Cern-Teilchenbeschleuniger: Das grösste Experiment der Welt kostete 6 Milliarden Franken © cern

Cern-Teilchenbeschleuniger: Das grösste Experiment der Welt kostete 6 Milliarden Franken

Von kritischen Wissenschaftsberichten keine Spur

Kurt Marti / 19. Okt 2013 - Die Beiträge der Schweizer Medien zum Physik-Nobelpreis sind ein Armutszeugnis für den Journalismus: Null Kritik, null Analyse.

Infosperber hat schon mehrmals kritisch über das Teilchenforschungszentrum Cern in Genf berichtet, insbesondere über den Nobelpreises für die «Entdeckung» des Higgs-Teilchens («Higgs-Jagd am CERN: PR-Show statt Revolution»). Weitere kritische Zeilen oder Töne sind in der Schweizer Medienlandschaft allerdings Mangelware. Einzig der Leserbriefschreiber Sigi Scherrer aus Vaduz schrieb im St. Galler Tagblatt ohne Umschweife: «Ich neige allerdings zur Vermutung, dass dieser ganze Schmarren – der überhaupt zu nichts nutze ist – bloss noch von einäugigen ‚Cernisten‘ und ein paar verblendeten Mitgliedern des Nobelpreis-Komitees geglaubt wird.» Derweil wetteiferten die WissenschaftsjournalistInnen der Schweizer Medien um den Titel der besten PR-BotschafterInnen im Land.

«Entdeckt» wurde das Higgs-Teilchen vor einem Jahr im Cern-Teilchenbeschleuniger LHC (Large Hadron Collider) in Genf, dessen Bau rund 6 Milliarden Franken kostete. Das Jahresbudget des Cern beträgt 1,1 Milliarden Franken und der jährliche Stromverbrauch entspricht jenem von rund 300 000 Haushalten. Solche beeindruckenden Zahlen sind Ausdruck eines jahrzehntelangen, intensiven und erfolgreichen Lobbyings der Cern-Verantwortlichen. Mit dem Nobelpreis besteht erneut die Gefahr, dass weitere Forschungs-Milliarden in eine noch grössere Forschungsmaschine fliessen.

«Da steh ich nun, ich armer Tor»

Schon seit Jahrzehnten schwärmen die Cern-Wissenschaftler grossspurig von einer Revolution der Wissenschaft und auch unseres Weltbildes. Cern-Direktor Rolf-Dieter Heuer erklärte gegenüber dem Handelsblatt: «Einstein entwickelte die Relativitätstheorie, Planck selbst begründete die Quantenphysik – um nur zwei Beispiele zu nennen. Vielleicht stehen wir heute vor einer ähnlichen Revolution.» Und er folgerte kühn: «Unser Weltbild wird sich verändern.» Der Teilchenphysiker Georg Weiglein setzte noch einen drauf: «Eine Jahrhundert-Entdeckung», jubelte er gegenüber der Berliner Zeitung: «Gleichzusetzen mit der Erfindung von Quantenphysik und Einsteins Relativitätstheorie!»

Statt diese hehren Ansprüche kritisch unter die Lupe zu nehmen und die Ergebnisse der Cern-Forschungen wissenschaftsgeschichtlich zu analysieren und einzureihen, verbreiteten die WissenschaftsjournalistInnen der Schweizer Medien nichts anderes als unkritische Lobhudelei, also das, was auch die zahlreichen PR-Leute des Cerns und der Hochschulen tun. Angesichts dieser immer gleichen PR-Leier bleiben den MedienkonsumentInnen oft nur noch die Worte aus Goethes Faust: «Da steh ich nun, ich armer Tor, und bin so klug als wie zuvor.» Und so geht es offenbar auch den Philosophen. Sie schweigen beharrlich zu dieser «Jahrhundert-Entdeckung».

«Stellt doch dieses Cern-Monster einfach ab»

«Higgs, Higgs, hurra!» Das ist der Grundtenor von NZZ, Tagesanzeiger, sda, SRF und allen anderen Medienprodukten. Einmal ziehen die Elementarteilchen ihre Spur durch den «Sirup», ein andermal durch den «Honig» oder durch eine «Menschenmenge». Dann wird zur Abwechslung Peter Higgs fieberhaft gesucht. Der Arme ist ohne Handy zum Mittagessen gegangen. Statt eines kritischen Kommentars zitiert der Kommentator des Tagesanzeigers einen Leserbriefschreiber: «Stellt doch dieses Cern-Monster einfach ab» und behauptet, der Nutzen «wird generell in Frage gestellt». Von wem und aus welchen Gründen der Nutzen in Frage gestellt wird, lässt der Kommentator offen und versucht gleich, den Tagi-LeserInnen die Cern-Forschung schmackhaft zu machen.

Auf der Online-Plattform Newsnet appelliert Cern-Direktor Rolf-Dieter Heuer an die Finanzminister: «Ich hoffe, der Nobelpreis hilft, dass unsere Mitgliedstaaten im Bestreben uns zu unterstützen, nicht nachlassen.» Und in der Sonntagszeitung speist Heuer mit dem Redaktor gemütlich «Foie gras, Petersfisch und Dôme Chocolat». Gemäss Südostschweiz tritt Higgs «In Albert Einsteins Fussstapfen» und auf SRF ist er «Weltberühmt wider Willen».

Rektorenkonferenz der Hochschulen sponsort SDA

Die PR-Berichte der WissenschaftsjournalistInnen zum Physiknobelpreis sind keine Einzelfälle und erstaunen nicht, wenn man etwas hinter die Kulissen des Wissenschaftsjournalismus blickt. Dieser steckt nämlich seit Jahren in einer Glaubwürdigkeitskrise, weil PR und Journalismus sich immer mehr vermischen. Das hat mit Abhängigkeiten zu tun, wie die Wissenschaftsjournalistin Beate Kittl am Kongress der Wissenschaftskommunikatoren (SciComm) vor einem Jahr eindrücklich darstellte (siehe auch Infosperber: «Forscher, ETH und Unis berieseln mit PR-Propaganda»).

