren darf. Es nützt also nichts wenn sich Unternehmen in die Reale Wirtschaft begeben bzw. bleiben und Investoren mit ihren spekulativen Absichten immer noch Unruhe stiften können. Die heutige neoliberale Welt des Shareholdervalue kann also auch mit Vollgeld immer noch unlimitiert in die Welt aller anderen Stakeholder eingreifen. Es braucht meiner Meinung nach zusätzloch zum Vollgeld auch ein gesellschaftliches Einvernehmen über das was Geld zu sein hat so wie etwa als Service Public.
Uwe Borck, am 11. Dezember 2016 um 18:51 Uhr

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