Dank «Whistleblower»: E-Mails, Urkunden, Kontoauszüge, Passkopien zu 215'000 Offshore-Firmen © ICIJ

Putin-Leute sind vergleichsweise kleine Fische

Red. / 04. Apr 2016 - Infosperber publiziert informative Links zu den «Panama Papers» und fragt, warum Putin am meisten angeprangert wird.

Leute aus Präsident Putins Umgebung haben die kapitalistischen Konstrukte zum Geldverstecken offensichtlich professionell ausgenützt: Laut «Panama Papers» haben sie – immerhin – zwei Milliarden Dollar in Briefkastenfirmen und anonyme Trusts verschoben. Sie nahmen dabei die Hilfe der weltweit viertgrössten Vermittlerin und Organisatorin solcher Konstrukte in Anspruch, der Kanzlei Mossack Fonseca in Panama.

Aus dieser Kanzlei sind jetzt E-Mails, Urkunden, Kontoauszüge, Passkopien und weitere Dokumente zu rund 215'000 Offshore-Firmen in die Hände einer Organisation investigativer Journalisten geraten. Einige arbeiten bei der Süddeutschen Zeitung, dem ARD-Sender WDR und dem britischen «Guardian». Zu den Profiteuren der Offshore-Dienste zählen laut ARD/WDR zwölf Staatsoberhäupter und 128 weitere Politiker, aber auch internationale Finanzinstitute, darunter 15 deutsche Banken oder ihre Töchter.

Putins Leute im Fokus

Das «International Consortium of Investigative Journalist» stellte Putin in den Vordergrund, obwohl sein Name in allen Papieren nie auftaucht, und obwohl die insgesamt zwei Milliarden Dollar seiner Umgebung nur einen winzigen Teil der gesamte Gelder ausmachen, welche bei den 215'000 Offshore-Firmen deponiert sind.

Dagegen taucht der Name eines westlichen Verbündeten auf: König Salman bin Abdulaziz Al Saud von Saudi-Arabien. Bei ihm wird auffälligerweise (noch) nicht gesagt, um welche Summen es sich handelt.

Auch viele westliche Konzerne, Konzernchefs und weitere Persönlichkeiten gehören zu den grossen Geldversteckern. «Vieles des gelieferten Materials wird geheim bleiben», schreibt der «Guardian». Es bleibt abzuwarten, welche Konzerne und Superreichen in den nächsten Wochen noch mit Namen genannt werden.

Bis jetzt fielen die Namen David Cameron, Petro Peroschenko, Christina Kirchner, Mauricio Macri, Lionel Messi, Michel Platini, Pedro Almodovar und Luca di Montezemolo. Die Beträge sind (noch) nicht bekannt.

Der Menschenrechts-Aktivist Craig Murray befürchtet bereits, dass viele westliche Konzerne und CEOs von den Enthüllungen verschont bleiben könnten. Denn das «International Consortium of Investigative Journalists» werde vom US-«Center for Public Integrity» finanziert und dieses wiederum erhalte sein Geld von der «Ford Foundation», der «Carnegie Endowment», dem «Rockefeller Family Fund, der «W K Kellogg Foundation» sowie von der «Open Society Foundation» des Milliardärs Soros.

---

Für vertiefte Informationen hier einige wichtige Links:

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine

Weiterführende Informationen

«Die grössten Steuerflucht-Helfer sind die USA», Infosperber 6. April 2016
Stellungnahme von Mossack-Fonseca vom 6.4.2016

Meinungen / Ihre Meinung eingeben

Ähnliche Artikel dank Ihrer Spende

Möchten Sie weitere solche Beiträge lesen? Ihre Spende macht es möglich:

Mit Kreditkarte oder Paypal - oder direkt aufs Spendenkonto für Stiftung SSUI, Jurablickstr. 69, 3095 Spiegel BE
IBAN CH0309000000604575581 (SSUI)
BIC/SWIFT POFICHBEXXX, Clearing: 09000

Ihre Spenden können Sie bei den Steuern abziehen.

Einzahlungsschein anfordern: kontakt@infosperber.ch (Postadresse angeben!)

12 Meinungen

Zuweilen scheint Infosperber nicht nur zu sehen, was andere übersehen, sondern auch dort etwas zu erblicken, wo nichts ist. Das war bereits bei der Zika-Berichterstattung der Fall, und dies gilt wohl auch für die Verschwörungstheorie, die Murray eiligst gestrickt hat, noch bevor auch nur annähernd klar ist, was die involvierten Medien alles noch zu publizieren gedenken.