In ihrem schon fast verzweifelten Plädoyer «für einen starken, unabhängigen und vor allem ‚journalistischen‘ Wissenschaftsjournalismus» hielt sie fest, dass Kommunikatoren und PR-Leute der Hochschulen «schleichend unsere Rolle übernehmen». Kittl weiss, wovon sie spricht, sie ist Vorstandsmitglied des Schweizer Klubs für Wissenschaftsjournalismus (SKWJ) und als Wissenschaftsjournalistin bei der Schweizerische Depeschenagentur SDA angestellt, deren Aktionäre die Schweizer Medienunternehmen sind.

Selbstkritisch erklärte Kittl in ihrem Referat bezüglich der WissenschaftsjournalistInnen: «Auch wir nehmen unsere Rolle nicht immer ernst genug, lassen es an gesunder Distanz und Skepsis fehlen. Oder wir scheuen uns davor, den Mächtigen auf die Füsse zu treten.» Dabei verweist sie auch auf die Abhängigkeit ihrer Arbeitgeberin, der SDA: «Denn meine Stelle und die meines welschen Kollegen werden zu zwei Dritteln von der CRUS bezahlt, der Rektorenkonferenz der Schweizer Hochschulen.» Kittl empfindet gegenüber diesem Anstellungsmodell «eine gewisse Resignation» und fragt sich selbstkritisch, ob sie ihren Job «weiter unabhängig und unbeeinflusst machen kann».

Kritische Aussagen «nur noch bedingt» formuliert

Die Rektorenkonferenz CRUS ist die Lobbyorganisation der Schweizer Universitäten und der beiden ETHs und finanziert seit 2008 einen Teil der wissenschaftsjournalistischen Artikel der SDA. CRUS-Präsident ist Antonio Loprieno, Rektor der Universität Basel und Vizepräsident Ralph Eichler, Präsident der ETH Zürich. Im Jahr 2010 liess die CRUS die Wirksamkeit ihres Sponsorings vom Institut für Angewandte Medienwissenschaft (IAM) in Winterthur überprüfen.

Laut Evaluation des IAM wurde durch das Sponsoring die Zahl der Wissenschaftsberichte der SDA gesteigert. Gleichzeitig merkt die IAM-Studie auch an, «dass journalistische Wissenschaftsberichterstattung nur noch bedingt wissenschafts-, forschungs-, erkenntniskritische Aussagen formulierte.» Aufgrund des «positiven» IAM-Berichtes beschloss die Rektorenkonferenz eine Fortführung der Mitfinanzierung der SDA-Wissenschaftsredaktion ab 2011.

Pharmalobby und Nagra sponsoren Journalisten-Klub

Für Beat Gerber, den langjährigen Wissenschaftsredaktor des Tagesanzeigers, der später für das Paul Scherrer Institut und den ETH-Präsidenten arbeitete, ist «die Unabhängigkeit in der Wissenschaftsberichterstattung endgültig zum Mythos verkommen», wie er im SKWJ-Bulletin vom Juni 2013 schrieb (siehe Link unten). Beim Wissenschaftsjournalismus bzw. der Wissenschaftskommunikation stehe «nicht mehr das Kriterium ‚unabhängig‘ im Fokus, sondern die Transparenz der Informations- und Finanzierungsquellen.»

Diesem Kriterium «Transparenz statt Unabhängigkeit» entspricht auch der Klub für Wissenschaftsjournalismus. Neben 300 Mitgliedern zählt der Klub auch 20 Gönnermitglieder aus Wirtschaft und Medienwelt, welche den Klub mit mindestens 500 Franken jährlich unterstützen. Beispielsweise die Pharma-Lobby Interpharma, Novartis, Roche, Nestlé, die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra), das Bundesamt für Energie (BFE), das Paul Scherrer Institut (PSI), die fünf Universitäten Basel, Luzern, Lausanne, Genf und Neuenburg, sowie die ETH Lausanne. Die Beiträge der Gönner fliessen in einen Recherchierfonds für WissenschaftsjournalistInnen.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine

