Neuer Bonus-Trick der UBS-Kapitäne: Cash now

Lukas Hässig © lh
Lukas Hässig / 19. Mrz 2016 - Das macht kaum mehr Schlagzeilen: CEO Ermottis Rekord-Millionen in bar. Präsident Webers zusätzlicher Cash mit weniger Risiko.

Minder war mal. Jetzt wird zugelangt. UBS-Chef Sergio Ermotti stiess im 2015 in eine neue Sphäre vor. 14 Millionen Franken erhielt der Grossbankenchef, mehr als seine Kollegen bei Nestlé und Novartis.

Wie das? Die UBS machte einzig dank Buchhaltungs-Gimmicks rund um Steuern einen stolzen Gewinn. Operativ war das Jahr durchzogen.

Rekord-Boni und -Gehalt für vermiedene Steuern – ein neuer Witz in der never-ending Saga um die Grossbanken-Saläre. Das Beste kommt aber erst noch. Statt einen grösseren Teil des Bonus in Aktien des eigenen Unternehmens zu beziehen, gibt’s für Ermotti mehr in sicherem Bargeld. Cash now, lautet das neue Motto an der Bahnhofstrasse.

Bei Ermotti taucht im Vergütungsbericht 2015, der am 18. März 2016 veröffentlicht wurde, ein neuer Posten auf. Er ist überschrieben mit «unmittelbarer Baranteil» und macht eine schöne runde Million aus. Für 2014 prangte in dieser Spalte noch eine fette Null.

Das heisst: Von Ermottis vielen Millionen – genau sind es 14’311’261 Franken – sprudelt ein schöner Anteil in sicherem Bargeld. Sofort zur Verfügung, kein Risiko mit schwankenden Kursen, praktisch für eigene Immobilien oder private Investments. Im Bericht hebt die UBS Anderes hervor. 91 Prozent der ganzen variablen Vergütung des CEOs erfolge in Form aufgeschobener Instrumente – also immer noch viel.

Der Verwaltungsrat, der Ermotti den riesigen Sprung zugesteht, lobt den Steuermann der UBS in den höchsten Tönen. Man würdige seine «starken Leistungen (…) auch in qualitativer Hinsicht. Seine Fokussierung auf die Umsetzung unserer klar umrissenen Strategie hat diese Ergebnisse möglich gemacht.»

Welche Ergebnisse nochmals? Der Gewinn ist vor allem auf dem Papier OK, die operative Schlagkraft bleibt weiter mittelmässig. Und der Aktienkurs ist blamabel. Statt dass sich die neue Strategie mit Fokus auf die vermeintlich rentable und sichere Vermögensverwaltung endlich in steigenden Kursen niederschlägt, stürzte die UBS ab. Weniger als die CS, aber viel zu viel für einen vermeintlichen Champion.

Es ist the same old story: Die UBS kämpft sich durch die Märkte, ihre Spitzenkader lassen sich vergolden. Verantwortlich ist Axel Weber, ein Professor aus Deutschland, Ex-Chef der dortigen Bundesbank, selbsternannter Aufräumer und Aufpasser. Weber könnte der nicht einleuchtenden Gehaltsparty – die Kollegen von Ermotti in der Konzernleitung lassen die Korken ebenso knallen wie der Ticino-Man – die Musik abstellen und das Licht ausschalten. Doch was tut Weber? Er langt selbst auch stärker zu.

Zunächst sieht der Zuwachs von Webers Gesamtentschädigung mikroskopisch aus. Diese stieg von 5,9 auf 6,0 Millionen. Mickrige 100’000 Fränkli, könnte man meinen.

Doch dann sieht man eine eindrückliche Gewichtsverschiebung. Webers Grundgehalt, also der hier und jetzt ausbezahlte Cash-Anteil seiner Vergütung, ging mal eben von 3 auf 3,5 Millionen hoch. Umgekehrt sank die Aktienvergütung beim UBS-Präsidenten um 400’000 Franken.

Somit gilt auch beim übermächtigen Weber: Mir den Cash, Dir die Papiere. Das Risiko der UBS-Aktien, dieser Zettelis, die einfach nicht zulegen wollen, sollen doch bitte schön die Pensionskassen tragen.

