«Ich bin Roger Köppel und ich warne Sie…» © screenshot weltwoche-video
Freysinger über Köppel: «Er mag sonst intelligent sein» © Kanal 9
Roger Köppel: «Wenn da immer noch irgendwelche Kinder hervorkommen» © Kanal 9
Daniele Ganser auf Facebook © -

Köppel umarmt Oskar Freysinger und Daniele Ganser

Kurt Marti / 09. Mrz 2017 - Oskar Freysinger musste sich von Weltwoche-Chef Köppel distanzieren, Daniele Ganser nimmt seine Hilfe auf Facebook lobend entgegen.

Wenige Wochen vor den Walliser Regierungswahlen trat Weltwoche-Chef Roger Köppel im Visper Kongresszentrum auf und brachte mit der folgenden Aussage gegenüber dem Regional-TV «Kanal 9» (ab 4.50) das Walliser Moralin-Fass zum Überlaufen:

«Herr Darbellay wird die Aussichten seiner Partei nicht verbessert haben, wenn da immer noch irgendwelche Kinder hervorkommen. Das ist nicht gut für seine Partei.»

Prompt musste sich Köppels Schützling Freysinger, dem er mit seinem Auftritt in Visp Wahlhilfe gegeben wollte, von ihm öffentlich distanzieren. In der Wahlsendung von «Kanal 9» (ab 14.30) sagte Freysinger:

«Das tut mir leid. Das kann ich nicht teilen. Also was da Herr Köppel gemacht hat, finde ich nicht gut. (...)Tut mir leid, das ist ein politischer Fehler. Das ist nicht intelligent, so etwas zu machen. Tut mir leid. Er mag sonst intelligent sein, ich gehe in Vielem mit ihm eins, aber das ist nicht korrekt, finde ich.»

Und gleich versuchte Freysinger seinen Parteikollegen Köppel aus dem Schussfeld zu nehmen, indem er die JournalistInnen beschuldigte:

«Ich habe dieses Thema nie angesprochen, denn ich bin ja für eine steigende Geburtsrate. Da kann ich ja gar nicht dagegen sein. Das ist ja völlig idiotisch. Ich habe Sie (Darbellay; Anm. d. Red.) nie angegriffen. Tut mir leid, die Journalisten bringen das systematisch aufs Tapet. Gestern Frau Silvia Graber (Redaktorin des SRF-Regionaljournals Bern Freiburg Wallis; Anm. d. Redaktion), heute bringen Sie es wieder. Lassen wir doch die Kinder Kinder sein und machen sinnvolle Politik.»

Freysinger über Köppel: «Er mag sonst intelligent sein» Quelle: Kanal 9

Köppel hatte mit seiner Vermutung eine Grenze überschritten, die Freysinger und seine Getreuen während dem Wahlkampf geschickt eingehalten hatten, indem sie den Seitensprung von CVP-Kandidat Darbellay nur indirekt mit dem Verweis auf die «traditionelle Familie» thematisierten.

Der Weltwoche-Chef Köppel hatte sich verhauen und wurde als Anheizer der Gerüchteküche entlarvt. Zum Schaden der SVP Wallis. Auch deshalb liess das Wallis Freysinger im ersten Wahlgang fallen. Dabei wüsste Köppel nur zu genau, was von solchen Vermutungen zu halten ist: Im Editorial der neusten «Weltwoche» analysiert er:

«Wobei die Medien nicht lügen, indem sie einfach Sachverhalte oder Aussagen frei erfinden. Das mag vorkommen, aber viel häufiger ist die gezielte Verdrehung, die sinnentstellende Auslassung, die verfälschende Wiedergabe tatsächlicher Handlungen oder Aussagen.»

Allerdings gilt das laut Köppel im Weltwoche-Vorschau-Video nur für die «linke Lügenpresse», keineswegs aber für ihn selbst und die tadellose «Weltwoche», denn diese ist «das Blatt, das die Wirklichkeit so präsentiert, wie sie wirklich ist und nicht irgendwelche manipulierten oder zugerichteten Pseudofakten, wie das an anderer Stelle leider immer häufiger der Fall ist». Das Video beginnt mit Köppels Satz: «Ich bin Roger Köppel und ich warne Sie...» Die Köppelsche Medien-Landkarte ist holzschnittartig: Hier «linke Lügenpresse», da rechte Wahrheits-Medien.

