Sperberauge

Neulich am Freiburger Billettautomaten

Sperber für Sperberauge Version 2025 © Bénédicte

Red. /  Die SBB testen in Freiburg bargeldlose Billettautomaten. Dem einzigen verbleibenden Bargeldautomaten fehlt es – an Barem.

Red. In Freiburg und in Olten testen die SBB derzeit bargeldlose Automaten. Das Bahnunternehmen betont, dass es auch in Zukunft mehrere Möglichkeiten für den Billettkauf anbieten wolle. Ein Infosperber-Leser, der in Freiburg ein Billett lösen wollte, beschreibt, wie es ihm am letzten übriggebliebenen Bargeldautomaten ergangen ist.

«In Freiburg haben wir das Glück, die Segnungen der bargeldlosen Billettautomaten testen zu dürfen. Wir schreiben das Jahr 2025, seit einem halben Jahrhundert existiert die Technologie der maschinellen Bargeldverarbeitung, über Jahrzehnte optimiert. Der einzige Automat, der allerdings noch Bargeld akzeptiert, ist zuhinterst versteckt, wo man ihn in der Eile erst dann findet, wenn der Zug vielleicht schon weg ist.

Wer das Billett gern datensparsam auf Papier hätte, verliert abermals Zeit mit Klicks durch verwirrende Optionen. Ein Wunder, dass man nicht noch eine Begründung eintippen muss.

Das Billett nach Bern kostet 9.70 Franken, ich klicke mich bis zur Barzahlungs-Option durch und gebe eine Fünfzigernote ein. Das Rückgeld hätte ich gern bar, ja. Wieder Klicks und Rechtfertigungsdruck. Jedoch scheitert die Rückgabe.

Es fehlt an der nötigen Liquidität

Der Bundesbetrieb verfügt am einzigen bargeldfähigen Verkaufspunkt dieses offenbar ziemlich unwichtigen Bahnknotens nicht über die nötige Liquidität in der Höhe eines knappen durchschnittlichen Bahnbilletts. Probieren wir die Zwanzigernote. Ja, das Rückgeld hätte ich wiederum gerne bar, die rechtfertigenden Klicks durch die Dialoge gehen schon flotter dank der Übung.

Aber auch die 10.30 Franken Rückgeld sind nicht liquid vorhanden. Der Zug fährt in 20 Sekunden. Versuchen wir es mit der Zehnernote. Ebenfalls kein Rückgeld vorhanden, man darf auf die 30 Rappen verzichten – als Lehrgeld für die Bargeldpräferenz – oder eben doch, wenn man es immer noch nicht begriffen hat, mit der Karte zahlen.

Die sich selbst bewahrheitende Prognose

So darf man unschwer prognostizieren, dass der Pilotversuch in Freiburg zum erwünschten Ergebnis führen wird: dass bald 100 Prozent der SBB-Kunden nur noch bargeldlos oder mit der App zahlen, weil die übrigen Kunden nämlich dann keine mehr sind. Das Experiment kann man also auch eine sich selbst bewahrheitende Prognose nennen.

Ich bin übrigens nicht der klassische Rentner, sondern als Ingenieur in der Softwarebranche tätig, und verzichte auf die SBB-App nicht aus Unwissen oder Unfähigkeit, sondern aus Überzeugung und aus Ärger über die Werbung. Und auch meinem 11-jährigen Sohn möchte ich weder eine Kreditkarte besorgen noch ein Handy kaufen, nur damit er Bahnfahren kann.»

Die bargeldlosen Billettautomaten der SBB sind rot gekennzeichnet.

Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine
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