Glencore-Vertreter Michael Fahrbach in der Rundschau von TV SRF. © srf/is

Aloys Hirzel trainierte Glencore für Flopinterview

Urs P. Gasche / 18. Mrz 2014 - Fragen zur Sauerei in der sambischen Kupfermine nicht beantworten, sondern nur die Zukunft rosig schildern. So lautete die Devise.

Diese Taktik ging daneben, weil Rundschau-Interviewer Sandro Brotz dagegen hielt und im Live-Interview mehrmals feststellte, Michael Fahrbach vom Rohstoffkonzerns Glencore habe seine Fragen nicht beantwortet. Fahrbach zuckte kaum mit der Wimper, ging auf die Fragen wiederum nicht ein, sondern wiederholte ungeachtet der Fragen sein Mantra, dass Glencore jetzt viel investiert habe und die Belastung der Bevölkerung bald auf ein normales Mass zurückgehe. Der «Leiter Nachhaltigkeit» des Glencore-Konzerns zeigte sich fast beleidigt, dass man überhaupt noch Fragen zur Vergangenheit und zur Gegenwart stellt.

Selbst wenig aufmerksamen Zuschauerinnen und Zuschauern wurde klar, dass der Glencore-Mann den Journalisten zwar gnädigst Fragen stellen liess, sich um den Inhalt der Fragen aber foutierte.

PR-Spezialist Aloys Hirzel im TV-Studio

Beraten liess sich Fahrbach von einer der renommiertesten PR-Firmen der Schweiz: «Hirzel.Neef.Schmid.Konsulenten» in Zürich. Nach Vorbesprechen und wahrscheinlich Üben des Interviews fuhr Gründer und Hauptaktionär Aloys Hirzel mit seinem Glencore-Klienten Michael Fahrbach per Auto ins Fernsehstudio Leutschenbach und begleitete ihn bis ins Aufnahmestudio. Das haben mehrere Fernseh-Angestellte bestätigt.

Infosperber wollte von Aloys Hirzel wissen, ob sich aus seiner professionellen Sicht die Gesprächstaktik von Michael Fahrbach bewährt habe.

Weiter wollte Infosperber wissen, ob man davon ausgehen könne, dass Hirzels PR- und Beratungsunternehmen dem Glencore-Konzern einen Tagesansatz von mindestens 4000 Franken verrechne.

Antworten auf diese Fragen gab es keine. Aloys Hirzel beschied Infosperber, es gehöre «seit jeher zu unseren Prinzipien, nicht öffentlich über unsere Kunden und Mandate zu sprechen». Die Vertraulichkeit sei eine zentrale Grundlage der Beratungstätigkeit.

«Charme»-Offensive von Glencore

«Hirzel.Neef.Schmid.Konsulenten» hat Glencore auch für dessen «Charmeoffensive» (Tages-Anzeiger) mit öffentlichen PR-Auftritten in Affoltern und anderswo beraten.

Zur weiteren «Kommunikations-Offensive» des stark unter Kritik geratenen Rohstoffkonzerns schrieb die Schweizerische Handelszeitung am 13. März 2014:

«In Bern stehen in diesem Jahr nicht weniger als vier Themen-Dinner mit Parlamentariern und hochrangigen Vertretern der Bundesverwaltung auf der Agenda. Am 24. März sind die Aussenpolitiker des Parlaments an der Reihe...Später im Sommer dann soll Glencore-Chef Ivan Glasenberg den Parlamentariern bei einem Dinner das Geschäftsmodell von Glencore erklären. Doch nicht nur im Parlament geht das Unternehmen auf Tuchfühlung, sondern auch bei Bundesräten. Bereits letzten Sommer traf sich Glasenberg mit Aussenminister Didier Burkhalter in Bern…Laut Insidern gab es seither auch andere informelle Treffen zwischen der Glencore-Führung und einzelnen Bundesräten. Keines der angefragten Departemente bestätigt jedoch die Kontakte.»

Laut andern Medienberichten soll Glencore nicht nur Hirzels Firma, sondern auch andere PR-Unternehmen engagiert haben.