Weiterführende Informationen

Bulletin des Schweizer Klubs für Wissenschaftsjournalismus

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36 Meinungen

Ja genau, Dogmatik gibt es nicht nur bei Theologen.
Bei der Theologie wissen alle, dass es ums glauben geht. Bei den Wissenschaften glauben alle, es gehe ums wissen...
Urs Lachenmeier, am 19. Oktober 2013 um 14:39 Uhr
Wie sagte Einstein: wenn ich weiss, dass ich nichts weiss, kann ich beginnen zu wissen. Darum geht es. Die sogenannte Wissen-schaft und ihre Höflingen und Günstlinge tun alles, damit wir, das gemeine Volk, nichts weiss, damit sie ihren Club, oder besser Sekte, ungestört betreiben können. Und das Nobelkomitee gehört offensichtlich zu diesem Verein. Denn viele ihrer Preise sind mehr als fragwürdig. Könnte und würde die Wissenschaft frei und unabhängig forschen, wären wir wahrscheinlich z.B. im Energie-bereich schon erheblich weiter. Stichworte: Freie Energie (Tesla), Kalte Fusion u.a. Aber das dürfen unsere Politdarsteller nicht wissen, es könnten fette Pfründe in Frage gestellt werden. Leider haben wir zwar Pressefreiheit, aber keineswegs eine freie Presse. Also stecken wir in einer schlimmen Sackgasse, was wirkliches Wissen und Entwicklung betrifft. Es wird ein steiniger Weg, aber die Aufrechten und Wissenden nehmen zu und ein bewusster Bürger kann dies unterstützen.
Xaver Schmidlin
Xaver Schmidlin, am 19. Oktober 2013 um 15:54 Uhr
Schon wieder eine tolle Story! Chapeau Infosperber!
Fred David, am 19. Oktober 2013 um 19:29 Uhr
Teil 1: Der Nutzen der Anlage
Mann sollte sich einmal überlegen, was der geheim gehaltene Nutzen dieser Anlage ist. Wer in der Lage ist, Bosonen manipulieren zu können, ist in der Lage Schwerelosigkeit zu erzeugen, ist in der Lage jedes Atom her zu stellen. Wer Bosonen steuern kann, kann alles replizieren, vorausgesetzt er hat die nötigen Gerätschaften dafür. Wer Bosonen manipulieren, steuern kann, hat die absolute Macht, die absolute militärische Kontrolle über den Rest der Welt. Er kann alles herstellen mit einem gegenwärtig noch nicht existierenden Replikator, wie man diese aus Science-fiction Filmen kennt. Bosonen konfigurieren mit ihrem Feld die kleinsten Teilchen welche es gibt, die Photonen. Photonen sind in etwa zu vergleichen mit den Stammzellen beim Menschen. Photonen sind die Stammzellen des Universums. Soweit die Theorie, welche bereits nicht mehr nur Theorie ist, sondern in den bisherigen Experimenten eine gewisse Bestätigung findet. Ihr Tisch besteht aus konfigurierten Photonen. Dass die Materie des Tisches, welche zu 99.9% aus mit Photonen gefüllter Leere besteht, und zu 0.1% mit zu Atomen und Molekülen konfigurierten Photonen, wird gesteuert durch die Bosonen. Dennoch, jede beantwortete Frage wirft 3 neue offene Fragen auf. Das Ziel der Wissenschaft wäre in diesem Falle also Materie und Energie zu manipulieren, zu kontrollieren. Die Cern dient dazu, Grundlagenforschung für die dafür nötige Technologie zu betreiben. Zum Segen oder zum Fluch der Menschheit, je nachdem wer zuerst mit welcher Gesinnung diese Technologie für sich in Anspruch nehmen kann. Mann könnte dann aus Energie, aus der Steckdose, alles herstellen was aus Materie besteht, auch Nahrung, Treibstoff, Helium3, Ersatzorgane, u.s.w. Natürlich klingt es absolut unglaubwürdig, so unglaubwürdig wie es für meinen Urgrossvater war, dass jemals jemand durch den Weltraum fliegen würde. Wer so was sagte damals, wurde als Unruhestifter und Lügner, oder als Spinner abgetan.
Beatus Gubler, am 19. Oktober 2013 um 21:55 Uhr
Teil 2: Die Probleme der heutigen Zeit
Wir leben in einer materialistischen Welt. Ethos und Moral haben mit dem Untergang der Grossen blutigen Weltreligionen an Boden verloren. Die kapitalistische Demokratie hat keinen ideologischen Gegenspieler mehr ausser Kuba und China, seit der kalte Krieg vorbei ist. Existenzangst regiert zusammen mit dem Mammon die Welt. Die kapitalistische Demokratie entgleiste zu einer elitären Oligarchie. Wenn es so weitergeht werden in 3 Jahren 5 Millionen Eritreer an der Grenze stehen, krank und mit Hunger. Dann vielleicht noch 3 Millionen Ugander. Dazu wird es soziale Aufstände geben in den Ländern, gegen die Elite von 3% welche 97% des Weltkapitals in den Händen halten, und im Swimmingpool baden während heute schon jeden Tag 20‘000 Kinder verhungern. Der Ideale Nährboden für Korruption in ALLEN Bereichen. So auch im Wissenschaftsjournalismus. Bei all diesen Problemen sollte man nicht vergessen, dass die Atombombe ein Kind der Wissenschaften ist. Die beiden Schwerpunkte in dieser unstabilen und somit gefährlichen Welt der Mächte in der Wissenschaft ist die Manipulation von Materie und Energie, sowie die Energiegewinnung durch Helium 3, welches fast strahlenfrei fusionierbar ist, und eine so hohe Energiedichte aufweist, dass man mit einem Tennisball grossen Stück davon eine Grossstadt wie New-York ein Jahr lang mit Strom versorgen könnte. Oder man könnte mit einem Stück so klein wie ein Tennisball eine Fusionsbombe bauen, welche die Sprengkraft jeder Atombombe übertrifft. Darum rennt das Militär auch hinter jedem Meteoriten hinterher, und birgt ihn, wie kürzlich in Russland, trotz hoher Kosten, sogar ab dem tiefsten Meeresgrund. Denn er könnte Helium 3 enthalten. Das wertvollste Material, welches nur auf Mond und Mars, aber dort zur Genüge, zu finden ist. Wir haben also ein Wettrennen. Wer zuerst genug Helium 3 hat, oder wer zuerst mittels Bosonenkontrolle Materie beliebig in jede Form erzeugen und bringen kann, hat die absolute Macht auf der Erde. Das ist das was ich Beobachten kann, obwohl ich Dumm bin, und mich bemühe jeden Tag etwas weniger Dumm zu werden. Warum dies alles so ist, wie es ist, darüber lässt sich nur spekulieren. Ich weiss es nicht. Aber es sind beunruhigende Zeiten, mit einem Mangel an Mitgefühl, Moral, Ethik, und einem Mangel an Respekt vor der Schöpfung.
Beatus Gubler, am 19. Oktober 2013 um 21:55 Uhr
Leider ist ein unabhängiger Wissenschaftsjournalismus kaum vorhanden. Vor allem fehlt eine kritische Diskussion wie beispielsweise im Energiebereich. Das Motto lautet: je mehr Geld an die möglichst hohen Forschungsstellen desto besser. Die entsprechenden Stellen reissen praktisch alles Geld an sich. Niemand fragt nach einem Leistungsausweis. Aber, was an der CERN-Grundlagenforschung falsch ist, wir mir aufgrund vom Artikel von Marti nicht klar.
ruedi meier, am 20. Oktober 2013 um 06:46 Uhr
Wenn Sie die beiden Links im ersten Abschnitt des Artikels anklicken, erfahren Sie mehr über die Kritik an der Cern-Forschung. Auch der hohe Stromverbrauch und die Milliarden-Investitionen sprechen dagegen.
Kurt Marti, am 20. Oktober 2013 um 09:03 Uhr
Das habe ich natürlich gelesen. Das macht nun aber wirklich keinen Sinn. Jede Forschung braucht Geld und Energie. Konsequenterweise müssten allen Forschungsaktivitäten gestoppt werden. Ist das die Meinung?
ruedi meier, am 20. Oktober 2013 um 10:49 Uhr
Diese Folgerung nach einem Stopp aller Forschungsaktivitäten lässt sich aus meinen Artikeln nicht ziehen. Ebenso falsch wäre es, wenn ich diese Folgerung aus Ihrem Satz ziehen würde: «Das Motto lautet: je mehr Geld an die möglichst hohen Forschungsstellen desto besser. Die entsprechenden Stellen reissen praktisch alles Geld an sich. Niemand fragt nach einem Leistungsausweis.»

