Murten 1952 und heute VBS/Peter Brotschi © Peter Brotschi/VBS
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Zersiedelung: Diesmal bei Murten (3)

Peter Brotschi / 10. Jan 2016 - Murten hat eine schöne Altstadt. Aber sie erhielt in den letzten Jahrzehnten einen grossen Speckgürtel.

Das Gebiet der drei Juraseen zwischen Biel, Neuenburg, Yverdon-les-Bains und Murten gehört zweifellos zu den reizvollsten Landschaften der Schweiz. Noch bis in die 1980iger Jahre machten die Städtchen und Dörfer rund um die drei Seen einen verschlafenen, ländlich-romantischen Eindruck. Das änderte sich gründlich, vor allem mit der Erschliessung durch die Autobahnen.

Murten 1952 (Bild VBS)

Auf dem historischen Foto von 1952 ist die Altstadt von Murten noch markant im Bild. An ihrem nordwestlichen Ende ist gut das Schloss zu erkennen. Auf der gegenüberliegenden Seite der Altstadt ist die evangelisch-reformierte Kirche zu sehen. Nicht weit davon, ausserhalb der historischen Mauern, die römisch-katholische. Schon Anfang der 1950iger Jahre ist Murten schon deutlich über die Altstadt hinaus gewachsen und die Ansätze der Zersiedelung sind vorhanden. Die Entwicklung fand auch in Richtung von Muntelier statt, das sich in der Bildmitte links entlang des Murtensees zieht. Gut auffindbar ist auch die Eisenbahnlinie von Lyss nach Yverdon-les-Bains, die auf der Südseite in einem leichten Bogen um Muntelier und Murten führt.

Murten 2015 (Bild Peter Brotschi)

Auf dem Foto von 2015 verschwindet die Altstadt fast im Häuserbrei. Ein Speckgürtel hat sich ausgebreitet. Oben leicht links der Mitte kommt die Autobahn A1 ins Bild und verschwindet dann in einem Tunnel. Stark gebaut wurde auch in Muntelier, oben links im Bild. Rechts im Bild ist deutlich zu sehen, wie sich die Bauten scheinbar planlos in die Landschaft hinaus «gefressen» haben. Sehr schade ist jeweils die Entstehung ganzer Quartiere, die von der eigentlichen Bausubstanz abgetrennt sind. Schweizweit ist das fast in jeder Ortschaft der Fall. Hier bei Murten ist es im Gebiet mit dem Flurnamen «Prehl» zu sehen, also Richtung Autobahn. Auf dem alten Bild sieht man, dass nur entlang der Strasse Richtung Gurmels und Düdingen ein paar Häuser stehen, während heute ein eigenständiges Quartier vorhanden ist.

Ganz oben links ist der Neubau eines Campingplatzes zu entdecken, während der Hafen eine andere Form erhalten hat. Die vielen Jachten und Boote sind – wie auf anderen Seen auch – ein Ausdruck des Wohlstandes.

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Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Peter Brotschi ist Lehrer, Aviatikjournalist und CVP-Kantonsrat im Kanton Solothurn. Er kämpft politisch gegen die Zersiedelung der Schweiz. Autor von sieben Büchern, sein letztes: «Ein wenig des Himmels für mich».

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4 Meinungen

Vorteile der Öko-Balance

Natur tät nicht mehr kollabieren.
Wir könnten diese Angst verlieren.

Auch würde nicht, wohin man schaut,
So vieles restlos zugebaut.

Die extensive Landwirtschaft
Fürs Erdreich dann Erholung schafft.
Ressourcen, nicht erneuerbare,
Reichten unendlich viele Jahre. *1)
Der grosse Energieverbrauch,
Der senkte sich sehr drastisch auch.
’S Problem wär’ aus der Welt geschafft,
Mit Sonnen-, Wind- und Wasserkraft. *2)
Wir lebten glücklich, wären froh,
Ohne das Kernkraft-Risiko.
Die Feinstaubgrenzwertüberschreitung
Ständ’ nicht mehr dauernd in der Zeitung.
Und schliesslich würde es noch nützen,
Als Beitrag ’s Klima zu beschützen,
Die Seen würden stark verjüngt;
Sie würden nicht mehr überdüngt.
Zudem könnte das Artensterben,
für uns nicht mehr gefährlich werden.
Auch in der Luft zu viel Ozon,
Wär’ nicht mehr unser Angstsyndrom.
Natur, die müsste nicht mehr leiden.
Die Lebensqualität würd’ steigen.
Kurz, Öko-Balance würd’ sich lohnen
Für alle Generationen.


