USA Rassismus Black Lives Matter © Fibonacci Blue/flickr/cc

Studentendemonstration in Minneapolis, 1. Mai 2015

Rassismus in den USA: Das Ende der Farbenblindheit

Franziska Meister / 20. Jul 2016 - US-Rassismus: Schwarzer tötet weisse Polizisten – grosse Aufruhr. Polizisten erschiessen unbewaffnete Schwarze – meist straffrei.

[[AUSZUGSWEISER VORABDRUCK AUS «Frau MACHT Karriere» VON ELISABETH RIZZI UND SANDRA WILLMEROTH*]]

Immerhin ist Wegsehen schwieriger geworden. Seit nunmehr zwei Jahren dokumentiert die Bewegung Black Lives Matter Fälle von Polizeigewalt, die unbewaffnete Schwarze das Leben gekostet hat. Sie tut dies mit Bildern, Videos und Livestreams im Internet und organisiert über soziale Medien gleichzeitig auch den Protest auf der Strasse. Die jüngsten Fälle liegen nur wenige Tage zurück: Philando Castile aus Falcon Heights, Minnesota, starb in seinem Auto durch mehrere Schüsse, die ein Polizist aus nächster Nähe durch das geöffnete Wagenfenster auf ihn abgegeben hatte. Alton Sterling wurde auf einem Parkplatz in Baton Rouge, Louisiana, von zwei Polizisten zu Boden geworfen und buchstäblich exekutiert. Der Tod der beiden Männer war Anlass für die friedliche Protestkundgebung in Dallas vergangene Woche, an deren Rand – aber nicht aus deren Mitte – die fünf Polizisten getötet wurden.

Frauen bleiben allzu oft im Mittelmanagement hängen: Europaweit sind nur 11 Prozent der Geschäftsleitungsmitglieder börsenkotierter Firmen weiblich (1). In der Schweiz sind es sogar bloss etwas mehr als halb so viele, nämlich 6 Prozent (2). Davon sind erst noch 48 Prozent Ausländerinnen. Was ist hier los? Die Quote der Studienabgängerinnen würde ein ganz anderes Bild erwarten lassen. Ist doch in der Schweiz inzwischen der Anteil Frauen bei den Universitäts-Abschlüssen (3) auf Stufe Lizenziat/Diplom (entspricht Master) mit 62 Prozent bereits höher als jener der Männer. Zudem sind in der Schweiz grundsätzlich mehr Frauen erwerbstätig als in den meisten anderen Ländern: Mit einem Beschäftigungsanteil von 77 Prozent der Frauen (im Verhältnis zu allen Frauen im Erwerbsalter) liegt unser Land zudem weit vorne, nämlich nach Schweden weltweit auf Rang zwei (4). [Allerdings arbeitet die Mehrheit der Frauen nur teilzeit. Red.]

Es fehlt an Vorbildern

Was für ein scheinheiliger Unsinn! Versöhnung setzt voraus, dass man sich gleichberechtigt und auf Augenhöhe begegnen kann. Die viel beschworene «colorblindness» als vermeintlich liberale Ideologie entpuppt sich hier einmal mehr als das, was sie tatsächlich ist: blind für die alltäglichen Erfahrungen und existenziellen Nöte von Schwarzen, wie sie etwa Ta-Nehisi Coates in seinem Buch «Zwischen mir und der Welt» eindrücklich schildert (siehe WOZ Nr. 5/16). «Race» bleibt ein Tabuthema. Besonders irritierend ist, mit welcher Vehemenz selbst Barack Obama als erster schwarzer Präsident daran festhält.

Und so droht sich die Geschichte zu wiederholen. 1965 hatte der damalige Präsident Lyndon B. Johnson den Voting Rights Act – der den Schwarzen das Stimm- und Wahlrecht einräumte – unterzeichnet und die Ziele der Bürgerrechtsbewegung für erreicht erklärt. Wenige Wochen später brach im Stadtteil Watts in Los Angeles die erste grosse Ghettorevolte los. Ihr Auslöser: Polizeibrutalität. Ein junger Schwarzer war wegen eines harmlosen Verkehrsdelikts festgenommen worden.