Meine Kritik am Cern geht nämlich genau in diese Richtung: Es gibt kein anderes Experiment der Welt, das so viel Energie und Geld verbraucht mit einem so zweifelhaften wissenschaftlichen und philosophischen Leistungsausweis.
Kurt Marti, am 20. Oktober 2013 um 11:22 Uhr
Der fehlende Leistungsausweis für die Grundlagenforschung des CERN müsste doch noch zuerst erbracht werden. Vor Jahren wurden am CERN wichtige Schritte zum Internet gemacht. Ist da von den jüngsten Bemühungen nicht auch einiges positives zu erwarten. Das müsste - neben dem Geld- und Ressourceninput - doch abgewogen werden.
ruedi meier, am 20. Oktober 2013 um 11:30 Uhr
Die Entwicklung des Internets reicht bis in die 60er Jahre zurück. Dazu der folgende Link: http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_des_Internets

Als 1989 der Cern-Mitarbeiter Tim Berners-Lee seinen Beitrag zum Internet lieferte, lag diese Entwicklung längstens in der Luft und wäre früher oder später auch an einer anderen international vernetzten Forschungsanstalt erfolgt.

Zudem handelt es sich beim Beitrag des Cern zum Internet nicht um die eigentliche Cern-Grundlagenforschung in der Elementarteilchenphysik, sondern um Forschung in der Kommunikationstechnologie. Das diesbezügliche Grundwissen brachte Tim Berners-Lee bereits mit als er ans Cern kam.
Kurt Marti, am 20. Oktober 2013 um 12:35 Uhr
Gute Grundlagenforschung ist doch immer vernetzt mit IT, Mathematik, Physik etc. Es sind zudem immer auch angewandte Wissenschaften involviert. Möchte immer noch hören wieso die Elemtarteilchenforschung nichts bringt bzw. nicht gemacht werden soll.
ruedi meier, am 20. Oktober 2013 um 13:57 Uhr
Die hier präsentierten Geschichten hängen auch damit zusammen, dass in der Schweiz die Wissenschaftspublizistik öffentlich, zum Beispiel durch den Nationalfonds, gefördert wird, wobei Westschweizer Wissenschaftspublizisten und besonders die Uni Genf hier die Nase vorn haben. Unter diesen geförderten Wissenschaftspublizisten gibt es beachtliche Kapazitäten, etwa Didier Queloz, der sowohl mit der Uni Genf wie auch mit dem Cern vernetzt ist und als Mitentdecker eines extrasolaren Planeten eine didaktisch herausragende Studie über die Entstehung des Planetensystems geschrieben hat, u.a. deutsch-französisch als Grossformat-SJW-Heft erschienen, für mich eines der besten Jugend-Sachbücher der letzten zehn Jahre.

Für den Fall, dass Herr Marti beim hier behandelten Thema nicht beträchtlich mehr Hintergrundwissen hat als über den Sonderbundskrieg oder über Rousseau, bliebe zu empfehlen, zu der hier angestossenen Diskussion noch die Meinung eines Fachmanns einzuholen, etwa die des genannten Wissenschaftspublizisten Queloz. Dieser wurde auch schon als Nobelpreisanwärter genannt.

Die Schweizer Wissenschaftspublizistik steht schon länger im Schussfeld politischer Diskussionen, wobei sich etwa die Grüne Maya Graf ähnlich geäussert hat wie Herr Marti, wohingegen Christian Wasserfallen dazu neigt, die offensiv publizierenden Westschweizer zu verteidigen. Kritik tut immer gut und schafft Öffentlichkeit. Was die Wissenschaftspublizisten schreiben, bleibt wenigstens so relevant als was die Schweizer Literaturszene in den vergangenen Jahren abgesondert hat. Hermann Lübbe, wie Karl Popper ein Verteidiger der Naturwissenschaften, machte darauf aufmerksam, der Einfluss der Naturwissenschaften auf unser Weltbild nehme kontinuierlich ab. Dies sei aber nicht automatisch mit Bildungszuwachs bzw. Aufklärung zu verwechseln.
Pirmin Meier, am 20. Oktober 2013 um 14:27 Uhr
Herr Ruedi Meier, Sie drehen sich im Kreis. Ich weise Sie erneut auf meine beiden Artikel hin, denen Sie meine Kritik an der Cern-Forschung entnehmen können:
http://www.infosperber.ch/Artikel/Gesellschaft/Higgs-Jagd-am-CERN-Keine-Revolution-der-Physik
http://www.infosperber.ch/Artikel/Gesellschaft/Wahlverwandtschaften-von-CERN-und-Vatikan

