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Masters of the Universe - Banker in New York, 6th Ave. vor Indianas LOVE-Skulptur © R./2010

„Masters of the Universe“: Meister des Machtspiels

Robert Ruoff /  Die Banker, die uns in die Krise geführt haben, nehmen heute die politische Macht in die Hand.

Es ist ziemlich genau zwei Jahre her, bei einem Fest auf sehr hohem Niveau, als mir ein Top-Manager einer Weltbank erklärte, die amerikanische Immobilienblase hätte durchaus nicht platzen müssen. «Das Problem war, dass die Menschen nicht mehr an das System geglaubt haben.»

Ich staunte, schwieg und versuchte zu verstehen: Also war alles gar nicht eine Frage der einigermassen realen Häuserwerte und der Zahlungsfähigkeit der Schuldner. Also war die grosse Krise auch nicht die Folge eines abenteuerlichen Managements auf einem aufgeblähten Markt. Es war alles nur eine Glaubensfrage, und solange man nur dran glaubte, würde das System schon funktionieren.

Der grosse Glaube

Das war also die Erleuchtung. Da sass ich einem dieser Banker gegenüber, die enormes Kapital bewegten und Entscheidungen über das Wohl und Wehe Hunderttausender trafen und mehr. Und der mir offenbarte, Wirtschafts- und Finanzpolitik sei im Grunde eine Sache des Glaubens, eine fast religiöse Aufgabe. Einer dieser Geld-Manager, die Tom Wolfe schon zwanzig Jahre vorher in seinem zeitlosen Roman «The Bonfire of the Vanities» (1987) als «Master of the Universe» bezeichnet hatte.

Tom Wolfes Buch beschreibt New York als «eine Stadt kurz vor dem Kollaps, mit einer weissen Kruste von Bankern oben drauf – die sogenannten ‚Meister des Universums’ –, die im Penthouse ihre Parties feierten, während der Rest der häufig schwarzen Einwohner von New York gegen eine Flutwelle von Verbrechen und Arbeitslosigkeit kämpften und von einer rücksichtslosen politischen Klasse ausgebeutet wurden.» (Observer-Korrespondent Paul Harris)

Tom Wolfes «Bonfire» erschien 1987, Paul Harris schrieb seinen Rückblick im Dezember 2007. Und er stellte fest: «Der Roman hat bei Weitem nicht das Ende von Sherman McCoy (der Hauptfigur des Romans) und von Seinesgleichen markiert, im Gegenteil: in den vergangenen 20 Jahren haben sie die Stadt übernommen.» – Das war ein Jahr vor dem Ausbruch der grossen Subprime-Krise.

Die «Masters of the Universe» glauben an das System und sie predigen allen das Gleiche: Wer auch daran glaubt, gewinnt das Paradies auf Erden. Und sei es nur in Form eines One-Million-Dollar-Hauses in einer Vorstadt-Siedlung voll von Desparate Housewives.

Das sind die Heilsversprechen der Meister des kapitalistischen Macht- und Börsenspiels. Sie haben in den 80er-Jahren ihren Siegeszug durch die Wall Street angetreten, und ihr Vormarsch ist auch nach all den geplatzten Blasen und überstandenen Krisen nicht zu Ende. Im Gegenteil: Sie halten mehr denn je die Hebel der Macht in den Händen.

Obwohl sie eigentlich hätten entmachtet werden müssen, nachdem sie sich gewaltig verzockt hatten beim Spiel mit minderwertigen amerikanischen Hypotheken und Hochrisikokrediten an korrupte Staaten wie Griechenland. Aber das ist genau das Paradox: die Staaten, deren Steuerzahler die Zocker gerettet haben, geraten jetzt mehr und mehr in Abhängigkeit von eben diesen Meistern des Macht- und Börsenspiels.