Frauen sind eher bereit, auf eine Karriere zugunsten der Familie zu verzichten. Lediglich 6,4 Prozent der Studentinnen können sich vorstellen, wegen der Karriere auf eine Partnerschaft zu verzichten (gegenüber 10,4 Prozent der Männer) und 20,4 Prozent würden auf eigene Kinder verzichten (gegenüber 26,4 Prozent der Männer). Daraus lässt sich schliessen, dass die Karriere vor dem Hintergrund von Partnerschaft und Kinder an Stellenwert verliert.

Frau muss sich also bewusst sein, dass auch ihre Präferenzen und ihr Verhalten einen beruflichen Aufstieg erschweren können. Wer die gläserne Decke durchbrechen will, muss sich zuerst einmal fragen, ob die eigenen Vorstellungen über das Berufsleben genug ambitioniert sind und gegebenenfalls die Ziele nach oben anpassen. Denn höhere berufliche Ziele steigern die Chance auf einen Managementposten (5).

Grössere Chancen in Grossbetrieben]]

In Grossbetrieben steigt die Chance, eine Managementposition zu erlangen. Der Grund ist simpel: Es gibt mehr Führungsposten als in einem KMU. Und Managementfunktionen sind hier weniger an langjährige oder gar patriarchale Strukturen gebunden. Gehen Sie also vor allem zu Beginn der Karriere eher zu den grossen Firmen, und streben Sie dort eine Top-Position an. Oder suchen Sie zum Aufsteigen einen mittelständischen Betrieb, in dem die Strukturen nicht festgefahren sind. Sind Sie erst einmal in der Hierarchieleiter aufgestiegen, können Sie immer noch in einen mittelständischen Betrieb wechseln, wo dann später in der Familienphase Teilzeitarbeit im Kader leichter zu realisieren ist als in der Bürokratie von Konzernen.

Bescheidenheit ist nicht karriereförderlich

Bescheidenheit und Zurückhaltung sind nicht unbedingt karriereförderlich. Wenn Sie nun also mit der richtigen Einstellung am richtigen Platz sind: Fragen Sie offensiv nach Beförderungsmöglichkeiten und Gehaltserhöhungen. Denken Sie daran: Mehr als doppelt so viele Männer (57 Prozent) wie Frauen fragen in Deutschland nach einer Beförderung und eineinhalbmal so viele (72 Prozent) nach einer Gehaltserhöhung. In der Schweiz ist der Abstand etwas geringer. Trotzdem gehen auch hierzulande Frauen ihre Berufskarrieren viel passiver an als ihre männlichen Mitbewerber. Entsprechend bleiben in den Gedächtnissen der Chefs die Namen ihrer Kollegen hängen, wenn es um die Neubesetzung einer Stelle geht. Die Frauen dagegen werden gar nicht erst als mögliche Kandidatinnen wahrgenommen.

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97 Prozent aller PolizistInnen, die einen unbewaffneten Schwarzen erschossen haben, wurden in keiner Weise juristisch belangt. Schwarze hingegen, die vorbestraft sind, werden vom Justizsystem politisch, sozial und ökonomisch entmündigt und marginalisiert: Sie besitzen kein Stimmrecht, finden kaum Arbeitsmöglichkeiten oder Zugang zu subventionierten Wohnungen. Das Justizsystem reproduziert und garantiert so die seit jeher bestehende Hierarchie, wie Michelle Alexander in ihrem Buch aufzeigt.

«Diese Nation wurde auf der Basis der Überzeugung errichtet, dass Freiheit und Gerechtigkeit nur für einige und nicht für alle gelten», hat Alexander vor wenigen Tagen auf Facebook geschrieben – «some lives don’t matter.» Sie glaubt nicht länger daran, dass die Polizei oder das Justizsystem reformierbar sind.

(3) Emanuel von Erlach, Juan Segura (2011): «Frauen und Männer an den Schweizer Hochschulen, Indikatoren zu geschlechtsspezifischen Unterschieden», Bundesamt für Statistik.

