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«Fakten zur Windenergie»: Die Broschüre des Bundesamts für Energie riecht stark nach PR. © BFE

Das Bundesamt für Energie macht Politik mit einer Grafik

Marco Diener /  Windenergie sei «ein zentraler Baustein» für die Stromversorgung, behauptet die Bundesverwaltung. Doch Wind ist unbedeutend.

Mit einer Grafik kann man dem Betrachter einen schwierigen Sachverhalt veranschaulichen. Man kann dafür sorgen, dass er rasch einen Überblick gewinnt.

Mit einer Grafik kann man einen Betrachter auch in die Irre führen. Das tut das Bundesamt für Energie (BFE) in der Broschüre «Fakten zur Windenergie».

Screenshot 2025-12-16 at 18-46-20 12259-250828-ECH-Windkraft-Broschuere-D-WEB-1.pdf
Hier gibt es eine grössere Auflösung der Grafik.

Wer die Grafik flüchtig anschaut, kommt zu folgenden Schlüssen:

  • Im Sommer ist die Sonnenenergie die wichtigste Stromquelle.
  • Im Winter ist es die Windkraft.
  • Die Wasserkraft liefert am regelmässigsten Strom.
  • Alle drei Energiequellen sind – übers ganze Jahr betrachtet – in etwa gleich bedeutend.

Um es kurz zu machen: Alle vier Schlüsse sind falsch. Die Grafik zeigt nämlich nicht, wie viele Gigawattstunden Strom die drei Energiequellen liefern. Und sie zeigt auch nicht, wie hoch der Anteil der jeweiligen Energiequellen an der gesamten Stromproduktion ist.

Was zeigt uns also die Grafik, die wirkt, als würde die Windkraft durch den Winter retten? Sie zeigt bloss, wie sich die Stromproduktion – beispielsweise aus Windkraft – übers Jahr verteilt. Im Juli fallen knapp sechs Prozent des jährlichen Windstroms an, im Dezember nicht ganz zwölf Prozent.

Welcher Energieträger tatsächlich wie viel zur Schweizer Stromproduktion beiträgt, zeigen die absoluten Zahlen in den Swiss Energy-Charts. Klar ist: Am wichtigsten ist die Wasserkraft vor der Atomkraft und der Sonnenenergie. Unbedeutend ist die Windkraft.

Screenshot 2025-12-16 at 18-48-44 Säulendiagramme zur Stromerzeugung Energy-Charts
So viel haben die verschiedenen Energieträger im Dezember zur Energieproduktion beigetragen (Stand 16. Dezember). Rot die Kernkraft, blau und hellblau die Wasserkraft, violett andere wie Kehrichtverbrennungsanlagen, Fernheizkraftwerke und Wärme-Kraft-Koppelungs-Anlagen, grün Windkraft und gelb Sonnenenergie. Hier gibt es eine grössere Auflösung der Grafik.

Trotzdem schreibt das BFE: «Windenergie ist ein zentraler Baustein, um die Energie- und Klimaziele der Schweiz zu erreichen.» Und es behauptet sogar: «Zwei Drittel des Windstroms werden im Winter produziert, wenn Solaranlagen und Wasserkraftwerke weniger liefern.»

Tatsache ist: Sogar in diesem nebligen Dezember haben die Solaranlagen bis jetzt 29 Mal so viel Strom geliefert wie die Windräder. Dazu eine kleine Rechnung:

Laut dem Bundesamt für Energie stehen in der Schweiz 50 Windräder. Damit im Winter schon nur gleich viel Energie gewonnen werden könnte wie aus der Sonnenenergie, wären über 1400 Windräder nötig. In den nächsten Jahren und Jahrzehnten ist das angesichts des breiten Widerstands gegen Windparks illusorisch.

Dennoch schreibt das BFE unbeirrt: «Geeignete Standorte gibt es in allen Regionen der Schweiz. Strenge Umweltverträglichkeitsprüfungen garantieren den Schutz von Natur und Landschaft.»