Wissenschaft als Verschleierung

Aber selbst die Experten, die das analysieren und offenlegen müssten, verschleiern den Tatbestand. Absichtlich oder unabsichtlich, das kann dahin gestellt bleiben. Zum Beispiel Professor Urs Birchler, der Bankenspezialist an der Universität Zürich. In seinem Interview über die Bankenwelt und die Eurokrise (im «magazin» der Universität Zürich, Nr. 4/Dezember 2011), sagt er: «Die Banken sind zum Teil verstaatlicht, die Staaten verbankt, man weiss nicht mehr, was wem gehört.» Und als Auslöser: «Die Risikoprämien für die Banken stiegen (in den Monaten vor der Krise 2008), weil man wusste, den Banken geht es nicht mehr so gut.» Und als Verknüpfung: «Die Staaten müssen die Banken retten. Das hat damit zu tun, dass die Staaten grösser geworden sind, ihr Anteil an der Volkswirtschaft ist gestiegen. Und die Banken sind auch grösser geworden. Das heisst, es ist viel gravierender, wenn eine Bank scheitert. So sind die Staaten in Geiselhaft geraten, wie sich in der Finanzkrise gezeigt hat.»

Das ist ökonomistische, akademische Schönschreibe. Das blendet wirtschaftliche Machtverhältnisse und gesellschaftlich-politische Abhängigkeiten und vor allen Dingen die handelnden Personen aus.

Das Problem ist nicht, dass die Staaten und die Banken einfach «grösser» geworden sind. Das Problem ist, dass das Finanzkapital in den Händen der Investoren innerhalb und ausserhalb der Banken sich losgelöst hat von der realen Wertschöpfung. Das Problem ist, dass die «Master of the Universe» dem Mythos des Geldes verfallen sind: dem Glauben, Geld lasse sich endlos mit Geld vermehren, und es brauche schon gar keinen Bezug mehr zur realen Wirtschaft, zur Herstellung realer Güter, zur realen Arbeit.
Das Problem ist, dass ihnen kaum noch einer an den ideologisch eingefärbten Universitäten von St. Gallen bis Zürich (und wohl auch nicht in Stanford, Harvard und Oxford) sagt, dass für jeden Franken, Euro, Dollar ein realer Gegenwart geschaffen werden muss und für jedes Wertpapier ein realer Wert, wenn die ganze Chose nicht in die Luft gehen soll.

Und dass irgendeiner immer bezahlt. Aber das wissen sie wahrscheinlich, denn sie handeln ja nach dem Motto: «Take the money and run!»

Anstatt die handelnden Personen zu benennen, spricht diese «Wissenschaft» von «Marktmechanismen» und abstrakten Strukturen – «die Staaten sind verbankt und die Banken verstaatlicht» – und erklärt die schiere Grösse von Banken und Staaten zum Grund für «die Staaten in Geiselhaft». Aber es sind die «Masters of the Universe», die Agenten des Finanzkapitals innerhalb und ausserhalb der Banken, die im blinden Glauben an unendliches Wachstum (oder im schieren Zynismus) weltweit Schrottpapiere unter die Leute gebracht haben.

Zauberlehrlinge an den Hebeln

Es sind die Zauberlehrlinge aus den Wirtschafts- und Bankfakultäten, die mit Produkten, Instrumenten, Derivaten und Hedge Fonds in ihren als «Börse» bezeichneten Wettbüros so lange für und gegen Währungen spekulieren, bis sie bald nur noch Schrottwert haben. George Soros hat es vor Jahren erfolgreich mit dem britischen Pfund vorgemacht, und heute darf ein beliebiger angelernter UBS-Investmentbanker ohne grosse Kontrolle nach diesem System Milliarden vernichten. Für die Folgen bezahlen die 99 Prozent, die an dem Spiel nicht teilhaben. Und das ganze Wirtschafts- und Währungsgefüge kommt ins Schleudern.

Experten wie Professor Birchler und andere erklären dann: «Der Euro ist eine Fehlkonstruktion». Der andere Gedanke, es könnte der völlig deregulierte Finanzmarkt die «Fehlkonstruktion» sein, taucht in solchen akademischen Expertisen auch nicht andeutungsweise auf. Und schon gar nicht die Notwendigkeit einer wirklich demokratisch begründeten politischen Kontrolle der wild gewordenen Finanzmärkte, die der zur Wissenschaft erklärten «Laissez-faire»-Ideologie diametral widersprechen würde. Staatliche Bremsen wie die Finanztransaktions-Steuer für die «selbstregulierenden» deregulierten Märkte werden erst Teil der Politik, wenn der Unmut des Wahlvolks dem politischen Gegner zu nützen droht. Siehe Sarkozy.