Hin und wieder wäre es angemessener, zuzuwarten und Behauptungen zu überprüfen, als um jeden Preis mit einer eigenen Schlagzeile aufwarten zu wollen.
Andreas Kyriacou, am 04. April 2016 um 14:12 Uhr
Der «Verteidigt Putin"-Reflex muss sehr stark sein, dass schon am Tag nach der Veröffentlichung dies für das Wichtigste Thema gehalten wird. Soweit ich gehört habe, soll das ganze Material online gestellt werden. Im Hoheitsgebiet so manches «lupenreinen Demokraten» wär das nicht passiert - oder?
Hajo von Kracht, am 04. April 2016 um 14:42 Uhr
Immerhin ist es ja nicht uninteressant, dass «vergleichsweise kleine Fische» zwei Milliarden Dollar zum Verstecken haben.
Daniel Goldstein, am 04. April 2016 um 14:55 Uhr
Danke der Red. für den Beitrag und Verweis auf den sehr aufschlussreichen Beitrag von Craig Murry.

@ Kommentarschreiber:
Die Kommentare einiger hier deuten darauf hin, dass sie die verlinkten Artikel NICHT gelesen haben?! Sollten sie tun, denn ohne diese Hintergründe wird man kaum in der Lage sein die (Teil)Veröffentlichung des «Panama-Leaks» richtig einzuordnen.

Wichtig und als vertane Chance finde ich: (Quelle Craig Murry)

Die Süddeutsche Zeitung, die ursprünglich die Daten erhalten hatte, erläutert detailliert die Methode, nach der die Mainstreammedien vorgehen, um die Dateien zu durchsuchen. Hauptsächlich haben sie nach Firmen gesucht, von denen sie glauben, dass diese gegen UN-Sanktionen verstoßen. Der Guardian berichtet das ebenfalls, und hängt dankenswerter Weise gleich eine Liste der betroffenen Länder an: Simbabwe, Nordkorea, Russland und Syrien.

Die Art und Weise, wie die Konzernmedien die Mossack-Fonseca-Informationen filtern, folgt also direkt der Agenda westlicher Regierungen. Bisher wird überhaupt nicht erwähnt, wie westliche Konzerne und westliche Milliardäre Mossack Fonseca verwenden. Dabei sind das die wichtigsten Kunden. Und der Guardian beruhigt dieses Klientel auch schnell: „Ein Großteil des geleakten Materials wird privat bleiben.“

> Diese Daten gehörten in die Hände von Staatsanwaltschaften, breit über den Globus verteilt. (Zur gegenseitigen Kontrolle und um die Persönlichkeitsrechte Unschuldiger zu gewährleisten!)
Florian Frey, am 04. April 2016 um 16:55 Uhr
Hallo, liebe Leute! Mittlerweile sollte angekommen sein, dass auch in Russland der Kapitalismus pur herrscht!
Aber weltweit wird das Hasslied auf Putin und Russland gesungen! Alte Platte, die schon leiert!
Elisabeth Tymoshenko, am 04. April 2016 um 18:25 Uhr
Putin ist momentan der Bösewicht, nicht andere, daher ist es auch nur logisch, dass ein Grossteil des westlichen Kapitalismus froh ist, dass es Putin gibt. Und natürlich noch einige andere Russen, die halt auch gemerkt haben, das sich letztlich alles REALE auf dieser Welt nur um Geld, Macht, und Einfluss dreht.

Und wir sollten mit Sicherheit jetzt nicht so tun, als fänden Geldwäschereien nur im entfernten Ausland statt, aus Zug war heute im TV zu erfahren, dass die vielen tausend Briefkastenfirmen ja nur 2 Prozent des Steuersubstrates ausmachen, es sind also vor Allem die Schriftgelehrten, die sich in Zug dumm und dämlich verdienen, und von legalen Firmen existieren, die es eigentlich ja gar nicht gibt.

Panama, die Virgin Islands, und andere, haben es doch von den CH-Bänkern gelernt, wie man Steuerbehörden aufs Kreuz legt. Und die Schweizer waren jahrzehntelang stolz darauf, solche Bänker zu haben.

Für Linke uind Neider wird es natürlich wieder einmal ein Festmahl werden, über die bösen Kapitalisten zu wettern. Und vor Allem über Putin und seine Freunde. Aber solange zumindest die Winkeladvokaten in Zug weiterhin ihre Steuern zahlen, wird sich deswegen wohl auch bei uns überhaupt nichts ändern.

Geld regiert die Welt, nicht der Humanismus, und schon gar nicht das Recht, das doch eigentlich für Alle gleich sein und gelten sollte. Nicht einmal bei uns, wir, die doch immer glauben, eigentlich ganz Anders, und vor Allem, viel besser zu sein.