*1) Siehe Hans Christian Binswanger im Schweiz. Energiestiftung Report 16 vom 16.4.1999
*2) Gemäss Bundesamt für Energie kommen 16,4 % des Verbrauchs aus erneuerbaren Energien. Wären wir in Öko-Balance, würde das bis auf 1,5 % heute schon genügen.

Markus Zimmermann-Scheifele
Markus Zimmermann, am 10. Januar 2016 um 11:59 Uhr
Ich glaube nicht, dass eine Abstimmung zur Landschaftsinitiative hätte gewonnen werden können, aber sie hätte aufgezeigt, in welchen Kantonen, Städten und Gemeinden ein Einzonungsstopp mehrheitsfähig wäre. Die Abstimmungsergebnisse hätten die Grünen ermutigt - neben dem Kanton Zürich mit seiner gewonnenen Kulturlandinitiative - auch in andern Kantonen, Städten und Gemeinden mit guten Aussichten Kulturlandinitiativen zu starten.
Leider wird sich die RPG-Revision bezüglich Einzonung von Kulturland ins Baugebiet als Fehlschlag erweisen. Der Druck auf Städte und Gemeinden in den Agglomerationen des Mittellandes, weiteres Kulturland einzuzonen, wird gegenüber dem heutigen Regime, bei dem das kantonale Siedlungsgebiet meist erst über Einzonungen in den Gemeinden fortgeschrieben wird, zunehmen, da jetzt Bund und Kantone via kantonale Richtpläne die Siedlungsgebietserweiterungen vorgeben. Ich hoffe auf weitere Kulturlandinitiativen.
Alex Schneider, am 11. Januar 2016 um 05:46 Uhr
Wenn ich die Vergleichsphotos betrachte, sieht allerdings das heutige besser aus, wohl wegen der Farbe, der kleineren Kontraste, und vor allem mehr Grün. Das bringt mich zu meinem Verdacht: könnte «Zersiedlung» nicht auch ihre Vorteile aufweisen?

Ich habe lang in Südengland gelebt. Dort gab es vor allem entweder Reihenhäuser oder Villen sowie Cottages mit viel Umschwung, eigentliche Parks, naturnah oder so gestaltet, oft noch mit Gemüsegärten. Sind von der Aestethik und der Biodiversität her, solche Quartiere oder gar «Gartenstädte» nicht besser als «verdichtete» Blöcke neben intensiv bewirtschafteten Felder, dem heutigen schweizerischen Ideal? Vielleicht sogar ökologischer?

Haben nicht Leute, die ihre «Pärke» bewirtschaften dürfen/müssen, weniger Motivation, der allfälligen Langeweile der verdichteten Blöcke per Auto zu entfliehen und weitere Fläche in Form von Einkaufscentern oder sonstigen Ablenkungen zu konsummieren?
Theo Schmidt, am 11. Januar 2016 um 08:26 Uhr
Was sind wir für eine Gesellschaft geworden, die hemmungslos alle 30 Monate eine Gesamtfläche des Zürichsee verbetoniert? Eine von Gier und Egoismus getriebene Gesellschaft versilbert ihre Lebensgrundlage und die Zukunft ihrer Nachkommen im Wachstumswahn! Eine verantwortungslose Gesinnung! Obschon die Schweiz in den letzten 12 Jahren bereits 600‘000 neue Arbeitsplätze geschaffen hat, werden noch und noch jedes Jahr weitere Unternehmen aus dem Ausland angelockt (mit Steuerdumping). Danebst hat sich die Anzahl der Grenzgänger innert 20 Jahren auf über 300‘000 bereits verdreifacht. «Immer mehr und noch mehr», lautet die Devise unserer wachstumsgeilen Wirtschaftselite. Sind wir eigentlich verrückt geworden?
Auf dem Altar des Götzes „Wachstumsglauben“ opfern wir die Lebensgrundlage unserer Kinder. Unser Landverschleiss wird sich schon sehr bald bitter rächen; keine 50 % des Nahrungsmittelbedarfs könnten wir hierzulande noch produzieren; dies nebst einer wachsenden Weltbevölkerung von 80 Millionen pro Jahr (220‘000 zusätzliche Menschen netto pro Tag). Und all das im Wissen, dass Keiner weiss, was die Klimaerwärmung der Menschheit noch bringen wird. Es ist lediglich eine Frage der Zeit, wann der Kahn, auf dem wir alle sitzen auf Grund läuft.
Anton Suter, am 11. Januar 2016 um 14:37 Uhr

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