Weber befindet sich in guter Gesellschaft. Sein Counterpart bei der Credit Suisse hat sich in den letzten Jahren nur einen Viertel in riskanten Aktien seiner Bank auszahlen lassen.

Der ganze Rest erfolgte in Cash. Teure Villen, finanziert mit supergünstigen Hypotheken der eigenen Bank, sportliche Autos und andere «Investments» können so elegant bezahlt werden. Die Idee von Minder und der ganzen Regulierung war eine andere: Die Verantwortlichen und Risikoträger in den Too-Big-To-Fail-Banken sollen immer mehr gesperrte Boni erhalten.

Denn diese Institute, deren Untergang das ganze System in den Abgrund ziehen kann, haben eine implizite – seit der UBS-Rettung explizite – Staatsgarantie. Der Steuerzahler subventioniert UBS & Co.

Deshalb mehr gesperrte Boni, denn sie können teilweise oder ganz verfallen. Damit wären Chancen und Risiken zwischen Eigentümern und Managern gerechter verteilt, und Topshots würden vorsichtiger agieren.

Soweit die Theorie.

Nun zeigt sich, dass nicht nur alles beim Alten bleibt. Sondern der Topf wird noch extremer zugunsten der Manager und ihrer Aufseher, den Verwaltungsräten, verteilt.

Und weil der ganze Bonus insgesamt nicht wächst, da das Geschäft harzt, muss unten gespart werden. Durchschnittliche UBS-Mitarbeiter in der Schweiz müssen froh sein, wenn etwas für sie übrigbleibt.

Wie im alten Rom.

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Dieser Beitrag erschien am 18. 3. 2016 auf «Inside Paradeplatz». NZZonline widmet dem Thema ebenfalls einen Artikel, wagt aber keine Kritik an der Höhe der Vergütungen und erwähnt die Verschiebung in Richtung Cash nicht.

Zwei Tage später beschäftigt sich auch die SonntagsZeitung aus dem Hause Tamedia mit den Abzockern – aus internen Gründen vor allem mit den Boni gefeuerter Chefs, darf man vermuten. Denn auch der eigene Chef, Christoph Tonini, der kallharte Sparer beim Personal und Umbauer des Konzerns in einen Gemischtwarenladen, hat 6 Millionen Franken erhalten. (cm)

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine. Der Wirtschaftsjournalist Lukas Hässig betreibt die Webseite «Inside Paradeplatz».

Weiterführende Informationen

Christof Moser zur Bonus-Politik der Tamedia (in der "Schweiz am Sonntag")
25'000 Leute gefeuert, 18 Millionen für den Chef (auf Infosperber)

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3 Meinungen

«... unserer klar umrissenen Strategie ...». Das sagt schon alles, oder?

Hübsch widersprüchliche Umschreibung einer Zielsetzung, die offenbar so offen formuliert ist, dass dem Management ausreichend Spielraum gelassen wird. Hauptsache, es kommt am Schluss niemand zu kurz.

(Duden für «umreissen»: knapp, in großen Zügen und dabei in seinen wesentlichen Punkten darstellen)
Sam Mueller, am 19. März 2016 um 21:59 Uhr
Ganz oben: siehe ganz oben.
Ganz unten reicht es dann nach X Runden Unternehmenssteuerreform halt nicht einmal mehr für 5 Promille staatliche Entwicklungshilfe (7 wären die Schamgrenze).
40 Millionen Tote jedes Jahr als direkte Folge der schiefen Einkommensverteilung innerhalb des kapitalistischen Weltsystems. Schlafen die genannten Herren oben wohl gut ?
MfG
Werner T. Meyer
Werner Meyer, am 21. März 2016 um 06:44 Uhr
@ T. Meyer: ja, diese Menschen schlafen gut, da sie im Gegensatz zur überwiegenden Mehrheit kaum oder keine Gewissensbisse haben, wenn sie so etwas tun. Die Hirnareale im menschlichen Gehirn welche für das Gewissen zuständig sind, lassen sich messen.
Diese und weitere Informationen zu diesem spannenden Thema sind zu finden unter: http://www.ich-1prozent.ch.
Stephan Siegfried, am 13. Mai 2016 um 11:18 Uhr

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