Mal ganz davon abgesehen, dass François Mitterrand, Giulio Andreotti und andere damals mit historisch gutem Grund die deutsche Vereinigung an die Einführung des Euro gebunden haben, um die Vorherrschaft eines D-Mark-Deutschland in Europa zu verhindern. Und dass es bis heute gute Gründe gibt, die gemeinsame Euro-Währung als europäisches Projekt zu bewahren, wenn wir nicht vollends in den alten Nationalismus mit seinen konfliktträchtigen Spannungen zurückfallen wollen.

Korruptes Netz

In der Regel spielen das politische und wirtschaftliche Establishment ziemlich reibungslos zusammen. Es sind, in Griechenland und anderswo, die Eigentümer der grossen Vermögen und Bezüger der grossen Einkommen, die mit ihrer Steuerverweigerung das miese Beispiel gegeben und dem Staat die notwendigen Mittel vorenthalten haben. Und es sind ihre opportunistischen oder korrupten Interessenvertreter an den Schalthebeln der Politik, die diese Steuerflucht gedeckt und gleichzeitig bei den internationalen Banken hochverzinsliche Kredite aufgenommen haben, um «das Volk» doch mit ein paar staatlichen Leistungen bei Laune zu halten. Also die ansonsten zunehmend entmachteten und entmündigten Wählerinnen und Wähler, wie das Beispiel Griechenland zeigt.

Nebenbei: Die Schweizer «classe politique» und ihre Stimmbürgerinnen und Stimmbürger ziehen Gewinn aus dieser Korruption, wenn sie mit ihrer Politik der Steuerpauschalen die superreichen Wirtschaftsflüchtlinge dazu einladen, hierzulande ein billiges Steuerasyl zu suchen.

Geschwächter Staat

Und es sind nicht einfach die «verbankten Staaten», die bezahlen. Es sind bei Lichte besehen die entmachteten und entmündigten Bürgerinnen und Bürger. Sie werden genötigt, die Spielschulden der Investmentbanker in Milliardenhöhe auszugleichen und die Korruptionskredite abzugelten, bis ihre Staaten zahlungsunfähig sind – oder doch unfähig, das Keynesianische Deficit Spending zu betreiben, sprich: mit staatlichen Mitteln die Wirtschaft anzukurbeln, was, wie auch Professor Birchler sagt, wohl «im Moment genau das Richtige» wäre.

Und so zwingen die «Masters of the Universe» mit teuflischem Vergnügen die Krisenstaaten zu genau dem Staatsabbau, den sie mit den klassischen, parlamentarisch-demokratischen Mitteln nicht durchzusetzen vermochten. Siehe Griechenland, Italien… – und in den USA dreht sich die Präsidentenwahl 2012 im Kern um genau diese Frage: Sicherung des Sozialstaates oder Abbau des Staates nach libertärem Muster auf ein absolutes Minimum.

Zivilisierte Marktwirtschaft

Es geht dabei nicht einfach nur um libertäre oder soziale Marktwirtschaft. Der Wirtschaftsethiker Peter Ulrich beschreibt in der WOZ sehr fassbar mögliche politische Alternativen, vor denen wir in den kommenden Jahren stehen werden:

«Sie können soziale Marktwirtschaft auf drei Arten denken: Für die ‚Libertären’ ist ‚sozial’ nur ein schmückendes Beiwort – für sie ist Marktwirtschaft per se sozial. Bei der zweiten, traditionell sozialdemokratischen Denkweise wird die Marktwirtschaft sozial korrigiert; man versucht durch Umverteilung kompromisshaft eine gewisse Balance zu erzeugen. Erst die dritte Möglichkeit ist die, die ich vertrete: Der soziale Faktor wird als konstitutiv für eine lebensdienliche Marktwirtschaft begriffen. Mit ‚konstitutiv’ meine ich grundlegend, aber auch rechtsstaatlich verfasst, wie es der englische Begriff ‚Constitution’ ausdrückt. (…) Es geht nicht nur um nachträgliche Umverteilung, sondern darum, die Marktwirtschaft von vornherein in die Prinzipien einer voll entfalteten ‚Civil Society’ – einer Bürgergesellschaft – einzubinden. Ich plädiere für eine buchstäblich zivilisierte Marktwirtschaft.»