Meine ich wenigstens.
Ernst Jacob, am 04. April 2016 um 21:18 Uhr
Danke für den Link zu Craig Murray.

Wie man dort lesen kann, werden die Daten verwaltet vom sog. «International Consortium of Investigative Journalists» - was zunächst ziemlich «chic» klingt. Zu den Gründern dieses Konsortium gehören u.a.:
.
- Ford Foundation
- Carnegie Endowment
- Rockefeller Family Fund
- W K Kellogg Foundation
- Open Society Foundation (Soros)
.
Autsch! ... muss ich da leider sagen.
... Liebe «Leakers» ... das nächste mal bitte an wikileaks.org.

---

@Andreas Kyriacou
Ich habe bisher von keinen Hinweisen gelesen, die Putin direkt beschuldigen. Es wird «nur» über Daten von Putin nahe stehenden Personen berichtet.
Trotzdem erscheint in geschätzten 19 von 20 Berichten Putin in Titel und Bild an prominentester Stelle.
Finden Sie das in Ordnung?

Ich würde mal nicht ausschliessen, dass Putin (auch) so dass eine oder andere Scherflein ins Trockene gebracht hat. Aber muss dann deswegen (wieder mal) solch eine gewaltige Breitseite auf Wladimir Wladimirowitsch abschiessen? das war ja geradezu orchestriert!
Christoph Meier, am 04. April 2016 um 21:26 Uhr
Ich glaube wirklich nicht, dass Sie Putin in Schutz nehmen müssen. Aus ideologischen Gründen schon gar nicht, denn infosperber sollte doch primär für Objektivität und Sachlichkeit stehen.
Stefan Bachmann, am 06. April 2016 um 13:44 Uhr
@Bachmann. Infosperber nimmt Russlands Präsidenten und seine Politik nicht in Schutz. Weil die grossen Medien über die Fehlleistungen von Russlands Politik breit berichten, informiert Infosperber in erster Linie über das, was diese Medien übersehen oder nur am Rande erwähnen: Dass zum Beispiel auch die Türkei und Saudiarabien das Völkerrecht schwer verletzen und Menschenrechte mit Füssen treten: «Infosperber sieht, was andere übersehen».
Urs P. Gasche, am 06. April 2016 um 15:43 Uhr
Sorry, Urs P. Gasche, wenn alle (hier: infosperber, telepolis, nachdenkseiten, fefe) , die für sich in Anspruch nehmen, zu sehen, was andere übersehen, exakt dieselbe Storyline haben und ein- und derselben Quelle abschreiben (Murray) dann ist das kein Beitrag zu einer erweiterter Gesamtsicht sondern enttäuschendes Clickbaiting.

Es wirkt auf die Leserschaft zuweilen wohl glaubwürdiger, wenn man zu einem Thema für einmal auf die Schnelle nichts vorzuweisen hat, statt in aller Eile eine vermeintlich süffige Verschwörung feilzubieten.
Andreas Kyriacou, am 06. April 2016 um 15:52 Uhr
Es ist nicht nachvollziehbar, worin obiger Artikel eine Verschwörung sein soll. Nur weil der Menschenrechtsaktivist zitiert ist? Stimmen seine Angaben über die Finanzierung nicht? Dann würden wir dies korrigieren oder präzisieren. Es ist doch eine relevante Information.
Urs P. Gasche, am 06. April 2016 um 16:06 Uhr
@Andreas Kyriacou
Ich fand' diesen Artikel weder überhastet, noch geht es um eine «süffige Verschwörung».

Weiter oben hatte ich schon gefragt, und hake hier nochmals nach: Finden Sie es in Ordnung, dass der allergrösste Teil der Medien-Berichte bzgl. «Panama Papers» Putin in den Vordergrund stellt (in Titelzeilen und mit Fotos), obwohl Putin persönlich nirgends erscheint in den Panama-Papieren (soweit sich das bisher abschätzen lässt)?

Und das wichtigste zumindest für mich hat eigentlich bereits Thomas Binder im ersten Kommentar festgehalten.
Christoph Meier, am 06. April 2016 um 16:08 Uhr

Ihre Meinung

Loggen Sie sich ein, um Ihre Meinung unter Ihrem richtigen Namen zu äussern. Wir gestatten keine Meinungseinträge anonymer User, um Missbräuche zu vermeiden. Hier können Sie sich registrieren.
Sollten Sie ihr Passwort vergessen haben, können Sie es neu anfordern. Achtung: Die Länge der Einträge ist beschränkt und wir erlauben nicht, zwei Meinungseinträge unmittelbar hintereinander zu platzieren. Unnötig herabsetzende Formulierungen ändern oder löschen wir ohne Korrespondenz.