Darin verweise ich auch auf die Kritik von Heisenberg-Schüler Hans-Peter Dürr, den ehemaligen Direktor des renommierten Max-Planck-Instituts für Physik in München und Träger des Alternativen Nobelpreises. Wenn den beiden Herren Meier diese Referenz nicht genügt, können sie sich ohneweiteres bei einem Wissenschaftspublizisten erkundigen, «der sowohl mit der Uni Genf wie auch mit dem Cern vernetzt ist» (Zitat Pirmin Meier). Noch besser melden sie sich direkt bei der Medienstelle des Cerns.
Kurt Marti, am 20. Oktober 2013 um 15:28 Uhr
Das werde ich bei ausreichender Zeit machen und hoffe, mehr zu erfahren.
ruedi meier, am 20. Oktober 2013 um 17:03 Uhr
Die Forderung von Ruedi Meier an Kurt Marti ist absolut absurd. Die «Beweislast» liegt doch klar auf Seite des CERN, das Resulate und Outputs liefern sollte, deren Nutzen quantifiziert werden können. Oder zumindest erklären kann, welcher reale Nutzen durch die laufende Forschung erwartet wird.
In einer Zeit, in der fast in allen öffentlichen Bereichen gespart wird und Budgets zusammengestrichen werden müssen, mit klar sichtbaren Negativfolgen, sollte das CERN mindestens ansatzweise an vergleichbaren Massstäben wie sie für viele andere Institutionen angelegt werden, gemessen werden. V.a. mit der Pflicht, die eigenen Tätigkeiten so zu erklären und darzustellen, dass sie von einer respektablen Anzahl von unabhängigen Fachleuten, PolitikerInnen und JournalistInnen so verstanden werden, dass sie sie allgemeinverständlich weitererklären können.
Heini Glauser, am 20. Oktober 2013 um 18:37 Uhr
Das CERN behauptet ja wohl, dass ihre Forschung sehr viel bringt, längerfristig. Das habe ich gelesen. Diesen «Nachweis» ist nach Meinung des CERN längst erbracht. Eine philosophisch orientierte Antithese ist da wohl kaum ausreichend.
ruedi meier, am 20. Oktober 2013 um 18:44 Uhr
Es ist nicht ausgeschlossen, dass es in der Schweiz Wissenschaftspublizisten gibt, die in ihrem Fach alleroberste Liga sind. Ich spreche nur von solchen, deren Publikationen ich gelesen und dann und wann zitiert habe, also Didier Queloz, Astronomie (Genf) und Martin Rickenbacher (Landesvermessung, Bern). Queloz würde ich, Vernetzung hin oder her, nicht mit der Werbeabteilung von Cern verwechseln. In Vermessungsfragen sind beide dank jahrzehntelangen monomanischen Forschungen Weltspitze, und zugleich gute Publizisten, also in gewissem Sinn Nachfolger des Schweizer Vermessungsgenies Jacques Barthélemy Micheli du Crest (1690 - 1766), der freilich, statt gefördert zu werden, fast 20 Jahre auf der Aarburg eingesperrt wurde.
Pirmin Meier, am 20. Oktober 2013 um 23:19 Uhr
Ich denke, unabhängig davon dass sich in diesen materialistischen Zeiten natürlich auch Vetternwirtschaft und Korruption breit macht, auch in dem Wissenschaftsjournalismus, so zeigt Grundlagenforschung ihren Nutzen nie direkt, sondern erst in der sekundären Forschung und deren Resultaten. Doch hier haben wir 2 Sekten, die Cern-Vergötterungssekte, und die Cern-Verteufelungssekte. Was steckt dahinter? Wer wird von welchem Interessenhintergrund motiviert oder gar bezahlt? Bekannt ist auf jeden Fall, dass die neuen Resultate in der Bosonenforschung manches Wissenschaftlergemüt in den Affekt treiben, weil diese es nicht ertragen können, dass sie 50 Jahre lang ihren Studenten nur Halbwahrheiten bis fertigen Blödsinn erzählt haben. Das Modell von Newton sowie die Erklärungsmodelle von Albert Einstein gehören nun zum Teil in den Mistkübel. Und die Quantenphysik, welche 50 Jahre lang zu unrecht geschmäht wurde, der gehört ein Denkmal gesetzt. Es ist der alte Krieg der Einsteinianer gegen die Quantenphysiker, sie wurden von den Unis geschmissen, verlacht, ja gar verfolgt oder als Scharlatane abgetan, und genau jetzt beweist ein Experiment, dass die theoretische sowie die praktische Quantenphysik recht hatte. Das ertragen nicht alle, besonders diejenigen der älteren Garde, welche sich so schön im denunzieren der Quantenphysiker die Finger schmutzig gemacht haben. Ich denke in dem ganzen wischiwaschi von Konflikten rund um Cern wurde bisher dieser Punkt hier genau übersehen. Dazu kommt der Neid, die Eifersucht auf den Erfolg der einen von den anderen, Wissenschaftler können ganz schön gemein, narzisstisch und publikationsgeil sein. Es sind halt auch nur Menschen, ihr Geschäft ist die Wissenschaft. Offenbar wissen sie aber über ihr eigenes Ego und über ihre eigene Egozentrik am wenigsten. Dazu kommt noch, dass Forschungsresultate auf so hohem Niveau von mindestens 70% der Bürger nicht verstanden werden können, da diesen dafür die nötige Bildungsgrundlage auf diesem Gebiete fehlt. Was die Kosten betrifft der Cern, so ist zu beachten dass die dort erarbeiten Resultate zu einem späteren Zeitpunkt eine Goldgrube sein können.
Beatus Gubler, am 21. Oktober 2013 um 03:31 Uhr
Ergänzend dazu muss ich noch erwähnen, dass manch ein Journalist sich von einem kritischen Dr. Dr. Prof. oft nur all zu schnell von dessen Titeln beeindrucken lässt. Wichtig ist es, den Menschen hinter diesen Titel zu sehen, und sich zu fragen, Quo Bonum, wem nützt es, was er da sagt oder kritisiert. Ich halte viele der Argumente, welche von der Cern-Opposition in den Raum gestellt werden, für ungültig, als wären sie an den Haaren herbeigezogen. Die meisten kritischen Argumente über nutzen und Gültigkeit der Resultate der Cern sind nicht haltbar, sind Vermutungen oder Spekulation. Werden aber von gewissen Herren mit den vielen Dr. Prof. Titeln als Tatsachen hingestellt. Ich halte diese Art von Täuschung für unmoralisch, ja unethisch, und nicht vertretbar.
Beatus Gubler, am 21. Oktober 2013 um 03:43 Uhr
Ja, Beatus - gut geschrieben:-)! Woher hast Du nur Dein breites Wissen? Klar ist, bei der Verteidigung von Pfründen kommt spätestens dogmatisches taktieren ins Spiel.
