Von gut gestimmten und verstimmten Konsumenten

Hanspeter Guggenbühl © bm

Hanspeter Guggenbühl /  Der Index der Konsumentenstimmung steigt und die Wirtschaft wächst, wenn Produkte schneller kaputt gehen. Das verstimmt.

Die Schweizer Wirtschaft wuchs 2013 um 1,9 Prozent, zeigt die Statistik. Das ist gut, und im neuen Jahr soll es noch besser werden: 2014 werde die Schweizer Wirtschaft um 2,3 Prozent wachsen, prophezeit das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco). Das freut die Medien: «Mehr Wachstum, mehr Jobs, mehr Lohn», jubelte zum Beispiel der «Blick», und die NZZ frohlockt: «Die Schweiz geht mit Elan ins 2014».

Hauptträger dieses Wachstums ist unser Konsum. Freude herrscht auch hier: Der Privatkonsum allein wuchs 2013 stärker als das Bruttoinlandprodukt insgesamt. Und der «Index der Konsumentenstimmung», den das Seco im Vierteljahrestakt erhebt, stieg im Herbst um vier Punkte und liegt über dem langjährigen Durchschnitt. Dieser Index erfasst, wie befragte Konsumentinnen und Konsumenten den Stand und die Entwicklung der Wirtschaft im allgemeinen und ihre persönliche finanzielle Lage einschätzen; er gilt als wichtiger Frühindikator für die Wirtschaftsentwicklung.

Ich selber habe zum Wachstum der Wirtschaft 2013 ebenfalls tüchtig beigetragen, und ich werde es 2014 voraussichtlich weiterhin tun müssen. Als Sportler kaufte ich zum Beispiel vier Pulsuhren samt Messgurten, obwohl nur ein Herz in meiner Brust schlägt. Grund: Drei Uhren oder Gurten (die miteinander meist nicht kompatibel sind) spielten verrückt oder registrierten Herzstillstand. Als ich die Vierte programmieren musste, war ich als Konsument verstimmt. Denn der schnelle Ersatz kostet nicht nur Geld, sondern auch viel Zeit. Andere machten mit anderem elektronischen Schrott ähnliche Erfahrungen. Die Lebensdauer der meisten Güter schrumpft.

Je kurzlebiger Computer, Kleider, Reissverschlüsse und andere Produkte (gemacht) werden, desto mehr müssen wir kaufen, desto stärker wachsen Wirtschaft und Verschwendung – und desto grösser wird der Ärger der Konsumierenden. Das relativiert die frohen Konjunktur-Botschaften im reichsten Land der Welt. Als Konsument jedenfalls wäre ich besser gestimmt, wenn der vertraute Laptop oder die Pulsuhr ihren Dienst zehn Jahre lang einwandfrei erbrächten. Paradox ist nur, dass dann der staatlich erhobene «Index der Konsumentenstimmung» in den Keller stürzte.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine. Hanspeter Guggenbühl ist mit Urs P. Gasche Autor des Buches «Schluss mit dem Wachstumswahn – Plädoyer für eine Umkehr», Rüegger Verlag 2010, 19.50 Fr

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