© Werbefoto
Näherinnen auf einem Werbefoto des H&M-Zulieferers M&V in Kambodscha
Zulieferfirmen des Modekonzerns H&M beutet Näherinnen aus. Auch wegen Chemikalien waren im Sommer Hunderte zusammengebrochen.
Näherinnen, die bei einem Zulieferer des schwedischen Modekonzerns H&M in Kambodscha angestellt sind, müssen unter untragbaren Umständen schuften. Das berichteten die ARD-Tagesthemen. Viele Arbeiterinnen müssten sieben Tage die Woche bis zu 14 Stunden täglich arbeiten.
Der Niedriglohn von 30 Cent (40 Rappen) die Stunde reicht kaum zum Überleben. Hinzu kommt, dass das Klima in der Fabrik des Zulieferers M&V offensichtlich die Gesundheit gefährdet. In diesem Sommer waren mehrere Hundert der insgesamt etwa 4600 Beschäftigten am Arbeitsplatz zusammengebrochen und mussten ins Spital gebracht werden.
H&M bestätigte diesen Vorfall. Das Unternehmen habe «unmittelbar» Untersuchungen eingeleitet, sagte H&M Sprecher Hendrik Heuermann gegenüber der «Frankfurter Rundschau». Unter anderem werde die Luftqualität und der Umgang mit Chemikalien überprüft.
«Kein Einzelfall»
Laut Sabine Ferenschild vom «Südwind»-Institut ist die betroffene Fabrik kein Einzelfall, sondern nur «die Spitze des Eisbergs». In Ländern wie Kambodscha und Bangladesch seien die arbeitsrechtlichen Standards niedrig, und obendrein würden diese niedrigen Standards nicht seriös kontrolliert. Die Unternehmen, die sich – wie H&M – einen Verhaltenskodex gegeben haben, würden zwar Überprüfungen durchführen, aber oft nur stichprobenweise und mit Vorankündigung. Die Ergebnisse seien deshalb wenig aussagekräftig.
Auch die Kampagne für Saubere Kleidung (CCC) hat H&M schon vorgeworfen, seine Zulieferbetriebe nur schlampig zu kontrollieren. Im Frühling 2010 waren bei einem Brand in einem Zulieferbetrieb in Bangladesch 21 Arbeitnehmende gestorben. Laut der Kampagne waren Notausgänge blockiert und hochbrennbare Stoffe falsch gelagert worden. H&M hat sich und seinen Zulieferern einen Verhaltenskodex gegeben, der sich an den Richtlinien der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und der UN-Kinderrechtskonvention orientiert. Eigenen Angaben zufolge überprüfen etwa 70 Vollzeit-Mitarbeitende dessen Einhaltung. 2010 habe es weltweit fast 2000 Kontrollen gegeben. Wie viele davon unangemeldet waren, sagt H&M nicht. Bei wiederholten Verstössen würden die Verträge mit den fehlbaren Zulieferern aufgelöst, erklärte H&M.
Redaktorin und Herausgeberin der Zeitschrift «FrauenSicht».
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