Urs Lachenmeier, am 21. Oktober 2013 um 08:43 Uhr
Die Diskussionen auf dieser Seite sind zum Teil leider etwas wirr, sie können zu einer qualifizierten Meinungsbildung wenig beitragen. Es hilft nichts, Erklärungsmodelle von Einstein «in den Mistkübel» zu werfen,. Man muss sich immer fragen, was ein Erklärungsmodell erklären will, gilt zum Beispiel auch für Goethes Farbenlehre. Um die Diskussion etwas zusammenzufassen: Das noch Verdienstvollste ist der Artikel von Kurt Marti selber, weil er auf Umstrittenheit und Interessengebundenheit aufmerksam macht, ein Gebiet, wo er journalistische, nicht wissenschaftliche Kompetenz ausspielt. Die wissenschaftlichen Diskussionen müssen separat geführt werden, zum Beispiel in Form guter lesbarer Aufsätze, wozu es zum Beispiel auf die Kompetenz guter Wissenschaftspublizisten ankommt. Es ist schwierig, naturwissenschaftliche Diskussionen verständlich zu machen, wobei ja gerade das Entscheidende einer wissenschaftstheoretischen Diskussion am Ende dann doch nicht «quantifizierbar» ist, wie Heini Glauser fordert. Dazu bedarf es der Fähigkeit zu theoretischem Denken. In 33 Jahren als Philosophielehrer hatte ich fünf Schüler, die das Standardwerk «Logik der Forschung» von Karl Popper gelesen und verstanden haben. Einer von diesen studierte theoretische Physik und ist jetzt grüner Stadtpolitiker in Bern.
Pirmin Meier, am 21. Oktober 2013 um 10:40 Uhr
Neustes Beispiel einer nicht ganz gelungenen Berichterstattung: die Beiträge über den «Sensationsfund» des Homo erectus-Schädels in Georgien. Viele Medien (NZZ, 10 vor 10, Spiegel, scinexx, BaZ...) schrieben oder sprachen von einem «neuen Schädel", so als sei er eben erst gefunden worden. Unerwähnt liessen sie, dass der Fund schon 2005 gemacht worden war und jetzt lediglich eine neue Studie dazu erschienen ist (die zudem auch «nur» eine Theorie enthält, die schon lange diskutiert wird). Grund der Unterlassung ist wohl die irreführende Pressemitteilung, in welcher ebenfalls von einem neuen Fund die Rede ist. Hätten die Journalisten jedoch den Originalartikel oder die Pressemitteilung von Science gelesen, hätten sie die Tatsachen schnell bemerkt.
Übrigens: die BaZ publizierte die Medienmitteilung im Originallaut, ohne jegliche Eigenleistung.
Stefan Bachmann, am 21. Oktober 2013 um 14:11 Uhr
An Pirmin Meier: Die Diskussionen sind aus meiner Sicht nicht wirr, sondern sehr vielfältig. Das macht es nicht so einfach, die ganze Bandbreite dieses vielfältigen Themas zu erfassen. Allein um meine Beiträge in diesem Blog zu schreiben, musste ich etwa 14 Stunden Arbeit aufbringen, Berichte studieren, nach Verifizierungen suchen, u.s.w. Ich kenne Sie nicht, aber Sie erinnern mich an einen Gymnasiumlehrer mit welchem ich 1975 Newton diskutierte, welcher immer dann begann meine Argumentation als wirr verbal zu verurteilen, wenn er sich in der sehr komplexen Diskussion nicht mehr wohl fühlte. 20 Jahre später in einem Gespräch, gab er zu, dass das Gravitationsmodell von Newton ihm immer ein Stachel gewesen sei, denn es ging nie ganz auf. Und damals war es ein Sakrileg für alle Lehrer, als Krücke die Quantenphysik zu verwenden. So brachte ich ihn, auf Wahrheitssuche, immer wieder ungewollt in Verlegenheit, weil das Modell von Newton nie ganz aufgeht. Sein Fluchtweg war zu sagen: Ich finde das wirr. 20 Jahre später sagte er zu mir nicht mehr das, sondern er sagte: Ich finde dies so vielfältig, es übersteigt mein Begriffsvermögen, ich kann nicht allem folgen, was da an Axiomen, Indizien und Beweiskräftigem hervorgeht. Und ich konnte zu ihm sagen: Sehen Sie, mir geht es genau so. Verbale Verurteilungen sind tückisch, die Versuchung ist gross, wenn man an seine eigenen Grenzen kommt, das Gegenüber, oder die Vielfalt einer Diskussion, als wirr zu ver oder beurteilen. Mit freundlichen Grüssen Beatus Gubler
Beatus Gubler, am 21. Oktober 2013 um 21:05 Uhr
@Gubler. Lieber Herr Gubler, Sie mögen recht haben und recht behalten, aber dann können Sie das nicht per Blog sagen, sondern müssen es in einer sorgfältigen wissenschaftlichen Publikation, natürlich eher kurz, klar machen. Newton ist im Original äusserst schwer lesbar, wie mir Carl Friedrich von Weizsäcker bei meiner Arbeit an der Biographie von Micheli du Crest bestätigte. Der letztere konnte übrigens sehr klar schreiben, wie übrigens auch Einstein, zum Beispiel in seiner wunderbaren Abhandlung über die Berg- und Talbahn. Da könnten Sie in Sachen wissenschaftlicher Publizistik schon noch was lernen. Aber klar ist, dass diese Diskussion nicht auf diesem Blog auf den Punkt gebracht werden kann. Im Vordergrund steht bei Herrn Marti das Problem der Lobby-Arbeit, welche es natürlich heute im ganzen Bildungs- und Kulturbereich gibt, sicher nicht gerade hauptsächlich bei den Naturwissenschaftlern.
Pirmin Meier, am 21. Oktober 2013 um 22:03 Uhr
Teil 1:
