Gefährliches Flohmittel aus der Haustierpflege
Die meisten Tierhalter kennen es: Alle paar Wochen ein paar Tropfen zwischen die Schulterblätter von Hund und Katze, schon haben die Tiere für mehrere Wochen Ruhe vor Flöhen und Zecken. Man selbst natürlich auch. Das Auftragen solcher Insektenstopper ist meist Routine, kann aber weitreichende Nebenwirkungen haben.
Denn oft enthalten solche Medikamente die Chemikalie Fipronil, ein gegen Insekten wirksames Nervengift, das nicht am Tier bleibt. Wenn Tiere in Flüssen baden, zu Hause gebadet oder gebürstet werden, ihre Decken gewaschen werden oder sich der Anwender auch nur die Hände wäscht, gelangt das Insektengift ins Wasser.
Häufigstes Pestizid in Schweizer Flüssen
Laut der Eawag ist Fipronil das am häufigsten in Schweizer Flüssen gefundene Pestizid, obwohl es kaum noch eingesetzt werden darf. Seit 2013 ist Fipronil in der EU-Landwirtschaft, seit 2014 in der Schweizer Landwirtschaft verboten. Seit 2023 darf es nicht mehr gegen Insekten wie Kakerlaken und Ameisen verwendet werden, Restbestände dürfen verkauft werden. Für Haustier-Medikamente ist es erlaubt.
Fipronil gilt als eines der giftigsten Insektizide für Wasserorganismen. Dennoch findet sich die Substanz regelmässig in Schweizer Bächen und Flüssen – in Konzentrationen, die für Wasserlebewesen kritisch sind. Messungen beim Nationalen Gewässermonitoring (Nawa Trend MV) zeigten, dass das sogenannte Chronic Quality Criterion (CQC) von 0,77 Nanogramm pro Liter in zahlreichen Gewässern überschritten wird.
Dieser ökotoxikologische Richtwert markiert die Konzentration, oberhalb derer langfristige Schäden für Wasserorganismen nicht ausgeschlossen werden können. 2022 wurden bei keinem anderen Pestizid so viele Überschreitungen festgestellt, wie bei Fipronil. Die wahrscheinlichste Quelle sind laut der Eawag Antiparasitika für Hunde und Katzen.
Fipronil schädigt die gesamte Nahrungskette
Auch für Menschen ist Fipronil giftig, aber in wesentlich höheren Konzentrationen als für Wasserlebewesen und Insekten. Die Menge, die ein Mensch innerhalb von 24 Stunden ohne gesundheitliche Bedenken aufnehmen kann (akute Referenzdosis), liegt bei 0,009 Milligramm (9000 Nanogramm) pro Kilogramm Körpergewicht. 2017 wurde in Deutschland und Belgien dennoch vor dem Verzehr von Eiern gewarnt, die Fipronil enthielten. Das Insektizid war durch Reinigungsmittel in die Ställe gelangt.
Im Wasser schädigt die Chemikalie zunächst Kleinlebewesen, die die Basis der aquatischen Nahrungskette bilden. Fipronil beeinflusst so indirekt auch Amphibien und Vögel, die diese Kleinlebewesen fressen. Es kann sich anreichern und wird auch in Fischen gefunden. Kläranlagen halten Fipronil nicht vollständig zurück. Es gibt Hinweise darauf, dass Fipronil die Fruchtbarkeit bei mehreren Tierarten einschränkt. Vögel, die damit behandelte Tierhaare zum Nestbau verwenden, haben beispielsweise einen geringeren Bruterfolg.
In Sedimenten baut sich Fipronil nur langsam ab. Abbauprodukte, die auch in Kläranlagen entstehen können, könnten teils noch langlebiger oder toxischer sein als der Ausgangsstoff, schreibt der pensionierte Tierarzt Ueli Zellweger in «The European».
Tierarzt fordert, Regulierungslücke zu schliessen
Das Hauptproblem bei Fipronil, das auch er jahrzehntelang routinemässig verordnet habe, ist seiner Ansicht nach eine Regulierungslücke: Für Tierarzneimittel sind Umweltverträglichkeitsprüfungen nicht oder nur in geringem Umfang vorgeschrieben. Dennoch werden sie millionenfach angewandt. Kombinationspräparate mit Wirkstoffen wie Methopren oder Pyriproxyfen können zusätzliche Risiken bergen.
Für Tierhalterinnen und Tierhalter ist das kaum ersichtlich. Die Umweltwarnungen sind minimal. Zwar werde empfohlen, Hunde nach der Behandlung 48 bis 72 Stunden nicht ins Wasser zu lassen. Doch Studien zeigen, dass Fipronil über die gesamte Wirkdauer hinweg abgeschieden wird.
Produkte, die giftige Insektizide in die Umwelt einbringen, sollten unabhängig vom Verwendungszweck untersucht werden, argumentiert Zellweger. Wie auch andere Fachleute fordert er eine Neubewertung. Alternative Wirkstoffe, die weniger giftig sind oder nicht in die Umwelt gelangen, gebe es bereits.
Die «Stiftung Warentest» hat sich im April 2025 mit Anti-Zecken-Mitteln für Hunde auseinandergesetzt, kommt aber zu keinem endgültigen Urteil. Andere Insektizide, die gegen Tierparasiten wirksam sind, wie Permethrin oder Imidacloprid, sind ebenfalls giftig für Wasserlebewesen.
Für die Umwelt schonender zu sein scheinen Tabletten zum Einnehmen, falls das Tier sie annimmt. Die Wirkstoffe, die meist ebenfalls Insektizide sind, gelangen ins Blut und nicht auf die Haut oder ins Fell und werden nicht direkt abgegeben. Allerdings sind sie nicht für alle Hunderassen unbedenklich und wirken erst, wenn die Zecke zugebissen hat. Ätherisches Zitroneneukalyptusöl ist zwar natürlich, muss aber täglich und sorgfältig aufgetragen werden. Leinöl und andere Hausmittel wirken nicht, Lavendelöl nur wenig. Katzen vertragen ätherische Öle nebenbei oft schlecht.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
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