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15 Meinungen

  • am 17.12.2025 um 11:39 Uhr
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    Windkraft in der gegenwärtigen Form ist ein Verbrechen an Natur, Landschaft und den Menschen! Sie müssten längst verboten werden! Bauaufwand, Lärm, Nebenschäden und die unsichere Leistung, sowie das fragwürdige Recycling, stehen in keinem Verhältnis zum Nutzen. Wären sie nicht so hoch subventioniert, würden sie gar nicht gebaut! Ich nehme an, dass der Leistungs-Koeffizient, Strom pro m2 Landverbrauch, im Vergleich zur Kernkraft, miserabel ist! Bei Offshore-Anlagen (Anlagen im Meer) besteht das Problem, dass die Fauna gestört wird und die relativ konstante Stromproduktion (Dauerwind) nur mit hohen Leitungs-Investitionen und hohen Induktionsverlusten (lange Strecken) zum Verbraucher gebracht werden kann!?

  • am 17.12.2025 um 14:00 Uhr
    Permalink

    Dieser Artikel ist sicher gut gemeint, aber selbst nicht über alle Zweifel erhaben. Suggeriert wird zum Beispiel, dass das Zitat «Zwei Drittel des Windstroms werden im Winter produziert, wenn Solaranlagen und Wasserkraftwerke weniger liefern.» eine Falschinformation sei. Jedoch: Wenn man wie das BFE «weniger» als «weniger als in den anderen Jahreszeiten» versteht, stimmt die Feststellung. Und für die Behauptung, dass die Broschüre den Leser in die Irre führe, kann sich der Autor leider nicht einfach auf seinen eigenen Eindruck abstützen, sondern müsste anhand einer repräsentativen Umfrage nachweisen, dass die Broschüre tatsächlich von signifikant vielen Leuten missverstanden wird, ganz zu schweigen von der Beweislast für die Vermutung, dass dieses Missverständnis Absicht des BFE wäre.

  • am 17.12.2025 um 14:58 Uhr
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    Bravo Marco Diener – sehr gut analysiert.
    Die obere Grafik aus der «Küche» eines stark regulatorisch und technisch geprägten Bundesamts ist eine Frechheit. Die drei Energielieferanten Wasser, Sonne und Wind sind darin je separat dargestellt. Das heisst, dass die Summe der zwölf Monatswerte jedes dieser Energielieferanten den Wert von 100% ergibt! Wieviele PROZENT jeder dieser Energielieferanten an der GESAMTEN monatlichen Energieproduktion* beiträgt ist damit völlig unergründlich.
    *NB. Physikalisch kann Energie nicht produziert, sondern nur umgewandelt werden. Also z.B. von Sonneneinstrahlung zu Wärme (Solarthermie) oder zu Elektrizität (Photovoltaik).

  • am 17.12.2025 um 18:54 Uhr
    Permalink

    Einen solch üblen Artikel habe ich auf Infosperber noch nie gelesen. Es ist doch ganz klar, dass der Anteil der Windenergie in der Schweiz darum so klein ist weil wir noch fast keine Windräder haben. Ein vergleichbares Land ist Österreich wo es irgendwo zwischen 1000 und 1500 Windkraftanlagen gibt, der Anteil an der Stromproduktion liegt dort bei gut 10%, im Winter mehr. Wir haben ein Problem im Winter. Da nützt es wenig auf jedes Dach eine PV -Anlage zu bauen wie es die Grünen wollen, weil unter dem Nebel einfach nichts geht. Wir hätten dann im Sommerhalbjahr riesige Überschüsse die ins Leere laufen und die PV-Anlagen unwirtschaftlich machen. Wir sollten jetzt einfach subito ohne blöd tun mal wenigsten 200 bis 300 Anlagen bauen.
    Stefan Baumann, Mitglied Prowind Schaffhausen

    • am 18.12.2025 um 18:42 Uhr
      Permalink

      Ja, in Österreich gibt es 1451 Windturbinen (Stand Ende 2024). Davon standen 1279 (= 88 %) in
      Niederösterreich und im Burgenland – mit andern Worten: in der Pannonischen Tiefebene mit ihren
      besonders günstigen Windverhältnissen, von denen die Schweiz nur träumen kann. Warum wird dieses Faktum von den Windkraftbefürwortern immer verschwiegen? Im Jahr 2024 produzierte eine Windturbine in in Österreich im Mittel 6.46 GWh; in der Schweiz jedoch nur 3.62 GWh. Solange unser Land über keine Pannonische Tiefebene verfügt, werden wir Österreichs Vorsprung nie aufholen….