(4) John Hawksworth, Andrew Sentence, Yong Jing Teow (2013):«International women’s day. PwC women in work index». PWC UK.

(5) Fabian Ochsenfeld (2012): «Gläserne Decke oder goldener Käfig: Scheitert der Aufstieg von Frauen in erste Managementpositionen an betrieblicher Diskriminierung oder an familiären Pflichten?», Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine

Weiterführende Informationen

«Im Schatten des Galgenbaumes» (Infosperber vom 15.7.2016)

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5 Meinungen

Der Beitrag ist parteiisch und schiesst insofern über das Ziel hinaus. Hochideologisch und sektiererisch mutet es an,, aus Feminismuswahn heraus in diesem Fall von PolizistInnen zu schreiben. Gegen 97% der Polizisten, die auch in Europa gefährliche Täter erschiessen, sozusagen auf beiden Seiten der Front immer Männer, kommen ebenfalls straffrei davon. Natürlich werden jetzt die in Amerika vorgefallenen Attentate auf Polizisten in nächster Zeit eine entsprechende unfriedliche Wirkung haben und zum Beispiel Trump Wähler zutreiben. Das muss man objektiv analysieren können. Die Leute, die man bei uns mehr oder weniger in Verhöhnung einstiger Asylkriterien reinlässt, mit lächerlichen Alters- und Identitätsangaben in der Art des Würzburg-Täters, finden zwar subventionierte Wohnungen und müssen keine Krankenkasse und kein Zwangsabonnement des Fernsehen bezahlen, werden aber auf lange Sicht in vielen Fällen ebenfalls keine Arbeit finden und sich dann halt überproportional mit einer entsprechenden Kriminalitätsrate schadlos halten. Insofern werden diese Probleme noch verstärkt auf uns zukommen. Man beachte mal die Blogs in Deutschland und Österreich z.B. über Würzburg, die zwar von den meisten Medien unterdrückt werden. Was da aber zum Vorschein kommt, verheisst für die Zukunft nichts Gutes.


Der Unterschied zu den USA ist, dass die dortigen Schwarzen nicht freiwillig zugereist sind und es ihnen tatsächlich und objektiv dreckiger erging und geht als es bei uns heute der Fall wäre.
Pirmin Meier, am 20. Juli 2016 um 12:21 Uhr
Danke, Franziska Meister, für diesen treffenden Beitrag. Lassen Sie sich nicht von hinterhältigen Hass-Repliken, die von pauschalen Unterstellungen und schlecht kaschiertem Rassismus triefen, in die Enge treiben.
Gar keine Frage: Wer Ihren Beitrag liest und sich ärgert, wurde offensichtlich am falschen Fuss erwischt. Fasst er dies dann noch in Worte, wird alles klar ...
Peter Beutler, am 20. Juli 2016 um 13:32 Uhr
Danke Frau Meister für diesen Beitrag. Der Bügerkrieg in den USA steht vor der Tür. Schön wie geplant. Egal wer Präsident wird, denn das interessiert nur, wer wirklich nichts vo US-System verstehen will.

Herr Meier, einfach den eigenen Text nochmals ganz durchlesen und merken, dass hier nur einer über das Ziel hinaus schiesst und sektiererisch und hochideologisch anmutet. Dann die Eselsohren anziehen und ins Schämieggeli stehen, bis der Hass- und Angst-Lehrer sie wieder davon befeit.