Die Antwort-Verweigerungen in der Rundschau

Wie Infosperber berichtete, hat sich der «Nachhaltigkeits»-Leiter von Glencore in der Rundschau hartnäckig und nachhaltig geweigert, auf folgende Fragen des Moderators einzugehen:

  • Fahrbach weigerte sich zu sagen, weshalb Glencore der Rundschau verbot, einen Satz aus dem aufgezeichneten Interview des Minen-Verantwortlichen in Sambia auszustrahlen, in dem dieser beteuerte, die Schwefeldämpfe würden «nur leichtes Unwohlsein» verursachen.
  • Fahrbach beantwortete die Frage nicht, weshalb Glencore ihre eigenen Messresultate der Schwefeldioxid-Konzentration nie bekannt machte.
  • Fahrbach beantwortete die Frage nicht, ob er seine eigenen Kinder ins Schulhaus neben der Fabrik in Sambia schicken würde.
  • Fahrbach wollte nicht sagen, ob Glencore Todesfälle in Kauf genommen habe.
  • Fahrbach wollte trotz mehrfachen Nachfragens nicht kundtun, ob der Rohstoffkonzern die von Opfern betroffenen Familien und die schwer an Asthma und andern Lungenleiden Erkrankten entschädigen werde.

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Siehe

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Keine

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10 Meinungen

Hier schreibt der Medienprofi und Medienethiker Gasche. Es hilft aber nichts, dass der Journalist gesagt hat, die Frage sei nicht beantwortet. Geholfen hätte vielleicht, das Ganze nicht zu senden. Das wäre wohl der angemessene Tarif.
Pirmin Meier, am 18. März 2014 um 09:51 Uhr
Erleuchtende Hintergrundgeschichte über die Praktiken, die leider in vielen Bereichen der Rohstoffgewinnung üblich sind. Die Endverbraucher sollen nur ja nichts davon erfahren. Deshalb war das Senden des Interviews wichtig, auch das vernebelnde Verhalten des angeblichen Nachhaltigkeitsverantwortlichen sagt ja viel über die Firma aus. Leider.
Henri Leuzinger
Henri Leuzinger, am 18. März 2014 um 14:36 Uhr
Mich schaudert noch heute, wenn ich an die Sendung über Glencore denke. Was dort in Sambia angerichtet wurde und noch immer angerichtet wird, spottet jeder Beschreibung. Und solchen Firmen gewährt der Kanton Zug Unterschlupf und lässt sie so ihre Steuern optimieren. Ist endlich der Steuerhinterziehungs-Sumpf, genannt Bankgeheimnis, mehr oder weniger trocken gelegt, beschmutzen nun Rohstoffgiganten erneut das Image unseres Landes und treiben uns die Schamröte ins Gesicht.
Sandro Brotz hingegen hat seine Sache hervorragend gemacht. Danke.
Ueli Ganz, am 18. März 2014 um 17:26 Uhr
Der Beitrag von U.P. Gasche war wichtig, solche Beiträge braucht es. Wahrscheinlich war es doch gut, dass das Interview gesendet wurde.