@Meier. Guten Abend Herr Meier. Danke für Ihre Antwort. Ich bin dumm, und ich weiss das ich nichts weiss, da stimme ich mit jedem überein welcher ein gewisses denken an Demut pflegt. Also bemühe ich mich, jeden Tag etwas weniger Dumm zu werden. Wenn Sie in der Suchmaschine Google «Beatus Gubler» eingeben, werden Sie ein paar hundert Arbeiten von mir finden vom sozialen Bereich (Marshall Rosenberg Gwk als Präventionsmittel in der Gewalt und Drogenprävention) bis zur Medizin und Quantenphysik. Dazu einige Filme auf Youtube und etwa 5 Webserver mit diversen Projekten, quer durch die Schweiz. Eine Journalistische Ausbildung habe ich nicht, bis auf einige Kurse und Kenntnisse welche ich mir erwerben musste um mein erstes Buch zu schreiben. Ich lerne also nie aus und lasse mich gerne, sofern es meinen Horizont erweitert, belehren. Die Eigendynamik, und auch unser Empfinden, angenehme und unangenehme Gefühle, dringen stets in solch hochkarätige Dispute ein, und es ist allen Beteiligten nicht leicht, auf dem einstigen Gleis zu bleiben. Eben nämlich dem hier aufgeworfenen Thema, dass in der Wissenschaft sich Lobbyismus, Desinformation (Meiner Sichtweise nach die grösste Gefahr, da noch unerkannt von vielen) und Korruption breit macht. Das mit falschen Zahlen falsche Versprechungen gemacht werden, um die Freischaltung von Kapital zu erwirken, u.s.w. Ich selber liebe die Wissenschaft, wobei ich ein Kind der Anthroposophie bin, und einige Resultate aus anderer Perspektive sehe als die klassische Wissenschaft. Der Effekt, dass es nahezu fast keinen unabhängigen Wissenschaftsjournalismus mehr gibt, ist besonders tragisch und der Epoche des Materialismus, in der wir leben, zuzuschreiben.
Beatus Gubler, am 21. Oktober 2013 um 23:50 Uhr
Teil 2.
Als anthroposophisch orientierter Beobachter , pensionierter Streetworker, Buchautor und Lebensschüler in den verschiedensten Bereichen, auch wenn dabei manchmal meine Wohnung zu einem Labor wird und ich neben einem laufenden Laser meinen Schlaf holen muss, bin ich es gewohnt, Ereignisse in einem breiteren Licht anzusehen, als dies der gewohnte Journalismus tut. Wobei beides wichtig ist und seine Berechtigung hat. Denn wenn nur auf ein Problem fokussiert wird, wie durch ein Mikroskop, zeigt sich der grössere Zusammenhang nicht mehr. Umgekehrt muss auch fokussiert werden, um die feineren Details jenseits des grossen und Ganzen zu beschauen. Darum habe ich in diesem Blog ausgeholt, und die Nebenarme des Themas, so gut es mir möglich war, so dumm und unwissend wie ich bin (Das ist nicht zynisch gemeint) , für alle etwas aus zu leuchten. Damit nicht nur fokussiert wird, wie ein Wissenschaftler der durch sein Mikroskop zwar die Feinheiten sieht, aber die grösseren Zusammenhänge nicht. Sondern dass auch die grösseren Zusammenhänge mit in Betracht gezogen werden. Und dies Pflege ich in einer Sprache zu machen, welche auch der Nicht-Akademiker verstehen kann. Das wir nicht zusammen sitzen, und auch riechen und fühlen können, sondern nur über einen Blog Schreiben, macht die Situation auch nicht einfacher. Doch nun zurück zum Thema: Was können wir tun, um Impulse zu setzen, um zu bewirken, dass wieder ein wirklich freier Wissenschaftsjournalismus entsteht: Darüber sprechen in der Öffentlichkeit tun wir ja schon, das ist schon mal etwas. Ich werfe den Vorschlag in die Runde, eine Stiftung zu gründen, welche Wissenschaftsjournalisten beschäftigt, welche durch das Rechtskleid einer Stiftung für unabhängige Berichterstattung, von Lobbyismus geschützt sein können. Dafür müsste man Sponsoren finden, Geldgeber, ehrliche, gut ausgebildete Journalisten, u.s.w.
Beatus Gubler, am 21. Oktober 2013 um 23:50 Uhr
Das ist eine gute Idee. Kritisch, kontrovers, überraschend sollen die Beiträge sein. Päpste haben wir genug. Zu vielen Fragen gibt es keine (klaren) oder offensichtliche Antworten wie zum Nutzen des CERN. Das soll doch gerade anregen, neu unkonventionell darüber nachzudenken. Vor allem würde jeweilen etwas Empirie mit originellen Ansätzen nicht schaden.
ruedi meier, am 22. Oktober 2013 um 03:30 Uhr
@Ruedi.meier. Entwarnung: Nutzenfrage bei Forschung nicht überbewerten. Der «Nutzen» von Einsteins Relativitätstheorie war im Augenblick ihrer Formulierung und Erstpublikation absolut nicht gegeben. Hätte er es gewusst, was damit möglich wird, er hätte seinem alten Berufswunsch «Klemperer» nachgelebt.
Pirmin Meier, am 22. Oktober 2013 um 08:34 Uhr
@ Pirmin Meier, Ja, klar. Deshalb bin ich skeptisch, ob die heutige Grundlagenforschung einfach so vom Tisch gewischt werden darf. Dass diese inzwischen etwas mehr Aufwand bedeutet, scheint nachvollziehbar. Können wir nicht gleichwohl Kriterien entwickeln über Sinn und Unsinn. Gibt es da Erfahrungswerte? Kriterien für Transparenz und Verfahren? Oder überlassen wir das einfach den Forschungsgewaltigen?
ruedi meier, am 22. Oktober 2013 um 09:40 Uhr
Das Zweitschlimmste ist, wenn man die Forschung den Forschern überlässt, das Schlimmste, wenn man sie bloss der Wirtschaft und/oder der Politik oder wie zur Zeit Galileis der Kirche überlässt. Weder die einen noch die anderen, das hat Dürrenmatt in den «Physikern» richtig gesehen, werden die Welt retten.
Pirmin Meier, am 22. Oktober 2013 um 09:49 Uhr
Guten Tag miteinander, oder besser gesagt, guten Morgen. Den Argumenten, die Forschung dem einen oder dem anderem Konglomerat zu überlassen sei unheilvoll, kann ich mich anschliessen. Missbrauch und elitäres Denken, Absolutaglauben sowie Wissenschaftsgläubigkeit haben wir schon genug. Die freie Forschung sollte mehr gefördert werden, die Forschung um der Forschung willen, und nicht um eines zurechtgebogenen Resultates willen. Wäre die Forschung im Bereich der alternativen erneuerbaren Energien, Erdwärme, kalte Fusion, Tesla-Technologie, u.s.w. im selben Ausmasse gefördert worden wie die im Kernspaltungsbereich, hätten wir heute wohl schon lange einige Probleme weniger. Da leider der Wissenschaftsjournalismus unterwandert war von der Atomlobby, haben viele Journalisten dieser Lobby ins Portemonnaie geredet, statt breitbandig hin zu schauen. Solche Informationspolitik manipuliert mit einseitiger Information die Bevölkerung. Ein Journalismus welcher finanziell unabhängig arbeiten kann in diesen Bereichen, wäre vermutlich ein vom Steuerzahler finanzierter, per Gesetz existentiell geschützt, damit sie unbestechlich, autark bleiben könnten. Diese könnten als Schnittstelle zwischen Bevölkerung und Wissenschaft viel objektiver arbeiten als ein Privatbetrieb, der das Schreiben muss was Geld einbringt, aber nicht unbedingt die Wahrheit. Wir wissen ja was mit der Weltwoche passiert ist, was mal ein gutes Blatt hätte werden können, schreibt heute wie eine Fahne im Wind mal so, und dann mal so, einfach gerade wie der Gewinnwind so bläst. Um so eine Organisation auf die Beine zu stellen, braucht es eine Volksinitiative für einen staatlich finanzierten unabhängigen Journalismus. Oder einen Mäzen mit viel Geld, welcher eine Stiftung gründet, welche das Ziel hat, eben eine solche Organisation zu betreiben. Bis auf einige wenige Idealisten, wie z.B. der Infosperber, welche in Fronarbeit Journalismus betreiben, sind die meisten Journalisten in einem Abhängigkeitspotential gefangen, so Goldig der Käfig je nach Blatt auch ist, es bleibt nie unbeeinflusst von den Geldgebern.