Es ist wirklich an der Zeit, dass die besteuerte Bevölkerung die systematische Unterdrückung, Hassbildung und Angstmache erkennt, die sie mittels Märchen und Mechanismen der «Überschicht» (2% besitzen gleich viel wie die restlichen 98%) in geradezu aussichtlose Abhängigkeit treibt. Oder glauben Sie wiklich, dass schwarz (zugewandert) und weiss (einheimisch) gleichbedeutend sind in der Gesellschaft? Solange der (Coca Cola) Nikolaus weisser als weiss aus dem Schornstein klettert, kann da einfach etwas nicht stimmen. Die Rede von H. Rap Brown anlässlich der Befreiungskundgebung für Huey Newton (Vorsitzender der Black Panthers for Self Defense) präsentiert den einen oder anderen Anhanltspunkt diesbezüglich und zeigt dass auch 1968 klar war, dass es den USA und wohl allen an der Macht «etablierten» Schichten nie und nimmer um Gleichberechtigung ging und gehen wird .. (H. Rap. Brown : http://www.lib.berkeley.edu/MRC/rapbrown.html )
Eugen Öffner, am 20. Juli 2016 um 23:34 Uhr
@Öffner. Es ist bekannt, dass bei sprachlich hochmoralistisch besetzten Gesichtspunkten wie Feminismus und Rassismus die Andersdenkenden ins «Schämieggeli» gestellt werden, das Problem des Meinungsverbrechens. Es ist klar, dass parteiische Quellen, selbst wenn sie auf der Seite der «Guten» stehen, nicht absolut zum Nennwert genommen werden können. Ich werde bei meinem heutigen Referat über die Todesstrafe (in Luzern) trotzdem auf die sozial und kulturell höchst einseitige Zusammensetzung der zum Tode Verurteilten in den USA zu reden kommen und die Sache jedenfalls nicht aus der Sichte eines weissen Rassismus darstellen.

Im übrigen, was noch die ebenfalls sehr heikle Einwanderungs- und Terrordebatte betrifft, so habe ich mich dazu in www.etwasanderekritik.ch mit insgesamt 9300 Zeichen geäussert, was für eine etwas differenziertere Darstellung unausweichlich ist. Da ich mich aber für meine Meinung schämen muss, wird es sowieso falsch sein, was ich schreibe. Immerhin betrachte ich den Infosperber-Beitrag eines Lehrers der Kategorie unbegleiteter jugendlicher Asylbewerber als lehrreich, weil aus direkter Erfahrung schöpfend. Ich habe im Schuljahr 2012/13 ebenfalls noch Erfahrungen auf diesem Gebiet gemacht. Und Frau van Gent, wenn sie über die Türkei schreibt, muss nicht noch gleichzeitig unpassende feministische Sprachbekenntnisse ablegen, weil sie zu den Publizistinnen gehört, die man ernst nimmt. Das sind Beiträge, für die ich auch gern mal was für Infosperber einzahle.
Pirmin Meier, am 21. Juli 2016 um 08:49 Uhr
@Öffner. Es ist bekannt, dass bei sprachlich hochmoralistisch besetzten Gesichtspunkten wie Feminismus und Rassismus die Andersdenkenden ins «Schämieggeli» gestellt werden, das Problem des Meinungsverbrechens. Es ist klar, dass parteiische Quellen, selbst wenn sie auf der Seite der «Guten» stehen, nicht absolut zum Nennwert genommen werden können. Ich werde bei meinem heutigen Referat über die Todesstrafe (in Luzern) trotzdem auf die sozial und kulturell höchst einseitige Zusammensetzung der zum Tode Verurteilten in den USA zu reden kommen und die Sache jedenfalls nicht aus der Sichte eines weissen Rassismus darstellen.

Im übrigen, was noch die ebenfalls sehr heikle Einwanderungs- und Terrordebatte betrifft, so habe ich mich dazu in www.etwasanderekritik.ch mit insgesamt 9300 Zeichen geäussert, was für eine etwas differenziertere Darstellung unausweichlich ist. Da ich mich aber für meine Meinung schämen muss, wird es sowieso falsch sein, was ich schreibe. Immerhin betrachte ich den Infosperber-Beitrag eines Lehrers der Kategorie unbegleiteter jugendlicher Asylbewerber als lehrreich, weil aus direkter Erfahrung schöpfend. Ich habe im Schuljahr 2012/13 ebenfalls noch Erfahrungen auf diesem Gebiet gemacht. Und Frau van Gent, wenn sie über die Türkei schreibt, muss nicht noch gleichzeitig unpassende feministische Sprachbekenntnisse ablegen, weil sie zu den Publizistinnen gehört, die man ernst nimmt. Das sind Beiträge, für die ich auch gern mal was für Infosperber einzahle.
Pirmin Meier, am 21. Juli 2016 um 08:49 Uhr

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