Roger Köppel: «Wenn da immer noch irgendwelche Kinder hervorkommen» Quelle: Kanal 9

Mit seinen editorialen Behauptungen spielt Köppel auf die letzte «Arena» mit dem Historiker Daniele Ganser an, den er nun – wie ein paar Wochen zuvor Freysinger – ebenfalls unter seine Fittiche nimmt und gegen die «linke Lügenpresse» verteidigt.

Auf seiner Facebook-Seite nimmt Ganser diesen Support vom Chef der Wahrheits-Zeitung «Weltwoche» lobend entgegen und verlinkt auf dessen Editorial:

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keine

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Der «Verschwörungs»-Begriff vernebelt das Denken

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8 Meinungen

Ich gewichte die Aussage Gansers, er sei sonst selten gleicher Meinung mit Köppel, höher. Auch ein blindes Huhn (Köppel) findet mal ein Korn. ;)
Jacqueline Zwahlen-Stucki, am 09. März 2017 um 14:08 Uhr
Alles halb so wild. Ein bisschen Ironie gehört zum Politgeschäft. Aber das es Köppel gesagt hat sind die Moralisten empört.
Kneubühl Herbert, am 09. März 2017 um 18:17 Uhr
Daniele Ganser ist ja sicher auch mit der AfD kaum je gleicher Meinung. Er lässt sich selbstredend nur der Kontroverse (und des Honorars) wegen von ihnen als Redner einladen. Und natürlich hat Der Herr Doktor auch mit Sektengründer Sasek inhaltlich nix gemein. Bei ihm betrat er die Bühne nur, weil er wusste, dass er dort auf ein überaus wissbegieriges und zu den feinsten Nuancierungen fähiges Publikum treffen würde.
Andreas Kyriacou, am 09. März 2017 um 19:39 Uhr
Herrr Köppel ist kein blindes Huhn, sondern ein ausgefuchster Trickster. Leider meist für politisch einseitige Ziele. Immerhin hat er offensichtlich so viel Flair für Journalismus, dass ihm degenerierendes Infotainment à la Arena denn doch zu seicht ist.
MfG
Werner T. Meyer
Werner Meyer, am 09. März 2017 um 19:48 Uhr
Das ist ein wenig zu einseitig. Die Welt ist nicht so simpel, dass die Einen nur reine Wahrheiten und die Anderen nur plumpe Lügen verbreiten würde.
Ich finde in der Weltwoche sowohl ausgezeichnete als auch plump propagandistische Artikel, ebenso wie in anderen Medien. Und auch Köppels Leitartikel sind manchmal unsaubere Machwerke und manchmal journalistische Spitzenprodukte.

Ich finde, genau DAS ist es eigentlich, was den Niedergang der Qualitätsmedien am meisten befördert: Dieses schwer zu erklärende Bedürfnis, alles in strikt getrenntes «Gut» und «Böse» einzuteilen. Das ist eine kindliche Märchenwelt, die nicht viel mit der wirklichen Welt gemein hat.
Stefan Werner, am 10. März 2017 um 12:07 Uhr
..sieht, was andere übersehen...verspricht infosperber. Aber solchen Medienklatsch sollte auch infosperber übersehen und nicht seinen Lesern zumuten! Freysinger, Ganser, Köppel und dann noch Projer! Übersehen ist die einzige Lösung.
Walter Schenk, am 13. März 2017 um 14:37 Uhr
@Walter Schenk,ich finde den Artikel informativ.Er erklärt mir ein Grund,warum Freisinger derart gründlich stolperte.Im Übrigen war das so ziemlich das Schwächste was ich jemals von Köppel las.Der Mann hat seinen Zenit überschritten.
Andreas Willy Rothenbühler, am 13. März 2017 um 16:22 Uhr
@Andreas Kyriacou
Höre ich da eine gewisse Ironie aus Ihren Worten? Vielleicht lesen Sie mal Gansers Bücher, dann können Sie sich abgesehen davon wo Ganser bereits überall einen Gastauftritt hatte, eine Meinung über seine Arbeit als Friedensforscher und Historiker machen. Oder ist Ganser, weil er in der Arena zu Gast war, nun auf gleicher Linie wie das SRF? Sie sehen Ihre «Logik» geht nicht auf.
Tom Streit, am 28. März 2017 um 11:23 Uhr

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