Und das Fazit: «Das bedeutet den Vorrang bürgerliberaler Gesellschaftspolitik vor marktliberaler Wirtschaftspolitik.» (Ulrich in WOZ, 5. Januar 2012)

Aber die Verfechter der «marktliberalen Wirtschaftspolitik» drängen in der grossen expandierenden Krise mit aller Macht an die Macht. Und verdrängen dabei die Realität mit falschen Wahrheiten. Zum Beispiel mit dem Spruch: «die Staaten sind verbankt und die Banken verstaatlicht». Aber dieser Spruch ist zu eingängig, um wahr zu sein. Dieser abstrakt-akademischen Slogan verbirgt nur die durch alle Krisen der letzten Jahrzehnte stetig gewachsene Macht der «Masters of the Universe», dieser neuen Klasse, die sich tatsächlich als Giganten des Machtspiels erweisen. Sie haben mit jedem Einbruch der Wirtschaft mehr Macht gewonnen und die Staaten in eine immer grössere Abhängigkeit getrieben. Nach dem finanzkapitalistisch gedrehten Motto: «First we take Manhattan…

…und dann Europa

…und irgendwann auch die Schweiz, das walte Christoph mit seiner parlamentarisch-publizistischen Sturmtruppe. Der – wie man heute weiss – erfolgreiche Angriff auf den Präsidenten der Schweizerischen Nationalbank gehört in diese Logik der Schwächung des Staates und der Abwehr jeder Regulierung.

Philipp Hildebrand beziehungsweise seine Frau beziehungsweise beide zusammen haben dem Troll vom Herrliberg allerdings auch eine, mit Verlaub und allem gebotenen Respekt, ziemlich idiotische Vorlage für seine Intrige geboten, wie man am bildungsbürgerlichen Stammtisch sagen würde. Nach der ursprünglichen Bedeutung des alt-griechischen «idiotes», das den Privatmann bezeichnet, der kein öffentliches Amt bekleidet.

Das ist der Punkt, und nicht eine wie auch immer geartete «moralische» Verfehlung (was soll das denn sein?): Philipp Hildebrand, der für seinen Einsatz für das finanz- und wirtschaftspolitische Wohlergehen des Landes allen Wertschätzung verdient, hat sich an dieser Stelle als ganz gewöhnlicher Banker gezeigt, der nur den Gesetzen des kapitalistischen Finanzmarktes und seiner ganz engstirnigen persönlichen Geld-Interessen folgt. Er hat an dieser Stelle das Bewusstsein für seine gesellschaftspolitische Verantwortung vermissen lassen. Wie die Meister des Universums, zu denen er einige Jahre lang gehörte. Aber: er hat einen starken, ehrenwerten Abgang gehabt.

Hildebrands Feinde, die in weit höherem Massstab die gleiche wunderbare Geldvermehrung betreiben und weiter betreiben wollen wie der Bankpräsident und seine Frau, haben nur zu gern die Gelegenheit ergriffen, einen Nationalbankchef aus dem Amt zu hebeln, der sich für eine stärkere Regulierung der grossen Finanzinstitute eingesetzt hat. Und im Fall Ospel/UBS für eine vertrauenswürdige Führung der Schweizer Grossbanken (die wir wohl bis heute nicht wirklich haben). Und für die Einbindung der Schweiz in das globale Wirtschafts- und Finanzgefüge und ihre Institutionen. Und für eine Politik der Nationalbank, die auch die Konjunktur, das Wohlergehen von Unternehmen und die Sicherung der Arbeitsplätze im Auge hat. Kurz: für so etwas wie einen gebändigten und staatlich regulierten Finanzmarkt, der auch im Interesse der Gesellschaft funktioniert.

Das ist nicht nach dem Geschmack von Christoph Blocher und seinem Freundeskreis von Hans Kaufmann bis Martin Ebner. Sie wollen zwar noch nicht die Abschaffung der FED, wie die amerikanischen Libertären, aber doch eine schwache, politisch eng kontrollierte Nationalbank. Sie setzen dafür, wie wir heute wissen, alle Mittel ein, ohne Rücksicht auch auf menschliche Verluste. Sie wollen einen schwachen, «schlanken» Staat für «freie kapitalistische Märkte», die «mit unsichtbarer Hand» alles zum Besten wenden, solange wir nur daran glauben – wie bei der amerikanischen Hypothekenkrise.