Aber:
Es ist zweifellos unproblematischer, in der Schweiz eine sichere Lebensstelle sagen wir mal im öffentlichen Dienst anzutreten als sich dem Rohstoffgeschäft zu widmen; dieses untersteht seit Jahrhunderten «anderen Gesetzen", prägt zum Beispiel auch Russland und die russische Politik. Persönlich finde ich einen Mann wie Marc Rich eine absolut interessante historische Figur. Es wäre auch logisch und historisch angemessen, @Herr Ganz, dass, wie ich es in einer Abhandlung über den 2. Villmergerkrieg dargetan habe, der Kanton Zug eigentlich einer der ärmsten Landstriche Europas sein müsste. Insofern können Sie sich von der Schamröte wieder etwas erholen. Natürlich wäre es moralischer, wenn die Leute, die Sie als Gauner ansehen, anderswo steuern würden und sich unser Lohn- und sonstiges Niveau endlich wieder dem unteren europäischen Durchschnitt anpassen würde. Eigentlich war ja auch Hoeness ein Gauner, mit dem Unterschied, dass er im Gegensatz zu Normalgaunern, die im Gefängnis pro Monat ihre Fr. 10 000 - Fr. 30 000.- kosten, unbeschadet seiner Gaunereien bis anhin über 50 Millionen für den Unterhalt des Sozialstaates abgeliefert hat, er liess sich ausbeuten. Mit Marc Rich, dem besten Steuerzahler des Kantons LU, hatte ich wenig Mühe. Seine Biographie ist interessanter und er riskierte mehr als jeder Schweizer Politiker der letzten 50 Jahre.
Pirmin Meier, am 18. März 2014 um 17:46 Uhr
Tja, die «anderen Gesetze» - ich würde eher von Praktiken reden, das üble Verhalten bekommt sonst noch einen quasi-rechtlichen Anstrich. In die Ferne schweifen braucht man übrigens gar nicht: Was die Alusuisse im Fricktal und im Wallis mit den Fluoremissionen angerichtet hat, unterscheidet sich genauso wenig von den genannten Praktiken wie das unglaubliche Ableiten von 50 Tonnen Quecksilber in lokale Fliessgewässer, wiederum im Wallis, verursacht durch die Lonza.
Henri Leuzinger, am 18. März 2014 um 19:52 Uhr
@Leuzinger. Da haben sie Recht, der Begriff «Gesetze» ist in diesem Fall, wo Anarchie näher liegt, missverständlich, es war auch absichtlich in Anführungszeichen geschrieben. Hingegen sind die Diskussionen betr. Alusuisse aber auch z.B. betr. die Arbeiter in der Schweiz, die mit Asbest vergiftet wurden, die aus meiner Sicht näher liegenden und primär angemessenen Diskussionen mit Empörungspotential vor Ort und auch der Möglichkeit, noch näher hinzuschauen. Dass aber weltweit Öffentlichkeit besteht und hergestellt, muss ebenfalls Anliegen einer freien Medienwelt sein.
Pirmin Meier, am 18. März 2014 um 20:28 Uhr
Was ist ein Themendinner? Gehen etwa die vom Volk gewählten Volksvertreter mit irgendwelchen Lobbyisten zum Nachtessen? Wird eventuell das Nachtessen usw. von diesen Lobbyisten bezahlt?
Wie würde das heissen, wenn die Volksvertreter nicht Volksvertreter, sondern Lehrer, Polizisten oder Mehrwertsteuerkontrolleure wären?
Gilbert Magnin, am 18. März 2014 um 22:06 Uhr
Herr Meier, welches Risiko ging Marc Rich genau ein? Hat er je sein Leben riskiert wie die Arbeiter in den Minen - die dennoch kaum ihre Familien ernähren können? Mit Verlaub, bislang hielt ich Sie - bei allen ideologischen Differenzen - für einen besonnenen Menschen. Diesen Eindruck haben Sie jetzt mit Ihrer kritikfreien Lobhudelei nachhaltig zerstört. Das bedaure ich. Es bleibt mir nichts übrig, als auch Ihre übrigen Wortmeldungen unter diesem Licht zu betrachten.
Sam Pirelli, am 19. März 2014 um 08:19 Uhr
Rich hat bedeutende hist. Verdienste für Umgehung von US-Sanktionen gegen Kuba und Südafrika, gegen letztere wandte sich auch der Schweizer Südafrikakenner und Apartheidkritiker Walther Bringolf, auch für Israel hat er viel getan, also wie kein zweiter Geschäftsmann eine politische Rolle gespielt, die Frage ist, wie man diese einschätzt. Kennen Sie Daniel Ammanns Rich-Biographie? Für mich sicher nicht ausreichend, es müsste noch eine kritischere Studie her. Aber allein schon die Umgehung der Sanktionen sind im Vergleich zu den «Verdiensten» von Kissinger und Arafat usw. schon fast friedensnobelpreisverdächtig. Was glauben Sie, warum ist Südafrika heute, solange wenigstens nicht alles wieder vertan ist, ein Land, das nicht auf Entwicklungshilfemilliarden angewiesen ist? Ich vergleiche Rich eher mit Persönlichkeiten des 16. Jahrhunderts wie Fugger oder des 18. Jahrhunderts wie dem Neuenburger Rousseau-Mäzen Pierre-Alexandre du Peyrrou, dessen Wohlstand teilweise auf Sklavenwirtschaft beruhte. Ich komme Ihnen aber entgegen, als ich mein endgültiges Urteil wie auch das Urteil der Geschichte über Marc Rich als noch ausstehend betrachte ausser vielleicht dem Verdacht, dass er welthistorisch bis jetzt eher bedeutender gewesen sein könnte als zum Beispiel Obama oder Hollande. Das ist freilich ein ärmliches Kompliment, und haften möchte ich für Rich schon gar nicht. Ich bitte Sie tatsächlich, Ihre Meinung über mich allenfalls eher über das eine oder andere Buch v. mir zu bilden.
Pirmin Meier, am 19. März 2014 um 16:20 Uhr
Noch was: von Lobhudelei betr. Rich war nie die Rede. Viel riskieren, das ist ja klar, kein Beamter in der Geschichte der Schweiz hat je Ähnliches riskiert, ist nicht a priori ein Kompliment. Noch was: zur Zeit der Apartheid wanderten jährlich oft 200 000 bis 300 000 Arbeitskräfte aus den befreiten Nachbarländern nach Südafrika ein. Natürlich wurde diese Notlage ausgenützt, aber das war nun eben die Politik in der 3. Welt. Die südafrikanische Propaganda bezeichnete diese Einwanderung regelmässig als «Abstimmung mit den Füssen".
Pirmin Meier, am 19. März 2014 um 20:42 Uhr

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