  • am 17.12.2025 um 21:07 Uhr
    Permalink

    Marco Diener behauptet «Windenergie sei «ein zentraler Baustein» für die Stromversorgung, behauptet die Bundesverwaltung.» Das Faktenblatt sagt aber «Windenergie ist ein zentraler Baustein, um die Energie- und Klimaziele der Schweiz zu erreichen.» Das ist eine fundamental andere Message. Und sie wird unterstrichen mit der Grafik auf der letzten Seite die zeigt, wie rückständig die Schweiz im Vergleich mit den benachbarten Regionen ist (z.B. fast 30x weniger Anlagen als Österreich). Mir scheint das Blatt ziemlich leicht verständlich und nicht irreführend; im Gegensatz zu den frappanten Faktenverdrehungen dieses Artikels, die eher in den Nebelspalter als in den Infosperber passen…

    • am 18.12.2025 um 13:59 Uhr
      Permalink

      Strom von Windrädern ist technisch und wirtschaftlich untragbar und schädlich für Natur und Menschen. Windparks richten weit mehr und vor allem langfristigere Schäden an als jede andere in Verwendung befindliche Energiequelle. Das hat TKP mit Berichten zu wissenschaftlichen Studien immer wieder dargelegt .
      Quelle:
      Windkraft: Schadet Umwelt, Menschen, Tieren und Pflanzen wie keine andere Energiequelle

  • am 17.12.2025 um 23:01 Uhr
    Permalink

    Ich finde es gut, wenn Sachverhalte umfassend dargestellt werden und dies scheint das BFE nicht zu tun. Nur ist die Aussage vom BFE eine Aussage über das Potential und dieses ist gross und kann die andern Energiequellen wunderbar ergänzen. Der Widerstand gegen Windkraft erinnert mich stark an die die ersten Eisenbahnen. Viele Argumente sind nicht 100% falsch, aber um Faktoren übertrieben.

  • am 18.12.2025 um 00:45 Uhr
    Permalink

    Die Grafik des BFE zeigt das (ungenutzte) Potential von Windstrom im Winter, speziell für die Bereitstellung von Strom für Wärmepumpen.
    Zweck der Windkraft-Diffamierung ist die Erhaltung der Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zum Vorteil von Heizöl-Handelskonzernen, den kapitalgewaltigen Konzernen mit fossilen Energieträgern und Nationen wie den Golfstaaten, Saudiarabien aber auch den USA.
    Die leistungslosen Dividenden-Eigentümer sowie die hochbezahlten Beschäftigten in den fossilen Konzernen freut das natürllich.
    Ohne Frage auch die «Erneuerbaren» sind mit Kollateralschäden verbunden, aber langfristig gesehen viel weniger. Der libertäre Finanzkapitalismus zerstört zunehemend nicht nur die natürlichen Grundlagen für gutes menschliches Leben sondern auch noch demokratische Machtverhältnisse.

    • am 18.12.2025 um 14:00 Uhr
      Permalink

      Eine beispiellose Pleite mit den vermeintlich „nachhaltigen“ Energien sorgt für Unmut. Nach nur etwas über 15 Jahren Laufzeit soll nun der Offshore-Windpark „Alpha Ventus“ in der Nordsee, der im Jahr 2010 als erste deutsche Anlage dieser Art in Betrieb ging, zwischen Frühjahr 2027 und 2028 wieder abgebaut werden. Die Betreibergesellschaft Doti, ein Konsortium aus RWE, EWE und Vattenfall, sucht bereits nach geeigneten Dienstleistungsunternehmen für die Demontage der zwölf Windkraftanlagen.