…und morgen die ganze Welt

Die «Masters of the Universe» haben zuerst Manhattan mit der Wall Street übernommen und dann die ganze City. Zwei Jahrzehnte nach Wolfes «Bonfire of the Vanities» sind die damaligen Zentren von Gewalt, Drogenkriminalität und Rassenhass zu den Hot Spots der New Yorker Szene geworden: mit neuen Geschäften, Restaurants und explodierenden Wohnungspreisen.

Aber, so Paul Harris im «Observer»: «Verbrechen, Armut und Rassenprobleme, die die 80er-Jahre kennzeichneten, sind klar kein Ding der Vergangenheit. Sie wurden ganz einfach aus dem Stadtkern vertrieben. In die Aussenbezirke, nach Brooklyn und in die Bronx, deren grosse Projekte in den Mainstream-Medien nur selten Aufmerksamkeit finden.»

Wie in der grossen Politik, die sich nur darum kümmert, wenn es knallt. In Londons Tottenham, in den Banlieus der französischen Grossstädte, oder vielleicht, mit der üblichen Verzögerung von zehn, zwölf Jahren, in den neu «gentrifizierten», mit der Szene der neuen Schönen und Reichen belebten Bezirken und Agglomerationen von Zürich. Oder gar im Zentrum selber.

Indes treiben die «Märkte», die Banken und die Rating-Agenturen die Staaten und ihre Regierungen vor sich her. Die politischen Führungsfiguren zum Beispiel in Deutschland versuchen, «die demokratische parlamentarische Mitbestimmung…marktkonform» auszugestalten, sprich: die demokratischen Entscheidungsmechanismen auszuhebeln. Wachstum vollzieht sich global vor allem als Wachstum von Armut und Arbeitslosigkeit. Der Mittelstand wird aufgerieben. Und die «Masters of the Universe» haben mit ihren Gehältern und Boni längst wieder Rekordmarken gesetzt.

Mehr noch: Die Meister des Börsen- und Machtspiels haben in Europas Krisenstaaten die politische Macht übernommen. Währungsfonds und Weltbank und Europäische Union EU diktieren die Eckpunkte der «Reform»-Politik nach den immer gleichen neoliberalen Rezepten: Sparen und Privatisieren, sprich: den Wirtschaftssektor ausbauen, der keiner demokratischen Kontrolle unterliegt. Und die Bürgerinnen und Bürger, die schon die Spielschulden der «Masters of the Universe» bezahlt haben, noch einmal bezahlen lassen: mit Senkung des Lebensstandards, Konkurs, Arbeitslosigkeit und Absinken in die Armut.

Banker an den Hebeln der politischen Macht

Um die «Verbankung» von Staat und Gesellschaft sicherzustellen, nehmen Banker nun auch direkt und persönlich die Hebel der Macht in die Hand. Wie der neoliberale Finanzmanager Pedro Passos Coelho als neuer Regierungschef von Portugal. Und wie die neuen Chefs in Griechenland, Italien und bei der europäischen Zentralbank EZB, die Wolfgang Streeck, Direktor des Max-Planck-Institutus in Köln, so beschreibt:

«Unter allgemeinem Aufatmen ging die Macht an in internationalen Finanzkreisen hochangesehenen Ökonomen-Technokraten über, von denen man hofft, dass sie der Logik ‚der Märkte’ endlich energisch Geltung verschaffen werden. Die Hoffnung ist prima facie nicht unberechtigt. Mario Monti, neuer Premierminister Italiens, zerschlug als europäischer Wettbewerbskommissar das deutsche öffentliche Bankensystem (woraufhin es sich mit dem Ankauf amerikanischer Schrottpapiere vergeblich zu sanieren versuchte); nach dem Ende seiner Brüsseler Amtszeit verdiente er sein Geld als Berater unter anderem von Goldman Sachs, dem grössten aller Schrottpapierproduzenten. Loukos Papadimos, jetzt Regierungschef in Griechenland, war Präsident der griechischen Zentralbank, als das Land sich mit gefälschten Statistiken den Zugang zur Währungsunion und damit unbegrenzten Kredit zu deutschen Zinssätzen sicherte. Hilfe bei der kreativen Bearbeitung der nationalen Kontenbücher kam damals übrigens von der europäischen Niederlassung von Goldman Sachs, deren Chef Mario Draghi war, der seit kurzem bekanntlich als Präsident der Europäischen Zentralbank fungiert. Die drei sollten gut miteinander auskommen.»


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

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