Beatus Gubler, am 23. Oktober 2013 um 02:38 Uhr
ZURÜCK AUF FELD EINS. Die vom Steuerzahler unterhaltenen und also unbestechlichen sachlich-langweiligen Journalisten gibt es schon, nämlich die Öffentlichkeitsbeamten der Departemente, über deren Preis-Leistungsverhältnis wir schweigen wollen. Nun aber zurück zum sog. Urknallexperiment des CERN und was ein mit regelmässig hochqualifizierten deutschsprachigen Reportagen hervorgetretener Autor darüber geschrieben hat, nämlich Erwin Koch in der ZEIT v. 22. Oktober 2009. Ein Artikel, der drei Jahre zurückliegt, wäre längst Altpapier, ist nun aber im Reportagenband «Wahre Geschichten» bei Nagel & Kimche mit dem Übertitel «Von dieser Liebe darf keiner wissen» 2013 neu publiziert. Ein Porträt des Naturwissenschaftlers Rolf Landua, geb. 1954, vom CERN, auf einem Niveau, das man seit Dürrenmatts naturwissenschaftlichen Reflexionen nicht mehr in so starker Prosa, die notabene Koch verantwortet, gelesen hat. Einerseits genaue Sachinformationen über das CERN, samt den sich dort anhäufenden Kosten, andererseits in einer wünschbaren sachpublizistischen Prosa die Reduktion des sogenannten Urknall-Experimentes auf eine verständliche Geschichte. Dabei kommen auch die Higgsteilchen usw. in didaktischer Darstellung nicht zu kurz. Wer das alles aufmerksam gelesen hat und verstanden, macht sich keine Illusionen darüber, dass die Frage nach dem «Nutzen» dieser Forschung gestellt wird. Selbstverständlich stossen hier Politiker und Journalisten, auch Kritischseinwollende, an die Grenzen ihrer Kritikkompetenz. Koch selber übt keine Kritik, er stellt es bloss so gut und klar dar, dass man einerseits von dieser CERN-Arbeit fasziniert sein kann und nicht gerade wünscht, es möge sie nicht geben, andererseits aber doch über so viel Metaphysik vielleicht den Kopf schüttelt. Qualitativ und vor allem auch sprachlich und besonders was die Genauigkeit betrifft, erreicht die Reportage von Erwin Koch einen Standard, wie man ihn weder im gegenwärtigen Journalismus noch in der Schriftstellerei, etwa im neuesten Buch von Alex Capus (Akkusativfehler schon auf der ersten Seite der 100 000-er Auflage), auf diesem Niveau antrifft. Zurück auf Feld Eins würde heissen: man lese mal den «Tunnel der Erkenntnis» von Erwin Koch, und dann können wir weiterdiskutieren: a) über den wissenschaftsorientierten und wissenschaftskritischen Journalismus sowie b)über das CERN, welches über alles gesehen immer noch zu den besseren Forschungsinstitutionen in Europa zu gehören scheint. Dabei wird und muss die Urknallgeschichte bei Naturwissenschaftlern eine kontroverse Diskussion auslösen. Weil diese Diskussion von Journalisten nicht geleistet werden kann, hat sich Erwin Koch eines Kommentars enthalten, dafür aber einen umso besseren und lesbareren Bericht vorgelegt.
Pirmin Meier, am 23. Oktober 2013 um 07:52 Uhr
Spannend, hier der Link zur Lesekritik: http://www.lesefieber.ch/buchbesprechungen/erwin-koch-von-dieser-liebe-darf-keiner-wissen/ Danke für den Tipp, werde mir das Buch reinziehen. Gruss Beatus Gubler
Beatus Gubler, am 23. Oktober 2013 um 09:30 Uhr
@Beatus Gubler - sehr einverstanden! Auch das SRF wäre zur seriösen Berichterstattung eigentlich frei genug und dazu verpflichtet. Weshalb sind denn die Beiträge ähnlich angepasst wie in andern Medien? (- leider auch beim Kulturradio!) Alles wird früher oder später unterwandert, auch ein Stiftungsrat. Zum Glück gibt es Persönlichkeiten wie die Ehler's, hoffentlich behalten sie noch lange das Heft in ihren Händen! raum-und-zeit.com!
@Pirmin Meier - Danke für den Buchtipp!
Urs Lachenmeier, am 23. Oktober 2013 um 09:46 Uhr
Ich werde den Eindruck einer Zensur, die da über die kapitalistisch entgleiste Demokratie sehr effizient wirkt, nicht los. Reuters als Massstab, der Rest wird direkt über Lobbys, Bundesrat, und wirtschaftliche Interessen gesteuert. Ein Opulentes System von Geld, Interessen, Macht und dem Traum vom ewigen Wirtschaftswachstum hat die heiligen Hallen der Wissenschaften und deren Berichterstattung schon lange entweiht. Die professionellen Buhler, welche auf Kosten der besten Werte und Menschenleben alles erobern wollen, schreiten voran. Meine Erfahrung, und ein kleiner historischer Rückblick zeigen mir, das so ein System zum platzen verurteilt ist. Egal auf welchen Missstand man schaut, es ist immer dasselbe was dahinter steckt, Systemimmanente Mängel, eine marode Verfassung, Behörden welche sich nicht an die Gesetze halten, eine Legislative der Superreichen. Da weiss man wenigstens, von was einem Schlecht wird. Andererseits bewirkt genau dies, dass die Bevölkerung wieder anfängt selber zu Denken. Vielleicht wird die Bevölkerung sich eines Tages die Macht, welche sie an den Staat delegiert hat, wegen «Staatsversagens» wieder zurückholen.
Beatus Gubler, am 24. Oktober 2013 um 15:14 Uhr

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