  • am 18.12.2025 um 09:40 Uhr
    Permalink

    Ich kann die Begeisterung für die Windkraft inmitten des dichtesten Siedlungsraumes der Welt – Mitteleuropa – nicht nachvollziehen. Die heutigen Windkraftwerke sind über 100m hohe Monster, deren Blattspitzen fast Schallgeschwindigkeit erreichen. Die Errichtung verlangt breite Zufahrtswege, und umfangreiche Betonierungen – all das versiegelt unwiderbringlich wertvolle Flächen. Es geht ja nicht um einzelne Türme, sondern um ganze Areale. Die Rotoren sind ähnlich stark belastet wie Flugzeugtragflächen und unterliegen großem Verschleiß: Abrieb aus Mikropartikeln, der sich feinst in der Umgebung verteilt. In Europa weht der Wind landeinwärts und transportiert Feuchtigkeit – was geschieht wenn diesem Wind durch Windkraftwerke massiv kinetische Energie entzogen wird, muss gründlich erforscht werden, genauso wie die Auswirkung auf die Tierwelt. Wir machen es uns da zu einfach.

  • am 18.12.2025 um 11:28 Uhr
    Permalink

    Ich las den Satz «Sie zeigt bloss, wie sich die Stromproduktion – beispielsweise aus Windkraft – übers Jahr verteilt.» drei Mal und verstand es immer noch nicht. Dann las ich den Diagrammtitel «Prozentualer Anteil pro Monat AN DER JAHRESPRODUKTION […]», und aha! der Groschen fiel.

    Man hätte von den drei Energien je ein Kuchendiagramm machen sollen. Das ganze Jahr ist dann der Kuchen. Die Monate sind unterschiedlich grosse Kuchestücke. Beim Wind sind die Wintermonate grösser, bei Solar die Sommermonate. Das wäre korrekt und ehrlich gewesen.

    Überprüfen wir das schnell? Das ganze Jahr wäre 100%. Die Monaten mit Januar zuerst sind ca. 11.5% 12% 9% 7%, 7% 5.5% 5.5% 5.5% 7% 9% 9% 12%. Die Summe 100%. Hmm…

    Vielleicht war es nur Dummheit, aber man darf den Verdacht schöpfen, dass man manipulieren wollte. Wer aber den Strommarkt kennt, sollte stutzen, denn in der Schweiz ist im Februar nie und niemals 12% der Stromproduktion vom Wind!!

  • am 18.12.2025 um 12:00 Uhr
    Permalink

    Hier geht es um die Verteilung des Wind- und Solaraufkommen im Verlaufe des Jahres und der 365 Tage (horizontal) , und der Tageszeit (24h vertikal)
    Nicht die absoluten Beiträge in der Summe. (GWh)
    Man kann das auf Swiss Energy-Charts aufrufen.

  • am 18.12.2025 um 12:14 Uhr
    Permalink

    Wie bei vielen Themen würde auch bei diesem Thema gelten: Fakten und denken würden helfen.
    Es ist natürlich schwierig den Fakten auf den Grund zu gehen, aber ehrlicherweise machen das weder Befürworter noch Gegner. Trotzdem muss man irgendwo anfangen. Muss darüber diskutiert werden ob es sinnvoll ist Balsaholz, ein spezielles Holz aus den Urwäldern für die Herstellung der Flügel zu verwenden? Wieviel Energie steckt nur schon dort drin? Ein Onshore Windkraftwerk liefert übers ganze Jahr rund 17% der installierten Leistung und das nicht dann wenn Strom benötigt wird, sondern wenn der Wind bläst. Eine von mir nicht nachrechenbare Aussage ist, dass ein Windrad nach 52 Jahren soviel Strom produziert hat wie es benötigte um gebaut zu werden. Nach 20 Jahren ist die Lebensdauer aber erreicht. Ueber die Nachteile dieser Giganten sollten sich alle zuerst ein Bild machen. Allein wegen der Schäden muss man nicht über das für und wider diskutieren.

  • am 18.12.2025 um 12:53 Uhr
    Permalink

    Kommen wir wieder zurück zur Realität: wer regelmässig die tatsächlichen Verhältnisse studiert, der wird längst gesehen haben, dass Windenergie nur marginal zur E-Produktion beiträgt – und das auch in Österreich!
    Wir reden hier nicht von «installierter Leistung», sondern von der «tatsächlichen Nutzung». Diese beiden Werte liegen bereits bei Wasserstrom weit auseinander, bei Solar noch viel weiter und bei Windenergie??? Bitte selber schauen.
    Einzig die Kernenergie liefert rund 70% der installierten Leitung KONSTANT über 24 Stunden.

    Die Aussagen von Marco Diener sind somit völlig zutreffend.

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